Jô Kondô

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genre(subgenre):
Musik (Komposition, Neue Musik)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
Japan
city:
Tokyo
created on:
June 25, 2003
last changed on:
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Jô Kondô
Jô Kondô

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Einstimmigkeit und Verschiedenartigkeit

Jô Kondô, 1947 in Tokio geboren, gilt als einer der profiliertesten japanischen Komponisten der Gegenwart, dessen Werk sich durch eine konsequent entwickelte eigene musikalische Handschrift auszeichnet. Er komponierte über 80 Solostücke, Orchesterwerke und Arbeiten für elektronische Musik, ist Professor für Komposition an der Elisabeth Musikhochschule in Hiroshima und unterrichtet an der Kunsthochschule Tokio. Seit April 2002 ist er ordentlicher Professor für Musikwissenschaft an der Ochnomizu University Tokyo. Jô Kondô veröffentlichte zahlreiche Texte zu Themen der Musik-Ästhetik und Kompositionstheorie.
Jô Kondô, 1947 in Tokio geboren, absolvierte sein Musikstudium 1968-1972 an der Tokyo National University of Fine Arts and Music bei HASEGAWA Yoshio (1907-1981) und MINAMI Hiroaki (*1934). Bereits 1970 (anlässlich der Weltausstellung in Osaka) erregt er mit seiner Komposition "Breeze" große Aufmerksamkeit. Es folgen weitere Stücke, in denen er – nach eigenem Bekunden – zunächst eklektisch aktuelle Trends in der westlichen Avantgarde aufgreift.

1973 entschließt sich Kondô zu einer radikalen ästhetischen Neuorientierung: Statt übergreifenden Systemdenkens und komplexer Strukturen bestimmt von nun an eine extreme Reduktion der musikalischen Mittel mit Konzentration auf Einzeltöne und elementare Klangereignisse sowie deren Hörbarkeit sein Schaffen. Inspiriert wird Kondô zunächst von der Minimal Music eines Steve Reich und Terry Riley. Ein Studienaufenthalt in New York (1977-1978) bringt ihn in engen Kontakt mit John Cage und Morton Feldman, die seine Musikauffassungen bestätigen und weiter beeinflussen. Nach ersten Lehraufträgen an der Tokyo Gakugei University (1976-1979) wird Kondô 1979 als Gastdozent an die University of Virginia (British Columbia) eingeladen.

Zurück in Japan unterrichtet er seit 1980 an der Ochanomizu University in Tokyo, erhält aber immer wieder Einladungen ins Ausland: z.B. 1986 als Senior Fellow des British Council nach London, 1987 als Composer-in-residence der Hartt School of Music in Hartfort (Conneticut) wie auch als Dozent an die Dartington International Summer School (England). 1988 wird er zum Professor für Komposition an die Elizabeth University of Music in Hiroshima berufen, unterrichtet zudem an der Tokyo National University of Fine Arts and Music. Seit April 2002 ist er ordentlicher Professor für Musikwissenschaft an der Ochnomizu University Tokyo.

1980 gründet er das "Musica Practica Ensemble" für zeitgenössische Musik, das er bis zu dessen Auflösung 1991 leitet. Sein kompositorisches Schaffen umfasst mittlerweile mehr als 90 Werke für viele Gattungen und Besetzungen. Überwiegend handelt es sich jedoch um instrumentale Kammermusik mit vergleichsweise kurzer Aufführungsdauer.

Die Werke der siebziger Jahre repräsentieren den sehr reduktionistischen Stil der von Kondô selbst so genannten "Sen no ongaku" (Musik der Linie), wobei es elementar um die sublime Kolorierung einer einzelnen Melodielinie geht. Das "Unisono-Ensemble" zielt darauf ab, durch die unterschiedlichen Klangfarben der einzelnen Instrumente die in der Einstimmigkeit verborgene Verschiedenartigkeit hörbar werden zu lassen.

In den achtziger Jahren beginnt Kondô die Harmonik neu zu endecken. Es entstehen Werke, in denen die zentrale Melodielinie durch eigentümlich fortschreitende Akkordklängen eine ungeahnte Weitung erfährt. In seinen jüngsten Kompositionen findet verstärkt eine Auseinandersetzung auch mit traditionellen syntaktischen und formalen Gestaltungsprinzipien von Musik statt. Bei diesem "Rückeroberungsprozess" verliert die ursprünglich postulierte Ästhetik des Anti-Expressiven mehr und mehr an Bedeutung und wird durch eine Neubewertung des "pseudo-rhetorischen" Charakters von Musik ersetzt.
Author: Heinz-Dieter Reese 

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

transonic 2003

new sound experience

(10 January 03 - 30 January 03)