MoMo

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genre(subgenre):
Musik (Break Beat, Garage Beat, Gnawa, House, Techno)
region:
Europe, Western, Africa, Northern
country/territory:
England (UK), Morocco
city:
London
created on:
May 17, 2003
last changed on:
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Other languages:
 MoMo
MoMo © Andy Morgan

Article

It’s a Morockney slang ting!

MoMo bauen ein marokkanischen Haus auf europäischen Beat-Fundamenten

Techno und House, Drum´n´Bass, Garage, HipHop, Dub. Die Musik von MoMo klingt zunächst nach urbanem Dancefloor, wie man ihn aus den europäischen Metropolen kennt, ursprünglich aber kommt die Musik aus Marokko. Dar Music nennen die drei Musiker von MoMo -- Lahcen Lahbib, Farid Nainia und Tahar El Edrissi -- ihren Musikstil: Dar ist arabisch und bedeutet House. Die drei kamen unabhängig voneinander in den späten 80er-Jahren nach London. Sie lernten sich bei den wöchentlichen International Jam Sessions in einem Pub in Hackney kennen, mit vielen anderen gründeten sie die Band Seeds of Creation, aus der dann wiederum die Gruppe MoMo entstand.
Der Name ist Plattform und Programm zugleich, denn MoMo heißt nichts anderes als Music Of Moroccan Origin. So einfach ist das manchmal. Oder besser: So einfach könnte es sein, wäre da nicht der mit dieser geographischen Angabe fest verbundene musikalische Kanon. Wer sich je auch nur im Ansatz mit marokkanischer Musik beschäftigt hat, kennt inzwischen einige, meist mit einer langen Historie behaftete Stile, die in Nordafrika ihren Ursprung haben: Gnawa, die spirituellen Trance-Rhythmen der ehemaligen Sklaven aus Schwarzafrika, die Musik der Berber aus dem Atlas Gebirge, die urbanen Châabi Traditionen, die alte Andalus Musik, die im maurischen Spanien zur Basis des Flamenco wurde.

All das sind hochehrenwerte Genres, zu deren Tradition eine umfangreiche Ausbildung und ein entsprechender Aufführungskontext gehört. Hört man sich aber "The Birth of Dar Music", das Debütalbum von MoMo, an oder besucht eines ihrer umjubelten Konzerte, bleibt wenig übrig vom überlieferten, geschichtsträchtigen Bild der marokkanischen Musik. Stattdessen gibt es britische Garage- und Break-Beats, House und Techno im Verbund mit arabischen Call-and-Response Gesängen, Sintir-Bässe und allerlei Perkussion und Instrumente aus dem Repertoire der Gnawa-Musik.

Für was also steht Momo? Momo, das sind zunächst einmal die drei in London lebenden marokkanischen Musiker Lahcen Lahbib, Farid Naina und Tahar El Idrissi, die in ihrer alten Heimat noch sehr wohl mit einem traditionellen bis alltagsmusikalischen Klangweltbild aufgewachsen sind. Das Neue an der in London gegründeten Band MoMo aber ist die kreative Ignoranz gegenüber jenen althergebrachten marokkanischen Musiktraditionen, nach denen sich vor allem der westliche Konsument hin und wieder sehnt, die dem Alltag in Marokko aber nicht mehr entsprechen.

Reinheit der Tradition, Spiritualität oder Authentizität sind für MoMo allenfalls Erinnerungen. Vielleicht ist es da von Vorteil, dass keiner der drei je eine professionelle musikalische Ausbildung hatte. Sie erlernten ihre Instrumente im Süden Marokkos bei informellen Parties, auf der Straße sozusagen. Später, in London, machten sie dann so weiter. Anfang der 90er, bei Jam Sessions in einem Pub in Hackney. Und schließlich nannten sie sich MoMo. Nach und nach wurde mit den elektronischen Beats und Sounds experimentiert, die in London aus jedem Autoradio dröhnen, bis endlich ein Konzept feststand. "Dar Music" sollte es heißen und alte Hörgewohnheiten aufbrechen: „Dar Music is bloody foreigner music“, prangt nicht umsonst als Slogan auf ihrer Platte.

"Dar", das arabische Wort für "Haus", ist im Sinne von MoMo ein Synonym für etwas neu zu schaffendes, das aus bekannten Materialien hergestellt wird. Dieses Haus hat eine Außenarchitektur und ein Beat-Fundament, die in nahezu jeder westeuropäischen Metropole fußen könnten - und doch sieht es dank der feinen Ausarbeitung von Details typisch marokkanisch aus. Wer immer es betritt, wird mitgerissen vom Funk und von den Rhythmen, wird fasziniert von ungewöhnlichen Instrumenten und Klangfarben, wird am eigenen Leib spüren, welche Kraft in einer Musik steckt, die aus Marokko kam und in Europa angekommen ist. Das ist Momo. So einfach ist das, wie gesagt.
Author: Tobias Maier 

Works

The Birth of Dar

Published Audio,
2001
Apartment 22: 2001

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

popdeurope 2002

Migrating sounds in and out of Europe

(21 June 02 - 31 August 02)
video

Konzert bei popdeurope 2002

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audio

"Dourbiha"

von der CD "THe Birth of Dar"
Apartment 22 Records
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