Mazisi Raymond Kunene

Article Works
crossroads:
Apartheid, Exil, Geschichte, Politik
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (allgemein)
region:
Africa, Southern
country/territory:
South Africa
created on:
June 17, 2005
last changed on:
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Mazisi Raymond Kunene wurde 1930 in Durban in der südafrikanischen Provinz Natal geboren. Sein Studium an der Universität von Natal schloss er mit einer Arbeit über traditionelle und zeitgenössische Zulu-Dichtung ab. 1959 führte ihn ein Doktorandenstipendium nach London. Von nun an widmete sich Kunene vor allem dem Freiheitskampf der afrikanischen Länder, indem er für Institutionen wie das afro-asiatische Schriftstellerkomitee arbeitete oder ein Berufsprogramm für südafrikanische Flüchtlinge in Tansania und Sambia ins Leben rief.
Zusammen mit 45 weiteren Autoren wurde er 1966 offiziell aus seinem Heimatland verbannt. Er war einer der Mitbegründer der Anti-Apartheidbewegung und wurde 1962 zum UNO-Vertreter des African National Congress ernannt. 1972 startete er den South African Exhibition Appeal, der von Künstlern wie Picasso, Chagall, Giacometti, Moore und Rauschenberg unterstützt wurde.

Ohne sein politisches Engagement aufzugeben – ab 1977 war er auch Berater der UNESCO–, fand Kunene in den späten 1970er Jahren zurück in das akademische Leben. Er hielt weltweit Vorlesungen, übernahm eine Gastprofessur für Afrikanische Literatur in Stanford und unterrichtete an der University of California in Los Angeles. Nach 34 Jahren Exil kehrte der Dichter 1993 zurück nach Südafrika, wo er seither als Dozent für Zulu-Literatur an der Universität von Natal tätig ist. Im selben Jahr wurde Kunene zum ersten Poet Laureate der arabischen und afrikanischen Länder ernannt.

Mazisi Kunene gehört zu den wenigen afrikanischen Schriftstellern, die die Dominanz der Kolonialsprachen überwunden haben. Seine Werke, auf Zulu verfasst, wurden jedoch lange Zeit nur auf Englisch, in einer von ihm selbst besorgten Übersetzung, veröffentlicht. Neben zahlreichen Gedichten hat er auch ein Drama und zwei Drehbücher verfasst. "Schon sein Vater", so berichtet Peter Ripken über Kunene, "sah in dem Kind einen ´imbongi´, einen klassischen Barden, der Lobpreisendes und Kritisches über die Mächtigen vorträgt." Ein erster Gedichtband, "Zulu Poems", erschien 1970 in London. Er zeugt von der tiefen Verbundenheit des Autors mit seinem Volk, dessen kulturellen Traditionen und Wertvorstellungen. Mit Elementen des Lobgesangs, der Anrede und der Aufführung nähert sich der Dichter auch stilistisch der Spezifik mündlich überlieferter Literatur an.

Die Vermittlung von tradierten sozialen Werten und philosophischen Konzepten der Zulu steht auch im Mittelpunkt der beiden großen Versepen Kunenes. So erzählt er in den 17 Büchern seines Epos "Emperor Shaka the Great" (1970) vom Leben Chakas, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Zulu-Reich regierte, und trägt damit zu einer eigenständigen schwarzafrikanischen Geschichtsschreibung bei. Dabei geht es ihm nicht nur um ein differenzierendes Bild des legendären Monarchen, der in den Chroniken der Weißen alle Klischees des brutalen, unbarmherzigen und unberechenbaren Wilden erfüllt. Vielmehr entwirft Kunene seinen Helden auch als Pan-Afrikanisten, als Integrationsfigur für eine Versöhnung der schwarzen und weißen Bevölkerung.

In seinem zweiten Epos, "Anthem of the Decades" von 1981, widmet sich der Dichter dem Schöpfungsmythos der Zulu, demzufolge sich die Geschichte der Menschheit als ewiger Kampf gegen essentielle Widersprüche – Schöpfung/Zerstörung, gut/böse, Sieg/Niederlage, Lust/Schmerz – darstellt. Eine besondere Rolle erhalten nach dieser Vorstellung die Frauen, welche Aussöhnung, Balancierung und damit das Leben selbst repräsentieren.
Author: Internationales Literaturfestival Berlin (ilb)

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Für englischsprachige Titel siehe englische Textversion

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