Breyten Breytenbach

Article Bio Works Merits
crossroads:
Apartheid, Exil
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Malerei)
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Essay, Gedicht, Roman)
region:
Africa, Southern, Europe, Western
country/territory:
South Africa, France
city:
Paris
created on:
May 13, 2003
last changed on:
Please note: This page has not been updated since December 15, 2010. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:
Breyten Breytenbach
Breyten Breytenbach

Article

Mischlingsherz

Breyten Breytenbach, geboren 1939, gilt als der bedeutendste Lyriker des Afrikaans. Bereits früh nach Europa emigriert, hatte er erste Erfolge mit seinen Lyrikbänden, die ihm in Südafrika mehrere renommierte Auszeichnungen eintrugen. Breytenbach engagierte sich zunehmend politisch gegen das Apartheidsregime. 1975 wurde er bei einem illegalen Aufenthalt in Südafrika verhaftet und wegen staatsfeindlicher Aktivitäten zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung kehrte er zurück in sein Exil nach Paris. Breytenbach veröffentlichte zahlreiche Essaybände und Romane, die er mehrheitlich in englischer Sprache verfasste. Auch nach dem Ende der Apartheid bleibt Breytenbach in der Bewertung der Perspektiven für das „Neue Südafrika" eher skeptisch. Breytenbach wurde auch als Maler durch Einzelausstellungen bekannt. Er lebt abwechselnd in Paris und Südafrika.
Breyten Breytenbach wurde am 16. September 1939 als eines von fünf Kindern einer angesehenen, aber armen bäuerlichen Familie in Bonnievale/Kapprovinz, Südafrika geboren. Er wuchs in der Kleinstadt Wellington auf, wo die Familie sich in den 1940-er Jahren ansiedelte. Ab 1958 studierte er an der Universität Kapstadt Kunst und Literatur. Um sich dem immer repressiver werdenden Klima der Apartheid zu entziehen, entschied er sich 1959 ins Ausland zu gehen. Nach verschiedenen Aufenthalten in Portugal, England, Norwegen und Frankreich, wo er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, kam Breytenbach 1961 nach Paris. Er unterrichtete Englisch, begann zu malen und schrieb erste Gedichte in seiner Muttersprache Afrikaans. Die ersten Bekanntschaften, die er in Paris machte, waren Exilmitglieder des African National Congress (ANC). Nach dem Verbot des ANC beschloss Breytenbach, in Paris zu bleiben und nicht nach Südafrika zurückzukehren.

1962 heiratete er Yolande Hoang Lien, eine Französin vietnamesischer Abstammung. Da diese „Mischehe“ gegen die südafrikanischen Rassengesetze verstieß, war eine Rückkehr nach Südafrika für Breytenbach und seine Frau nicht mehr möglich. 1964 hatte er eine erste Ausstellung seiner Bilder in der Galerie Espace in Amsterdam. Im gleichen Jahr erschien Prosasammlung „Katastrofes" („Katastrophen“) sowie der Gedichtband „Die ysterkoi moet sweet“ („Die Eisenkuh muss schwitzen“), die ihn in Südafrika bekannt machten. Stilistisch in der Nähe des europäischen Surrealismus kreisten die Gedichte motivisch um seine Situation des Abgeschnittenseins von Volk und Sprache und um seine ambivalente Zugehörigkeit zur „weißen Herrenrasse“ der Apartheid.

1964 wurde ihm hierfür der Afrikaanse-Pers-Boekhandel-Literaturpreis verliehen. Die gemeinsame Einreise mit seiner Frau zu diesem Anlass wurde ihm von den südafrikanischen Behörden verweigert, was zu einer zunehmenden Radikalisierung seiner politischen Haltung beitrug.

Er schloss sich der Gruppe der „Sestiger“ an, denen es darum ging, Literatur und politisches Engagement miteinander zu verbinden sowie die afrikaanssprachige Literatur aus der Bedeutungslosigkeit zu führen, und veröffentlichte seine Gedichte in der gleichnamigen südafrikanischen Literaturzeitung. Obwohl Afrikaans, seine „befleckte Sprache“, sich für Breytenbach in den 317 Apartheidgesetzen manifestiert, schätzt er selbst sie wegen ihrer multi-kulturellen Einflüsse aus Holländisch, Kreolisch, Portugiesisch, Malaiisch, Khoi, Arabisch und Zulu. Seine Gedichte waren so erfolgreich, dass ihm 1965 dafür der prestigeträchtige Afrikaans Corps-Preis verliehen wurde.

Obwohl er sprachlich in Südafrika als „Dante des Afrikaans“ hochgeschätzt wurde, wirkten seine scharfen Angriffe wie etwa der Lyrikband „Skrit“ (1972) oder seine politische Prosa, die er im Wesentlichen bis heute in englischer Sprache verfasste, aggressiv und verstörend. Breytenbach begann zunehmend gegen das Regime der Apartheid zu engagieren und war Mitbegründer der Oppositionsgruppe Okehela, die den politischen Widerstand außerhalb Südafrikas koordinieren sollte. 1973 erhielt er mit seiner Frau überraschend eine Besuchserlaubnis für Südafrika und hielt eine viel beachtete Rede an der Universität Kapstadt, in der er scharfe Kritik am afrikaansen Establishment artikulierte.

Zwei Jahre später reiste er im Auftrag Okehelas illegal nach Südafrika, wurde verhaftet und wegen terroristischer Aktivitäten zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Er verbrachte die ersten zwei Jahre in Isolationshaft im Hochsicherheitsgefängnis von Pretoria und wurde erst 1982 nach anhaltenden internationalen Protesten entlassen. Die Erfahrungen seiner Haft verarbeitete er in dem halb fiktiven „Mouroir: Bespieelende notas van ´n roman“ (1983), eine Sammlung von Texten, die während seiner Inhaftierung entstanden waren, sowie in „The True Confessions of an Albino Terrorist“ (1985), das als sein bekanntestes Werk gilt. Die Texte sind Versuche, sich der Erfahrung des Gefängnisses auf unterschiedliche Weise zu nähern und endgültig abzuschließen: als Bericht, als Reflexion oder als Traumvision, die Personen, Ereignisse, Details und Motivationen in immer neuen Konstellationen in Beziehung setzen.

Zurück in Paris nahm er 1983 die französische Staatsbürgerschaft an. In den achtziger Jahren unternahm er zahlreiche Reisen in Afrika und organisierte 1987 ein Treffen weißer und schwarzer südafrikanischer Schriftsteller mit ANC-Vertretern in Dakar, Senegal. 1989 gründete er mit einigen Freunden und Kollegen die Gorée-Stiftung, ein Kulturzentrum auf der ehemaligen Sklaveninsel Gorée im Senegal.

Ab 1983 stellte Breytenbach in einer Vielzahl von Einzelausstellungen in Europa und Südafrika aus. Seine Bilder, gewissermaßen eine Fortsetzung seiner Texte, sind visuelle Gedichte, mit denen er eine Verbindung des Malers mit dem Dichter eingeht. “Ich male nicht verschüsselt“, erklärte er 1998 anlässlich seiner Ausstellung in der Durban Art Gallery. „Malen ist meine Sprache, und ich rede über das Vokabular des Malens - die Farben, Strukturen, Rhythmen, Flächen, Dissonanzen, die Stille.“

1991 besuchte er zum ersten Mal seit seiner Haft Südafrika. Seine Bewertung des sich entwickelnden „Neuen Südafrika“ blieb skeptisch, wie in seinem Buch „A Return to Paradise. An African Journal“ („Rückkehr ins Paradies. Ein afrikanisches Journal“, 1993). In der Form eines Reisejournals beschreibt er seine Erfahrungen, die er auf seiner Reise durch Südafrika während der Übergangsphase 1991 gewonnen hat. Breytenbach hält hier die Gräben zwischen den Besitzverhältnissen auch für die Zukunft für kaum überbrückbar. In „The Memory of Birds in Times of Revolution“ („Die Erinnerung von Vögeln in Zeiten der Revolution") von 1997 äußert er aus der Distanz einer „kritischen Loyalität“ warnende Kritik an der Formation der politischen Kräfte, wobei er die Täter von gestern immer noch in den Schlüsselpositionen des „Neuen Südafrika“ sieht. In seinem bislang letzten Buch „Dog Heart“ („Mischlingsherz“) zeichnet er eine eher düstere Perspektive für die Zukunft Südafrikas.

Breyten Breytenbach war 1995 Mitbegründer des Zentrums für kreative Kunst an der Universität von Natal. Er lebt abwechselnd in Paris und Südafrika.
Author: Michael von Assel 

Bio

Breyten Breytenbach wurde am 16. September 1939 als eines von fünf Kindern einer angesehenen, aber armen bäuerlichen Familie in Bonnievale/Kapprovinz, Südafrika geboren und wuchs in der Kleinstadt Wellington auf. Ab 1958 studierte er an der Universität Kapstadt Kunst und Literatur. Nach verschiedenen Aufenthalten in Portugal, England, Norwegen und Frankreich kam er 1961 nach Paris. 1962 heiratete er Yolande Hoang Lien, eine Französin vietnamesischer Abstammung. 1964 erschien seine Sammlung mit Prosatexten „Katastrofes“ („Katastrophen“) sowie der Gedichtband „Die ysterkoi moet sweet“ („Die Eisenkuh muss schwitzen"), die ihn in Südafrika bekannt machten. 1964 wurde ihm dafür der Afrikaanse-Pers-Boekhandel-Literaturpreis sowie 1965 der prestigeträchtige Afrikaans Corps-Preis verliehen. Breytenbach war Mitbegründer der Oppositionsgruppe Okehela, die den politischen Widerstand außerhalb Südafrikas koordinieren sollte. 1975 reiste er illegal nach Südafrika, wurde verhaftet, verurteilt und erst 1982 freigelassen. Er verarbeitete die Erfahrungen seiner Haft in dem halbfiktiven „Mouroir: Bespieelende notas van ´n roman" (1983) sowie in „The True Confessions of an Albino Terrorist“ (1985). 1983 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. In den achtziger Jahren unternahm er zahlreiche Reisen in Afrika. 1989 gründete er ein Kulturzentrum auf der ehemaligen Sklaveninsel Gorée im Senegal. Seit 1983 war Breytenbach mit seinen Bildern in einer Vielzahl von Einzelausstellungen in Europa und Südafrika zu sehen. 1991 besuchte er zum ersten Mal seit seiner Haft Südafrika und veröffentliche darüber sein Buch „A Return to Paradise. An African Journal“ („Rückkehr ins Paradies. Ein afrikanisches Journal", 1993). In „The Memory of Birds in Times of Revolution“ („Die Erinnerung von Vögeln in Zeiten der Revolution“) von 1997 äußert er warnende Kritik an der Formation der politischen Kräfte. In „Dog Heart“ („Mischlingsherz") zeichnet er eine eher düstere Perspektive für die Zukunft Südafrikas. Breyten Breytenbach war 1995 Mitbegründer des Zentrums für kreative Kunst an der Universität von Natal. 1995 Lehrauftrag an der Universität Durban.
Er lebt abwechselnd in Paris und Südafrika.

Works

Mischlingsherz

Published Written,
1999
Biographie. Hanser: München

Die Erinnerung von Vögeln in Zeiten der Revolution

Published Written,
1997
Essays. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Spiegel in Flammen

Published Written,
1995
Ohne Angabe. Hamburger Ed.: Hamburg

Rückkehr ins Paradies

Published Written,
1995
Essays. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Erinnerung an Schnee und Staub

Published Written,
1992
Roman. Kiepenheuer & Witsch: Köln

Hart-Lam. ´n leerboek

Published Written,
1991

General

Published Written,
1990

Alles ein Pferd

Published Written,
1989
Texte und Bilder. Kiepenheuer & Witsch: Köln

Judas Eye and Self-Portrait / Deathwatch

Published Written,
1988
Ohne Angabe. Faber and Faber: London

Schlussakte Südafrika

Published Written,
1986
Essays. Kiepenheuer & Witsch: Köln

End Papers

Published Written,
1986
Essays. Faber and Faber: London

They Shoot Writers, Don´t They?

Published Written,
1984
Ohne Angabe. Faber and Faber: London

Mouroir

Published Written,
1984
Ohne Angabe. Faber and Faber: London

Wahre Bekenntnisse eines Albino-Terroristen

Published Written,
1984
Roman. Kiepenheuer & Witsch: Köln

Yk. Die vierde bundel van die ´ongedanste dans´

Published Written,
1984

Buffalo Bill. Die tweede bundel van die ´ongedanste dans´

Published Written,
1984

Augenblicke im Paradies

Published Written,
1983
Roman. Benziger: Zürich

In Africa Even The Flies Are Happy

Published Written,
1978
Gedichte. Calder: London

Kreuz des Südens, Schwarzer Brand

Published Written,
1977
Gedichte / Erzählungen. Wagenbach: Berlin

Lotus

Published Written,
1970

Merits

Afrikaanse-Pers-Boekhandel -Literaturpreis, (1964)
Afrikaans-Corps-Preis, (1965)
Van-der-Hoogt-Preis, (1972)
Poetry International Award, (1977)
Hertzog-Preis, (1984; nicht angenommen)
Premio Pasolini di Poesia (1985)
Literaturpreis der Sonntagszeitung "Rapport" (1986)
Ehrendoktor der University of the Western Cape (1988)
CNA-Preis (1990)
Alan-Paton-Literaturpreis der Johannesburger "Sunday Times" (1994)
Hertzog Prize für Poesie (1999)
CNA Preis (1989)
Helgaard Steyn Prize (1996)
Sunday Times/Alan Paton Preis für Non-Fiction (1994)
Hertzog Prize (1999)
De Kat-Herrie Prize at the KKNK (1998)
W.A. Hofmeyr Prize (2008)
University of Johannesburg-Preis für Kreatives Schreiben (2008)
Hertzog Prize (2008)
Max Jacob Prize (2010)
Mahmoud Darwish Preis (2010)