Mansour Ciss

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crossroads:
Kommunikation, Macht, Natur, Technologie
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Installation)
region:
Africa, Western, Europe, Western
country/territory:
Senegal, Germany
created on:
June 22, 2003
last changed on:
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 Mansour Ciss
Copyright: Galerie Peter Herrmann

Article

Dakar – Berlin – Dakar

Mansour Ciss, 1957 im senegalesischen Dakar geboren, begann seine künstlerische Arbeit als Holzbildhauer, wobei er sich an der Tradition der afrikanischen Skulptur orientierte. Seit er in Deutschland lebt, arbeitet er vor allem konzeptionell. In seinen Rauminstallationen führt er alte und neue Formen, Materialien und Technologien zusammen. 2001 initiierte Ciss in Berlin das Projekt „Laboratoire Déberlinisation“, mit dem er den Nord-Süd Dialog fördern möchte. In N’Gaparou eröffnete er 2002 anlässlich der Biennale Dakar ein Haus für internationale Ausstellungen und Künstlerbegegnungen, die Villa Gottfried.
In der Ausstellung „HeimatKunst“, die im Jahr 2000 im Berliner Haus der Kulturen der Welt zu sehen war, zeigte Mansour Ciss eine Installation aus Holzstücken, Stoff, Eisen, Sand und Solarplatten: „Les Bouts de Bois de Dieu“ – „Gottes Holzstücke“. Die Hölzer standen auf dem Boden und waren mit weißem Verbandstoff umwickelt und zusammengebunden. Es schien, als hätten sie Wunden, die medizinisch versorgt worden waren. Sie trugen Hüte und waren geschmückt mit Amuletten aus Sonnenkollektoren. „Die Holzstücke, das sind immer die Menschen“, so der Künstler. Wenn in Senegal ein Mann wissen möchte, wie viele Kinder jemand hat, fragt er nach der Anzahl der Holzstücke.

Anlässlich der Biennale Dak‘Art 1998 präsentierte Ciss die Installation „Der Friedhof der Fischer“, eine Installation aus Holzstücken und Fischernetzen. Wie ein Kokon umfangen die Netze das Holz. Der Friedhof, das sei Afrika, – nicht der Kriege wegen oder weil es dort Aids gibt, sondern wegen der Kolonisierung, die 1884-85 anlässlich der Afrikakonferenz in Berlin besiegelt wurde, erläutert Ciss. Für ihn ist es kein Zufall, dass er in Berlin, nicht in Paris oder anderswo in Europa lebt und dass sein Sohn, der eine weiße Mutter hat, 100 Jahre nach der Afrikakonferenz hier geboren wurde. Auch „Déberlinisation“ von 2001 ist eine Holzinstallation: eine Ansammlung von Holzstücken, die auf Gittern im Sand stehen und ihr Recht auf „Déberlinisation“ reklamieren.

Seit Ciss in Deutschland lebt, fühlt er sich durch die für ihn zunächst neue Art zu denken und zu leben neu initiiert. In Afrika war er als Heiler initiiert worden und hatte als Bildhauer gearbeitet. Jetzt nutzt er zusätzlich die neuen Medien und kombiniert natürliche Materialien mit technischen Geräten, Video und Diainstallationen. Für ihn ist das ein Weg, die verschiedenen Welten, in denen er lebt, darzustellen und sie miteinander zu versöhnen. In seiner Installation „Friedhof der Fischer“ zeigte Ciss Dias und Videos von Müll und Atomkraftwerken. Daneben hingen Medizinflaschen aus Afrika und moderne Infusionsflaschen – eine Gleichsetzung afrikanischer Heilkunst und westlicher Medizin.

In seinem letzten Projekt anlässlich der Biennale Dak’Art 2002 ließ Mansour Ciss vier Kioske bauen, die genauso aussahen wie die in Senegal üblichen Brotkioske. Dort ließ er sogenannte „Afros“, selbst gedrucktes, virtuelles Geld eines vereinigten Afrika, zum Tausch gegen Euros anbieten: 7 Scheine in einer kleinen Stofftüte für 5 Euros. Auf den 5- und auf den 20-Afro Scheinen ist der Kopf von Leopold Sédar Senghor abgebildet, dem ersten Staatspräsidenten Senegals nach der Unabhängigkeit. Senghor war nicht nur Politiker, sondern auch Poet. Am liebsten hätte Mansour Ciss die ganze Stadt mit diesen Kiosken überschwemmt und eigentlich hatte er auch den Plan, den „Platz der Unabhängigkeit“ in Dakar mit einer mit Afros bedruckten Stoffbahn zu bedecken.

Ein- bis zweimal im Jahr reist Mansour Ciss nach Senegal in das Dorf N’Gapar etwa 70 km von Dakar entfernt. Im September 2001 gründete er in Berlin das „Laboratoire Déberlinisation“, ein Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Nord-Süd Dialog zu fördern. In N’Gaparou eröffnete er 2002 anlässlich der Biennale Dakar ein Haus für internationale Ausstellungen und Künstlerbegegnungen, die Villa Gottfried. Das Haus steht in einer Parzelle des Dorfes, die sich Djam Laye nennt, wurde vor fünf Jahren von einem Meister gegründet und gilt als spiritueller Ort. Der Name der Künstlerresidenz bezieht sich auf den Namen des Ortes und bedeutet „Gott und Friede“.
Author: Cornelia Gerner

Bio

Mansour Ciss wurde 1957 in Dakar, Senegal, geboren und gehört zum Stamm der Sérérs. Seine Eltern waren Fischer und Heiler. Nach seinem Schulabschluss studierte er am Institut National des Arts du Senegal Bildhauerei. Von 1980 bis 1983 war er Mitglied des „Village des Arts“, einem selbst verwalteten Künstlerzentrum auf einem ehemaligen Militärgelände in Dakar, wo er vor allem Plastiken herstellte. Nach 1983 lebte und arbeitete er mit einer Gruppe von Künstlern auf der Insel N’Gor, ab 1985 in Medina/Dakar. In dieser Zeit beschäftigte er sich vor allem mit Textilkunst und Modedesign.

1986 reiste er zum ersten Mal nach Deutschland. Von 1987 bis 1988 lebte er in Berlin, in den Jahren von 1989 bis 1993 in Bamako, Mali. Er bildhauerte in Holz und Marmor und entwickelte seine Arbeit als Modedesigner weiter. 1993 siedelte er nach Berlin um. 1994 arbeitete er mit der internationalen Künstlergruppe „Rundeck“ an dem Projekt „Über alle Grenzen“ und organisierte gemeinsam mit „Rundeck“ das erste internationale Bildhauersymposium in Dakar. Die UNESCO erkannte das Projekt „Über alle Grenzen – Brücke Europa-Afrika“ als Weltdekadenprojekt für kulturelle Entwicklung an.

Works

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Exhibition / Installation
2005 „Berlin - Dakar - Berlin - Voyeur – Voyageur“, Galerie im Parlament, Berlin 2003 „Mein imaginäres Afrika", Galerie Engelsmühle, Darmstadt; „Mein imaginäres Afrika", Galerie am Ritterplatz, Bensheim; „Mein imaginäres Afrika", Stadtmuseum, Buchen; „Afro-Projekt", Afrika Kulturdorf, Stadtpark, Wien, Österreich; „Afro-Projekt: Die Räume der Macht. Die Macht der Räume", Schloss Sacrow, Potsdam 2002 „DAK´ART 2002", Internationale Kunstbiennale, Dakar, Senegal; „Farafina“, Galerie Nord, Berlin; „Farafina parallel", Galerie corridor 23, Berlin 2001 „Heimat Kunst“, Kulturverein Zehntscheuer e.V., Rottenburg am Neckar 2000 „Heimat Kunst“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 1999 „3. Festival der Kunst und Kulturen – Senegal“, Werkstatt der Kulturen, Berlin; „Les bouts de bois de dieu - Gottes Holzstücke oder die Kinder Gottes“, Galerie Nord, Berlin 1998 „2. Festival der Kunst und Kulturen – Senegal“, Werkstatt der Kulturen, Berlin 1997 „1. Festival der Kunst und Kulturen – Senegal“, Werkstatt der Kulturen, Berlin 1996 „Eine Nacht - ein Tag", Atelierhaus Pankow, Berlin 1994 „Über alle Grenzen 94", Place d´Indépendance, Dakar, Senegal; „Eine Nacht - Ein Tag", Atelierhaus Pankow, Berlin; „Soleil d´Afrique", Galerie Querformat, Berlin 1992 „DAK´ART 92", Internationale Kunstbiennale, Dakar, Senegal 1977 „2. Festival Panafricain des Arts", Festival Panafricain des Arts, Lagos, Nigeria; „5. Salon des Artistes Sénégalais“, Musée Dynamique, Dakar, Senegal 1976 „4. Salon des Artistes Sénégalais“, Musée Dynamique, Dakar, Senegal 1975 „3. Salon des Artistes Sénégalais“, Musée Dynamique, Dakar, Senegal 1974 „2. Salon des Artistes Sénégalais“, Musée Dynamique, Dakar, Senegal

Einzelausstellungen (Auswahl)

Exhibition / Installation
1992 „Galerie 39“, Dakar, Senegal 1991 Nationalmuseum, Bamako, Mali 1985 „Deutsche Welle", Köln „Studio II", Bielefeld

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Homeland Art (HeimatKunst)

Cultural Diversity in Germany

(01 April 00 - 02 July 00)

Www

Website der Galerie Herrmann, Berlin

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Gottes Holzstück