Nagisa Oshima

Article Bio Works
crossroads:
Sexualität, Zensur
genre(subgenre):
Film (Erotikfilm, Melodrama, Spielfilm)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
Japan
city:
Kyoto
created on:
May 26, 2003
last changed on:
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Nagisa Oshima
Nagisa Oshima © Freunde der Deutschen Kinemathek e.V.

Article

Der japanische Altmeister

Der 1932 in Kyoto, Japan, geborene Nagisa Oshima gehört zu den bedeutendsten, aber auch kontroversesten japanischen Regisseuren der Nachkriegszeit. Seine Filme verbinden innovative Ästhetik und radikale Ansichten, wie sie charakteristisch sind für das internationale Kunstkino von 1965 bis 1975. Oshimas Karriere begann mit dem Beginn der Neuen Welle im japanischen Kino Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre und dauert bis heute an. Bereits Ende der sechziger Jahre war sein erster Film in Deutschland zu sehen. Große Bekanntheit errang er 1976 mit "Ai No Corrida" / "Im Reich der Sinne".
Die Filme des Regisseurs Nagisa Oshima reflektieren den modernen Kapitalismus in Japan und zeigen, was es heißt, Japaner zu sein in einer Zeit, die bestimmt ist von rasanter Industrialisierung und Verwestlichung. "Wir, unsere Generation der ungefähr zwischen 1930 und 1940 Geborenen, begannen mit großen Meistern. Diese hatten eine innere Gewissheit, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Wir aber hatten diese Gewissheit nicht mehr, wir wussten nicht, ob diese unsere Sicht der Realität noch stimmte. Stilistisch und methodisch begannen wir zu experimentieren, wir haben versucht, die Sehweise zu wechseln, haben begonnen, eine neue Sicht zu finden", erläutert Oshima das Anliegen der Filmemacher der Neuen Welle. (Zit. nach: Walter Ruggle, "Die Zeit der Leidenschaften. Aufbruch im japanischen Kino", Tages-Anzeiger, 8. Juni 1996).

Viele der frühen Filme Oshimas, der 1951 zu den führenden Köpfen der Studenrevolte in Japan gehörte, zeigen rebellierende Jugendliche und junge Akademiker, die aus einfachen Verhältnissen kommen und mit ihrem Leben nicht zurecht kommen ("Ai To Kibo No Machi" / "Eine Stadt voller Liebe und Hoffnung", 1959, "Seishun Zankoku" / "Nackte Jugend", 1960, oder "Taiyo No Hakaba" / "The Sun’s Burial", 1960). Grobkörnig und mit der Handkamera gedreht, erzählt der Spielfilm "Furyo Shonen" / "Die Bewährung (1961) die Geschichte einer Handvoll jugendlicher Delinquenten und verfolgt einen von ihnen in die Gefangenschaft in der Umerziehungsanstalt.

Andere wichtige Filme Oshimas sind "Koshikei" / "Tod durch Erhängen" (1968), in dem der Regisseur den japanischen Staat wegen seines Umgangs mit einem Koreaner anklagt. "Shonen" / "Der Junge" (1969) dreht sich um den brutalen Missbrauch eines Kindes für Erpressungen. "Tokyo Senso Sengo Hiwa" / "The Man Who Left His Will On Film" (1970) beschreibt kritisch die Produktionsbedingungen der japanischen Filmindustrie. Und "Gishiki" / "Die Zeremonie" (1971) schildert die japanische Nachkriegsepoche im Mikrokosmos einer reichen Familie.

Der Film, der Oshima im Westen bekannt macht, ist "Ai no corrida" / "Im Reich der Sinne" (1976). Der Ruf, der dieser Produktion vorauseilt, führt zur Beschlagnahmung der Kopie am 2. Juli 1976 im Auftrag des Amtsgerichts Tiergarten durch die Kripo während einer Vorführung des Internationalen Forums des Jungen Films in Berlin.

"Ai no corrida" erzählt die Geschichte einer sexuellen Leidenschaft, die bis in den gewaltsamen Tod führt. "Zwar wendet Oshima sämtliche Regeln der pornographischen Kunst an, um die wahre Geschichte der sexuellen Beziehung zwischen Kichizo und Seba nachzuerzählen. Aber erst die Macht seiner Bilder und der bezwingend langsame Rhythmus des Films lassen die dargestellten Sexszenen zu einem Nebenschauplatz werden. Sinnlich ist Im Reich der Sinne deshalb, weil er die Sexualität isoliert und ihr den Platz gibt, sich als mächtige und entmächtigende Kraft zu entfalten", schrieb Doro Wiese in der taz (26. Juli 2001). Auch die internationale Kritik in Cannes urteilte positiv: Sie bescheinigte dem Film "hohe künstlerische Qualität sowie wichtige politische und ästhetische Einsichten".

In den letzten Jahren dreht Oshima nicht nur in Japan. "Realm of the Senses" (1976), "Merry Christmas, Mr. Lawrence” (1983) und "Max, Mon Amour” (1987) entstanden im Ausland.

Nach über 14 Jahren drehte Oshima 1999 "Gohatto” / "Taboo", einen Film über homosexuelle Liebe unter Samurai. Ein ästhetisch streng durchkomponiertes Werk, in dem Oshima sich einmal mehr seinem Lieblinsthema widmet: der Macht der Sexualität und den zerstörerischen Kräften irrationaler Leidenschaften.

Oshima arbeitet – was im Westen weniger bekannt ist – nicht nur als Kino-Regisseur, sondern auch als Fernsehregisseur und Dokumentarfilmer. Darüber hinaus hat er sich auch als Filmtheoretiker einen Namen gemacht.


Veranstaltungen im HKW:
29. Juli 1992
Mittwochskino
Außenseiter
Shonen / Der Junge
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt
Mittwoch, 6. April 1994
Mittwochskino
Love Stories
Im Reich der Sinne
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Sonntag, 18. September 1994
Sonntag, 16. Oktober 1994
Japan - Sakrale Räume
Kyôto, My Mother´s Okace
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt in Zusammenarbeit mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin und dem Forum Guardini


Author: Gabriele Gillner 

Bio

Der am 31. März 1932 in Kyoto, Japan, geborene Oshima studierte Jura mit Schwerpunkt politischer Geschichte an der Universität seiner Heimatstadt, bevor er 1954 anfing, als Assistent des Direktors beim Shochiku Studio zu arbeiten. Schon nach wenigen Jahren ist er desillusioniert über die Bedingungen in der traditionellen Studioproduktion und gründet 1965 seine eigene unabhängige Produktionsfirma Sozosha. Zusammen mit anderen japanischen Filmemachern der Neuen Welle, wie Masahiro Shinoda, Shohei Imamura und Yoshishige Yoshida, opponiert er gegen die Filme von Yasujiro Ozu, Kenji Mizoguchi und Akira Kurosawa, die in ihren Arbeiten das Schicksal des Einzelnen in den Mittelpunkt stellen.

Oshima beschäftigt sich in seinen Filmen hauptsächlich mit den Spannungen und Widersprüchen der japanischen Gesellschaft in der Nachkriegszeit. Viele seiner Filme erhalten internationale Auszeichnungen.

Seit 1980 ist er Präsident der japanischen Regisseursgilde.

Works

Gohatto

Film / TV,
1999

Nagisa Oshima´s 100 Years of Japanese Cinema

Film / TV,
1994
100 Years of Japanese Cinema (TV) Series

Kyoto, My Mother´s Place

Film / TV,
1991

Max, mon amour

Film / TV,
1986

Seishun zankoku monogatari / Naked Youth

Film / TV,
1986
1960 / Nackte Jugend, 1986

Merry Christmas, Mr. Lawrence / Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence

Film / TV,
1983

Ai no borei/ Im Reich der Leidenschaft

Film / TV,
1978

Ai no corrida/ Im Reich der Sinne

Film / TV,
1978

Denki mo-taku-to / The Life of Mao

Film / TV,
1976
(TV)

Natsu no imoto / Dear Summer Sister

Film / TV,
1972

Gishiki/ Die Zeremonie

Film / TV,
1971

Tokyo senso sengo hiwa / The Man Who Left His Will on Film

Film / TV,
1970

Mo-taku-to to bunka daikakumei / Mao Tse-Tung and the Cultural Revolution

Film / TV,
1969
(TV)

Shonen

Film / TV,
1969

Kaette kita yopparai/ Rückkehr der drei Trunkenbolde

Film / TV,
1968

Koshikei/ Tod durch Erhängen

Film / TV,
1968

Shinjuku dorobo nikki/ Tagebuch eines Diebes aus Shinjuku

Film / TV,
1968

Muri shinju: Nihon no natsu / Double Suicide

Film / TV,
1967

Nihon shunka-ko / Sing a Song of Sex

Film / TV,
1967

Ninja bugei-cho / Band of Ninja

Film / TV,
1967

Hakachu no torima / Violence at High Noon

Film / TV,
1966

Etsuraku / The Pleasures of the Flesh

Film / TV,
1965

Yunbogi no nikki / Yunbogi´s Diary

Film / TV,
1965

Aogeba totoshi / Ode to an Old Teacher

Film / TV,
1964
TV

Aru kokutetsu-jomuin / Before and After the Called-Off Strike of April 17th

Film / TV,
1964
TV

Chiisana boken ryoko / A Small Child´s First Adventure

Film / TV,
1964

Chita Niseigo taiheio odan

Film / TV,
1964
(TV)

Watashi wa Bellett / It´s Me Here, Bellett

Film / TV,
1964

Amakusa shiro tokisada / The Rebel

Film / TV,
1962

Taiyo no hakaba / The Sun´s Burial

Film / TV,
1961

Shiiku / The Catch

Film / TV,
1961

Nihon no yoru to kiri / Nacht und Nebel über Japan

Film / TV,
1960

Ai to kibo no machi / Eine Stadt der Liebe und Hoffnung

Film / TV,
1959