Dumile Feni

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crossroads:
Apartheid, Exil, Katastrophe
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Bildhauerei, Malerei, Zeichnung)
region:
Africa, Southern, Europe, Western, America, North
country/territory:
South Africa, England (UK), United States of America
created on:
June 13, 2003
last changed on:
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Der entgleiste Zug ist ein Symbol

Dumile Feni ist einer der Künstler, die die Apartheid in Südafrika am eigenen Leib erfahren haben. Mit Mitte Zwanzig ging Dumile 1968 ins Exil nach Großbritannien, später siedelte er über in die USA. Besonders seine Zeichnungen bestechen durch einen nervösen, expressiven Stil, in dem er häufig menschliche Katastrophen, Unglücke und schreckliche Verbrechen darstellte. Bekannt wurde Dumile auch durch seine Porträts von Nelson Mandela. Dumile Feni starb 1991 in New York
Katastrophen, Unglücke, schreckliche Geschehnisse sind Motive, die man im Schaffen des Malers, Zeichners und Bildhauers Dumile Feni häufig findet. Eine seiner bekanntesten Zeichnungen stammt aus dem Jahr 1966 und trägt den Titel „Railway Accident“: Schreiende, Flüchtende überall, zerschmetterte Leiber, verrenkte Gliedmaßen wie ausgewürfelt über das Blatt verteilt. Das Inferno ist über die Menschen gekommen. Dazwischen, als diagonale Dominante der Komposition, die stählerne Höllenmaschine, der entgleiste Zug, zerborsten auch er. Das blanke Entsetzen springt dem Betrachter entgegen aus diesem Bild – und eine Hoffnungslosigkeit, die sich wie ein dunkler Schleier über alles legt.

Dass diese Hoffnungslosigkeit sich nicht schicksalhaft und unausweichlich einstellt, sondern ihren Ursprung auch im Umgang seiner Landsleute untereinander hat, diese Haltung Dumile Fenis wird deutlich, wenn man seinen „Railway Accident“ mit einem Werk wie „The stricken Household“ vergleicht. „The stricken Household“, der „getroffene“ oder „betroffene Haushalt“ ist etwa zur selben Zeit entstanden, und auch die Darstellungen sind sehr ähnlich – nur dass hier das Leid nicht von der Technik herrührt, sondern offensichtlich von einem brutalen Überfall. Man sieht eine wacklige, in Mitleidenschaft gezogene Hütte und drum herum, die Arme weit ausgestreckt wie der Gekreuzigte, ihre erschlagenen Bewohner. Ein eindringliches Schreckensszenario, welches Dumile Feni wohl aus eigener Anschauung kannte.

Dumile Feni wurde in Worcester in Western Cape in Südafrika geboren, wann genau, ist nicht geklärt, die Angaben schwanken zwischen den Jahren 1939 und 1944. In Südafrika herrschte damals die menschenunwürdige Apartheid-Politik der weißen Oberschicht. Nicht selten entluden sich die fürchterlichen gesellschaftlichen Spannungen, die die Apartheid erzeugte, in Auswüchsen brutaler Gewalt. Andersdenkende wurden unterdrückt und in Gefängnisse gesteckt, die oft miserabel versorgten schwarzen Townships an den Rändern der großen Städte wie Kapstadt oder Johannesburg waren Schauplätze übler Verbrechen. Das war der Fundus, aus dem Dumile seine Bilderfindungen schöpfte. In Anlehnung an Francisco Goyas Kriegsbilder und Horrorvisionen aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert nannte man ihn den „Goya der Townships“, ein Ehrentitel, auf den Dumile wahrscheinlich gerne verzichtet hätte.

Seine erste Ausbildung absolvierte der Künstler in einer Keramikmanufaktur in Jeppe, Johannesburg. Während der Genesung von einer schweren Tuberkulose begann Dumile zu zeichnen und dekorierte am Ende ganze Wände des Krankenhauses, in dem er seinerzeit untergebracht war. Ab 1965 arbeitete er mit der engagierten Gallery 101 in Johannesburg zusammen, 1967 nahm er an der renommierten São Paulo-Biennale teil, ein Jahr darauf ging er dann ins Exil nach Großbritannien.

Stilistisch war Dumile dem figurativen Realismus verpflichtet, wobei sein nervös und dabei sehr präzise gesetzter Strich an die Expressivität etwa Egon Schieles erinnert. Seine künstlerischen Materialien waren oft sehr einfach, die Zeichnungen häufig in Kugelschreiber ausgeführt, was nicht zuletzt Dumiles bedrängter Lebenssituation geschuldet war. Dumile Feni starb 1991 in New York. Die ihm gebührende Anerkennung wurde ihm erst postum zuteil, obgleich er schon zu Lebzeiten zahlreiche Ausstellungen in Museen und wichtigen Galerien überwiegend in Südafrika und Großbritannien hatte. Auf Initiative einiger Mitglieder des African National Congress, besonders aber von Dumiles Freund Isaac Witkin und dem Konservator und Bronzegießer John Phillips wurden 1996 Mittel zur Verfügung gestellt, um Dumiles Werke aus den USA zurück nach Südafrika zu holen und diese in die Bestände der Südafrikanischen Nationalgalerie in Kapstadt einzugliedern. Für das Jahr 2003 plant die Johannesburg Art Gallery eine große Retrospektive mit Arbeiten von Dumile Feni.

Author: Ulrich Clewing

Bio

Geboren zwischen 1939 und 1944 (genaues Datum unbekannt)
Lehre in der Block and Leo Wald Sculpture, Pottery and Plastic Foundry, Johannesburg
1968 Auswanderung nach Großbritannien, später Übersiedelung in die USA
Artist in Residence am African Humanities Institute, University of California, Los Angeles
Gastprofessor am Massachusetts College of Art, Boston
1994 in New York verstorben

Works

Exhibition / Installation,
2003

The Short Century, exhibition catalogue, München, London, New York 2001

Published Written,
2001

The Short Century, Museum Villa Stuck, München; Haus der Kulturen der Welt, Berlin, Germany; Museum of Contemporary Art, Chicago, USA.

Exhibition / Installation,
2001

Johannesburg Art Gallery, Südafrika.

Exhibition / Installation,
1989

La Galleria, New York, USA.

Exhibition / Installation,
1988

South African National Gallery,Kapstadt, Südafrika.

Exhibition / Installation,
1977

Goodman Gallery, Johannesburg, Südafrika.

Exhibition / Installation,
1975

Grosvenor Gallery, London; Camden Arts Centre, London,Großbritannien.

Exhibition / Installation,
1969

São Paulo Biennale, Brasilien.

Exhibition / Installation,
1967

101 Gallery, Johannesburg, Südafrika.

Exhibition / Installation,
1965

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)