Maria José Arjona

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crossroads:
Erinnerung, Gewalt, Körper, Zeit
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Performance)
region:
America, South, America, North
country/territory:
Colombia, United States of America
created on:
May 15, 2009
last changed on:
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Maria José  Arjona
Maria José Arjona. Untitled. Credits: Ted Hartshorn. Courtesy the artist

Article

Aussagekräftig ohne Botschaft

Die performativen Sprachräume von Maria José Arjona

Wie ein schillerndes Nichts schwebt das zarte Gebilde durch den Raum. Die dünne Haut aus Seifenschaum zittert unter dem Luftwiderstand. Seifenblasen überall. Dazwischen eine schlanke androgyne Frau in Weiß. Ein Bild, das die Erinnerung an unbeschwerte Kinderspiele wachruft und gleich spurlos an der makellosen Wand zerplatzen wird. Doch diese ganz besonderen Seifenblasen sind keine poetischen Metaphern und sie sterben auch nicht einfach widerstandslos und rückstandsfrei den Seifenblasentod. Sie hinterlassen einen roten, hässlich schmierigen Abdruck auf der Wand. Je mehr Seifenblasen die Frau sanft in die Luft pustet und in Richtung Wand schaukeln lässt, desto mehr wird diese von unzähligen solchen Malen überzogen und auch die Kleidung, die Hände, das Gesicht der Performerin sind zunehmend von der getönten Flüssigkeit gezeichnet. Das Bildidyll kippt um in ein Albtraumgemälde. Nichts an ihm ist mehr kindlich, die Schönheit der Szenerie ist schrecklich: Die Wand blutet.
Die gebürtige Kolumbianerin Maria José Arjona verbindet ein Gespür für die Körperlichkeit einfacher Materialien mit der Überdehnung unseres theatralen Zeitempfindens – bis dem Geschehen jede szenische Ökonomie und Ereignishaftigkeit verloren geht. Es ist keine Überraschung, dass sich ihre Arbeit nach einer langjährigen Tanzausbildung, die sie im Alter von fünf Jahren mit Ballettstunden beginnt, und einem Studium der Bildenden Kunst in Bogota letztlich in der Performance Art angesiedelt hat. Arjona eröffnet bildnerisch-performative Räume, in denen die Zeit sich in ein prozesshaft intensiviertes Erlebnis von Dauer verwandelt und Sinn nicht mehr als Botschaft, sondern als sinnliches Geschehen erscheint. Ähnlich motiviert war auch ihre Idee zu dem Seifenblasenmassaker „Untitled“ (2008): Gewalt nicht kein Titelseitenevent, sondern ein Prozess, der sich in den Raum einschreibt und sowohl ihn wie auch uns körperlich affiziert.

Bisher wurde die Arbeit von Maria José Arjona vor allem in Kolumbien und in ihrer Wahlheimat USA rezipiert und ausgestellt. 2009 war sie als Residentin zu Gast in Robert Wilsons Kunstzentrum Watermill, für das sie die Performance-Serie „A line of thought, a line of action, a line of?“ entwickelte. Wieder standen der Widerstand, die Materialität und das Potenzial vorgefundener Räume im Mittelpunkt, die Arjona in Performance-Interventionen und Zeichnungen erkundete.

Die meisten ihrer Performances haben den Charakter solcher Einschreibungen in Räume. Ihre Kraft entwickeln sie aus der Balance zwischen Behutsamkeit, Nachhaltigkeit und Penetranz. So etwa das Folgeprojekt zu „Untitled“ mit dem Titel „Remember to Remember“, in dem die blutigen Spuren der ersten Aktion im wörtlichen Sinn „überschrieben“ werden. Stundenlang schreibt Arjona diese Formel – „Erinnere, um zu erinnern“ – mit weißer Kreide über dieselbe besudelte Wand, bis das Seifenblasenschlachtfeld überdeckt ist und wieder ausgeweißt durch eine matte Schicht aus Kreidestaub. Eine „Erinnerungsübung“ nennt Arjona diese langwierige und Kräfte zehrende Performance. Der Vorgang der Erinnerung hat eben eine eigene Materialität und Widerständigkeit. Er speichert das Erinnerte nicht nur, sondern bearbeitet es auf seine Weise niemals spurlos. Die sprachliche Aussage erhält eine eigene Zeit- und Räumlichkeit dadurch, dass sie als Handlung immer und immer wieder performt wird. Performance als Arbeit. Sprache als Raum.

„Remember to Remember“ hat die Eigenschaft vieler Arjona-Performances, sich weder in symbolische noch in expressive Akte auflösen zu lassen. Arjonas meist ruhige, kontemplative Aktionen wenden sich gegen jede einfache Gegenüberstellung von Sprache und Körper. Sie lassen eines im anderen hervortreten, doch niemals aufgehen. Die Rätselhaftigkeit und Würde der Dinge, die in diesen Anordnungen zum Vorschein kommt, wird zu einem Synonym für die Begrenztheit und politische Repressivität in unserem konventionell geregelten Zugriff auf sie. Dabei löst Marie José Arjona die Grenze zwischen Performance- und Zuschauerraum immer wieder auf. In „A Thousand Beautiful Things“ (2004) lud sie Besucher ein, das auf einer Sandfläche arrangierte Tableau alltäglicher Gegenstände durch eigene mitgebrachte Objekte zu ergänzen. „Je ne regrette rien“ wird von Arjona stundenlang im Karaoke-Duett mit Edith Piaf interpretiert, so lange, bis ihr die Stimme versagt. Besucher der Performance sind eingeladen, mit einzustimmen. Es ist ihre einladende Einfachheit, die zeigt, dass Arkona unter Performance Art die Kunst versteht, Situationen zu entwerfen, in denen neue Möglichkeiten entfaltet und Gedanken stimuliert werden. Der Schritt vom Tanz zur Performance war für sie der Schritt von einer Auffassung des Körpers als Form hin zu einem choreografischen Denken, das die Körperlichkeit der Dinge als gleichermaßen sinnstiftend und eigensinnig herausfordert. „Performance Art,“ sagt Maria José Arjona, „bewegt sich außerhalb dessen, was man erwarten kann.”
Author: Constanze Klementz

Works

Guardian Solar (Sun keeper)

Production / Performance,
2009
Performagia Performance Art Festival, Museo Universitario del Chopo, Juarez, Mexico City, Mexico

Quid pro Quo

Established,
2009
Installation. ArtCenter/ South Florida, Miami, USA

Body over water

Production / Performance,
2005
Frost Museum (FIU), Miami, USA

Vivo

Production / Performance,
2005
Video performance. Galleri Se, Bergen, Norway

Time

Production / Performance,
2005
Damien-B Contemporary Art Center, Miami, USA

Body over water

Production / Performance,
2005
The Ballroom Marfa, Texas, USA

The lore of flight

Production / Performance,
2005
Miami Light Project, Miami, USA

Expires By…

Production / Performance,
2005
Art Center, Miami, USA

A Thousand Beautiful Things

Production / Performance,
2004
Performance and installation. Damien B., Miami, USA

Figures

Exhibition / Installation,
2004
Drawings for a performance piece. Dorsh Gallery, Miami, USA

Vivo

Production / Performance,
2004
Museo Del Barrio, New York, USA

365 kisses

Production / Performance,
2003
The Center, Miami, USA

Only in present tense

Production / Performance,
2003
The Center. Miami, USA

Entities of Power. Objects

Exhibition / Installation,
2003
Summer Sculpture Show. Dorsch Gallery. Miami, USA

Vivo

Production / Performance,
2003
Axis Lab, Miami, USA

Vault

Production / Performance,
2003
Performance and installation, n.p.

Corn Mantra (Variation)

Production / Performance,
2003
Performance and installation. Arte Americas, Coconut Grove Convention Center, Miami, USA

Winged Ally

Exhibition / Installation,
2003
Drawings. Bass Museum of Art, Miami, USA

Nomad Territory.

Production / Performance,
2002
Performance and installation. N.p.

Mantra de salvacion (Mantra for salvation)

Production / Performance,
2002
Video performance. Art Basel; Dorsch Gallery, Miami, USA

Messenger

Production / Performance,
2002
Snitzer Gallery -The Solar Art House, Miami, USA

Crow-Condor Project

Production / Performance,
2002
Performance Art Festival. Museum of Contemporary Art "La Tertutlia". Cali, Colombia

Monument

Production / Performance,
2002
Art in Public Spaces, Bogota, Colombia

Initiation

Production / Performance,
2002
Art in Public Spaces, Bogota, Colombia

Nomad Territory

Production / Performance,
2001
Performance and installation. Dorsch Gallery, Miami, USA; Bogota International Airport, Art in Public Spaces, Bogota, Columbia

I bring the ocean

Production / Performance,
2001
Bass Museum of Art, Globe Miami Island, Miami, USA; Exit Art, New York, USA; The House, Miami, USA

Project Pentagon

Production / Performance,
2001
Performance cycle ´360 Degrees, 365 Days, Building Time´. Curated by Consuelo Pabon, Ministry of Culture (Ministerio de Cultura), Colombia

Inside out

Production / Performance,
2000
Valenzuela & Klenner Gallery, Bogota, Colombia

Fluid

Production / Performance,
1999
Galeria Alzate Avendano, Bogota, Colombia

Tact

Production / Performance,
1999
Performance and installation. Artists in Residence. Bogota, Colombia; Ex-Teresa, Mexico, Mexico

Flesh

Production / Performance,
1999
Performance and installation, Ghost University, Bogota, Colombia

Ocean

Production / Performance,
1998
Uniandes, Bogota, Colombia

Three cups of chocolate

Production / Performance,
1998
Performance and installation. Art in Public Spaces, Bogota, Colombia.

Capacity of Absorption

Production / Performance,
1998
ASAB, Bogota, Colombia

Anamorficas

Production / Performance,
1997
Gilberto Alzate Avendano Gallery, Bogota, Colombia

Sincretismo

Production / Performance,
1997
Salon de Arte Joven ASAB, Bogota, Colombia

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

IN TRANSIT 2009

Resistance of the Object - Widerstand des Objekts

(11 June 09 - 21 June 09)
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Remember to Remember