Govind Nihalani

Article Bio Works
crossroads:
Gender, Korruption, Macht
genre(subgenre):
Film (Dokumentarfilm, Kriminalfilm, Politischer Film, Spielfilm)
region:
Asia, Southern and Central
country/territory:
India
city:
Mumbai
created on:
May 26, 2003
last changed on:
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Article

Werbeträume versus Wirklichkeit

Indien gilt als eines der führenden Filmländer der Welt: Mehr als 1000 abendfüllende Spielfilme werden dort jährlich hergestellt. Der Großteil sind kommerzielle, in Hindi gedrehte Unterhaltungsfilme, die Zehntausende von Indern täglich ins Kino ziehen. Der 1940 in Karachi (damals Indien) geborene Govind Nihalani ist Vertreter der Nouvelle Vague, die den Anspruch vertritt, das soziale Bewusstsein der Zuschauer anzusprechen. Seine Filme beschäftigen sich mit Themen wie Korruption, Machtmissbrauch, Bürokratie und anderen politischen Stoffen, die im direkten Zusammenhang mit der indischen Alltagsrealität stehen.
„Govind Nihalani ist seiner Ausbildung nach Kameramann, aber Regisseur qua jahrelanger Erfahrung.“ Diese Charakterisierung findet sich in einem Jahrbuch über das indische Kino aus dem Jahr 1991. Als Kameramann hatte Nihalani Dutzende von Filmen fotografiert, vor allem für den bekannten Regisseur Shyam Bengal. Dabei entwickelt er seine ganz eigene, persönliche Bildsprache. Mit diesem Können und seinem Anspruch an künstlerische Wahrhaftigkeit inszeniert er 1980 „Aakrosh“ / „Schrei der Pein“ / „Cry of the Wounded“, der soviel öffentliches Interesse erregt, dass die Zensur ihn nicht mehr verbieten kann. Der Film wird mit einem Kredit der „Film Finance Corporation“ finanziert, die keinen Einfluss auf die politischen Inhalte der Produktionen nimmt. Und so kommt „Aakrosh“, anfänglich auf 16mm gedreht und nach seinem Erfolg auf 35mm aufgeblasen, auf die Leinwand.

Der Analphabet Lahanya Bhiku wird beschuldigt, seine Frau ermordet zu haben. Trotz des ehrlichen Engagements seines Pflichtverteidigers Bhaskar Kulkarni, der einer anderen Kaste angehört, schweigt der Beschuldigte beharrlich. Kulkarni reist in das Dorf des Geschehens, begegnet dort aber nur Misstrauen und Ablehnung. Der Einzige, der ihm hilft, ist ein junger linksgerichteter Sozialarbeiter, der jedoch spurlos verschwindet. Trotz massiver Drohungen setzt Kulkarni seine Recherchen fort und erfährt schließlich die Wahrheit. Bhikus Frau wurde bei einem wüsten Gelage von Regierungsbeamten, Politikern und Geschäftsmännern vergewaltigt und ermordet.

Die Täter gehören zur Machtelite, sind rechtlich nicht zu belangen und stehen unter Polizeischutz. Der Anwalt findet auch bei seinem Mentor, dem Staatanwalt Dussane, kein Gehör, da dieser seine Privilegien nicht aufs Spiel setzen will. Die Geschichte nimmt eine erneute Wendung auf der Beerdigung von Bhikus Vater, an der sein Sohn teilnehmen darf. Dort tötet Bhiku seine Schwester, die nach dem Tod des Vaters den Regierungsvertretern hilflos ausgeliefert gewesen wäre, und bricht sein Schweigen „Der Schrei der Pein“, ein letzter Protest! Anwalt Kulkarni stellt seine Berufswahl und damit sich selbst in Frage.

„Vijeta“ / „Victory”, der zweite Films Nihalanis aus dem Jahr 1982, schildert die Brutalisierung des jungen Polizeioffiziers Anant Welankar, der von seinem skrupellosen Vater jahrelang terrorisiert und zu dieser Berufswahl gezwungen wurde. Täglich erlebt er die Korruption im Polizeisystem, ist frustriert, wird schließlich zum Mörder

Ein ungewöhnlicher Kassenerfolg in Indien wird der Film „Ardh Satya“ / „Halbwahrheit“ / „Half Truth“ (1983). Er wird mit dem Nationalpreis für den besten Hindi-Film ausgezeichnet und gilt als Bahnbrecher für zahlreiche sogenannte „Anti-Establishment-Filme“, die folgten sollten.

Zu ihnen gehört auch der Thriller „Droh Kaal“ / „Times of Betrayal“ (1996), der die Geschichte zweier verdeckter Ermittler erzählt, die in eine Terrorgruppe eingeschleust werden. Nach drei Jahren ist der erste der Spione tot. Ein zweiter wird bei seinem Bemühen, unschuldige Menschen vor einem Anschlag zu retten, gefasst und muss feststellen, dass auch die Polizei von Spitzeln unterwandert ist. „Hazaar Chaurasi Ki Maa” (1998) spielt 1972 während der militanten Unruhen in Kalkutta.

Nihalani erzählt die Geschichte aus der Sicht seiner Protagonistin Sujata Chatterji, einer Bankangestellten aus der Mittelklasse, die erst durch den Tod ihres Sohnes von dessen politischen Aktivitäten erfährt. Für sie beginnt daraufhin eine Reise der Entdeckungen. Erstmals wird ihr bewusst, was in der Politik wirklich vorgeht. Sujata wird von Java Bachchan gespielt, einer bekannten und beliebten Schauspielerin in Indien, die nach 17jähriger Abwesenheit für diesen Film wieder vor die Kamera trat.
Author: Gabriele Gillner 

Bio

Govind Nihalani wird am 19. August 1940 geboren. Er flüchtet mit seiner Familie nach der Teilung Indiens 1947 von Karachi nach Delhi, besucht dort das College und studiert Film am „Jayachamarajendra Polytech“ in Bangalore, wo er 1962 den Abschluss macht. Es folgen verschiedene Tätigkeiten in der Filmindustrie Bombays, u.a. arbeitet er fast acht Jahre lang als Kameraassistent von V.K. Murthy. Er ist Kameramann bei kurzen Dokumentarfilmen von Pramod Chrakravarty und Shyam Benegal, dessen Spielfilme er auch fotografierte. 1980 erhält er für „Junoon“ (1978, Regie: Shyam Benegal) den Nationalpreis für die beste Farbfotografie. 1980 realisiert er seinen ersten eigenen Film „Aakrosh“. Er ist Chef der „2. Unit“ bei Richard Attenboroughs Film „Gandhi“. Als Regisseur, Kameramann und Co-Produzent dreht er eine Vielzahl von Dokumentarfilmen, darunter drei Kurzfilme über indische Musik (Regie: Shyam Benegal). Außerdem fotografiert er mehr als 300 Werbefilme, davon mehr als die Hälfte unter eigener Regie.

Works

Hazaar Chaurasi Ki Maa

Film / TV,
1999

Thakshak

Film / TV,
1999

Droh Kaal / Times of Betrayal

Film / TV,
1996

Rukmavati Ki Haveli / The House of Rukmavati

Film / TV,
1991

Pita / Father

Film / TV,
1990

Drishti / Vision

Film / TV,
1990

Jazeere / Klein Eydolf

Film / TV,
1989
(TV-Mini-Serie)

Tamas / Darkness

Film / TV,
1987
(TV-Mini-Serie)

Party

Film / TV,
1985

Aghaat / Blood of Brothers

Film / TV,
1985

Ardh Satya / Halbwahrheit

Film / TV,
1983

Vijeta / Victory

Film / TV,
1982

Aakrosh / Schrei der Pein

Film / TV,
1980