Isang Yun-Ensemble Pjöngjang

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additional name:
Isang Yun-Musikinstitut
genre(subgenre):
Musik (Neue Musik)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
Korea, North (Democratic People's Republic of Korea)
city:
Pjöngjang
created on:
May 23, 2003
last changed on:
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Neue Musik und die Hoffnung auf die Versöhnung Koreas

Das Isang Yun-Ensemble Pjöngjang, zu dem 54 Musiker gehören, führt kleiner besetzte Werke Isang Yuns auf. Es wurde 1990 gegründet und ging aus dem Isang Yun-Musikinstitut in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang hervor, das seit seinem Bestehen im Dezember 1984 das Œuvre Isang Yuns erforscht und verbreitet. 1999 war das Isang Yun-Ensemble auf Einladung des Hauses der Kulturen der Welt zum ersten Mal auf Deutschlandtournee.
"Komponieren bedeutet für mich, Geheimnisse zu suchen und zu finden, ein Land des Experiments", beschrieb einmal der 1995 in seiner Wahlheimat Berlin verstorbene koreanische Komponist seine Arbeit. Sein Werk ist von dem lebendigen, flexiblen Ton der traditionellen Musik seiner Heimat inspiriert und zugleich auch europäischen Kompositionsverfahren verpflichtet. Yun verschmolz östliche und westliche Ausdrucksformen zu einer eigenständigen und unwiederholbaren Musiksprache. Er komponierte in Europa u.a. vier Opern, zahlreiche Orchesterstücke - Instrumentalkonzerte sowie fünf Symphonien - und Kammermusikwerke. "Ein Komponist kann die Welt, in der er lebt, nicht gleichgültig betrachten. Menschliche Leiden, Unterdrückung, Unrecht... all das kommt zu mir in meinen Gedanken. Wo es Schmerzen gibt, wo es Unrecht gibt, will ich mitsprechen durch meine Musik", merkte Isang Yun einmal zu der politischen Dimension seiner Kunst an (Isang Yun, 1983, zit. nach: www.yun-gesellschaft.de/bio.htm).


Das Œuvre Isang Yuns kennenzulernen, zu fördern und zu erforschen hat sich das im Dezember 1984 in der Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Korea gegründete Isang Yun-Musikinstitut zur Aufgabe gemacht. Das Isang Yun-Ensemble Pjöngjang ging aus dem Musikinstitut hervor und ist Teil des Instituts. Personell war das Institut zunächst mit einem Leiter und fünf Musikwissenschaftlern besetzt. 50 weitere Mitglieder – Interpreten, Musikforscher und Musikpublizisten – trafen sich regelmäßig, um Informationen auszutauschen, Musik zu hören und Fragen der neuen Musik zu diskutieren. Isang Yun förderte die Arbeit des Instituts, indem er jedes Jahr einige Wochen in Pjöngjang verbrachte, wo er Kurse zur Komposition und Interpretation hielt. Er unterstützte das Institut auch durch Partituren, Tonträger und weitere Materialien, schließlich durch Arbeitsmittel wie HifFi-Geräte.

Das Interesse an Isang Yun und seiner Musik hatte im August 1982 begonnen mit der nordkoreanischen Erstaufführung des Orchesterstücks „Exemplum in memoriam Kwangju“ (1981), das Yun aus Protest gegen die brutale Unterdrückung des Volksaufstands in der südkoreanischen Provinzhauptstadt Kwangju (Mai 1980) komponiert hatte.

Seither wurde in Pjöngjang alljährlich ein Isang Yun-Festival ausgerichtet: In Orchester- und Kammermusik-Konzerten wurden Kompositionen Yuns mit klassich-romantischen sowie neueren Werken kombiniert. Zum Isang Yun-Festival gehörten aber auch Vorträge sowie Workshops für Komponisten und Interpreten. Als Gäste des Festivals wirkten mit der Aufführung der Werke Isang Yuns langjährig vertraute Solisten und Dirigenten aus der Schweiz, der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und den USA mit. Bis 1997 erklang in Pjöngjang – mit Ausnahme der Opern sowie einiger Orchester- und Kammermusikwerke – fast das gesamte Œuvres Isang Yuns.

Am Isang-Yun-Festival war bis 1989 überwiegend das National Symphony Orchestra Pjöngjang beteiligt. Isang Yun erwirkte für dieses Orchester Einladungen nach Europa; es gastierte u.a. beim Warschauer Herbst 1986 mit seinem „Konzert für Klarinette und Orchester“ (1981) und seiner „Symphonie I“ (1982/83). Nordkoreanische Einspielungen von Yuns „Symphonie I“ und „Loyang“ für Kammerensemble (1962/64) sind bei Camerata Tokyo auf CD erschienen; das Orchesterwerk „Exemplum in memoriam Kwangju“ und das Oratorium „Naye ddang, naye minjogiyo!“ („Mein Land, mein Volk!) (1986/87) wurden auch in der Bundesrepublik (bei der classic produktion Osnabrück) auf CD veröffentlicht.

Mit jüngeren Musikern wurde 1990 das dem Isang Yun-Musikinstitut angegliederte Isang Yun-Ensemble Pjöngjang gegründet, das kleiner besetzte Werke erarbeitet und aufführt. Im Jahr 1999 war das Ensemble auf Einladung des Hauses der Kulturen der Welt zum ersten Mal auf Deutschlandtournee. Das Label WERGO spielte im Rahmen dieser Tournee die CD „Isang Yun (1917- 1995). Streichquartett Nr.5“ mit dem Ensemble ein.

In den Jahren 1991-93 erhielt das Isang Yun-Musikinstitut ein eigenes Haus: In dem mehrstöckigen Neubau befindet sich auch ein Konzertsaal mit 600 Plätzen. Zu den Arbeitsbereichen des Instituts zählen – über die Auseinandersetzung mit Yuns Musik, seinem Werk und Wirken hinaus – westliche klassische und neue Musik, traditionelle koreanische Musik, Komposition, Musiktheorie und Interpretation. Das Isang-Yun-Musikinstitut gibt ferner die Zeitschriften Music Study und Music World heraus. Zum Institut gehören heute 130 Mitarbeiter, darunter 54 Musiker des Isang Yun-Ensembles sowie 18 Mitglieder eines Ensembles traditioneller koreanischer Musik.


Veranstaltungen im HKW:
Donnerstag, 6. Mai 1999
Freitag, 7. Mai 1999
im Haus der Kulturen der Welt

Konzertprogramm:

Tapis für Streicher (1987)
Trio für Klarinette, Fagott und Horn (1992)
Pièce concertante für Kammerensemble (1976)
Streichquartett V (1990)
Pezzo fantasioso für Flöte, Violine und Violoncello (1988)
Teile Dich Nacht. Drei Gedichte von Nelly Sachs für Sopran und Kammerensemble (1980)

Musikalische Leitung: Kang Ryong Ung

Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt in Zusammenarbeit mit dem Isang Yung-Musikinstitut, Pjöngjang

Works

Isang Yun (1917- 1995). Streichquartett Nr.5

Published Audio,
1999
Wergo 1999
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"Titel 04"

von der vom Haus der Kulturen der Welt herausgegebenen CD "Isang Yun"
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