Jean-Paul Bourelly

Article Bio Works Projects Video www Extra
genre(subgenre):
Musik (Blues, Crossover, Fusion)
instruments:
Gitarre
region:
America, North, Europe, Western
country/territory:
United States of America, Germany
city:
Berlin
created on:
May 15, 2003
last changed on:
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Jean-Paul Bourelly
Jean-Paul Bourelly

Article

Jazz ohne Grenzen

Der 1960 in Chicago (USA) geborene Jean-Paul Bourelly ist ein außergewöhnlicher Sänger und virtuoser Gitarrist. Ursprünglich klassisch ausgebildet, spielt er heute einen Cross Over, "Jazz ohne Grenzen", den er selber "Blue Wave" nennt. Nach Jahren der Zusammenarbeit mit Jazz-Größen wie Cassandra Wilson, Pharaoh Sanders, Archie Shepp und Miles Davis, initiierte er in den neunziger Jahren diverse experimentelle Projekte und seit 1999 den "Back Room" im Berliner Haus der Kulturen der Welt.
Jean-Paul Bourelly ist ein außergewöhnlicher Sänger und Gitarrist, der auf der Musikbühne steht, seit er im Alter von 14 Jahren sein Debüt mit einem an Carlos Santana orientierten Hardrock gab.
Bourelly wuchs in einer Familie auf, die Musik liebte und die sich ihrer Traditionen bewusst war. Als haitianische Einwanderer waren die Bourellies in Kontakt mit der lyrischen haitianischen Musik, dem Voodoo-Kult und traditionellen Festen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen lernte Jean Paul Bourelly früh sein kulturelles Erbe und seine musikalischen Wurzeln kennen. Er erhielt eine Gesangsausbildung und sang schon im Alter von zehn Jahren im Lyric Opera House Rossini - mit weiß geschminktem Gesicht: "Damit wir wie kleine Italiener aussahen".

Trotzdem wurde Bourellys Musik vor allem durch seine Umgebung inspiriert. "Überall gab es Blues", erzählt er, "nicht nur im Radio. Er war überall zu hören, in den Straßen, in den Bars, aus den Fenstern...". Bourelly nahm Klavier- und Trommelunterricht bei Von Freemann und begann bereits mit 14 Jahren öffentlich aufzutreten. Doch dann kam die wirkliche musikalische Initialzündung: Als er mit 14 Jahren Jimi Hendrix hörte, entschied er sich auf der Stelle, die Instrumente zu wechseln. "Als ich das erste Mal die Gitarre in die Hand nahm, kam Blues heraus," erinnert sich Bourelly.

Mit dem Grundstock seiner klassischen Ausbildung, der Inspiration durch den Blues und schon beachtlichem technischen Können, das er noch erweitern wollte, zog Bourelly 1979 nach New York. Schon ein Jahr später spielte er eine herausragende Rolle bei Muhal Richard Abrams "Blues Forever", ein Album, das zur "Down Beat Record of the Year" gekürt wurde. Es folgten Kollaborationen mit den Drummern Roy Haynes und Elvin Jones sowie dem visionären Saxofonisten Pharaoh Sanders. Bald bekam Bourelly Engagements für Plattenaufnahmen wie "That Old Feeling" (Blue Note) und Cassandra Wilsons "Point of View". Miles Davis war so beeindruckt von Bourellys musikalischem Talent, dass er ihn für "Amandla" engagierte.

Jean-Paul Bourelly war eines der jüngsten Mitglieder der Musiker, die inzwischen die "Väter des Jazz" heißen. Seine Arbeit hat verschiedene musikalische Bewegungen beeinflusst, wie z. B. die "Black Rock Coalition" und die blühende "M-base"-Szene. Sogar in der Rockmusik war Bourelly für seine futuristische, funky und krachend verzerrte Gitarre bekannt. Er spielte gemeinsame Alben mit Robin Trower ("Guitar Speak II.I.R.S.") und Rod Steward ("Hendrix Tribute France") ein und stand mit Jack Bruce und Terry Bozio (in Stuttgart) sowie der Europäischen Rockband "Matalex" auf der Bühne.

Anfang der neunziger Jahre zog Jean Paul Bourelly nach Berlin, wo er die Richtung seiner Arbeit erneut veränderte. Nachdem er jahrelang auf großen Bühnen aufgetreten war, ging er nun ins Studio, um seine musikalischen Möglichkeiten hier weiter zu entwickeln. "Ich versuchte einen technischen Stand zu erreichen, der es mir ermöglichte, all die Technik um mich herum zu vergessen - und reines Feeling zu sein", beschreibt er sein Anliegen.

Trotzdem gab er die Live-Musik nicht auf. 1996 gründete er "African Boom Bop", dem u.a. der Senegalese Abdourahmane Diop mit seinem mächtigen Tenor angehört. Der Name bringt das Programm auf den lautmalerischen Punkt. "Boom Bop" spielt moderne Musik mit "Roots". Die Band lotet das mystische Band der musikalischen Sprache aus, das die verlorene Verbindung zwischen Westafrika und der gegenwärtigen Erfahrung Schwarzer in Amerika formt. Auf der Basis gemeinsamer Themen "schwarzer" Musik, die vom Leben in der Stadt, Spiritualität und Sinnlichkeit handeln, eröffnet "Boom Bop´s" Klangkaleidoskop der Weltmusik völlig neue Perspektiven: eine originäre moderne Mischung, in der sich die abwechselnden Solos auf einer harmonischen Struktur, die mit afrikanischen Rhythmen unterlegt ist, entwickeln.

Die Idee zu diesem afrikanisch-amerikanischen Crossover entstand, als Bourelly 1997 den Sänger, Trommler und Griot Abdourahmane Diop in Berlin traf, von dessen Erzählkunst er tief beeindruckt war. "Die freie Behandlung des Metrums, der fast wissenschaftliche Gebrauch rhythmischer Strukturen waren mir sehr vertraut. Auch wenn die harmonische Struktur senegalesischer Musik und des Jazz völlig unterschiedlich sind, haben wir schnell Wege gefunden, die verschiedenen Elemente zu einzigartigen rhythmischen und melodischen Mustern zu vereinen", erzählt Bourelly.

The Kundalini Mark Batson (von "Get Set V.O.P."), Darryl Jones (von den "Rolling Stones"), Melvin Gibbs (von der "Henry Rollins Band"), Reggie Washington und die Drummer Alfredo Alias und Will Calhoun (von "Living Colour") sind die Mitglieder von "Blue Wave Bandits", Bourellys neuester Formation. Mit diesem Line-up spielt er sich durch Jazz, Hip Hop, Funk und natürlich Blues - besser gesagt "Jungle World Blues".

Bei den "Heimatklängen 2001" in Berlin gelang es Bourelly seinen haitianischen Familienhintergrund mit seinen New Yorker Erfahrungen und dem "Back Room"-Projekt, das er im Berliner "Haus der Kulturen der Welt" initiiert hatte, zu verbinden. Im Berliner "Tempodrom" am Ostbahnhof trat er mit "Ayibobo" auf. Eine Band, die er in New York mit haitianischen Musikern gegründet hatte, die gezwungen waren ins Exil zu fliehen, da unter der Diktatur von "Papa Doc" Rootsmusik illegal war.

Der Auftritt im Sommer 2001 ist das bisher letzte in einer ganzen Reihe von Projekten, die Bourelly seit Beginn 2000 im "Haus der Kulturen der Welt" unter dem Namen "Back Room" veranstaltet. Anders als bei Festivals, bei denen nur die Endprodukte interessieren, stehen beim "Back Room" der künstlerische und kreative Prozess, die Interaktionen und der Austausch im Zentrum. International renommierte Musiker und Gruppen wie Doudou N´Diay Rose, Kip Hanrahan, El Negro Horacio Hernandez, Palghat R. Raghu, Hassan Hakmoun und Milton Cardona probten hier eine Woche gemeinsam mit in Berlin lebenden Musikern aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Den Abschluss bildete jeweils ein experimentelles Konzert: das "Back Room-Konzert". Hier präsentierten die Musiker das gemeinsame Resultat des Austausches ihrer verschiedenen musikalischen Traditionen und Vorlieben und kreieren dabei mitunter neue Trends. Im Grunde hat Jean-Paul Bourelly nie etwas anderes gemacht.

Bio

Jean-Paul Bourelly wurde am 23. November 1960 in Chicago, Illinois (USA), geboren. Seine Eltern waren Einwanderer der ersten Generation aus Haiti. So wuchs er in Chicago auf und lernte Yoruba-Musik von seiner Großmutter, während er gleichzeitig den elektrifizierten Blues von Muddy Waters aufsog. Er erhielt Gesangsstunden und sang schon mit zehn Jahren im Lyric Opera House Rossini. Bei Von Freeman erhielt er Klavier- und Trommelunterricht. Als er 1974 Jimi Hendrix hörte, wechselte er sofort das Instrument und nahm Gitarrenstunden.
1979 zog er nach New York und bekam ein Engagement bei Chico Hamilton. Es folgten Auftritte mit Muhal Richard Abrams, Roy Haynes, Elvin Jones, Mc Coy Tyner und Pharaoh Sanders. Auch Avantgarde-Musiker wie Olu Dara und der Alto-Saxofonist Henry Threadgill begrüßten ihn in den Reihen ihrer Formationen. Darüber hinaus bekam er sogar eine Rolle in Francis Ford Coppolas Cotton Club. 1989 engagierte ihn Miles Davis für "Amandla".

Seit Anfang der neunziger Jahren lebt Bourelly in Berlin. Seitdem veranlasste er eine Reihe von Projekten, die er auf verschiedenen Festivals präsentierte. Dort spielte er u. a. mit Vernon Reid, Mark Ribot, David Torn und Elliot Sharp. 1996 gründete Bourelly die Band "African Boom Bob", dem auch der senegalesische Sänger, Griot und Trommler Abdourahmane Diop und der Perkussionist Mino Cinelu angehören. Daneben spielt Bourelly mit den "Blue Wave Bandits", seiner neuesten Formation. Im Jahr 1999 initiierte er im Berliner Haus der Kulturen der Welt das "Back Room"-Projekt.

Works

Boom Bop

Published Audio,
2008
Jazz Magnet (Cargo Records)

CutMotion

Published Audio,
2007
jpgotmangos

News from a darked out room

Published Audio,
2005
phonector

Jean-Paul Bourelly & Ayibobo: Free Style

Published Audio,
2003
DIW Records

Ayibobo: Stone Voudou

Published Audio,
2001
Diw

Boom Bop II Trance Atlantic

Published Audio,
2001
Doublemoon

Boom Bop

Published Audio,
2000
POA Records

Vibe Music

Published Audio,
1999
POA Records

Fade to Cacophony - Live

Published Audio,
1996
DIW Records

Rock the cathartic Spirits: Vibe Music & the blues

Published Audio,
1995
DIW Records

Blackadelic-blue

Published Audio,
1994
DIW Records

Tribute to Jimi

Published Audio,
1994
DIW Records

Saints and Sinners

Published Audio,
1993
DIW Records

Trippin

Published Audio,
1991
Enemy Records

Jungle Cowboy

Published Audio,
1987
Polygram

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Black Atlantic

(17 September 04 - 15 November 04)

The Back Room

(01 January 98 - 14 June 05)

Www

Bourellys Homepage


video

"Harmofunkalodica"

von der CD "Trance Atlantic (Boom Bop II)"
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Interview mit Jean-Paul Bourelly

play video

Konzertausschnitt

aus "Boom Bop: the Quartet"
Haus der Kulturen der Welt, 07.07.2001

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extra

Konzertausschnitt

aus "Boom Bop: the Quartet"
Haus der Kulturen der Welt, 07.07.2001

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