Anouar Brahem

Article Bio Works Video www
crossroads:
Moderne, Tradition
genre(subgenre):
Musik (Filmmusik, Jazz, klassische arabische Musik)
region:
Africa, Northern
country/territory:
Tunisia
city:
Tunis
created on:
May 15, 2003
last changed on:
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Anouar Brahem
Anouar

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Anouar Brahem - Traditionalist und progressiver Mu

Der 1957 in Tunis geborene Anouar Brahem ist Traditionalist und progressiver Musiker zugleich. Nicht nur in seiner Heimat Tunesien, sondern weltweit gilt er als herausragender Virtuose auf der Ud, die er wieder in ihre königliche Rolle als Soloinstrument der klassischen arabischen Musik eingesetzt hat. Zugleich ist Brahem bekannt für seine grenzüberschreitenden Kooperationen mit Musikern wie Jan Gabarek oder Choreographen wie Maurice Béjart. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilt: "Anouar Brahem ist auf der Suche nach neuen musikalischen Formen weitergegangen als viele andere Jazzmusiker."
Über seinen musikalischen Werdegang erzählt der tunesische Udspieler und Komponist Anouar Brahem in einem Interview, das er 1999 der Zeitschrift "folkroots" gab: "Die Ud oder arabische Laute ist ein symbolisches und mythisches Instrument in unserer klassischen Musik. Ich war zehn Jahre alt, als ich zu spielen begann, und war fasziniert von der klassischen arabischen Musik der zwanziger und dreißiger Jahre, einer Musik, die damals nicht mal mehr meine Großmutter hörte. Es war absolut nicht die Musik, die damals populär war, trotzdem, diese Musik zu hören und zu studieren hat mich immer fasziniert. Während meiner Studien an der Musikakademie von Tunis und für lange Zeit danach war ich ausschließlich an traditioneller arabischer Musik und der Musik großer Gelehrter interessiert.
Es war ein großes Glück für mich, dass einer meiner Lehrer Ali Sriti wurde, ein großartiger Lautenspieler, der zutiefst vertraut ist mit der modalen Tradition, besonders der Tradition des mittleren Ostens, also Ägyptens, des Libanons, Syriens und des Iraks. Er war berühmt als der größte Udspieler Tunesiens und meiner Meinung nach ist er heute der letzte Repräsentant dieser großen Tradition in unserem Land."
Nach seinem Studium an der Musikakademie von Tunis nahm Brahem Privatstunden bei Ali Sriti, gab Solokonzerte und gründete ein Takht-Ensemble. Konsequent arbeitete er daran, die Ud, die in der populären arabischen Musik normalerweise lediglich als Begleitinstrument eingesetzt wurde, wieder in ihrer königlichen Rolle als Soloinstrument der klassischen arabischen Musik einzusetzen. "Mit meinem sehr speziellen Interesse befand ich mich in völligem Gegensatz zum Zeitgeist. Und je tiefer ich in die traditionelle Musik eintauchte, desto stärker wehrte ich mich gegen das Konservatorium, gegen die Art und Weise, wie dort Musik gelehrt wurde und gegen die allgemeine Begeisterung für große Orchester. Es war eine Art Rebellion für mich. Ich verließ diese musikalische Szene, um ein wahrhafter Interpret der Tradition zu sein, einer Tradition, die den Menschen überhaupt nicht mehr bewusst war." (folkroots, 1999).

1981 ging Brahem nach Paris. Hier begegnete er Musikern mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Interessen. Brahem suchte die Zusammenarbeit sowohl mit Jazzmusikern als auch mit Musikern anderer Stile der klassischen arabischen Musik. Er arbeitete mit vielen Musikern, u.a. mit Maurice Béjart zusammen und gab Solokonzerte.

In Karthago gründete Brahem einige Jahre später mit Jazzmusikern aus Tunesien, der Türkei und Frankreich das Ensemble "Liqua 85" – Abdelwaheb Berbeche, Barabaros Erköse, François Jeanneau und Jean-Paul Céléa gehörten dazu. "Liqua 85" wurde mit dem "Großen französischen Nationalpreis" ausgezeichnet.

Zurück in Tunis, übernahm Brahem 1987 die Leitung des Musikensembles von Tunis, für das er auch diverse Stücke komponierte. Gleichzeitig setzte er seine Zusammenarbeit mit Musikern der klassischen arabischen Musik und der internationalen Jazzszene fort. So spielte er 1991 mit Barabaros Erköse, Kudsi Erguner und Lassad Hosni die von Manfred Eicher produzierte CD "Conte de l’incroyable amour" ein. 1994 folgte die CD "Madar" mit Jan Gabarek und Ustad Shaukat Madar. Über seine Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten und Bassklarinettisten John Surman und dem Bassisten Dave Holland, mit denen er 1998 durch Europa tourte und die CD "Thimar" aufnahm, sagt Anouar Brahem: "Musiker aus unterschiedlichen Kulturen begegnen sich oft nur oberflächlich. Doch John und Dave stoßen zur Essenz der Musik vor."

Bekannt ist Anouar Brahem auch für zahlreiche Kompositionen, die er für Kinofilme und Theaterstücke schrieb: Nouri Bouzids "Sabots en Or" und "Bezness", Ferid Boughedirs "Halfaouine" und Moufida Tlatis "Les Silences du Palais / Der Palast des Schweigens" gehören dazu. Der große Erfolg des Liedes "Ritek Ma Naaref Ouin", mit dem der tunesische Sänger und Ud-Spieler Lotfi Bouchnak Furore machte, stammt ebenfalls aus Brahems Feder.


Samstag, 10. Oktober 1998
Anouar Brahem - John Surman - Dave Holland

Anouar Brahem - Ud
John Surman - Sopransaxofon, Bassklarinette
Dave Holland - Bass

Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Bio

1957: Anouar Brahem wird in Tunis/Tunesien geboren.
1967: Beginn seiner Ausbildung am Nationalen Konservatorium von Tunis.
Studium der Ud. Zu seinen Lehrern gehört Ali Sriti, einer der hervorragendsten Ud-Spieler Tunesiens.
Nach dem Studium nimmt Brahem Privatstunden bei Ali Sriti, gibt Solokonzerte und gründet ein Takht-Ensemble. Konsequent arbeitet er daran, die Ud, die in der populären arabischen Musik normalerweise lediglich als Begleitinstrument eingesetzt wird, wieder in ihrer königlichen Rolle als Soloinstrument der klassischen arabischen Musik einzusetzen.
1981: geht Brahem für vier Jahre nach Paris.
1985: Gründung des Ensembles "Liqua 85" mit den Musikern Abdelwaheb Berbeche, Barabaros Erköse, François Jeanneau und Jean-Paul Céléa.
1985: Rückkehr nach Tunis.
1987: Übernahme der Leitung des Musikensembles von Tunis.
1990 Brahem spielt mit Béchir Selmi, Violine, und Lassad Hosni, Percussion, die CD "Barzakh" ein. Produzent ist Manfred Eicher.
1991: Die CD "Conte de l’incroyable amour" erscheint: Anouar Brahem, Ud, Barabaros Erköse, Klarinette, Kudsi Erguner, Nay, und Lassad Hosni, Percussion. Produzent ist wieder Manfred Eicher.
1994: Mit Jan Gabarek, Saxophon, und Ustad Shaukat Hossein, Tabla, spielt Anouar Brahem die CD "Madar" ein. (Produktion: Manfred Eicher)
1995: Die CD "Khomsa" mit Brahems Filmmelodien erscheint.
1998: Anouar Brahem spielt mit Dave Holland, Bass, und John Surman, Saxophon und Klarinette die CD "Thimar" ein. (Produktion: Manfred Eicher)

Works

Le Voyage de Sahar

Published Audio,
2006
Mit François Couturier, Jean-Louis Matinier. ECM 1915.

Le pas du chat noir

Published Written,
2002
Mit François Couturier, Jean-Louis Matinier. ECM 1792

Charmediterranéen

Published Audio,
2002
Mit dem Orchestre National de Jazz und Gianluigi Trovesi. ECM 1828

Astrakan café

Published Audio,
2000
Mit Barbaros Erköse, Lassad Hosni. ECM 1718

Thimar

Published Audio,
1998
mit Dave Holland, Bass, und John Surman, Saxophon und Klarinette

Khomsa

Published Audio,
1995

Madar

Published Audio,
1994
mit Jan Gabarek, Saxophon, und Ustad Shaukat Hossein, Tabla

Conte de l´incroyable amour

Published Audio,
1991
mit Barabaros Erköse, Klarinette, Kudsi Erguner, Nay, und Lassad Hosni, Percussion

Barzakh

Published Audio,
1990
mit Béchir Selmi, Violine, und Lassad Hosni, Percussion

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Offizielle Homepage des Künstlers

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"Astrakan café (1)"

von der CD "Astrakan Café"
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