Eduardo Abaroa

Article Bio Works Merits Projects
crossroads:
Gewalt, Sexualität
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Installation, Objektkunst)
instruments:
Bandoneon
region:
America, Central, America, North
country/territory:
Mexico, United States of America
city:
Mexiko-Stadt
created on:
May 31, 2003
last changed on:
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Article

Mexikanische Moritaten

Eduardo Abaroa wurde 1968 in Mexiko-Stadt geboren und stellt seit Mitte der neunziger Jahre international aus. Seine oft absurd erscheinenden Installationen und Modelle verbinden eine bunte und spielzeughafte Materialwahl mit ernsthaften, oft auch deprimierenden Themen, wie zum Beispiel dem der körperlichen Gewalt.
Einige von Abaroas frühen Arbeiten, wie etwa die Spielzeugserie „Freak Collection” (1995), sind beispielhaft für seine Methode. „Freak Collection” besteht aus einer Gruppe erfundener Charaktere, wie z. B. dem „Durchschnittlichen Psychopathen” oder dem „Verdammten Kolibri”, aber es gibt auch einige scheinbar normalere Akteure in der Gruppe, wie z. B. den Cowboy „Dick West” oder den „Kleinen Clown”. Jede Figur ist aus grünem Plastik gegossen und kommt in einer Box aus Plastik und Pappe individuell verpackt – Barbiepuppen und Aktionsfiguren nicht unähnlich. Jede der Figuren hat außerdem eigens ausgewähltes Zubehör, der Psychopath erscheint beispielsweise mit einer Schaufel und einer Kettensäge. Wie bei echten Spielzeugen sind auch die physischen Merkmale von Abaroas Figuren überzeichnet, aber im Gegensatz zu Barbiepuppen oder Ninja Turtles folgen diese Übertreibungen keinen Idealen von Schönheit, Männlichkeit oder Stärke. Stattdessen sind Abaroas Figuren von obszön übertriebenen Geschlechtsorganen gezeichnet. Der Kolibri stellt einen Penis zur Schau, der fast ebenso groß ist wie der gesamte restliche absurde Körper, der Clown ist nackt und hat Hängebrüste, und der Penis des Cowboys ist an einem Lasso befestigt. Abaroas Serie „Anatomische Mutmaßungen” (1995) zeigt ebenfalls eine Figurengruppe als Kinderspielzeug, diesmal sind es jedoch die allgemein bekannten Personen der Weihnachtsgeschichte. Abaroa verdreht die Ikonografie der Geschichte, indem er sämtliche Figuren „umkehrt”. So tragen die drei Könige ihre Pferde, Esel und Ochse sitzen um die Krippe, während Maria und Josef im Hintergrund auf allen Vieren stehen.

Eine weitere Gruppe mit Modellfiguren, „Der Geruch des Geschäfts” (1997) setzt Abaroas Interesse an der dunkleren Seit der menschlichen Psyche fort. „Der Geruch des Geschäfts” besteht aus acht kleinformatigen Modellen, bei der immer eine Figur jeweils einer anderen Foltermethode ausgesetzt ist. Jede Figur ist durch ein kleines Plastikskelett dargestellt, und kurze Begleittexte erläutern die Titel, Funktionen oder Rollen der Figuren. Einige Charaktere können nicht unmittelbar zugeordnet werden, während andere klar erkennbar sind, z.B. als Richter, Prostituierte oder Philosoph. Die Texte machen deutlich, dass alle Figuren eines Verbrechens beschuldigt werden, das sie gegen eine ungenannte administrative Einrichtung begangen haben sollen, offensichtlich ein totalitäres Unterdrückungsregime. Die Prostituierte ist vor eine Kanone gebunden, weil sie über die Penislänge eines einflussreichen Freiers gelacht hatte, und der Philosoph wird aufgespießt und gerädert, weil er Sinn für und Einsicht in so hehre Konzepte wie Vernunft und Moral erlangte. Der mexikanische Kritker Ruben Gallo hat die Arbeiten wie folgt beschrieben: „Die von diesen Skeletten bewohnte Welt ist das exakte Gegenteil der Utopie, wie sie von Thomas Morus und anderen Idealisten imaginiert wurde; sie ist eine reale Dystopie, eine prototypisch totalitäre Welt, deren zentrale Prinzipien Engstirnigkeit, Verschlagenheit und Ideenhass sind.” (Art Press, Nr. 243, Februar 1999)

Abaroas Arbeit „Augenpflanze” (1999) zeigt zwar keine Figuren aus der populären Vorstellungswelt, folgt aber einem mindestens ebenso surrealen Gefallen an eigentümlichen Situationen. Die Arbeit besteht aus einer Plastikzimmerpflanze (einer Margerite), in deren Krone sich ein Augapfel befindet. Aus dem unteren Ende des Auges wächst eine Rose nach unten, und eine bedrohlich große Biene oder Wespe nähert sich dem vegetativen System und wird gezeigt, wie sie in der Luft verharrt. Das Insekt ist vollständig aus einem Material gegossen, dessen fahlgelbe Farbe und stark gekrümmte Windungen augenblicklich an ein menschlichen Gehirn denken lassen. Diese furchterregende Zusammenstellung öffnet ein ganzes Arsenal an Referenzen und Deutungsmöglichkeiten und macht von der weiten Verbreitung von Insekten in Horrorfilmen und der in diesem Fall sehr vorteilhaften Ähnlichkeit des Augapfels und der Margeritenblüte Gebrauch.

Abaroas eigentümlich verspielten und tief verstörenden Arbeiten liegt eine bittere Kritik am Stand der Dinge und der Perversität, die den Lauf der Welt beherrscht, zugrunde. Zugleich lenken sie das Augenmerk auf die vielleicht noch verstörendere Fremdheit „echter” Kinderspielzeuge, an die wir uns so gewöhnt haben. Gallo nennt dies „Melancholia Mexicana”, eine Melancholie die „vom Zusammenbruch jener Werte, die für fast ein ganzes Jahrhundert die Essenz der nationalen Identität Mexikos ausgemacht haben”, zeugt. Der Kontrast, der zwischen Abaroas verspielten Materialien und der gewalttätigen Thematik seiner Arbeiten klafft, ähnelt , so Gallo, der „paradoxen Struktur unserer Gesellschaften. \... hinter der brillanten Farbigkeit der Prozac-Pille verbirgt sich der perverseste Agent der Homogenisierung und Normalisierung.”
Author: Christian Rattemeyer

Bio

geb. 27.06. 1968 in Mexiko-Stadt

Der Künstler und Kunstkritiker lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Studium:

1988-92
Studium an der Hochschule für Bildene Kunst, Mexiko-Stadt

1999-01
Master in Bildender Kunst am California Institute of The Arts, USA

Works

Weitere Aktivitäten

Film / TV
1997-1998 regelmäßige Kunstkritiken in "Reforma", eine der wichtigsten Tageszeitungen in Mexiko-Stadt 1996-1998 Kunstrezensionen im "Curare Bulletin", Mexiko-Stadt 1993-1995 Gründung und Mitarbeit in der Künstlergruppe Temistocles 44

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Metamorfosis“, Museo de Arte Contemporáneo de Oaxaca, Oaxaca, Mexiko „I´m he as you are he as you are me as we are all together.”, Central de Arte, Guadalajara, Mexiko „Declaraciones”, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, Spanien 2004 „Strange Planet“, Ernest G. Welch School of Art & Desing Gallery, Atlanta, USA „Made in Mexico”, The Institute of Contemporary Art, Boston, USA 2003 „Art 34 Basel”, Stand Galería OMR, Basel, Schweiz „Within Temporary Crossroads”, Central de Arte en WTC, Guadalajara, Mexiko „Mexico City: Eine Ausstellung über die Wechselkurse von Körpern und Werten“, KW Kunst-Werke Berlin e.V., Berlin „Monitor 2“, Gagosian Gallery, New York, USA 2002 „Axis Mexico: Common Objects and Cosmopolitan Actions”, San Diego Museum of Art, San Diego, USA ”Mesoamérica: oscilaciones y artificios”, Centro Atlántico de Arte Moderno, Las Palmas de Gran Canaria, Spanien „Mexico City: An Exhibition about the Exchange Rates of Bodies and Values”, P.S.1 Contemporary Art Center, New York, USA „Art 33 Basel”, Stand Galería OMR, Basel, Schweiz „ARCO´02”, Stand Galería OMR, Madrid, Spanien 2001 „La Persistencia de la Imagen“, Museo de Arte Carrillo Gil, Mexiko-Stadt, Mexiko 1999 „Economía de Mercato”, Galería Kurimanzutto, Mexiko-Stadt, Mexiko 1998 „Cambio”, Sandra Gering, New York, USA „Invisible Chase”, Jack Tilton Gallery, New York, USA 1997 „InSite’97”, Nuevos proyectos de arte público del continente americano, San Diego, USA „Inauténtico: Hecho en México”, Museo de las Artes, Guadalajara, Mexiko „Noche de los 1997 papeles”, Centro Universitario del Chopo, Mexiko-Stadt, Mexiko 1995 „Configura 2“, Dialog Der Kulturen, Erfurt „It’s my Life, I’m Going to Change the World”, ACME Gallery, Los Angeles, USA „Acné”, Arena México, Guadalajara, Mexiko „La demanda está en barata”, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko „Performance”, X’Teresa, Mexiko-Stadt, Mexiko „Acné”, Museo de Arte Moderno, Mexiko-Stadt, Mexiko 1994 „Performance“, X’Teresa, Mexiko-Stadt, Mexiko 1993 „Dinastía“, Museo del Chopo, Mexiko-Stadt, Mexiko „The Return of the Cadavre Exquis”, The Drawing Center, New York, USA „La regla del juego”, Temístocles 44, Mexiko-Stadt, Mexiko 1992 „Performance“, Museo del Chopo, Mexiko-Stadt, Mexiko 1991 „Madrecitas: obra de pequeño formato”, Pinto Mi Raya , Mexiko-Stadt, Mexiko „Reconsideración del paisaje”, La Sierra Jockey Club, Mexiko-Stadt, Mexiko 1990 „Ya juventud ya“, La Quiñonera, Mexiko-Stadt, Mexiko

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Contiene Glutamato“, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko 2004 „The Body Cavity Inspection Network”, Roberts & Titon Gallery, Los Ángeles, USA „Sólo los personajes cambian“, Museo de Arte Contemporáneo, Monterrey, Mexiko „Multitasquin“, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko 2003 „Allopathic extreme“, Jack Titon Gallery, New York, USA 2002 „Calimocho Styles”, Galeria OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko 1999 „Recent Models & Freaks“, Jack Tilton Gallery, New York, USA „Engendros del ocio y la hipocresía”, Museo Carrillo Gil, Mexiko-Stadt, Mexiko 1997 „Paseos del éter (línea muerta) control remoto”, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko 1996 „Bitácora artística“, CURARE, Mexiko-Stadt, Mexiko „Artículos epilépticos”, Art Deposit, Mexiko-Stadt, Mexiko 1995 „Reproducción parcial”, Arena México, Mexiko-Stadt, Mexiko „Don’t Give me no Ideas”, Iturralde Gallery, Los Angeles, USA 1994 „Wart Mart: Escultura e instalación”, Corpus Callosum, Mexiko-Stadt, Mexiko

Merits

1998
Fulbright - Garcia Nobles Grant

1992
Jovenes Creadores, Stipendium des Nationalen Fonds für Kultur und Künste, Mexiko-Stadt

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

MEXartes-berlin.de

The Mexico-festival in Berlin

(15 September 02 - 01 December 02)