Lotfi Bouchnak

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crossroads:
Islam, Tradition
region:
Africa, Northern
country/territory:
Tunisia
city:
Tunis
created on:
May 21, 2003
last changed on:
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Der tunesische Sänger, Oud-Spieler und Komponist Lotfi Bouchnak wurde in Rbat Halfaouine geboren, einem der ältesten Viertel von Tunis. Der Name Bouchnak verweist auf die Herkunft seiner Familie aus der türkischen Gemeinde in Bosnien. In Tunis wuchs Lotfi Bouchnak in dem Klima einer toleranten Gesellschaft auf, die von drei monotheistischen Religionen – dem Christentum, dem Judentum und dem Islam – geprägt war.
Schon als Kind liebte Bouchnak die Musik und hörte im Radio die Konzerte der Diva Oum Kalthoum, deren reiches musikalisches Repertoire entscheidenden Einfluss auf ihn ausübte. Er besuchte regelmäßig Sufi-Kreise und setzte sich mit dem tunesischen Nuba, dem orientalischen und dem andalusischen Musikerbe seiner Heimat auseinander.

Bouchnaks Meister ist Tawfiq Quwiwi. Darüber hinaus erhielt er seine musikalische Ausbildung bei führenden tunesischen Komponisten wie Ali Sriti, Saleh El Mehdi, Fethi Zgonda und Taoufik Dhouioui. Im Rahmen eines längeren Aufenthaltes in Kairo nahm er auch Verbindung zu namhaften Komponisten wie Sayed Makkaoui, Ahmed Sedki und Heni Chnouda auf.

Heute gehört Lotfi Bouchnak zu den berühmtesten Musikern seines Landes. Sein Repertoire umfasst sowohl klassische arabische Lieder, die auch in seiner Heimat zumeist schon fast vergessen sind, als auch eigene Kompositionen. Wesentlich für Bouchnaks Arbeit ist auch seine enge Verbindung zu berühmten Lyrikern wie Rached Al Maktoum, Adam Fethi und Jaafar Majed. Bouchnaks Schwerpunkt liegt in der Aufführung der klassischen arabischen Musikschule und es ist ihm gelungen, die Muascah-Tradition wiederzubeleben, die in der arabischen Musik schon fast verloren schien.

Lotfi Bouchnak gilt als ein bedeutender Interpret des tunesischen Ma’luf und als hervorragender Oud-Spieler. Er belebt die Spielweise seines Namensvetters Mustapha al Bushnak (1770 – 1856) wieder und hat die Tradition des „Goldenen Zeitalters” verarbeitet, in dem die Sänger durch das gesamte damalige islamische Reich reisten und an den Höfen der orientalischen wie auch der westlichen Herrscher spielten. Auf diese Weise entstand damals eine kosmopolitische Kultur, die große ägyptische, syrische, irakische, tunesische und türkische Musiker hervorbrachte wie Tawfiq Quwiwi – den Meister Bouchnaks – Salih al Mahdi, Sayyid Darwish, Salih Abd al Hayy und Sabah Fakrih.

Seit den neunziger Jahren betätigt sich Lotfi Bouchnak auch als Komponist. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner Kooperation mit dem Al Kindi Ensemble. Zwar traf er den Ensemblegründer Julien Jalal al-Din Weiss schon 1981 in Kairo, doch erst im September 1990 begann ihre Zusammenarbeit mit einer Tournee, die sie nach Japan und Europa führte. Gemeinsam mit dem Al Kindi-Ensemble nahm der tief religiöse Bouchnak eine CD auf, auf der sie die Anrufung der 99 Namen Allahs in Musik verwandelten.

Lotfi Bouchnak trat in nahezu allen arabischen Ländern auf. Seine Konzerte in der römischen Arena beim Festival von Karthago sind regelmäßig ausverkauft. Einen Meilenstein in der Geschichte der arabischen Musik bildete sein Konzert beim arabischen Musikfestival in Kairo, das ihm die Anerkennung von Musikliebhabern in der ganzen arabischen Welt eingebracht hat.

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Diskographie (Auswahl)

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Live in Berlin, Wergo, 2002 Lotfi Bouchnak Malouf Tunis, 1994