Marc Riboud

Article Bio Works Projects
crossroads:
Krieg, Transformation
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie)
region:
Europe, Western
country/territory:
France
created on:
July 13, 2003
last changed on:
Please note: This page has not been updated since January 16, 2006. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:

Article

Der Chronist in Zeiten der Veränderung

Der 1923 in Lyon geborene Fotograf Marc Riboud ist einer der größten Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts. Seit 1952 Mitglied der Fotoagentur Magnum, bereiste Riboud in den sechziger Jahren als einer der ersten europäischen Fotografen die Länder Afrikas und hielt dabei vor allem den Alltag während der Unabhängigkeitsbestrebungen in einfühlsam-sprechenden Bildern fest. Ribouds Bilder sind mehr als nur Dokumentaraufnahmen: Sie zeigen die Wirklichkeit und transzendieren sie im selben Moment.
Vielleicht wird es den einen oder anderen erstaunen, den 1923 in Lyon geborenen Fotografen Marc Riboud in einer Datenbank wie dieser zu finden. Was Marc Riboud aber doch in einem übertragenen Sinn zu einem afrikanischen Künstler macht, ist nicht die nationale Zugehörigkeit zu einem der Länder des Kontinents, sondern sein Werk. Riboud war einer der wenigen Fotografen, die Afrika während der Unabhängigkeitsbestrebungen in den frühen sechziger Jahren bereisten, darunter Algerien, Nigeria, Kongo und Ghana. Daher sind die Bilder, die damals entstanden, von einem kaum zu überschätzenden Wert und lassen das rein journalistisch-dokumentarische Genre weit hinter sich. Die Fotos, die Riboud aus Afrika mitbrachte, zeigen Gesellschaften im Umbruch, den Anbruch einer neuen Zeit und die unausweichlichen Friktionen, die damit einhergehen. Sie sind Ausdruck von Hoffnung und einem erwachenden Selbstbewusstsein, sie führen dem Betrachter eine Wirklichkeit vor und transzendieren diese Wirklichkeit im selben Moment – ein Umstand, der ihnen Kunstcharakter verleiht.

Bevor Marc Riboud die Fotografie zu seinem Broterwerb erkor, absolvierte er eine Ausbildung zum Ingenieur. 1951 lernte er den Mitbegründer der Fotoagentur Magnum, Henri Cartier-Bresson, kennen, der von seinen bis dahin gemachten Fotos vor und während des Zweiten Weltkriegs so begeistert war, dass er ihn fortan nach Kräften förderte. Ein Jahr darauf wurde Riboud von Cartier-Bresson, Robert Capa und David Seymour bei Magnum als Mitarbeiter akzeptiert – womit für den 28-Jährigen eine jahrzehntelange Reise um die Welt begann. Ab 1955 arbeitete Riboud im Nahen und Fernen Osten, in Indien, Nepal und der Sowjetunion. Er war einer der ersten westlichen Fotografen in China nach der Kulturrevolution und fuhr in einem Auto von Alaska bis Mexiko. In den sechziger Jahren besuchte er nicht nur Afrika, sondern auch die Kriegsgebiete in Kambodscha, Nord- und Südvietnam. Ab 1975 war er für zwei Jahre Vize-Präsident von Magnum in Paris, 1979 verliess er die Agentur, ging wieder in den Nahen und Fernen Osten und fotografierte in der Tschecheslowakei und in Polen.

Seine ersten Fotos nahm Riboud auf, als er vierzehn war – mit einer Taschenkamera, die ihn noch lange auf seinen Reisen begleiten sollte. Ihre handlichen Abmessungen ermöglichten es ihm zu fotografieren ohne Aufmerksamkeit zu erregen. So gelang es Riboud, in seinen Bildern den Eindruck von Unmittelbarkeit und Authentizität entstehen zu lassen, Nähe zu vermitteln, ohne aufdringlich zu erscheinen. Obwohl die Suche nach dem richtigen Moment oft eine Sache von Sekundenbruchteilen war, fällt an Ribouds Fotos auch ein ausgeprägter Hang zur gekonnt austarierten Komposition auf. Die junge, bereits etwas füllige Frau mit ihrem kleinen Kind an der Hand, die sich am nigerianischen Unabhängigkeitstag ein Tuch mit den Freiheitsemblemen um die Hüften geschlungen hat, die drei wartenden Männer vor einer offiziellen Fahne, die an denselben Anlass erinnern soll, oder der algerische Zeitungsverkäufer, der die erste unabhängige Zeitung in Algerien El Moujaheddin vertreibt – stets sind diese Bilder nicht nur Bilder des Alltags in Zeiten des Übergangs, sondern auch Lehrstücke im Zusammenspiel von Hell und Dunkel, Linien und Formen, in der Wahl des Blickwinkels und des Ausschnitts.

Marc Riboud gehört zu jenen Vertretern seines Fachs, die ihre Fotos neben der publizistischen Tätigkeit für Zeitungen und Zeitschriften weltweit in unzähligen Ausstellungen in Museen und Galerien präsentieren konnten, darunter in der Barbican Art Gallery im Barbican Centre in London, im ICP in New York und im Art Institute of Chicago. Darüberhinaus hat Riboud mehr als ein Dutzend Bücher veröffentlicht, die von etlichen Kritikern als Klassiker des künstlerischen Fotojournalismus angesehen werden. Heute lebt der Fotograf wieder überwiegend in Frankreich.
Author: Ulrich Clewing

Bio

1923 in Lyon geboren
Ab 1937 erste fotografische Arbeiten
1945-48 Ingenieursstudium
1952 Mitglied der Fotoagentur Magnum
Ab 1955 Reisen nach Afrika, Asien und in den damaligen Ostblock
1975-76 Vize-Präsident der Agentur Magnum
1979 Ausscheiden aus der Agentur Magnum
Lebt und arbeitet in Paris

Works

Larry N. Mayer et al., Who Will Say Kaddish?: A Search for Jewish Identity in Contemporary Poland

Published Written,
2002

Marc Riboud et al., The Concerned Photographer 2: The Photographs of Marc Riboud, Roman Vishniac, Bruce Davidson, Gordon Parks, Ernst Haas, Hiroshi Hamaya, Donald McCulli,

Published Written,
2000

Marc Riboud, journal by Marc Riboud

Published Written,
2000

Marc Riboud, Face of North Vietnam

Published Written,
2000

Marc Riboud, Visions of China: Photographs, 1957-1980

Published Written,
2000

Marc Riboud und Jean Lacouture, Angkor: The Serenity of Buddhism Riboud: 11. Chine: instantanés de voyages

Published Written,
2000

Marc Riboud., Marc Riboud by Marc Riboud

Published Written,
2000

Marc Riboud, Capital of Heaven (Introduction: Francois Cheng)

Published Written,
2000

Marc Riboud, Gares et Trains

Published Written,
2000

Claude Roy, Marc Riboud: Photographs at Home and Abroad

Published Written,
1998

Marc Riboud et al., Marc Riboud in China: Forty Years of Photography

Published Written,
1997

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Guangzhou Photo Biennial 2005“, Guangdong Museum of Art - Triennial, Guangzhou, China „Magnum“, Fotoforum, Innsbruck, Österreich „Planet Football”, Goethe-Institut London, London, Großbritannien „Planet Football”, Gallery of Photography, Dublin, Irland „Planet Football“, Goethe-Institut Rom, Rom, Italien „Planet Football“, Kulturhuset, Stockholm, Schweden 2004 „Planet Football“, Benaki Museum, Athen, Griechenland „Paris des photographes“, Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg „Magnum Stories“, The Guardian Newsroom, London, Großbritannien „La collection photographique de la Fnac“, Palais de l´Archevêché, Arles, Frankreich „Speaking With Hands“, Guggenheim New York, New York, USA „Magnum Style”, Staley + Wise Gallery, New York, USA 2003 „Fables de l´identité“, Jeu de Paume, Paris, Frankreich „Explore! Icons of Modern Photography”, HackelBury Fine Art Limited, London, Großbritannien „Fables de l´identité“, CNP - Centre national de la photographie , Paris, Frankreich „Magic Moments II“, Haus der Fotografie, Hannover „Contacts“, ArtandPhotographs, London, Großbritannien 2001 „The Short Century - Befreiungsbewegungen in Afrika“, Villa Stuck, München „The Short Century - Befreiungsbewegungen in Afrika“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 1999 „Augenblick und Endlichkeit“, Museum Ludwig, Köln 1981 „Paris-Magnum”, Musée du Luxembourg, Paris, Frankreich 1973 „Concern Photographers“, Israel Museum, Jerusalem, Israel 1972 „Behind The Great Wall”, Metropolitan Museum of Art, New York, USA

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Marc Riboud“, Galerie Arcturus, Paris, Frankreich „Gazes“, The Gallery at Hermes, New York, USA „Leeds 1954-2004“, Guangdong Museum of Art - Triennial, Guangzhou China „50 années de photographie en Chine“, La Galerie Photo - Galerie Municipale de Photographie, Montpellier, Frankreich 2004 „Marc Riboud - 50 Years of Photography“, Maison Européenne de la Photographie, Paris, Frankreich „Photos choisies. 1953 – 2002“, Galerie Camera Obscura, Paris, Frankreich „50 ans de photographie“, MEP - Maison Européene de la Photographie, Paris, Frankreich „Marc Riboud“, HackelBury Fine Art Limited, London, Großbritannien „Istanbul, 1950-2000“, Fnac Ternes, Paris, Frankreich 2002 „Marc Riboud - Huan Shan - Photographies 1989“, Galerie de France, Paris, Frankreich 2001 Leica Gallery, New York, USA 1997 „40 Years of Photography in China”, The Barbican Gallery, London, Großbritannien 1996 „China“, Centre National de Photographie, Paris, Frankreich 1988 „Marc Riboud”, Galerie Agathe Gaillard, Paris, Frankreich „Lasting Moments”, International Center of Photography, New York, USA 1985 „Retrospective“, Musee d’Art moderne de la Ville, Paris, Frankreich 1984 „China“, Galerie ACPA, Bordeaux, Frankreich „Images de Villeurbanne“, Villeurbanne, Frankreich 1982 „China“, Galerie Photo, Genf, Schweiz 1981 „From China & Elsewhere”, Gallery Photograph, New York, USA „China”, The Photographers Gallery, London, Großbritannien 1978 „Marc Riboud“, Galerie Agathe Gaillard, Paris, Frankreich 1977 „Marc Riboud“, Galerie Municipale, Toulouse, Frankreich 1975 „Nord Vietnam“, Rote Fabrik, Zürich, Schweiz „Marc Riboud”, International Centre of Photography, New York, USA 1974 „Marc Riboud”, The Photographers Gallery, London, Großbritannien 1967 „China”, The Photographers Gallery, London, Großbritannien 1966 „China”, Asia House, New York, USA „China”, Institute of Contemporary Art, London, Großbritannien 1963 „Marc Riboud“, The Art Institute, Chicago, USA

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)