Mary Jordan

Article Bio Works Merits Projects
crossroads:
Gender, Menschenrechte, schwul und lesbisch
genre(subgenre):
Film (Dokumentarfilm)
region:
America, North
country/territory:
United States of America, Canada
created on:
August 20, 2007
last changed on:
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Article

Porträts eines ungewöhnlichen Künstlers

Mary Jordan, von albanischer Herkunft und in Kanada geboren, hat in allen Kontinenten gelebt und meist im Bereich des Films gearbeitet. Ihr Werk bezieht sich meist auf das Thema der Menschenrechte. Ihr 2006 entstandener erster langer, mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm „Jack Smith and the Destruction of Atlantis“ porträtiert den einflussreichen und vielseitigen New Yorker Underground- und exzentrischen Lebenskünstler Jack Smith (1932-1989). Sein heute meist vergessenes ungewöhnliches Leben und Werk wird mit diesem Film wieder lebendig und zur Diskussion gestellt.
Mary Jordan arbeitet hauptsächlich als Regisseurin und Drehbuchautorin. Ihre Dokumentarfilme gelten den Menschenrechten und wurden unter anderem von BBC, ABC und PBS gesendet. Sie handeln von Klitorisbeschneidung in Afrika, von Flüchtlingslagern an der Grenze zwischen Thailand und Burma, von Kinderarbeit und Prostitution in Südostasien, von asiatischen Rebellenführern und indigener Musik in Tonga.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Jordans erster langer Dokumentarfilm „Jack Smith and the Destruction of Atlantis“ (2006), für den sie Regisseurin, Drehbuchautorin und Mitproduzentin war. Er handelt von dem legendären New Yorker Künstlerbohemien Jack Smith (1932-1989). Über die Entstehungsgeschichte des Films schreibt sie: „Irving zeigte mir ein Foto von Jack und ich war wie vor den Kopf geschlagen. Mir gelang es, eine illegale Kopie von (Jacks berüchtigtem Film von 1963) ‚Flaming Creatures’ auf VHS ausfindig zu machen. Der Film war interessant, verwirrend, schön, atemberaubend. Ich war schockiert, dass er nicht für mehr Leute erreichbar war, denn es war ein äußerst wichtiges, einflussreiches Werk, das einfach in der Versenkung verschwunden war. Ich erkannte, dass es hier um eine Geschichte ging, die erzählt werden musste.“ Zum Charakter des Films fügte sie noch hinzu: „Es ist nicht der normale Dokumentarfilm. Es ist mehr ein Kunstwerk, eine Collage, eine Ausgrabung, die zu der phantastischen Welt von Jack Smith führt. John Waters sagte einmal, dass Jack der war, der alles zum ersten Mal tat. Genau das möchte ich in diesem Film zeigen.“ (aus: 25 NEW FACES OF INDEPENDENT FILM 2005, Filmmaker Magazine)

„Jack Smith and the Destruction of Atlantis“ setzt sich aus verschiedensten Materialien zusammen, sowohl Archivdokumente aus Smiths Leben, Auszüge aus Filmen und Radiosendungen, als auch Gespräche mit Zeitgenossen, die ihn gut kannten, wie Ira Cohen, Tony Conrad, Gary Indiana, Taylor Mead, Jonas Mekas, Mario Montez, John Zorn und John Waters (ein „Who’s Who of the Underground“, wie Michael Joshua Rowin schreibt) sowie heutigen Künstlern und Kritikern. Jack Smith gilt – laut Filmwerbung – „vielleicht als Amerikas einflussreichster Künstler der letzten fünfzig Jahre“, dessen visionäre Camp-, Queer- und Trash-Ästhetik sich bei Andy Warhol, Federico Fellini und Matthew Barney wieder findet und der auch Laurie Anderson, David Lynch, Cindy Sherman und Robert Wilson inspiriert haben dürfte. Er wird als „Gottvater der Performance-Kunst, als stilbildender Fotograf und William Blake des Films“ bewundert und im Film als „ultimativer Anti-Held und König des Untergrunds“ porträtiert. (www.jacksmithandthedestructionofatlantis.com/film.swf)

Jack Smith, der in den Fünfzigern von Ohio nach New York kam und sich schon bald in der Kunstszene der Lower East Side einen Namen machte, war ein Provokateur und Schamane, ein Einzelgänger und Experimentator, der die Filme von Joseph von Sternberg bewunderte, aber sich auch von Maria Montez, B-Movies des Horrorgenres und Busby Berkeley Musicals angezogen fühlte. Sein erotisch-anarchischer Film „Flaming Creatures“ von 1963 löste einen Skandal aus und wurde in mehreren Staaten der USA verboten. Danach stellte er keinen weiteren Film mehr fertig. Durch seine künstlerische und politische Kompromisslosigkeit geriet Jack Smith allmählich in die Isolation. Er starb unter ärmlichen Verhältnissen an Aids.

Mary Jordans Hommage an Jack Smith wird im Filmprogramm des HKW zum New York-Festival 2007 im Rahmen der Sektion „Counter Cinema“ gezeigt, das dem „aktiven Protest gegen die dominierende Erzähltradition Hollywoods“ gewidmet ist. Ihr Dokumentarfilm zeigt das Leben einer „Ikone des unabhängigen US-Experimentalfilms (...) in der knallbunten Ästhetik des Flowerpower-Kinos“ und „blättert zugleich ein Stück Moral- und Sittengeschichte der USA auf“.
Author: Michael Nungesser

Bio

Mary Jordan wurde 1970 als Tochter albanischer Einwanderer in Halifax / Nuova Scotia in Kanada geboren und lebt heute meist in New York. Sie wuchs in Toronto und in der New Yorker Bronx auf und kam durch ihren Großvater mütterlicherseits, der u.a. Baumeister und Bildhauer war, früh mit Kunst in Berührung. Mit 16 Jahren studierte sie Kunst und Architektur an verschiedenen Universitäten. An der London School of Economics legte sie ihren Master in Kulturanthropologie ab. Ihr besonderes Interesse galt Initiationsriten, matriarchalischen und polygamen Gesellschaften, zum Beispiel in Papa Neuguinea. Mit 18 Jahren drehte sie nach einer Reise durch Nordafrika ihren ersten Dokumentarfilm über Klitorisbeschneidung in Afrika, mit 20 war sie Produzentin bekannter kanadischer Regisseure wie Steve Chase und Marco Brambilla. Sie arbeitete auch für US-amerikanische Filmgesellschaften, von der Beschaffung der Requisiten bis zur Produktion. In Sydney (Australien) gründete sie die Produktionsfirma Indigo Blue für Musikvideos und kommerzielle Filme und war Agentin für Talente.
Mary Jordan ist Kuratorin und Gastgeberin der Burmese Tea Ceremony. Das sind Performances, die sie jährlich dort, wo sie gerade lebte (Asien, Australien, USA/ San Francisco) in privaten Räumen veranstaltete. In San Francisco traf sie 1999 in der Kaliflower Kommune den Schriftsteller Irving Rosenthal, Gründer dieser Kommune und Herausgeber vieler Autoren der Beat-Generation. Er machte sie auf den früh an Aids verstorbenen Künstler, Bohemien und einstigen Freund Jack Smith aufmerksam, über den sie 2006 den viel beachteten und mit Preisen bedachten Film „Jack Smith and the Destruction of Atlantis“ drehte. 2005 wurde Mary Jordan von der Zeitschrift „Filmmaker“ als eine von 25 „New faces of independent film“ ausgezeichnet. Im selben Jahr organisierte sie in The Old Chelsea Y.M.C.A. in New York eine Ausstellung über Jack Smith, bei der Filme, Fotografien und Radiosendungen von ihm sowie Interviews mit Zeitzeugen zur Aufführung gelangten. In New York veranstaltet Mary Jordan auch Performances mit der Frauengruppe Parthenogenesis.

Works

Ausgewählte Werke/Bibliografie

Film / TV
FILMOGRAFIE 1988 Female Circumcision (TV) 1992 Quiet Power (TV) 1995 Can It! (TV) 1996 Tribal Music of Tonga (TV) 1997-98 Thai-Burmese Border Conditions – Médecins Sans Frontières 2006 Jack Smith and the Destruction of Atlantis GRUPPENAUSSTELLUNGEN 2011 "The Water Tank Project" 2009 ISSUE Project Room, Brooklyn, NY. USA; Documentai, Santa Monica, CA. USA; Salon des Amateurs, in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle und dem Independent BlackBox Cinema, Düsseldorf; Engine Collision Festival, Los Angeles, USA; 2008 Nuit Blanche, Paris, France Galerie Daniel Buchholz, Köln 2007 New York - States of Mind, Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Brisbane Powerhouse, Brisbane, Australien; Centre de Cultura Contemporànea de Barcelona, Barcelona, Spain Reel Artists Film Festival, Toronto, Kanada; Thessaloniki Documentary Festival, Thessaloniki, Griechenland; 2006 Louis K Meisel Gallery, installation art group show, New York, USA; Los Angeles Film Festival, Los Angeles, USA; Rotterdam Film Festival, Rotterdam, Niederlande; Sydney Film Festival, Sydney, Australien BIBLIOGRAFIE Richard Corliss, A Feast of Documentaries: Portraits of the Angry Artist, in: The New York Times, 5.5.2006. Michael Joshua Rowin, Review | Flame Out: Mary Jordan´s "Jack Smith and the Destruction of Atlantis", in: www.indiewire.com/movies/2007/04/review_flame_ou.html 25 New Faces of Independent Film 2005, Filmmaker Magazine, in: www.filmmakermagazine.com/summer2005/features/25_faces11-15.php Jordan Does Right by Jack, in: Filmmaker Magazine, 27.4.2006 www.jacksmithandthedestructionofatlantis.com/

Merits

2006
Spezielle Erwähnung (für: Jack Smith and the Destruction of Atlantis), Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, Leipzig (Deutschland)
Ehrenvolle Erwähnung (für: Jack Smith and the Destruction of Atlantis), Tribeca Film Festival, New York

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

New York

Exhibition, Film Programme, Music, Conferences

(23 August 07 - 04 November 07)