Takeshi Kitano

Article Bio Works www
crossroads:
Gewalt
genre(subgenre):
Film (Hongkong-Film, Komödie, Spielfilm)
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Filmdrehbuch)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
Japan
created on:
July 2, 2003
last changed on:
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Takeshi Kitano
Kitano Takeshi. Promo 2000

Article

Yakuza – eine ganze Menge Blut

Der Regisseur, Schauspieler, Autor, Bildender Künstler, TV-Star und Stand-up-Komiker Takeshi Kitano ist eine der bedeutendsten Medienpersönlichkeit in Japan. Galt er einerseits aufgrund zahlreicher Yakuza-Filme als ultra-cool, überraschte er andererseits auch durch sensible Studien. Mit „Hana-Bi“ gewann er 1997 den „Goldenen Löwen“ von Venedig und den „Europäischen Filmpreis“.
Wenn Takeshi Kitano als Detective Nishi in „Hana-Bi“ einen Gegner mit der Faust traktiert, dann geht dieser nicht einfach zu Boden, sondern das Blut spritzt bis an die Wände. Die drastische Darstellung einer allgegenwärtigen Gewalt findet sich in diesem genauso wie in den meisten anderen seiner Filme, deren Bücher Takeshi Kitano schrieb, in denen er Regie führte, meist gleich die Hauptrolle spielte und für den Schnitt sorgte. „Hana-Bi“, diese atemberaubende Geschichte von Gewalt, Liebe und Tod, wurde mehrfach preisgekrönt, darunter mit dem Goldenen Löwen in Venedig 1997 und als bester nichteuropäischer Film mit dem europäischen Filmpreis im selben Jahr ausgezeichnet.

Doch Takeshi Kitano hätte sich nicht das Prädikat eines Kultregisseurs verdient, wenn seine Filme nur Gewaltorgien zelebrierten. Sein Markenzeichen ist vielmehr seit „Violent Cops“ (1989), dem ersten Film, bei dem er in Personalunion Regisseur, Hauptdarsteller, Cutter und Autor war, die Mischung aus Melancholie, Poesie und kurzen, heftigen, schockierend realistischen Gewaltausbrüchen.

Auch „Hana-Bi“ ist kein Gewaltfilm. Die Gewalt tritt im Affekt auf, kurz und intensiv. Ansonsten ist der Film eher still – so wie seine Hauptfigur, der ehemalige Polizist Yoshitaka/Nishi. Neben der expliziten Gewalt gibt es sehr poetische Momente in der zärtlichen Beziehung und im wortlosen Umgang mit seiner Frau Miyuki. Nishi redet nicht. „Aber wenn er ausrastete, war Nishi wirklich zu fürchten. So wie damals, als er auf einen bereits Toten ein ganzes Magazin leer schoss,“ erzählt ein ehemaliger Kollege über ihn. Es gibt für Nishi auch nichts mehr zu sagen, seit seine Tochter starb, seine junge Ehefrau unheilbar krank ist, seit er sich viel zu hoch verschuldet hat – noch dazu bei einem Kredithai der Yakuza – und sich außerdem verantwortlich fühlt für den Tod seines Kollegen Tanaka bei der Tokioter Polizei sowie für die Lähmung Horibes, eines weiteren Kollegen.

Dem Zuschauer ist klar: Diese Situation kann der Mann nicht aushalten. Nishi verprügelt und verstümmelt die Schuldeneintreiber, lackiert ein gestohlenes Taxi in einen Streifenwagen um und überfällt in dazu passender Uniform eine Bank. Das erbeutete Geld soll dem schweigsamen Nishi keinen Ruhestand im Luxus bescheren, sondern etwas von der Last von seinen Schultern nehmen: Er zahlt mit einem Mal den Yakuza-Kredithai aus, schickt der Witwe Tanakas Geld und Horibe in der Erfüllung von dessen Herzenswunsch Farbe und Papier zum Malen. Das restliche Geld benutzt er, um mit seiner Frau Miyuki eine Reise zu machen und ihr so ihre letzten Tage zu erleichtern: Zum Fuji-San, in den Schnee und ans Meer – eine Sache, die sie sich wahrscheinlich ihr ganzes Leben gewünscht hat, aber wegen seines Berufes nicht verwirklichen konnte. Am Ende führt das – nach der Verfolgung durch die Yakuza und die ehemaligen Kollegen – unweigerlich zu dem schon seit dem Kabuki bekannten japanischen Motiv des Todes zweier Liebender.

„Ich will die Menschen mit Bildern, die sie bewegen, zum Nachdenken bringen – anders geht’s nicht, denn der Japaner von heute ist stumpf und geistlos, alles zieht an ihm vorbei, nichts regt sich in ihm. Etwas Echtes sucht man vergebens,“ erklärte Takeshi Kitano 1989. „Mein Film ‚Violent Cop‘ ist so etwas wie eine Kriegserklärung – und in der Tat, die im Jugendschutzbund sitzenden Eltern und Lehrer raten dringend von ihm ab.“ Kitano wählt gerne Hauptfiguren, die Schwierigkeiten haben, sich ins System einzupassen oder in einen Loyalitätskonflikt geraten. Üblicherweise endet das mit dem Versuch, die persönliche Integrität in einem würdevollen Tod zu bewahren.

„Violent Cop“ (1989), bei dem der Schauspieler Kitano eher zufällig an seine erste Regie gekommen war, wo also Buch und Crew vorgegeben waren, ist eine eigentlich recht konventionelle Krimigeschichte um die Aufdeckung eines Korruptionsfalles im Polizeikorps. Takeshi gibt hier den harten, desillusionierten Cop. Der ist ein gewalttätiger, mehr aber noch ein müder Mann. Und auch die Erzählung hangelt sich statt von Action zu Action eher zwischen den Ereignissen entlang, bis sie in einem klassischen Showdown ihr Ende findet.

In „Sonatine“ (1993), zu dem Kitano auch das Drehbuch geschrieben hat, kommt die Erzählung fast zum Erliegen, und das Spiel mit Form und Zeit wird wichtiger als die Story selbst. Es geht um Bandenkriege. Der Held ist kein Polizist, sondern ein Yakuza. Aber das macht kaum einen Unterschied. Denn auch er ist ein todmüder Killer. Der Film zeigt die unausgesetzte Bewegung als Stillstand: Wie sich Yakuza-Gangster auf Zwangsurlaub in Okinawa die Zeit vertreiben und dabei zu Kindern werden. „Sonatine“ lässt seine Helden das Leben nachspielen: Fallen legen, Russisch Roulette, nachgestelltes Yumoringen in einem auf den Strand gekratzten Zirkel vor dem Meer.

Während sich in „Violent Cop“, „Boiling Point“, „Sonatine“, und „Tana-Bi“ der Plot um und mit Gewalt entfaltet, demonstriert Takeshi Kitano in „A Scene at the Sea“, „Getting Any?“, „Kids Return“ und „Kikujiros Sommer“ eine unerwartete emotionale Sensibilität und einen zärtlichen Blick auf seine Personen.

„A Scene at the Sea“, die erschütternde Geschichte eines tauben Jungen und seiner Leidenschaft fürs Surfen, zeigt andere Facetten von Kitanos Talent. Higeru, der bei der Müllabfuhr arbeitet, findet zufällig ein altes Surfbrett, das in ihm den Traum weckt, Surf-Champion zu werden. Mit viel Geduld repariert er es und lernt, damit umzugehen. Zuerst von allen anderen Surfern belächelt, verschafft er sich schließlich Respekt. Seine ebenfalls taubstumme Freundin unterstützt ihn bei seinen schwierigen Trainings- und Wettkämpfen. Die Wortlosigkeit, die ihr Verhältnis kennzeichnet, lässt die Tiefe ihrer Liebe noch größer erscheinen. Dieses poetische Meisterwerk ist eine Hommage an den Mut und das Durchhaltevermögen scheinbarer Verlierer. Kitano demonstriert hier, dass Bilder oft ausdrucksstärker sind als Worte.

In „Getting Any?“ versucht er erstmals die Absurdität und das satirische Delirium seiner komödiantischen TV-Figuren in einen Spielfilm zu integrieren. Das Ergebnis ist eine zum Schreien komische Version der Selbstzerstörung und Obsessionen der japanischen Gesellschaft.

In „Kids Return“, seinem sechsten Film, überträgt Kitano seine eigene Jugend ins gegenwärtige Tokio in einem aufrüttelnden Porträt zweier junger Männer im Spannungsfeld zwischen Boxen und krimineller Unterwelt. Als Darsteller war Kitano den Japanern unter dem Namen Beat Takeshi bekannt geworden. Diesen Bühnennamen hatte er Mitte der siebziger Jahre als die eine Hälfte des Manzai-Komödien-Duos „The Two Beats“ bekommen. In „Kids Return“ setzt er diesen Comedy-Club-Anfängen ein Denkmal.

Und in „Kikujiros Sommer“ ist Beat Takeshi wieder vereint mit dem zweiten Beat Kiyoshi, der einen von Kikujiro an einer verlassenen Bushaltestelle belästigten Typen spielt. Als Stand-up-Komiker ist Kitanos Erfolgsnummer simultan beispielloses Manzai: ein Schnellfeuerwerk im Vortrag und schlagfertig flinke Kommentare, die den Zuschauernerv genau treffen.

„Kikujiros Sommer“ ist die abenteuerliche Reise eines Paares, wie es unterschiedlicher nicht sein kann: Masao, acht Jahre alt, auf der Suche nach seiner Mutter, und Kikujiro, ein raubeiniger Taugenichts, immer auf der Suche nach dem schnellen Geld. Am Ende der Reise kann Masao von seinen unglaublichen Erlebnissen berichten, und Kikujiro hat gelernt, dass einem Kinderspiele dabei helfen können zu erkennen, was im eigenen Leben falsch gelaufen ist.

In „Kikujiros Sommer“ wendet Kitano seine wortkarge Raubeinigkeit ins Komische. Der Film ist eine von Melancholie und Poesie, aber auch von unbändiger Lust an kindlichen Späßen getragene Hommage an den Slapstick-Stummfilm, die das Genre durch den surreal-absurden Humor Takeshi Kitanos „modernisiert“. Das berührende Spiel der beiden Hauptdarsteller schafft zugleich ein unaufdringliches Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit.

In seinem neuesten Film „Brother“ (2000) wendet sich Kitano wieder dem Yakuza-Genre zu. Er handelt von einem einsamen Gangster, dessen Yakuza-Familie in einem Bandenkrieg den Kürzeren gezogen hat. Yamamoto (Takeshi) fährt nach Los Angeles, um seinen jüngeren Bruder Ken zu suchen. Er findet ihn als kleinen Drogendealer wieder. Zusammen mit dem schwarzen Dealerboss beginnen die beiden Japaner, die Unterwelt von L.A. unter ihre Kontrolle zu bringen, und rufen damit die Mafia auf den Plan.
Author: Ulrich Joßner

Bio

Takeshi Kitano kommt am 18. Januar 1947 zur Welt. Seine Kindheit verbringt er in dem traditionsreichen Viertel Asakusa. Da sein Vater – wie er erst mit 18 Jahren erfährt – ein Yakuza ist, also Mitglied der japanischen Mafia, bekommt er schon früh Einblicke in deren Lebensstil. Seine Mutter kommt aus einer militärischen Familie und repräsentiert eine gewisse Vorstellung von Ordnung. Ihre intellektuellen Träume für ihren Sohn bringen ihn zu einem wissenschaftlichen Studium an der University of Tokio. In den späten sechziger Jahren ist Kitano, ohne besonders politisch zu sein, mitten im Milieu linken Protests.
Er muss das Ingenieursstudium wegen „ungebührlichen Verhaltens“ abbrechen und schlägt sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs, unter anderem als Liftboy und an der Kasse eines Striplokals durch. Eines Abends darf er auf der Bühne als Entertainer einspringen. Das ist der Anfang seiner Karriere als Stand-Up-Comedian. Tanzen, Stepptanz und Körpersprache lernt er in einem Kabarett der Gegend. Mitte der 70er Jahre hat er unzählige Auftritte als der eine Teil des Comedy-Duos „The Two Beats“, daher sein Künstlername „Beat Takeshi“. Er besticht durch Schlagfertigkeit und Wortwitz. Auch nach der Auflösung des Duos behält er den Künstlernamen für die Schauspielerei bei.
1980 beginnt Beat Takeshis Evolution zur TV-Persönlichkeit. Ohne Rücksicht auf den Programminhalt zeigt er diskret seine Mischung aus satirischen Kommentaren zu aktuellen Ereignissen und direkteren Formen des Absurden. In seiner erfolgreichsten Zeit hat er in neun verschiedenen Shows pro Woche mitgewirkt: von wissenschaftlichen Programmen bis zu Late Night Shows, die von Sex und Komödienpossen beherrscht werden. Der Komiker und respektlose Provokateur Beat Takeshi avancierte in den frühen achtziger Jahren zum nationalen Star.
Nach einigen komischen Cameos in japanischen Spielfilmen Anfang der achtziger Jahre bekommt er erstmals internationale Aufmerksamkeit für seine Rolle als brutaler und doch sentimentaler Sergeant Hara in Nagisa Oshimas „Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence“. Andere Filme, in denen er spielt, aber nicht Regie führt, sind Takashi Ishis „Five of Them“, Robert Longos „Vernetzt – Johnny Mnemonic“ und Toshihiro Tenmas „Many Happy Returns“. Mitte der achtziger Jahre spielt Kitano die Hauptrolle in dem TV-Spielfilm „Okubo Kiyoshi No Hanzai“, der ein Vorentwurf zu den Cops und Yakuzas ist, die er bald darauf in seinen eigenen Filmen perfektioniert.
1989 fällt bei der Filmproduktion zu „Violent Cop“ der Regisseur aus. Als Ersatz springt Kitano ein, der ursprünglich nur als Hauptdarsteller verpflichtet worden war. Er krempelt das Drehbuch völlig um und drückt dem Film seinen persönlichen Stempel auf. Als Regisseur und Hauptdarsteller ist Kitano überaus produktiv. Von 1989 bis 2000 führt er in neun Filmen Regie. International den größten Erfolg hat er mit „Hana-Bi“, der besten ausländischen Produktion des Festivals von Venedig 1997.

Nach 25 Jahren produktiver und vielseitiger Karriere ist Kitano nach wie vor eine der bedeutendsten Medien-Persönlichkeiten in seiner Heimat. Immer noch tritt er in acht Fernsehprogrammen pro Woche auf. Er hat viele Novellen geschrieben, Kurzgeschichten, Essays und Poesie. Darüber hinaus ist er ein hervorragender Karikaturist, Zeichner und Maler. Mit der Malerei beschäftigt er sich, seit er 1995 einen schweren Motorradunfall nur knapp überlebt hat. Seine Bilder sind in „Hana-Bi“ und „Kikujiros Sommer“ zu sehen.

Works

Outrage / Autoreiji

Film / TV,
2010

Achilles und die Schildkröte / Achilles to Kame

Film / TV,
2008

Glory to the Filmmaker / Kantoku! Banzai!

Film / TV,
2007

Die Welt hasst mich

Published Written,
2006
Angkor-Verlag: Frankfurt am Main

Takeshis’

Film / TV,
2005

Warum ich Frauen trotzdem mag

Published Written,
2004
Angkor-Verlag: Frankfurt am Main

Zatoichi – Der blinde Samurai

Film / TV,
2003

Dolls

Film / TV,
2002

Brother

Film / TV,
2000
(script, directing, acting)

‚Beat‘

Published Written,
1999
Tadao Press (englische Ausgabe)

Kikujiros Sommer

Film / TV,
1999
(script, cutting, acting, directing)

Violent Cop / Sono otoko kyoubou ni tsuksi

Film / TV,
1998
(script, acting, directing)

Hana-Bi

Film / TV,
1997
(script, cutting, acting, directing)

Do we really need Comics? / Komikku nanka iranai

Film / TV,
1996
(actor / directed by Tahita Yoichino)

Kids Return

Film / TV,
1996
(script, cutting, directing)

Getting Any? / Minna yatteruka

Film / TV,
1995
(script, cutting, acting, directing)

Johnny Mnemonic

Film / TV,
1995
(actor, directed by Robert Longo)

Five of Them / Gonin

Film / TV,
1995
(actor, directed by Takashi Ishii)

Sonatine

Film / TV,
1993
(script, cutting, acting, directing)

Many Happy Returns / Kyoso Tanjo

Film / TV,
1993
(actor / directed by Toshihiro Renma)

A Scene at the Sea / Ano natsu, ichiban shizukana umi

Film / TV,
1991
(script, directing, cutting)

Boiling Point / 3-4x10 gatsu

Film / TV,
1990
(acting, directing)

Merry Christmas, Mr. Lawrence

Film / TV,
1983
(actor / directed by Nagisa Oshima)

Www

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