Sue Williamson

Article Bio Works Merits Projects www
crossroads:
Aids, Apartheid, Erinnerung, Geschichte
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie, Grafik, Installation)
region:
Africa, Southern
country/territory:
South Africa
city:
Cape Town
created on:
July 7, 2003
last changed on:
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Article

Kap der zweifelhaften Hoffnung

Die Südafrikanerin Sue Williamson reflektiert in ihren Installationen, Grafiken und Fotografien vor allem die Geschichte und die gegenwärtigen Probleme ihres Landes. „Wir sind im Prozess, uns mit der Vergangenheit zu arrangieren. Ich denke, bevor wir uns weiterbewegen, müssen wir einen Punkt erreichen, an dem wir zu einer Lösung finden und sagen: Gut, wir haben uns so intensiv wie wir können mit unserer Vergangenheit auseinandergesetzt“, sagt die Künstlerin. Mit ihren Arbeiten ergreift sie eindeutig und plakativ Partei und hält sich mit Kritik an den Institutionen des Landes nicht zurück.
Die ältere Geschichte Südafrikas thematisiert Sue Williamson in ihrer auf der Johannesburg-Biennale von 1997 ausgestellten Arbeit „Messages from the Moat“ („Nachrichten aus dem Festungsgraben“). Ihr Thema ist die Ausbeutung schwarzer Sklaven. Ein Besuch im Museum der niederländischen Stadt Hoorn, das dem Castle of Good Hope in Kapstadt sehr ähnlich ist, hatte Williamson zu der Arbeit angeregt. Ihr wurde deutlich, dass der Wohlstand, der sich in den Museumsexponaten widerspiegelte, nur durch die Zwangsarbeit südafrikanischer Sklaven erwirtschaftet werden konnte. In der Burg von Kapstadt fand Sue Williamson ein Archiv, das die Namen und persönlichen Daten von 150 Sklaven aufbewahrt. Für jeden dieser Sklaven gravierte sie auf eine Weinflasche seinen Namen, das Datum seines Verkaufs und den Namen seines Käufers. In die Flaschen steckte sie – wie bei einer Flaschenpost – die Kopien niederländischer, zerschnittener Gemälde: „Es ist wie die Rache der Sklaven: Wir werden Eure Bilder zerschneiden und sie zurücksenden“. Die Flaschen befinden sich als Teil der Installation in einem Netz, das in der Luft hängt – als sei ein großer Fang gemacht worden. Ein Wasserstreifen darunter erinnert an den Festungsgraben der Burg.

“For thirty years, next to his heart” (1990), eine Arbeit, die in der Ausstellung „The Short Century“ zu sehen war, vermittelt etwas von den Drangsalierungen, der die nicht-weiße Bevölkerung Südafrikas in den Jahren der Apartheid ausgesetzt war. Im Mittelpunkt der Arbeit steht das „passbook“, der Personalausweis, eines Mannes, den dieser 30 Jahre lang ständig bei sich trug. 49 Einzelarbeiten zeigen jeweils die Kopie einer Seite dieses Dokuments, die einzeln in handgefertigten Rahmen präsentiert werden. Zahlreiche Stempel, amtliche Unterschriften und Gebrauchsspuren legen Zeugnis vom Leben des Mannes ab. Der euphemistisch-poetische Titel von „Thirty years next to his heart” lässt die ambivalente Haltung erahnen, mit der dieses Buch getragen worden sein mag.

Eine neue, serielle Arbeit Sue Williamsons trägt den Titel „From the Inside“. Ihr Thema ist das Schweigen und die Scham, die den HIV-Virus und Aids umgeben. „From the Inside“ entstand im Umfeld der großen Aids–Konferenz in Durban (2000) und in direkter Zusammenarbeit mit HIV-Infizierten. Um ein möglichst breites Publikum und die Betroffenen direkt zu erreichen, wird die Arbeit im öffentlichen Raum gezeigt. Grundlage für jede Einzelarbeit ist ein Interview, das Williamson mit einem Aidskranken führte. Aus jedem Gespräch destillierte sie eine Kernaussage, die zusammen mit dem Namen der Person in den öffentlichen Raum transportiert wird. Die HIV-Infizierte Judy beispielsweise bekennt: „HIV/Aids – Du musst daran arbeiten, zu überleben, das wird nicht einfach so passieren“. Die einzelnen Statements werden als subjektive und sehr persönliche Aussagen auch ästhetisch sehr unterschiedlich präsentiert.

Nicht nur als Künstlerin, auch als Kunstautorin nimmt Sue Williamson eine zentrale Rolle in der Kunstszene Südafrikas ein. Sie ist Autorin grundlegender Werke über südafrikanische Kunst („Resistance Art in South Africa“, 1989), Ko-Autorin des Bandes „Art in South Africa – the Future Present“, 1996) sowie Herausgeberin der Website Artthrob (www.artthrob.co.za) und trägt so dazu bei, dem großen Mangel an aktueller Information über Kunst in Südafrika abzuhelfen – es gibt keine einzige Kunstzeitschrift im Land – und für die Künstler des Landes eine Kontaktbörse zu schaffen.
Author: Petra Stegmann

Bio

Sue Williamson wurde 1941 in Lichfield, England, geboren, ihre Familie emigrierte 1948 nach Südafrika. Sie studierte von 1963 bis 1965 an der Art Students´League in New York. 1983 erhielt sie ein Advanced Diploma an der Michaelis School of Fine Art, University of Cape Town.

1990 erhielt Sue Williamson ein zweimonatiges Stipendium der Edita Morris Foundation for Peace and Culture für einen Aufenthalt in Paris.

Sue Williamson verfasste das Buch „Resistance Art in South Africa“ (1989) und gemeinsam mit Ashraf Jamal den Band „Art in South Africa – the Future Present“ (1996). Sie ist seit 1997 verantwortliche Herausgeberin von ArtThrob, einem Onlinemagazin für zeitgenössische Kunst aus Südafrika.

Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen: u.a. South African National Gallery; Durban Art Gallery; The Oppenheimer Collection, Brenthurst Library, Johannesburg; Museum of Art, Pretoria; Africana Museum, Johannesburg; The University of Cape Town; The University of Western Cape; Barclays Bank, New York; Birmingham Museum of Art, Alabama; North Dakota Museum of Art.

Sue Williamson lebt und arbeitet in Kapstadt.

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation,
2000
2006 „The Great Wall 2006”, The Great Wall, Hamburg 2005 „Gleichzeitig in Afrika...“, Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg „New Identities“, JAG Johannesburg Art Gallery, Johannesburg, Südafrika „Girls Night Out“, João Ferreira Gallery, Kapstadt, Südafrika „New Identities“, Pretoria Art Museum, Pretoria, Südafrika „Cape Town Month of Photography“, The South African Centre for Photography, Kapstadt, Südafrika 2004 „Dak´Art 2004“, Biennale Dakar, Dakar, Senegal „New Identities Contemporary South African Art“, Museum Bochum, Bochum „10 Years 100 Artists“, Bell-Roberts Gallery, Kapstadt, Südafrika „Coup de Coeur II“, Crac Alsace - Centre rhénan d´art contemporain, Altkirch, Frankreich „Staged Realities“, Michael Stevenson, Kapstadt, Südafrika „Visions of Paradise“, João Ferreira Gallery, Kapstadt, Südafrika 2003 „Sexualität und Tod“, Rautenstrauch Joest Museum, Köln „Africa Appart“, NGBK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V., Berlin 2001 „The Short Century”, Museum Villa Stuck, München „The Short Century”, Haus der Kulturen der Welt, Berlin „Head North“, Bildmuseet, Umeå, Schweden „History Now“, Dunkers Kulturhus, Helsingborg, Schweden 2000 „Emotional Geographies: Reimaging the Past in Post-apartheid Narrative”, Foto Biennale, Rotterdam, Niederlande „Messages from the Moat”, Old Archive Building, Den Haag, Niederlande 1999 „Truth Games”, Dakawa Art Centre, Grahamstown, Südafrika „Dreams and Clouds”, Museum of Fine Art, Göteborg, Schweden „Liberated Voices: Contemporary Art from South Africa”, The Museum for African Art, New York, USA 1998 „Fotofest”, Houston, Texas, USA 1997 „Alternating Currents – Electric Workshop”, Johannesburg Biennale, Newtown, Johannesburg, Südafrika 1996 „Colours: Contemporary Art from South Africa”, Haus der Kulturen der Welt, Berlin „Insight: Four Artists from South Africa”, Wright Gallery, New York, USA 1995 „Kunstlijn“, CAL Foundation, Hoorn, Niederlande „Objects of Defiance, Spaces of Contemplation”, Museum Africa, Johannesburg, Südafrika 1994 „Out of the Ashes”, Fortaleza de la Cabana, 5th Bienal de la Habana, Havanna, Kuba 1993 „The Last Supper Revisited“, Irma Stern Museum, Kapstadt, Südafrika „XLV Biennale die Venezia”, Biennale die Venezia, Venedig, Italien 1992 „9th Biennale of Sydney”, Gallery of New South Wales, Sydney, Australien 1986 „Searching for Self Expression”, Lowenstein Library, Fordham University, New York, USA 1985 „Women Artists Collect“, Fresno Gallery 25, California, USA 1979 „South African Biennale“, SA National Gallery, Kapstadt, Südafrika

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Hotels an Better Lives”, João Ferreira Gallery, Kapstadt, Südafrika „Hotels an Better Lives”, GoodmanGallery, Johannesburg, Südafrika 2003 „Sue Williamson“, Centre d´Art Contemporain, Brüssel, Belgien 2002 „The Last Supper Revisited”, National Museum for African Art, Washington, USA 2001 „Can´t Forget, Can´t Remember“, S.A. National Gallery, Kapstadt, Südafrika „Messages from the Moat”, Archive Building, Casuarie Str., Den Haag, Niederlande 2000 „Truth Games”, Dakawa Art Centre, Grahamstown, Südafrika 1998 „Truth Games“, Goodman Gallery, Johannesburg, Südafrika „Truth Games”, Joao Ferreira Gallery, Kapstadt, Südafrika 1994 North Dakota Museum of Art, Grand Plains „Out of the Ashes”, The Goodman Gallery, Johannesburg, Südafrika „5th Biennale of Havana”, Biennale of Havana, Havanna, Kuba 1993 UCT Irma Stern Museum, Kapstadt, Südafrika 1985 On The Wall Gallery, Medford, Oregon, USA Market Gallery, Johannesburg, Südafrika 1984 Gallery International, Kapstadt, Südafrika 1981 Gowlett Gallery, Kapstadt, Südafrika

Merits

Sue Williamson wurde 1995 mit dem Vita Now Art Prize ausgezeichnet .

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)

Colours

Contemporary Art from South Africa

(24 May 96 - 18 August 96)

Www

Online-Magazin Artthrob