Malikah

Article Bio Works Projects
genre(subgenre):
Musik (HipHop, Rap)
region:
Middle East
country/territory:
Lebanon
created on:
November 14, 2011
last changed on:
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 Malikah
Malikah © Promo

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Die Queen of Arab HipHop

Rap ist schon wichtig. Sehr wichtig sogar im Leben von Malikah. Aber es gibt eine Sache, die ist mindestens ebenso wichtig: Schuhe. Für das richtige Paar Sneakers lässt Malikah schon mal ein Dutzend Menschen durch halb Manila kutschieren und vor einem Laden sich die Beine in den Bauch stehen. Die einen scharren mit den Füßen, die anderen fragen alle zwei Minuten nach der Uhrzeit, und alle zusammen schwitzen, denn Manila im Mai ist sehr heiß, aber im klimatisierten Laden ist es schon zu eng. Der Fahrer des Minibusses hat das Hupen längst aufgegeben. „Stimmt, ich liebe Schuhe – welche Frau nicht?“, fragt die libanesische Rapperin. Und hat sie nicht Recht? Schon immer hat Malikah ihre Kunst auch so verstanden, dass der Rap libanesischen Frauen eine Stimme geben soll. In einem Track wie „Ya Imra´a“ fordert sie Freiheit für Frauen, Bildung und Gleichberechtigung. Malikah, die 1986 in Marseille geboren wurde, in Beirut aufwuchs und in den USA studiert hat, steht für ein modernes Frauenbild. Ihr Erfolg ist längst auch zum Symbol geworden für ein gewachsenes weibliches Selbstbewusstsein, das aber auch im relativ westlichen Libanon noch lange nicht selbstverständlich ist.
Irgendwann sitzen dann doch alle wieder im Bus, der sich durch den wahnwitzigen Verkehr quält. Rapper und Rapperinnen aus aller Welt, aus Kolumbien und Deutschland, dem Libanon, Kenia und von den Philippinen, dazu ein paar Menschen vom Goethe-Institut und Haus der Kulturen der Welt in Berlin, die den Workshop „Translating HipHop“ organisiert haben. Draußen ist Stau, drinnen unterhält man sich mit Geschichten aus der Heimat. Nazizi aus Nairobi erzählt, dass sie schon zwei Mal mit gezückter Waffe ausgeraubt wurde. Chefket aus Berlin will von den anderen wissen, welche Strafen auf den Besitz weicher Drogen in ihren Ländern stehen. Malikah spricht über arabische Kultur und Traditionen und darüber, dass ihr Heimatland Libanon die perfekte Mischung ist aus Ost und West.

Zuhause ist Malikah ein Star. Ein Rap-Star. Was relativ ist, denn HipHop ist im Libanon noch lange nicht Popmusik wie in der westlichen Welt, sondern immer noch eine Kunstform im Untergrund. Malikah, die eigentlich Lynn Fattouh heißt, hat sich nach dem arabischen Wort für Königin benannt. Sie reklamiert den Titel „Queen of Arab Hip-Hop“ für sich. Zumindest in ihrer libanesischen Heimat zu Recht: Sie ist die bekannteste Rapperin des Landes, moderiert Freestyle-Battles und HipHop-Sendungen im Fernsehen, in den Vereinigten Arabische Emiraten spielte sie im Vorprogramm von Snoop Dogg. Einige der Tracks, über die sie rappt, wurden produziert von DJ MUGGS, dem DJ der US-Band Cypress Hill, und demnächst soll ihr von FREDWRECK prodziertes erstes Album „The Coronation“ erscheinen.

Das alles reicht allerdings nicht zum Leben. Auch nicht die Auftritte in der ganzen arabischen Region, in Ägypten, Jordanien, Syrien, Tunesien, Kuwait oder dem Oman und im Rest der Welt. Fattouh arbeitet in Dubai für eine Werbeagentur. Sie musste Urlaub nehmen, um nach Manila zu kommen, um am Workshop teilzunehmen. Sie wird Urlaub nehmen müssen, um nach Berlin zum Festival und Kongress „Translating HipHop“ zu kommen.

Der Workshop ist ihr auch wichtig, weil sie andere Frauen trifft, die rappen. Die sind im HipHop sowieso selten, in arabischen Ländern erst recht. Beim Frühstück im Hotel an der heruntergekommenen Strandpromenade in Manila erzählen Malikah und ihre kenianische Kollegin Nazizi, wie gut die Weltsprache Rap funktioniert – auch und vor allem unter Rapperinnen. „Wir haben uns sofort miteinander verbunden gefühlt“, sagt Nazizi, die zuhause in Nairobi ein noch größerer Star ist als Malikah in ihrer Heimatstadt Beirut. Die ergänzt: „Aber wirklich sofort.“ Hier in Manila sind die beiden die einzigen Frauen, aber auf vorherigen Stationen haben sie Pyranja aus Deutschland und die Kolumbianerin Diana Avella kennengelernt. Sofort vereint hat die vier Frauen eine gemeinsame Erfahrung: In ihren jeweiligen Ländern jeweils allein unter Männern zu rappen. Auch deshalb haben sie beschlossen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Sie wollen sogar eine All-Girl-Rap-Group gründen, die Planungen für ein Album konkretisieren sich. Auch ein Name ist bereits gefunden: Lyrical Roses.

Doch auch die Weltsprache HipHop stößt mitunter an ihre Grenzen. In ihren Raps propagierte Malikah schon seit Jahren nicht nur ein weibliches, sondern auch ein arabisches Selbstbewusstsein, wetterte gegen die Herrschenden und gegen die Apathie der Jugend. Wenn man so will, hat Malikah vorweggenommen, was sich in den vergangenen Monaten nun auf den Straßen von Nordafrika und des Nahen Ostens manifestiert. Als Libanesin pflegt Malikah auch eine dezidierte Meinung zum Staat Israel, dem ihre Heimat mehrere Kriege zu verdanken hat. Kritisch sieht sie auch die Menschenrechtsverletzungen, für die sie Israel in der Verantwortung sieht. Doch dies wurde beim großen, Kontinente übergreifenden Treffen der Reimschmiede ausgespart. Ansonsten aber haben sich die Rapper aus aller Herren Länder ausführlich ausgetauscht, notfalls eben auch über Schuhe.
Author: Thomas Winkler

Bio

Lynn aka MC Lix aka Malikah, geboren 1986 in Marseille/Frankreich, hat libanesische und algerische Eltern. Aufgewachsen ist sie in Beirut während des Bürgerkriegs. Sie begann mit 16 Jahren, Musik zu machen. Ihren ersten Plattenvertrag hatte sie 2003 in der Tasche, nachdem sie an einem HipHop-Wettbewerb teilgenommen und gewonnen hatte. Malikah rappt auf Arabisch und Englisch.


Works

B.E.I.R.U. & T. Various

Published Audio,
2011
Juice CD Volume 110 (CD, Comp)

Utopia

Published Audio,
2011
Pyranja Records

Ya Lubnan

Published Audio,
2008
DJ Outlaw (2) - The Middle East´s Invasion (When Arab´s Unite) (CDr, Mixed). Outlaw Productions

Pimpin´ Phernelia

Published Audio,
2001
CD

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Translating Hip Hop

(10 November 11 - 12 November 11)