Cheick Tidiane Seck

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genre(subgenre):
Musik (Afro-Pop, Jazz)
region:
Africa, Western, Europe, Western, Asia, Southern and Central
country/territory:
Mali, France, India
city:
Bamako
created on:
August 31, 2004
last changed on:
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Cheick Tidiane Seck

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Tradition und Kreation

Drei Dekaden lang spielte der Pianist, Komponist und Arrangeur oft unerkannt hinter berühmten Sängern oder neben renommierten Instrumentalisten. Seine Karriere beginnt mit der legendären "Rail Band" Bamakos, reicht über die "Ambassadeurs" um Salif Keita bis zu Kooperationen mit Jazz-Virtuosen wie Joe Zawinul oder Hank Jones. Dabei hat Cheick Tidiane Seck viele Einflüsse assimiliert und blieb dennoch in seinen Mandinke-Wurzeln geerdet. Im Spätherbst 2003 erschien, nach fast vier Jahren Vorbereitung, Secks Debütalbum "MandinGroove". Elektrisch und eklektisch spannt er in eigenen Songs und Adaptionen traditioneller Lieder einen Bogen von Afro-Beat über Soul und Jazz bis Pop.
"Ich habe immer das Bedürfnis, mit beiden Füßen auf dem Boden populärer Musik zu bleiben, mich aber auch zu öffnen für zeitgenössische Entwicklungen", erklärt Cheick Tidiane Seck die Motivation hinter "MandinGroove", seinem aktuellen Album und fährt fort: "Ich habe versucht, eine eigene Synthese aus allem, was ich höre, zu entwickeln, von orientalischen Spielarten bis zu elektronischen Beats. Ich bin wie ein Kassettenrekorder, der alles aufnimmt, was vorbei kommt: rhythmisch, melodisch, harmonisch..."

Angefangen hatte alles noch viel früher, doch richtig ernst wurde es für den Pianisten Seck in jenen frühen siebziger Jahren, die heute als "goldenes" Zeitalter westafrikanischer Bigbands gelten. Manche dieser legendären Combos wie das Orchestra Baobab feiern mitunter wunderbare Wiederauferstehung. Andere sind inzwischen Geschichte, selbst wenn herausragende Persönlichkeiten der aktuellen afrikanischen Musik einst mit ihnen erwachsen wurden. Zweifellos hat auch Cheick Tidiane Seck, 1953 in Ségou (Mali) geboren, der "Rail Band du Buffet Hotel de la Gare" in Bamako einiges zu verdanken. Allein schon die Begegnung mit zwei später recht prominenten Musikern: Salif Keita und Mory Kanté.

"Ich war sehr von afro-amerikanischer Popmusik beeinflusst, James Brown oder Marvin Gaye" erinnert sich Seck an die alten Helden und Zeiten. Junge Musiker in afrikanischen Städten orientierten sich damals gerne an solchen Idolen, ohne die selbstverständlich gelernten oder gar vererbten Überlieferungen gänzlich zu verleugnen. Für den Keyboarder Seck spielte bald auch Jimmy Smith eine entscheidende Rolle: "Er war eine starke Inspiration. Ich brauchte fünf Jahre, von seinen Phrasierungen los zu kommen und eigene zu entwickeln, die auch unsere Traditionen einschlossen."

Als Salif Keita von der "Rail Band" zu den "Ambassadeurs" wechselte ging Seck mit ihm. Unter dem Eindruck der wirtschaftlichen und politischen Probleme Malis Ende der siebziger Jahre zog die Band für eine Weile ins prosperierende Abidjan um. In den folgenden zwei Dekaden sollten sich Secks Keyboardphrasen weltweit in viele Ohren spielen, doch für die meisten Hörer blieb der Virtuose unbekannt – sie konzentrierten sich naturgemäß auf die "Frontmen": Keita oder Kanté, Touré Kunda oder Joe Zawinul.

Regelmäßig arbeitete Seck, seit 1985 in Paris zuhause, mit den Pionieren des Afro-Beat und Fusion-Pop. Zwischenzeitlich tauchte er sogar in der Londoner "Jungle"-Szene auf. Das Album "Sarala" mit Jazz-Altmeister Hank Jones rückte die Persönlichkeit Secks als Musiker und Arrangeur 1995 erstmals nachhaltig ins öffentliche Bewusstsein. Seine Stücke fusionierten den originären Zauber der Mandinke mit archaischen und modernen Instrumenten, eindringlichen Stimmen, Hammond-Orgel und Jones´ Klavier-Improvisationen. Trotz hervorragender Kritiken ließ sich Seck danach weiter Zeit für ein erstes eigenes Album.

Erst im November 2003 wurde die CD "MandinGroove" veröffentlicht, die Seck mit vielen Gastmusikern in Paris, New York und Los Angeles einspielte. In selbst geschriebenen, symbolhaften Songs und Adaptionen traditioneller Lieder lotet er die Verbindung seiner Mandinke-Roots und zeitgenössischer globaler Sounds aus. Hammondorgel und scharfkantige Bläsersätze beschwören amerikanischen Soul, Funk und Jazz, während Balafon, Ngoni, Kora oder Flöte das Panorama der Savanne am Horizont aufscheinen lassen. In "N´tamana" liefert sich Seck ein hitziges Duell mit dem Saxophonisten Chico Freeman und lässt am Ende die venezolanische Sängerin Evita Delgado manche afrikanische Idee paraphrasieren. Andere Stücke kommentieren Zeitgeschehen, fordern Bewusstsein für eine neue, kooperative Weltordnung und liefern, wie "Les blues des oubliés", mit einer Fusion aus Fulani-, Sufi-, orientalischen und indischen Einflüssen den Soundtrack dazu.

Mit dem vor einer Weile erwachten Neo-Traditionalismus mancher alten Weggefährten oder jüngerer malischer Musiker wie Habib Koité und Rokia Traoré hat Cheick Tidiane Seck nichts im Sinn. Seine elektrifizierte Arrangements klingen immer urban, allein schon, weil der Beat stets vom westlichen Schlagzeug angetrieben wird. Ebenso allgegenwärtig sind Synthesizer oder Fender Rhodes Piano, häufig ergänzt von klirrenden bis rockigen Riffs der E-Gitarre. Es spricht für das Geschick und Geschichtsbewusstsein Secks, dass seine moderne Ästhetik Raum für ursprüngliche Frage-Antwort-Chöre, Balafon-Patterns und repetitive Strukturen lässt. In "Gnogonbogwa" erweist er sogar dem klassischen Mali-Blues stilvoll Referenz. Dazwischen pulsiert ein vermeintlicher Reggae-Swing, beschwört Gast-Vokalist Papan das Baul die Traditionen der fahrenden Sänger Nordindiens, decken Lassi Kings Rap-Einlagen im heimischen Bambara-Idiom Verbindungen von Sprechgesang zwischen Afrika und Amerika auf.

Mag sein, dass der Vokalist Cheick Tidiane Seck mit seinen auf mittlere Lagen konzentrierten Melodien nicht zu den großen Stimmen Afrikas aufsteigen wird. Es braucht ihn nicht kümmern, immerhin ist er als Arrangeur und Produzent längst auch von Film und Werbung gefragt. Seine Musik zu "Laada" ("The Tradition") von Drissa Toure wurde bereits vor einigen Jahren beim Filmfestival von Ouagadougou als bester Originalsoundtrack ausgezeichnet. Nebenbei engagiert sich Seck für Initiativen gegen die Verwüstung seiner alten Heimat oder als Gast-Dozent, beispielsweise im Jahr 2000 an der U.C.L.A. in Kalifornien.

Als langjähriger Wanderer zwischen den Welten ist Cheick Tidiane Seck gleichzeitig passionierter Vermittler der Kulturen. Daraus erklärt sich die Vielseitigkeit des Albums, gespeist von Secks Vergangenheit und Einflüssen der Gäste aus vielen Teilen der Welt. "Mandingroove" repräsentiere alles, "was in mir lebt und arbeitet ", stellt Cheick Tidiane Seck fest, "es erzählt von den verschiedenen musikalischen Strömungen, die mich geformt haben und besteht zu gleichen Teilen aus Tradition und Kreation. Es ist die Essenz eines ganzen Lebens voller Musik.“
Author: Norbert Krampf

Works

Sabaly

Established,
2009
Emarcy

Mandingroove

Published Audio,
2003
Emarcy Rec (Universal)

Filmmusik

Published Audio
Falato (short film, Mali) Laada (1995, Burkina Faso) Yelema (Mamo Sissé) Haramouya Burkina (Idrissa Touré) L’exil du Roi Behanzin Kabala (2000, Hassan Kouyaté)

Diskographie

Published Audio
with Salif Keita: Soro, 1987 Amen, 1991 Folon, 1995 with Joe Zawinul: My People (1992) with Graham Haynes: Transition, 1994 Griot’s Footsteps, 1995 Hank Jones meets Cheick Tidiane Seck & The Mandinkas Sarala, 1995 with Marque Gilmore Drum FM, 2003

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Black Atlantic

(17 September 04 - 15 November 04)