Laurie Young

Article Bio Works Projects
crossroads:
Identität, Popkultur
genre(subgenre):
Performing Arts (Tanz, Tanz / Choreografie)
region:
America, North, Europe, Western
country/territory:
Canada, Germany
city:
Berlin
created on:
May 30, 2003
last changed on:
Please note: This page has not been updated since July 2, 2003. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:

Article

´Where are you really from?´

Laurie Young, geboren 1973 in Toronto als Tochter von Einwanderern aus Hongkong, ist Tänzerin in der Kompanie Sasha Waltz & Friends. Im Mai 2000 zeigte sie ihre erste eigene Solochoreographie „Brand New Bag", in der sie sich mit ihrer ethnischen Herkunft und den identitätsstiftenden Momenten der Popkultur beschäftigt.
„Brand New Bag" arbeitet auf sehr lakonische Weise mit der Rolle globaler Popkultur im Leben des Einzelnen und mit den Schwierigkeiten, im Dschungel der Zitate aus Musik, Videoclip-Ästhetik und Mode einen eigenen Raum zu finden. Den markiert Young mit Klebeband, Vogelgezwitscher und Duftspray als synthetisches Idyll. Weil aber die Kultur – in Form von Radiorecordern – manchmal auch vom Himmel fällt, muss sie zuletzt einen Bauhelm tragen und gerät ziemlich aus dem Gleichgewicht, bis sie irgendwann ganz einfach das Feld wieder räumt. Gegen die Klischees der globalen Popkultur kommt offenbar niemand an, scheint Young zeigen zu wollen.

In einem Gespräch, das Johannes Odenthal, Leiter des Bereichs Musik, Tanz und Theater im Haus der Kulturen der Welt, im Herbst 1999 mit Laurie Young geführt hat, sagt die Tänzerin über ihre biographischen und künstlerischen Erfahrungen:

„Der tänzerische Ansatz unterscheidet sich in Europa und Kanada sehr stark. Meiner Ansicht nach wird in Europa sehr viel mehr improvisiert. Es gibt viel mehr Austausch zwischen Künstler und Choreograph, und das gefällt mir sehr.“

„Und kulturell? Ist Kanada Deine Heimat?“

„Kanada ist meine Heimat. Berlin auch. Ich habe zwei Zuhause.“

„Du hast auch noch asiatische Wurzeln.“

„Naja, es gibt eine ganze chinesisch-kanadische Geschichte. Ich gehöre zur ersten Generation, d. h. meine Eltern sind aus China, genauer gesagt aus Hongkong eingewandert. Die ethnische Herkunft wird immer einen wichtigen Faktor der Identität bilden. Es geht schon damit los, dass die Leute selbst in Kanada, vor allem aber in Deutschland, mich immer als allererstes Fragen, wo ich herkomme, oder auch, woher ich wirklich stamme. Das ist schon eine sehr persönliche Frage! Die Leute merken: Oh, du bist keine Weiße - und offenbar beruhigt es sie, dich zuzuordnen, und dabei spielt die ethnische Zugehörigkeit bei mir natürlich eine große Rolle. Asiatin zu sein ist aber nichts Substantielles, sagt nicht viel aus, sondern wird aus verschiedenen Quellen geprägt ... Es gibt so viele verkorkste, verfälschende Bilder über Asien! Wie prägt mich das jetzt, wie prägt das die anderen Menschen, und was hat das für Rückwirkungen auf mich? Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten der Identitätsbildung, aber Asiatin zu sein ist ohne Zweifel immer ein Hauptmerkmal, ganz egal, was das für mich selbst bedeutet.“

„Und ist diese Verbindung zwischen Ethnizität und kulturellem Umfeld für dich auf der Bühne, für deine künstlerische Entwicklung von Bedeutung?“

„Ja. Ja, das heißt ... es hängt davon ab, wie die anderen Menschen dich sehen. Ich möchte das Recht haben, nein zu sagen zu Dingen, die ich unangemessen finde, die mich in eine unangenehme Situation bringen. Und dann: Was stellt ein asiatischer Körper auf der Bühne dar, wie sehen die Leute mich, eine Asiatin, auf der Bühne? Verändert sich die Sicht auf eine Bewegung, nur weil ich Asiatin bin und man mich anders anschaut ...? Natürlich geht es beim Tanz auch darum."
Author: Franz Anton Cramer 

Bio

Laurie Young wurde 1973 in Toronto als Tochter von Einwanderern aus Hongkong geboren. Die Familie zog später nach Ottawa um. Dort begann Laurie Young mit ihrer Tanzausbildung. 1996 lernte sie bei einem Workshop Sasha Waltz kennen, die sie einlud, in Berlin Mitglied ihrer Kompanie „Sasha Waltz & Guests" zu werden. Young wirkte bei der Uraufführung von „Allee der Kosmonauten" (1996) sowie bei „Na zemlje" (1998) mit. Seit Frühjahr 2000 ist sie als Tänzerin Ensemblemitglied an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin und tanzte dort u. a. in den Produktionen „Körper", „S" und „17-25/4".

Works

„Cheap Jewelry.Ein Obstkorb für J. S."

Production / Performance,
2001
Choreographie und Co-Regie bei dem Theaterprojekt. Koproduktion von Podewil und Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin, im Rahmen des Festivals „reich und berühmt".

"Brand New Bag”

Production / Performance,
2000
Berlin

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Heimat Kunst

Kulturelle Vielfalt in Deutschland

(01 April 00 - 02 July 00)