Rohan de Saram

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genre(subgenre):
Musik (Avantgarde, Fusion, Improvisation, Neue Musik)
region:
Europe, Western
country/territory:
England (UK)
city:
Sheffield
created on:
May 20, 2003
last changed on:
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Rohan de Saram
Rohan de Saram © Naive

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An den Steilhängen der Avantgarde

Der 1939 in Sheffield als Sohn ceylonesischer Eltern geborene Rohan de Saram gehört als Cellist zu den wichtigsten Interpreten der Avantgarde: Seit 1979 Mitglied des renommierten Arditti String Quartet, agiert er im Grenzbereich zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik. Er hat mit dem Quartett und als Solist mit führenden zeitgenössischen Komponisten (u.a. Xenakis, Ligeti und Berio) zusammengearbeitet. Außerdem spielt er immer wieder in verschiedenen Formationen der neuen Musik und Improvisationsprojekten.
Der 1939 in Sheffield (Großbritannien) geborene Cellist Rohan de Saram gehört zu den wichtigsten Interpreten der Avantgarde. Seit 1979 ist er Mitglied des renommierten Arditti String Quartet, das in Zusammenarbeit mit zeitgenössischen und Avantgardekomponisten viele Werke der Neuen Musik uraufgeführt und interpretiert hat. Das Quartett vertritt die Ansicht, dass eine enge Zusammenarbeit mit den Komponisten entscheidend für den Interpretationsprozess moderner Musik ist. Daher versucht es mit jedem Komponisten, dessen Musik es spielt, zu kooperieren. Weltpremieren der Werke von Komponisten wie Birtwistle, Cage, Carter, Ferneyhough, Glass, Gubaidulina, Kagel, Kurtag, Maxwell, Davies, Nancarrow, Nono, Schaeffer (während der 5. Internationalen Akademie für Neue Komposition 1997 wurde in der Kirche St. Martin in Schwaz Schaeffers VII. Streichquartett vom Arditti-Quartett uraufgeführt), Pärt, Rihm, Stockhausen und Xenakis zeigen die große Bandbreite im Repertoire des Arditti-Quartetts.

Die Zusammensetzung des Quartetts hat sich mehrere Male gewandelt, Cellist Rohan de Saram ist neben dem Namensgeber und Leiter Irvine Arditti das älteste Mitglied der heutigen Formation. Bisher hat die Arditti „Factory“ – das sind zur Zeit Irvine Arditti, Graeme Jennings (Violine), Dov Scheindlin (Viola) und Rohan de Saram (Violincello) – mehr als 100 CDs aufgenommen. Was ihr Spiel bei aller Unterschiedlichkeit der Komponisten stilübergreifend kennzeichnet, ist seine ungeheure Prägnanz in Artikulation und Zeitgestaltung, gepaart mit Leichtigkeit und Transparenz. Die Grundhaltung des Quartetts ist mehr sachlich als expressiv.

Rohan de Saram stieß 1979 zu der Gruppe, die damals wie heute eine vorbehaltlose Offenheit dem Neuen gegenüber auszeichnete. Und diese Offenheit ermöglicht es Rohan de Saram auch, mit verschiedenen Komponisten, Musikern und Formationen ganz unterschiedliche Wege zu beschreiten. Sowohl als Mitglied des Quartetts wie auch als Solist arbeitete er mit vielen führenden zeitgenössischen Komponisten zusammen. Einer der ersten war Xenakis mit seinem Werk „Korros“ für Cello solo, das Rohan de Saram in Großbritannien zur Erstaufführung brachte.

Seine Interpretation von „Nomos Alpha“, ebenfalls von Xenakis, erhielt großes Lob vom Komponisten. Weitere Stationen seiner Zusammenarbeit mit Komponisten waren: die britische Erstaufführung einer frühen Sonate von Ligeti, die Uraufführung von „Racine 19“ von Pousseur, einem Werk, das auf einer 19-Ton-Skala beruht, sowie die britische Erstaufführung von „Il Ritorno degli Snovidenia“ für Violoncello und Orchester von Berio. Nach der Aufführung schrieb ihm Berio: „Ihre Interpretation von ‚Ritorno‘ ist großartig. Aber darüber hinaus sind Sie durch Ihren Klang, Ihre perfekte Intonation, Ihre Phrasierung und Ihre Bogentechnik ein großer Interpret jeglicher Musik.“ In der letzten Zeit ist Rohan de Saram mit Uraufführungen von Werken von Simon Holt und James Dillon hervorgetreten.

Er spielte und spielt aber auch gerne mit Gruppen, in denen sich seine Improvisationslust entfalten kann, wie die legendären Klangkünstler der 1966 von Keith Rowe gemeinsam mit Eddie Prevost und Lou Gare gegründeten Improvisationsgruppe AMM. Mit dem Kontrabassisten Stefano Scodanibbio bereichert er seit Jahren Aufführungen Neuer Musik im Duo, das gelegentlich durch Irvine Arditti oder Markus Stockhausen und andere erweitert wird. Und wenn auf der EXPO 2000 in Hannover ein Stück für Sopran, Streichquartett, Schlaginstrumente und Tape (1999/2000) wie „Abstrakte Reise“ von Christian Utz aufgeführt wird, dann holt man sich Rohan de Saram für den Cellopart.

Auch Rajesh Mehta holte sich den Cellisten im Sommer 2000 zum Beginn seines Projektes „Innovative Music Meeting“ ins Berliner „Haus der Kulturen der Welt“. Darin begegneten sich der zeitgenössische Trompeter und Komponist Rajesh Mehta, der Meister der südindischen Mndangam Trishy Sankaran und Rohan de Saram mit seinem Violoncello. Das besondere dieses Unterfangens war die gemeinsame Recherchephase zwischen drei Individualisten aus sehr unterschiedlichen Traditionen, die sich in Kompositionen, Improvisationen gegenseitig inspirierten zu einer neuen Musiksprache, die nicht als traditionell oder zeitgenössisch allein definiert werden kann. In dem gegenseitigen Respekt und der kommunikativen Herausforderung zwischen ihnen entstand eine neue innovative Musik, die selbst die Genregrenze der Avantgarde sprengte. Die drei hatten sich schon vorher zu einer Plattenproduktion getroffen und dann völlig ohne Proben die Aufnahme gemacht, so dass „Innovative Music Meeting“ vollständig aus improvisierter Musik besteht.

Das Resultat des Konzerts im HKW ist trotzdem – wie es sich für freie Improvisation gehört – von der CD verschieden, auch wenn es sich auf derselben Grundlage bewegt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung jubelte damals: „Es hebt an eine Art instrumentalen Suchens nach Tönen, Tongebilden, Tonsubjekten, wie im luftleeren Raum oder wie aus der Ferne langsam herannahend. Jeder der drei Musiker kreiert eine Melodie oder ein Geräusch oder ein Melodiegeräusch, in der Folge wird dies, häufig in mikrotonalen komplementär-rhythmischen Fortschreitungen, zugleich kollektiv und individuell entwickelt, Überraschungen nicht ausgeschlossen. Mal wähnt man sich zu Gast im Haus der südindischen Musik, um sich unversehens auf das Terrain der klassischen Moderne versetzen zu lassen, mal lauscht man in die Stille der kaum hörbaren Pianissimo-Pizzicati des Cellisten hinein, wie sie etwa Lachenmann komponiert und findet sich plötzlich wieder in der Welt des improvisierten Jazz. Zusammen genommen, hochgradig spannend. Ein Wechselbad zwischen Trance und leichter Ekstase.“ (FAZ, 9. 6. 2000)


Veranstaltungen im HKW:
Mittwoch, 7.6. 2000
Innovative Music Meeting
Rajesh Mehta, Trichy Sankaran, Rohan de Saram
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Bio

Rohan de Saram wurde 1939 in Sheffield als Sohn von Eltern aus Sri Lanka (damals Ceylon) geboren. Schon mit zwölf Jahren hatte er bei bei Cassado an der Academy Chigiana in Sienna und bei Casals in Puerto Rico zu studieren begonnen. Zu den Dirigenten, unter denen er arbeitete, gehörten Boult, Barbirolli, Sargent, Mehta, Ozawa und Colin Davis. Seine ersten Konzerte in den USA gab er auf Einladung von Mitropoulos.

In den letzten Jahren befasste er sich immer mehr mit der Interpretation zeitgenössischer Musik und ist seit 1979 Mitglied des Arditti- Quartetts. Sowohl als Mitglied des Quartetts als auch als Solist arbeitete er mit vielen führenden zeitgenössischen Komponisten wie Xenakis, Ligeti und Berio zusammen. Darüber hinaus ist und war er in verschiedene Avantgarde- und Improvisationsprojekte involviert.

Works

With the Arditti String Quartett (Choice)

Published Audio,
2003
COHN Stephen Eye of Chaos Albany TROY 159 GOLDSTEIN Burt Aspen Quartet DAVIS Donald Bleeding Particles STALVEY Dorrance Quartet GUERRERO Francisco Zayin I-VII Almaviva DS-0127 WYSCHNEGRADSKY Ivan Quartets Nos. 1-3; Composition in Quarter-Tones; Trio Block Berlin EB201 CERHA Friedrich Quartets Nos. 1-3; Eight Movements after Hölderlin Fragments (with Th. Kakuska, vla, and V. Erben, vc) CPO 999 646-2 SORENSEN Bent Alman; Adieu; Angels Music Da Capo DCCD 9003a/b RUZICKA Peter ...über ein Verschwinden; Klangschatten; „...fragment...“; Introspezione; „...sich verlierend“ (with Dietrich Fischer-Dieskau, voice) ECM 1694 CARTER Elliott Quartets Nos. 1 and 4 Etcetera KTC 1065 CARTER Elliott Quartets Nos. 2 and 3; Elegy Etcetera KTC 1066 HAYASHI Hikaru Legende Fontec FOCD 3113 MIYOSHI Akira Quartet No. 2 NISHIMURA Akira Heterophony HOSOKAWA Toshio Urbilder, Quartet No. 2 BARTÓK Béla Quartet No. 4 Gramavision R2 79439 SCHNITTKE Alfred Quartet No. 2 GUBAIDULINA Sofia Quartet No. 3 BEETHOVEN Ludwig van Große Fuge Gramavision R2 79440 CRAWFORD-SEEGER Ruth Quartet REYNOLDS Roger Coconino...a shattered landscape NANCARROW Conlon Quartet No.3 XENAKIS Iannis Tetras CAGE John 30 Pieces for String Quartet; Music for Four Mode 17 CAGE John String Quartet in 4 Parts; Four Mode 27 OLIVERO Betty Golem Suite (with Giora Feidman, cl) PLÄNE Verlag 88808 SCELSI Giacinto Quartets Nos. 1-5; Khoom; String Trio SalabertActuel, SCD8904/5-HM83 RASMUSSEN Karl Aage Solos and Shadows; Surrounded by Scales Society for Danish Music STOCKHAUSEN Karlheinz Helikopter-Streichquartett Stockhausen-Verlag 53 A & B LIGETI György Quartets Nos. 1 and 2; Two Movements; Ballade und Tanz (for 2 vlns); Hyllning (for vln and vc) SONY SK62306 HENZE Hans Werner Quartets Nos.1-5 Wergo (WER 60114/15-50)

Die Violoncellosuiten. Benjamin Britten – Rohan de Saram

Published Audio,
2000

Innovative Music Meeting Rajesh Mehta, Trichy Sankaran, Rohan de Saram

Published Audio,
2000
True Muze: 2000

Www

Homepage des Künstlers

video

"In time"

von der CD "Innovative Music Meeting"
true muze
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Konzertausschnitt

aus: "Innovative Music Meeting"
Haus der Kulturen der Welt, 07.06.2000
© Manuel Forster
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