Ping Chong

Article Bio Works Projects
crossroads:
Globalisierung, Identität, Mystik
genre(subgenre):
Performing Arts (Doku-Performance)
region:
America, North
country/territory:
United States of America
city:
New York
created on:
May 21, 2003
last changed on:
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Ping Chong
Ping Chong. Courtesy: The artist

Article

Lebensgeschichte als Zeitgeschichte

KÜNSTLERSTATEMENT/ POSTKARTENPROJEKT DES HAUSES DER KULTUREN DER WELT 2007 „Nicht die Themen haben sich verändert, nur die Methoden, sie zu erforschen! Damals wie heute interessiere ich mich für das "Andere" in seiner Beziehung zum Ganzen und zum Vergehen der Zeit." (Ping Chong) Als Kind chinesischer Einwanderer in Manhattan aufgewachsen, hat sich der Schauspieler, Theaterregisseur und Experte für asiatische Theaterformen Ping Chong (geb. 1946) seit über zehn Jahren der Entwicklung einer neuen, dokumentarischen Theaterform verschrieben. “Undesirable Elements” ist ein immer wieder neu und einmalig gestalteter Versuch, individuelle Lebensschicksale von MigrantInnen szenisch auszuarbeiten und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Dahinter steht die klare Absicht, den Bedingungen einer zunehmend multiethnischen Gesellschaft Rechnung zu tragen, indem jenseits der Herkunft das Individuelle des Lebensschicksals hervorgekehrt wird.
Mit seinem mittlerweile in 18 Versionen aufgeführten Projekt “Undesirable Elements” vollzieht Ping Chong einen Umschwung vom kunstorientierten Theater der siebziger und achtziger Jahre hin zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Wirklichkeit multiethnischer Gesellschaften. Der Schwerpunkt von Chongs Arbeit habe sich “vom allegorischen zur Geschichte” verlagert, sagte Bruce Allardice, der langjährige Kompaniedirektor, einmal. Und Chong bestätigt: “Wo früher oft von Verrätselung und Unverständlichkeit im Zusammenhang mit meiner Arbeit die Rede war, gibt es jetzt eine ganz unmittelbare Verständnisebene.” Dabei arbeitet Chong nicht mit Schauspielern, sondern wählt gemeinsam mit Veranstaltern in der jeweiligen Region geeignete Kandidaten aus. Wesentliche Voraussetzung für die Teilnahme ist die Tatsache, in einer Kultur geboren und geprägt und dann in eine andere Kultur hineingekommen zu sein. Von “Schicksalsbomben” (fate bombs) ist in diesem Zusammenhang einmal gesprochen worden, von Schlüsselmomenten, die das Leben der betreffenden Person grundlegend verändert haben.

Meist sind es Einwirkungen der Zeitgeschichte wie Kriege, Vertreibungen, Unterdrückung, Flucht. Nach langen Interviews entsteht aus solchen persönlichen Erlebnissen ein Skript, das die Mitwirkenden später vortragen. Im immer gleichen Arrangement aus halbkreisförmig angeordneten Stühlen mit einem Mikrofon davor und auf einem sandigen oder mit grobkörnigem Salz bestreuten Boden tragen die Zugewanderten dann ihr Leben vor. In der Regel beginnen diese Inszenierungen mit einem historischen Überblick, der nach und nach in den Bericht vom eigenen Leben mündet.

Von diesen dokumentarischen Abenden wird übereinstimmend berichtet, dass sie eben keine “multikulturelle Revue” darstellen oder “im Stile von Bennetton-Anzeigen das Exotische ausschlachten”. Der Schwerpunkt auf den einzelnen, konkreten Lebensläufen und die sorgfältige Auswahl und Gestaltung des Interviewmaterials, das in ausführlichen Gesprächen und vorbereitenden Sitzungen gesammelt und komprimiert wird sowie die dramaturgische Aufbereitung, das Sprechen mit verteilten Rollen und eine Form der Ritualisierung im Akt der Darstellung verhindern effektheischende Melodramatik, ohne doch die Traumatisierung und die Brutalität der Einwirkung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse auf das einzelne Leben zu unterschlagen.

Ende 2002 hatte erstmals eine Fassung für Kinder und Jugendliche in Washington, D. C. Premiere. Die Arbeit “Children of War”, noch enger an der Grenzlinie zwischen Trauma, Therapie und dokumentarischer Aufklärungsarbeit angesiedelt, war neben dem künstlerischen Ansatz auch eine Studie darüber, wie rasch sich Jugendliche, die teils erst wenige Monate in den USA lebten, an ihre neue Umgebung akkulturieren, ihre ethnische wie politisch überschattete Herkunft aber als selbstverständlichen Teil ihres Lebens betrachten.

Den komplizierten Prozessen der Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen und den wechselseitigen Idealisierungen oder Verleumdungen hatte Ping Chongs Asien-Projekt gegolten, das zwischen 1990 und 1998 entstand. In den Stücken “Deshina”, “Chinoiserie” und “After Sorrow” ging es ebenfalls um die Wechselwirkung zwischen Geschichte und individuellem Leben. So handelte “Deshina”, 1990 als Auftragswerk zum 100. Todestag von Vincent van Gogh entstanden, vom kulturellen Kontakt zwischen Holland, Japan und Indonesien. Es endet mit dem ironischen Hinweis auf den Erwerb von van Goghs berühmtem Gemälde “Sonnenblumen” für fast 40 Millionen Dollar durch einen japanischen Käufer 1987. Chong, der sich selbst als “Reisenden” definiert, ist der komplexen Materie der Ethnizität auch durch seine eigene Biographie verbunden. Lange Zeit lebte er in Manhattan, ohne mit “Weißen” in Kontakt zu kommen; stattdessen gab es die jüdischen, die irischen, die italienischen Communities und hin und wieder Begegnungen mit der schwarzen Bevölkerung. “Wir haben alle friedlich nebeneinander hergelebt”, sagt Chong, “aber wir haben nichts übereinander gewusst.”
Author: Franz Anton Cramer 

Bio

Ping Chong wurde 1946 als Sohn chinesischer Einwanderer in Manhattan geboren und wuchs in Chinatown auf. Nach einigen Semestern Film- und Graphikstudium begann er mit einer Ausbildung als Theaterregisseur an der Pratt School. Seit 1977 arbeitet Ping Chong an eigenen Projekten und erhielt bereits im selben Jahr seinen ersten Obie Award für “Humboldt’s Current”. 2000 wurde er mit dem Obie Award für sein künstlerisches Gesamtwerk ausgezeichnet. Im Mittelpunkt seiner Theaterarbeit stehen Fragen nach kultureller Verständigung und nach einer Verbindung von persönlichem Erleben und geschichtlichen Prozessen. Seit 1992 verfolgt er sein Projekt “Undesirable Elements”, das bislang in zahlreichen US-amerikanischen Großstädten sowie in Tokio, Hongkong und Rotterdam realisiert wurde.

Works

Cathay: Three Tales of China

Production / Performance,
2005

Undesirable Elements/Twin Cities

Production / Performance,
2005

Native Voices/Secret History

Production / Performance,
2005

BLIND NESS

Production / Performance,
2005

God Favors the Predator

Production / Performance,
2004

Secret History/Seattle Youth

Production / Performance,
2004

SH/Journeys Abroad, Journeys Within

Production / Performance,
2004

Undesirable Elements/Pioneer Valley

Production / Performance,
2004

Undesirable Elements/Berlin

Production / Performance,
2004

Children of War

Production / Performance,
2002

After Sorrow

Published Written,
1997

Chinoiserie

Production / Performance,
1995

Deshina

Production / Performance,
1990

Kind Ness

Production / Performance,
1988

Nosferatu

Production / Performance,
1985

A.M./A.M. – The Articulated Man

Production / Performance,
1982

Humboldt’s Current

Production / Performance,
1977

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Postkarten Projekt

(01 March 07 - 31 December 08)

IN TRANSIT 2003

Customs – Nothing to declare

(30 May 03 - 14 June 03)