Shaheen Merali

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crossroads:
Globalisierung, Interkulturalismus, Körper, Kolonialismus, Metropole, Migration, Mobilität, Populärkultur, Rassismus, Rebellion, Schönheit, Transformation, Traum, Wahrnehmung
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Bildhauerei, Collage, Curating Art, Installation, Performance)
region:
Africa, Eastern, Europe, Western
country/territory:
Tanzania, England (UK), Germany
created on:
December 7, 2007
last changed on:
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Shaheen Merali
Shaheen Merali. c) Jens Liebchen

Article

Ansteckender Enthusiasmus

Die kulturellen und sozialen Besonderheiten jedes von ihm besuchten Ortes fängt der Künstler, Kurator, Wissenschaftler, Autor, Beobachter und Globetrotter Shaheen Merali leidenschaftlich ein. Seine Kunst wurde weithin ausgestellt und er kuratierte über 20 internationale Ausstellungen. Merali hält einen B.A. mit Auszeichnung in den Bildenden Künsten (Skulptur). Derzeit ist er Leiter des Bereichs für Kunst, Film und Neue Medien am Haus der Kulturen der Welt in Berlin.
Shaheen Meralis kuratorische Praxis befasst sich mit allen Formen kultureller Wandlungen. Diese schließen etwa die vielgestaltige Dynamik und die weit verzweigten Wurzeln und Beziehungen der transatlantischen Schwarzen Kulturen im bahnbrechenden Projekt „The Black Atlantic” (Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2004), die vielschichtigen Wirklichkeiten des zeitgenössischen Israel und seiner besetzten Gebiete in „Traum und Trauma: Moving Images and the Promised Lands“ (Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2005) sowie die asiatische Reinterpretation internationaler zeitgenössischer Kunst in „The First Chapter-Trace Root: Unfolding Asian Stories“ (Kokurator, Gwangju Biennale 2006) mit ein. Es sind genau diese Interessen, die in „all our tomorrows: the culture of camouflage“ (2006/07, Kunstraum der Universität Lüneburg) zu einer Sammlung von Werken internationaler Künstler führten, die eine so genannte „Kultur der Camouflage“ benutzen, um die „Verhältnisse der Vorherrschaft mit Blick auf die Praxis der Freiheit“ zu untersuchen. \1

Meralis jüngstes kuratorisches Projekt war ein Zusammentragen einer Auswahl von „ Werke(n) von KünstlerInnen mehrerer Generationen aus verschiedenen sozialen, politischen und ethnischen Schichten, deren Zusammenhalt einzig durch den eng umgrenzten Raum der Stadt New York gewährleistet wird. \2

Merali stellte einmal fest: „ Eines der bedeutendsten Paradigmen des menschlichen Bewusstseins ist ‚Widerstand’ – er macht uns zu denen, die wir sind, die wir sein wollen, er fördert ein Gespür für Menschlichkeit – indem er uns einen Sinn für Macht verleiht…“ \3 Seine Ausstellungen spiegeln dieses Konzept weitgehend, ohne übermäßig politisch und/ oder erzieherisch zu wirken – sie lassen den Besucher nicht mit dem bitteren Geschmack zurück, nicht kritisch, nicht politisch, nicht engagiert genug zu sein. Trotzdem regen sie dazu an, unsere (eigenen) kulturellen, politischen Wahrnehmungen der Geschichte, der Gegenwart und/ oder Zukunft zu überdenken.

Die Themen, um die es in Shaheen Meralis Ausstellungen geht, spiegeln eine Vielzahl von Kulturen wider und finden an den denkbar verschiedensten Veranstaltungsorten statt. Ein Umstand, der zu seinem derzeitigen Aufgabengebiet als Leiter der Bildenden Kunst, Film und Neue Medien im Haus der Kulturen der Welt in Berlin passt, wo er derzeit sitzt.

Aber für Merali geht es nicht nur darum, selbst Ausstellungen zu kuratieren. Um Projekte zu ermöglichen, die eine breite Auswahl kultureller Themen aus der ganzen Welt umspannen, lädt er regelmäßig bekannte internationale Kuratoren ein, damit sie Ausstellungen kuratieren, die die zeitgenössische künstlerische Praxis ihrer jeweiligen Herkunftsländer spiegeln. In der Folge fanden einmalige Ausstellungsprojekte zeitgenössischer Kunst im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt. Dia Ausstellung „Body.City - Siting Contemporary Culture in India” (Kuratoren Geeta Kapur und Jyotindra Jain, 2003) gab erstmalig in Deutschland einen umfassenden Überblick über die zeitgenössische indische Kunstszene. „Entfernte Nähe – Zeitgenössische Positionen iranischer Künstler” (Kuratorin Rose Issa, 2004) gab, ebenso erstmalig in Deutschland, einen „ausführlichen Überblick über die aktuellen Positionen von Künstlern iranischer Abstammung, die zwischen Teheran, London, Paris, Berlin und den Metropolen der USA arbeiten.“ \4

Darüber hinaus leitete und organisierte Merali unter anderem „Tropicalia, A Revolution in Brazilian culture” (Kurator Carlos Basualdo, 2006), „China – Zwischen Vergangenheit und Gegenwart” (Kuratoren Wu Hung und Christopher Philips, 2006) und „Räume und Schatten – Zeitgenössische Kunst aus Südostasien” (Kuratoren Jeab Gaweewong und Ong Keng Sen, 2005) sowie „Über Schönheit“ (Kurator Wu Hung, 2005).

Der endlose Reichtum der Möglichkeiten, Kunst vorzustellen, sie sorgfältig zu betrachten sowie ihre Beziehungen zu einem Begriff von Kultur und Identität, Traum und Realität, sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit Shaheen Meralis. Aber es sind nicht nur die Wechselwirkungen verschiedener Konzepte von Kultur, die seine Praxis ausmachen. Natürlich ist es auch die Kunst selbst - als ein Katalysator dieser Konzepte - und ihre Wahrnehmung, die ihn bewegt. So äußert er sich in einem Beitrag zur Diskussion über den rasant wachsenden zeitgenössischen Kunstmarkt, der einhergeht mit einem Hype um den zum Star gewordenen Künstler: „Die Ausstellung als ‚Event’ und nicht als visuelle Spekulation – sowie die Kunst, die für solche Ausstellungen gemacht und die zugleich ein neues Kapitel der Kunstgeschichte schreibt – lassen sich am besten entsprechend ihrer populistischen Aufmachung als große ‚Shows’ in unzähligen ‚Showrooms’ verstehen. Zunehmend stehen nicht mehr die Werke selbst im Mittelpunkt der Interpretation von Kunst und damit auch der Weiterentwicklung der Kunstgeschichte, sondern die KünstlerInnen und ihr Orbit (von Museumsquartieren über schwergewichtige Kataloge und als „Kunstmessen“ bezeichnete Zeltlager bis hin zur Galerienszene). \5

Für Merali bleibt die Kunstgeschichte nur der „point of departure“ \6 für das Schaffen und Zeigen von Kunst. Die Darstellung von Kunst liegt in der Vorbereitung jeder einzelnen Ausstellung, für ihn auch ein bedeutender kreativer Prozess und für sich genommen eine Herausforderung: „Das Kuratieren eines Ausstellungsprogramms ist sowohl eine private wie eine öffentliche Unternehmung. Es veranschaulicht durch die Auswahl und den Ausstellungsort ebenso viel über die Belange und Fähigkeiten des Künstlers wie über die Ambition und Motivation des Kurators. Mit einer solchen Überfülle an Material zu arbeiten, persönlichen Standpunkten und substantiellen Ideen, die in Bälde in den öffentlichen Raum eingeführt werden sollen, kann an diesem Punkt der Planungsphase entmutigend sein … Aber es ist innerhalb dieses aufregenden Prozesses, dass sich Kontakte auftun, die helfen, Zweifel zu verwischen; sie erlauben in der Folge eine Ausweitung in einen Raum außerhalb dessen, was ursprünglich ins Auge gefasst war, geplant oder ausgefertigt als ‚Die Ausstellung’“.\7

Neben dem Kuratieren von über 20 internationalen Ausstellungen hat Merali am Postgraduierten-Programm der Central Saint Martins School of Art and Design (1993-2003) gearbeitet und als Wissenschaftler an der School of Communications and Creative Industries der University of Westminster (2001-2003). Er ist Mitbegründer des Panchayat Arts Education Resource Unit in Ost-London, eines Archivs, das besonders die Bedürfnisse und Belange nicht-europäischer Künstler und Kulturschaffender adressiert. Seine Arbeiten als Künstler wurden sowohl national wie auch international ausgestellt, einschließlich zweier Überblickshows in New York, „Out of India“ im Queens- und „Transforming the Crown“ im Bronx Museum.

Meralis nahezu unzählbare Aktivitäten, die hier nur umrissen sind, spiegeln allesamt seinen ansteckenden Enthusiasmus über das, was er im Rahmen seiner Arbeit entdeckt und entwickelt, seine Leidenschaft: Kunst und ihre mannigfaltigen Komplexitäten und Realitäten.



Zuerst veröffentlicht im November 2007 von www.a-n.co.uk


Zitate:
1) Shaheen Merali, Pressemitteilung für die Ausstellung all our tomorrows: the culture of camouflage (23.11.2006).

2) Merali, States of Mind, in: ebd. (Hrsg.), New York – States of Mind. Art in the City (London: Saqi Books, 2007) S.ff. 16-38, S. 16.

3) Merali, www.blackatlantic.com/4/#, 4.22 Shaheen Merali – Kuratorisches Statement(19.07.2007).

4) Projektbeschreibung auf www.culturebase.net/project_detail.php?173 (18. Juli 2007).

5) Merali, States of Mind, S. 18.

6) Merali, States of Mind, S. 16.

7) Merali, www.blackatlantic.com/4/#, 4.22 Shaheen Merali – Kuratorisches Statement (19. Juli 2007).


Author: Yvette Mutumba

Bio

Die kulturellen und sozialen Besonderheiten jedes von ihm besuchten Ortes fängt der Künstler, Kurator, Wissenschaftler, Autor, Beobachter und Globetrotter Shaheen Merali leidenschaftlich ein. Seine Kunst wurde weithin ausgestellt und er kuratierte über 20 internationale Ausstellungen. Merali hält einen B.A. mit Auszeichnung in den Bildenden Künsten (Skulptur). Derzeit ist er Leiter des Bereichs für Kunst, Film und Neue Medien am Haus der Kulturen der Welt in Berlin.

Works

Erscheint in Kürze (2008)

Published Written,
2008
Re-Imagining Asia. A Thousand Years of Separation Hrsg. Shaheen Merali, Saqi Books gemeinsam mit dem Haus der Kulturen der Welt, London 2008 Young Indians Hrsg. Gayatri Sinha. Bodhi Art Gallery , Indien

Beiträge zu Büchern des Hauses der Kulturen der Welt und anderen

Published Written
Lisl Ponger. Photos and Films Hrsg. Landesgalerie Linz and Kunsthaus Dresden, Wieser Verlag, Klagenfurt 2007, für die Ausstellung: Lisl Ponger, Imago Mundi, ISBN: 978-3-85129-709-6 Beiträge von Shaheen Merali: Is it still you? Was it ever you? Can it ever be you? S. 135-146 Stopover Berlin. Asia-Pacific: Changing the World Hrsg. Annette Hulek, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2007 Beiträge von Shaheen Merali: “It’s so tiring for another artist to do a Mao thing” (Terence Koh im Gespräch mit Shaheen Merali) Das vermessene Paradies. Positionen zu New York Hrsg. Bernd M. Scherer / Detlef Diederichsen, Theater der Zeit gemeinsam mit dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2007, ISBN: 978-3-934344-97-6 Beiträge von Shaheen Merali: „Ich interessiere mich sehr für Mechanismen der Verweigerung“ (Fred Wilson im Gespräch mit Shaheen Merali), S. 134-145 „Ich mache Filme über die Welt und für die Welt“ (Jem Cohen im Gespräch mit Shaheen Merali), S. 240-253 Feindbilder. Ideologien und visuelle Strategien der Kulturen Hrsg. Lydia Haustein / Bernd M. Scherer / Martin Hager, Wallstein Verlag in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kultuern der Welt, Göttingen 2007, ISBN: Beitrag von Shaheen Merali: Sichtbarkeit und Ideologie. Künstlerische Strategien im Umgang mit Differenz Gwangju Biennale 2006. Fever Variations, Designhouse Co. Ltd, ISBN: 89-7041-935-7 Beitrag von Shaheen Merali: On Visuality, Ideology and Facilitating Artists, S. 45-55 Der Black Atlantic Hrsg. Haus der Kulturen der Welt in Zusammenarbeit mit Tina Campt and Paul Gilroy, Berlin 2004, ISBN: 3-9808851-5-1 Beiträge von Shaheen Merali: “Kunst kann Diskursthemen vorgeben. Die Welt verändern kann sie nicht” (Lisl Ponger und Tim Sharp im Gespräch mit Shaheen Merali), S. 99-111 “Ich erfinde mich nicht immer neu. So verzweifelt bin ich nicht” (Isaac Julian im Gespräch mit Shaheen Merali), S. 212-220 “Sind nicht alle Räume transkulturell?” (Keith Piper im Gespräch mit Shaheen Merali), S. 282-291 freeze/spin Hrsg. Nevin Aladag, Künstlerhaus Bethanien, Berlin 2003, ISBN: 3-932754-41-7 Beitrag von Shaheen Merali: Pop of Minority Interarchive. Archival Practices and Sites in the Contemporary Art Field Hrsg. B. v. Bismarck / H.P. Feldmann / H.U. Obrist / Diethelm Stoller / U. Wuggenig, Köln 2002, ISBN: 3-88375-540-0 Beitrag von Shaheen Merali: Panchayat, S. 276-280

Von Shaheen Merali herausgegebene Bücher/ Arbeiten

Published Written
New York States of Mind. Art in the City Hrsg. Shaheen Merali, Saqi Books gemeinsam mit Haus der Kulturen der Welt, London 2008, ISBN: 978-0-86356-681-3 Beiträge von Shaheen Merali: States of Mind, S. 16-38 „I make Films of the World and for the World“ (Jem Cohen im Gespräch mit Shaheen Merali), S. 198-206 Spaces and Shadows. Contemporary Art from South-East Asia Hrsg. Shaheen Merali, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2005, ISBN: 3-9808851-7-8 Beiträge von Shaheen Merali: Impression Management. Travel Notes on Singapore, Indonesia and Thailand, S. 28-31 “The statements of resistance are in the works, not in the words“ (Ong Keng Sen im Gespräch mit Shaheen Merali und Annette Bhagwati), S. 32-33 „Fun is the new weapon“ (Gridthiya Gaweewong im Gespräch mit Shaheen Merali und Annette Bhagwati), S. 34-35 “We resist because we have nothing” (Interview Philip Cheahs von Shaheen Merali), S. 36-37 Lipsmackin’, S.113 About Beauty Hrsg. Shaheen Merali, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2005, ISBN: 3-9808851-6-X Beiträge von Shaheen Merali: A Rose by any Other Name, S. 9-16 Far Near Distance. Contemporary Positions of Iranian Artists Hrsg. Shaheen Merali und Martin Hager, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2004, ISBN: 3-9808851-4-3 Beiträge von Shaheen Merali Tehrancentric and Iraninity, S. 20-29 Blackpop Hrsg. Shaheen Merali, Saqi Books, London 2004, ISBN: 0-86356708-8 ImagiNative. Research as Astistic Strategy Hrsg. Lisl Ponger / Tim Sharp gemeinsam mit dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2004, kuratiert von Shaheen Merali.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

RE ASIA

Ausstellung, Filme, Literatur, Tanz, Konferenz

(13 March 08 - 18 May 08)

New York

Exhibition, Film Programme, Music, Conferences

(23 August 07 - 04 November 07)

TRAUM UND TRAUMA

Moving Images and the Promised Lands

(02 December 05 - 18 December 05)

Black Atlantic

(17 September 04 - 15 November 04)