Fruit Chan

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crossroads:
Jugend, Prostitution, Wendepunkt
genre(subgenre):
Film (Spielfilm)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
Hong Kong (China)
created on:
May 21, 2003
last changed on:
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Fruit Chan
Fruit Chan © Fortissimo Film Sales

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Unabhängiger Realismus aus Hongkong

Der 1959 in Kanton (China) geborene Fruit Chan hat sich als erster Filmemacher Hongkongs in den neunziger Jahren jenseits des Genres Hongkong-Film und unabhängig von den großen Hongkonger Filmstudios realistisch mit der sozialen und politischen Situation in Hongkong auseinandergesetzt. Mit "Made In Hongkong" (1997), "Little Cheung" (1999) und "Durian Durian? (2000) gewann er viele Festivalpreise.
Der 1959 in Kanton (China) geborene und 1969 mit seinen Eltern in Hongkong eingewanderte Fruit Chan beweist, dass es einen Hongkong-Film jenseits des sprichwörtlichen Hongkong-Genres gibt und dass man auch auf der Grundlage von dem, was die etablierten Studioproduktionen übrig lassen, Erfolg haben kann. Nach einem Studium am "Hongkong Film Center" und einer Tätigkeit als Regieassistent drehte Fruit Chan 1991 mit "Finale In Blood" seinen ersten eigenen Film. "Finale In Blood" ist ein psychologischer Horrorfilm, in dem der junge Regisseur ein düsteres Bild Hongkongs in den zwanziger Jahren zeichnet.

Mit seinem Film "Made in Hongkong" (1997) gelang Fruit Chan der erste unabhängig von den großen Studios produzierte Film, der sich realistisch mit der sozialen Wirklichkeit Hongkongs zur Zeit der Übergabe Hongkongs an China auseinandersetzt. Die fast dokumentarisch genaue Wiedergabe der Schauplätze Hongkongs und die Verwendung von Laienschauspielern verleihen dieser melancholisch-düsteren Romanze eine besondere Glaubwürdigkeit. Chan erzählt die Geschichte dreier Jugendlicher, die eine Weile zusammen herumziehen: die attraktive nierenkranke Ah Ping, der leicht retardierte Sylvester und der 18-jährige Protagonist Autumn Moon.

Moon hat das College geschmissen, arbeitet für einen Drogenhändler und ist nur scheinbar knallhart, denn jemanden töten kann er nicht. Er streift mit Sylvester und Ping durch die Straßen. Dabei treffen sie immer wieder auf streunende, "feindliche" Gangs oder Einzelkämpfer, vor denen sie auf der Hut sein müssen. Wie ein Leitmotiv taucht wiederholt die Figur der Selbstmörderin Susan auf, die sich vom Hochhaus stürzt mit zwei Briefen in der Hand, in deren Besitz Moon kommt. Als Moon angeschossen wird und bewusstlos im Krankenhaus liegt, kommen Sylvester und Ping ums Leben. Moon findet bei der neuen Frau seines Vaters und deren kleiner Tochter erst einmal eine Ersatzfamilie.

Fruit Chan zeigt egozentrische Mütter, die hilflos und überfordert sind. Väter machen sich in dieser Welt davon, sind schon weg oder missbrauchen gar ihre Kinder. Moon wird Zeuge, wie ein adretter Oberschüler seinem Vater in einem öffentlichen Klo die Hand abhackt, weil er seine Schwester missbraucht hat. Der Regisseur setzt die qualvolle Enge in den Wohnblocks und die Rückseiten der Glitzerfassaden mit schnellen Schnitten, Zeitlupe und Stopmotion in einer Mischung aus Trauer, Witz und Ironie um. Die winzigen Wohnungen mit ihren Scherengittertüren in den betonwuchtigen Mietskasernen wirken wie Käfige. Der einzige Rückzugsort, wo die Jugendlichen Ruhe finden, ist der Friedhof. Die Teenager in diesem Film leben als Outcasts auf der Suche nach Geborgenheit und Heimat an einem Ort, dessen Zukunft ungewiss ist.

"Made in Hongkong" ist der erste Teil einer Trilogie, die sich mit der Übergabe der Inselrepublik durch die Engländer an China beschäftigt. Der zweite Teil, "The Longest Summer" (1998) , schildert die Identitätskrise, die das Ereignis bei fünf Soldaten auslöst. Sie werden kurz vorher entlassen und geraten im Vorfeld der Übergabefeierlichkeiten in einen Banküberfall. Auch in diesem Film arbeit Fruit Chan größtenteils mit Laienschauspielern. Zwei seiner Hauptdarsteller waren ehemalige Soldaten. Vor allem aber untersucht der Regisseur, wie jemand seine Orientierung verliert, sich in Frage stellt und warum er sich für die Unterwelt entscheidet. Dabei verwendet er auch viel dokumentarisches Material und schildert die Gefühle der Hongkonger ? vom Schulmädchen bis zu den Alten ? bei der Übergabe.

Mit einer leichten Geschichte beendet Fruit Chan die Trilogie der Übergabe der Kronkolonie. "Little Cheung" (1999) behandelt das Thema aus der Perspektive eines kleinen Jungen, der im Immigrantenviertel Mengkok lebt. Der "Kleine Cheung" ? so die Übersetzung ? durchstreift die Stadt als Auslieferer für den Imbiss seines Vaters.
Auch in "Durian Durian" (2000) widmet sich Chan den Folgen gesellschaftlicher Umbrüche in China. Yan, eine junge Frau aus Nordchina, will ihr Glück in Hongkong machen und landet im Rotlichtviertel. "Durian, Durian" zeigt keine Opfer, seine Heldinnen sind pragmatische Sexarbeiterinnen, die durchaus die Wahl haben, ihr Visum einfach, aber möglichst effizient auszunutzen. Chans Erzählweise ist sprunghaft, teilweise sogar chaotisch. Mit seiner hektischen Dogma-Kamera fängt er weniger die inneren Konflikte seiner Protagonistin ein. Stattdessen zeigt er uns immer wieder die äußerlichen Folgen ihres Gewerbes: z. B. wie sich Yans Haut wegen des vielen Duschens von den Füßen ablöst. Chan pointiert den Kontrast zwischen dem hektischen vom Neonlicht erleuchteten Leben in Hongkong und der ruhigen winterlichen Landschaft im Norden Chinas. Doch Yans Aufenthalt in Hongkong hat sie nicht unverändert gelassen. Am Ende singt sie mit alten Schulfreunden ein Parteilied, in dessen Refrain plötzlich von kollektiven Orgasmen zu hören ist.
Bei allem Realismus, Fruit Chan hat viel Humor und einen Sinn für Skurrilitäten. Den beweist er auch in "Public Toilet W.C.", einem digitalen Film über öffentliche Toiletten in Korea. Darin vergleicht er den in Korea stattfindenden Wandel der Badezimmerkultur mit dem in Japan, Hongkong, den USA und China. "In einigen dieser einzigartigen Toiletten" rühmt eine koreanische Internetseite, "kann man klassische Musik hören, sich auf Plüschsofas entspannen, den Ausblick auf Namdaemun und Kanghwamun genießen und sogar türkische Zigarren rauchen."
Author: Ulrich Jossner  

Bio

Fruit Chan wurde 1959 in Kanton (China) geboren und zog 1969 mit seinen Eltern nach Hongkong. Nach einem Studium am "Hongkong Film Center" arbeitete er zuerst als Regieassistent, u. a. auch für Jackie Chan. 1991 nutzt er den unvorhergesehenen Stopp eines Films, bei dem er mitarbeitet, und realisiert mit Unterstützung des bekannten Hongkonger Filmstars Andy Lau in dem Studio seinen ersten eigenen Film "Finale In Blood" / "Da nao guang chang long", der gut bei der Kritik ankommt, aber an der Kinokasse durchfällt. 1994 verwertet er nicht gebrauchtes Filmmaterial anderer, sammelt Geld von Freunden und beginnt "Made in Hongkong" / "Xianggang Zhizao" zu drehen, der u. a. 1997 in Locarno mit dem Spezialpreis der Jury prämiert wird und den Preis für die beste Regie und den besten Film bei den "Hongkong Film Awards" erhält.

"Made in Hongkong" ist der erste Teil einer Trilogie, die sich mit der Übergabe der Inselrepublik durch die Engländer an China beschäftigen. 1998 erscheint mit "The Longest Summer" / "Qunian yanhua tebie duo" der zweite Teil der Trilogie, die 1999 mit "Little Cheung" / "Xilu Xiang" abgeschlossen wird, der u. a. mit dem "Silbernen Leoparden" in der Kategorie "Junger Film" in Locarno ausgezeichnet wird. 2000 realisiert er "Durian, Durian" / "Liulian piao piao", für den er 2001 den Preis für das beste Drehbuch bei den "Hongkong Film Awards" und den Preis für den besten Film der Hongkonger Filmkritiker gewinnt.

Works

Don’t Look Up

Film / TV,
2009
Erwartet 2009

Dumplings / Gaau ji

Film / TV,
2004

Three, Monster / Saam gaang yi

Film / TV,
2004

Public Toilet / Hwajangshil eodieyo?

Film / TV,
2002

Hollywood Hong-Kong / Heung gong yau gok hor lei wood

Film / TV,
2001

Durian Durian / Liulian piao piao

Film / TV,
2000

Little Cheung / Xilu Xiang

Film / TV,
1999

Little Cheung / Xilu Xiang

Film / TV,
1998

Made in Hongkong / Xianggang Zhizau

Film / TV,
1997

Finale in Blood / Da nau guang chang long

Film / TV,
1991

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Festival of Vision: Hongkong – Berlin

(27 July 00 - 10 September 00)