Nekropsi

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genre(subgenre):
Musik (progressive metal, Rock)
region:
Middle East
country/territory:
Turkey
created on:
October 12, 2009
last changed on:
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 Nekropsi
Nekropsi © KONTRAPLAK

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Rock-Avantgarde vom Bosporus

Vor einigen Jahren geriet Istanbul mit seinem progressiven Musikleben in den Fokus des mitteleuropäischen Interesses. Schillernde Figuren wie der Pultkünstler Mercan Dede oder die Psychedelic-Band Baba Zula waren die plakativsten Exporte dieses Bosporus-Booms. Wer jedoch etwas tiefer gräbt, stellt recht schnell fest, dass die eurasische Millionenstadt nicht erst seit gestern über eine exzellente Rockszene verfügt. Eine der Galionsfiguren des Türk-Rocks ist seit fast zwanzig Jahren Nekropsi, ein Trio, das mittlerweile Kultstatus erlangt hat und zu den Pionieren im Istanbuler Alternativerock-Terrain gezählt werden muss.
Als die Band um die Kernbesetzung Cem Ömeroglu, Tolga Yenilmez (beide Gitarre) und Drummer Cevdet Erek Anfang der Neunziger zusammenkam, wirkte sie zunächst sehr „untergründig“: Demo-Tapes wurden eingespielt, erschienen im Eigenvertrieb und später bei ADA, dem türkischen Independent-Label mit dem wohl breitesten Spektrum überhaupt – von Folk bis hin zu kantigen Metal-Klängen. Von Anfang an wehrten sich Nekropsi gegen die anglo-amerikanische Dominanz der türkischen Rockszene: Zwar führen sie ihre Einflüsse auch auf die großen Idole der westlichen Welt wie Pink Floyd, King Crimson und Mekong Delta zurück, haben außerdem Vorlieben auf dem Elektro-Terrain wie Orbital und The Orb, jedes ihrer Stücke ist aber genauso unverkennbar wie unbewusst geprägt von Folkeinflüssen Anatoliens und des Nahen Ostens. So konnte man schon auf ihrem ersten, rein instrumentalen Album „Mi Kubbesi“ Progressive-Rock und Industrial in einem untrennbaren Amalgam mit traditionellen Anleihen ihrer Heimat erleben. Nekropsis Bühnenpräsenz sorgte dafür, dass sie als Opener für Faith No More, die Beastie Boys und das Duo Jimmy Page & Robert Plant spielten. Letzterer ließ sich nach einem Konzert der Band dazu hinreißen, sie „creepy and wild” zu nennen.

Trotz des frühen Ruhms trennten sich Nekropsi nach der Aufnahme einer weiteren CD – und das für nahezu ein Jahrzehnt. Erst 2007 wurde die Bandgeschichte mit dem passenden Titel „Volume 2, Published Every Ten Years“ fortgeschrieben. Eine neue Besetzung bestimmt nun diesen zweiten Lebensabschnitt der Band, doch Cem Ömeroglus Gitarre und Cevdet Ereks Drums residieren weiterhin im Zentrum des Sounds, der nun auch verstärkt vom Gesang gestaltet ist. Kerem Tüzün am Bass und Saitenmeister Gökhan Gorali sind ins Stamm-Lineup nachgerückt. Verschachtelte, komplexe Rhythmik, staccatoartige parallele Gitarren- und Bass-Gänge, Vokalarbeit, die mal düster deklamiert, mal in spaßigem Deutsch skandiert, oder sich wortlos in unheimlichen Arabesken ergeht, dazu technoide Strukturen mit Noise-Percussion, die auf messerscharfes, galoppierendes Metal-Vokabular trifft – so hört sich die neue Sprache von Nekropsi an. Das Comeback fiel auf fruchtbaren Boden: Im September 2007 waren sie der Überraschungs-Act zur Eröffnung der 10. Istanbuler Biennale, und ihre „Hippodrome Concerts” gestalten sie wie öffentliche Proben, in denen sich das Publikum um sie schart. Unbeschadet sind Nekropsi aus einer zehnjährigen Pause als unangefochtene Speerspitze der progressiven Bosporus-Liga hervorgegangen.

Author: Stefan Franzen

Works

Nekropsi - Sayi 2

Published Audio,
2006
CD A.K. Müzik

Nekropsi

Published Audio,
1998

Mi Kubbesi

Published Audio,
1995
Ada Muzik

Speed Lessons Part 1

Published Audio,
1992

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Worldtronics09

Festival of Electronic Music

(25 November 09 - 28 November 11)

Www

Homepage of the band