Ik-Joong Kang

Article Bio Works Merits
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Installation)
created on:
May 12, 2003
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Article

Art is easy

Ik-Joong Kang, geboren 1960 in Korea, lebt seit Mitte der achtziger Jahre in New York. Zu seinem Erkennungszeichen sind kleine (7,6 x 7,6 cm, 3 x 3 inch) Bildtäfelchen geworden, ein ständig sich erweiterndes Mosaik aus über 100.000 Elementen. In immer neuen Zusammenstellungen beschreiben sie Prozesse der Übersetzung und Transformation: Dabei geht es um Sprachen, Religionen, Weltanschauungen, historische Perspektiven und kulturelle Levels.
Ik-Joong Kang liebt die einfachen Botschaften: "Art is easy", "I live in Manhattan", "I am very happy when I paint", "Art = Energy". Immer wieder finden sich solche Statements eingestreut in einen ständig sich erweiternden Kosmos aus Fundstücken vieler Kulturen, den Ik-Joong Kang für jeden Ausstellungsort neu komponiert und mit neuen Erfahrungen anreichert. So schimmert durch alle Komplexität stets die Lust, ein Künstler zu sein und mit allem zu spielen, was ihm begegnet.

Kang erzählt von Kolonisation, Krieg, Eroberung, Entfremdung und Anpassung zwischen den Systemen Asiens und des Westens. Aber er verfolgt diese Jahrhunderte währende Geschichte nicht aus einer Perspektive der Trauer um verlorene Traditionen. Der Tonfall seiner großen Installationen aus Bildern und Sprache ist vielmehr einer des Staunens. Er beobachtet und erforscht die Welt der kulturellen Konfrontationen ohne Vorbehalte. Aus der Perspektive des koreanischen Immigranten in den USA, der mit Verwunderung und Amüsement seine Umgebung studiert, hat er zu einer Haltung gefunden, die vordergründig naiv erscheinen mag: In einem großen Crossover alles zu akkumulieren und zu integrieren. Doch in der Übersetzung in das Format der kleinen Bild- oder Texttafeln und in der Einordnung in das große Mosaik seines Lebens opponiert er damit auch gegen ideologische Trennungen und strukturelle Hierarchien.

Ik-Joong Kang, geboren 1960 in Cheong Ju, wuchs in Süd-Korea nahe einer amerikanischen Militärbasis auf, auf deren Souvenir-Shops er später als ersten Anschauungsunterricht in der Verschmelzung von High- und Low-Culture verwies. 1984 kam er nach New York und viele seine Arbeiten aus den frühen neunziger Jahren beziehen sich auf die Zeit der Ankunft: So entstand 1992 "Buddha learning english" mit Übungssätzen in englisch und koreanisch, in winziger Schrift in blau und rot auf Millimeterpapier geschrieben. Die Farben erinnern von Ferne an die amerikanischen Nationalfarben. Der nahe Blick bringt die Mühe der täglichen Einübung, Satz für Satz, nahe. Für die Ausstellung im Berliner Haus der Kulturen der Welt 1998 ergänzte Kang seine Sprachstudien um Berliner Fundstücke aus der Souvenirproduktion längs der Mauer.

Zu dem handtellergroßen Format gibt es eine Legende: Kang, der als armer Student zwischen verschiedenen Jobs pendeln musste, konnte die 3 x 3 Zoll kleinen Tafeln auch in der U-Bahn bearbeiten. So bezeugt dieses Tagebuch seiner Ankunft nicht nur überwundene Sprachbarrieren sondern auch die Entdeckungen eines eigenen Rhythmus, kleinteilig und flexibel. "Flexibility", sagt Kang, "has enabled Koreans to survive even admist the harshest of foreign invasions and has been the source of my own strength." Zudem entsprechen die 3-Zoll-Quadrate vollkommenen Maßen im Zen-Denken.

Bis heute sind über 100.000 dieser Module entstanden, als kleine Leinwandbilder, Holzschnitte, Holzblöcke, Stempel, Keramik und in Schokolade. In "8490 Days of Memory" (1996) umgab ein Mosaik aus Schokoladentafeln eine große Schokoladenstatue des General Douglas Mac Arthur, Stellvertreter für die amerikanische Eroberung Süd-Koreas. Die Schokolade selbst wurde zum schillernden Bedeutungsträger: Einerseits lässt sich an ihr die Geschichte des Kolonialhandels und der Ausbeutung von Rohstoffen in den eroberten Kontinenten erzählen, andererseits markiert sie die Spur der Amerikanisierung und Verführung zum Konsum. Und über alle theoretischen Diskurse hinaus duftet sie stark in den Ausstellungshallen.

In Tokyo hat Kang die New Yorker Kunstszene vertreten, auf der Biennale in Venedig 1997 bespielte er den Pavillon Koreas, in Deutschland (Berlin, Aachen, Köln) stand er für eine Kunstszene der Gegenwart, die aus dem Balancieren zwischen den Kulturen ihre Kraft bezieht. Seine Ausstellungen in Europa haben Spuren in seinem Werk hinterlassen. In der Installation "Enter the Heaven" 1999 ließ er Bruce Lee gegen eine christliche Ikonographie antreten. Bruce Lee war aus Gips und mit Reiskörnern beklebt und verkörperte so Asienklischees im Doppelpack. Am Anfang eines roten Laufstegs ging er mit hochgezogenem Knie in Angriffsstellung gegenüber einer Altarwand am anderen Ende. Eine Schrift zu seinen Füssen erinnerte an den Boxer-Aufstand 1900, als in China eine Revolte gegen deutsche und englische Kolonialmächte ausbrach. Von diesem Datum her ist der Zorn der Figur gegenüber der christlichen Ideologie zu verstehen; zugleich wird die Herkunft des westlichen Klischees vom Asiaten als Kämpfer offengelegt.

Ganz anders erzählte Kang die Geschichte am anderen Ende der Installation, die akustisch von Musik aus Bachs Matthäuspassion und den Rufen von Bruce Lee begleitet war. Da war der gotische Doppelbogen der Altarwand aus über tausend kleinen hölzernen Quadraten zusammengesetzt, die er mit Marien bemalt hatte. Sie könnten sich gleichen wie Schablonen und doch wich jede ein wenig von den anderen ab, als wären die farbigen Schichten von Rot und Gold abgenutzt von Alter, Küssen und Kerzenrauch. In dieser Vervielfältigung der Mutter Gottes verschmolz die christliche Vorstellung vom Individuum mit dem buddhistischen Vertrauen in die Vielheit, in der jeder zum Teil eines Ganzen werden kann. Drehte man den Madonnen den Rücken, sah man Vögel auf einer Leinwand durch den Abendhimmel fliegen; ein friedliches Bild. Es kam also auf den Standpunkt an, ob man die Installation "Enter the heaven" als eine Geschichte der Konfrontation oder der Hoffnung auf gemeinsame Himmel las.

Diese Offenheit der Interpretation und der Lesarten stärkt die Attraktivität der Installationen Kangs. Sie werden ausgestellt und rezipiert als hoffnungsfrohe Signale für eine Zeit, in der Kultur nicht länger als Instrument der Ausgrenzung funktionalisiert werden soll. Dass diese Geste des Goodwills auch eine euphemistische Verkennung der Entwicklung beinhalten kann, reflektiert Ik-Jong Kang in seinen fortgesetzten Mosaiken durchaus auch selbstironisch. In "Things I believe in" existieren auf der Ebene der "Symbolic Representation", wie auf einem der Täfelchen steht, nicht nur Buddha und die Muttergottes nebeneinander, sondern auch Superman, kleine Plastikraketen und Bezeichnungen aktueller Konfliktherde wie "Afghanistan". Die Leichtigkeit, mit der Kang im künstlerischen Spiel die verschiedenen Ebenen in Beziehung setzt, ist eben auch ein Privileg der Kunst.


Veranstaltungen im HKW:
3. April - 28. Juni 1998
Im Jahr des Tigers
Zeitgenössische Kunst aus Korea

Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt, Berlin und Forum Ludwig Aachen


Author: Katrin Bettina Müller

Bio

Ik-Joong Kang wurde 1960 in Cheong Ju in Süd-Korea geboren. Seit 1984 lebt er in New York. Dort begann er mit einem Aufbaustudium am Pratt Institute und vielen studentischen Jobs sein Leben als Einwanderer, das bald zu seinem Thema wurde. 1994 arbeitete er mit Nam June Paik zusammen. Ausstellungen in New York, Japan, Kuba und Korea brachten ihm viele Preise und Fellowships ein. 1999 nominierte ihn Seoul zum "Koreanischen Künstler des Jahres". In Korea, nahe der Grenze zur demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Süd-Korea, hat er ein Projekt initiiert, bei dem er "100.000 Dreams" von Kindern aus Nord- und Süd-Korea sammeln will, um ihre Vorstellungen für die Zukunft kennen zu lernen.

Works

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl)

Exhibition / Installation,
2003
2007 Kunstfest Weimar, ACC Gallery, Weimar 2006 13 Artists in New York, Korean Mission to the United Nations, New York, NY, USA 2005 Thirty ways of making painting, Carl Solway Gallery, Cincinnati, OH, USA; In Search of Dreams Across the Pacific, Howard County Arts Council, Ellicott City, MD, USA 2004 Pedestrian, Bronx River art Center, Bronx, NY, USA; Ghwangju Biennial, City Museum, Ghwangju, Korea; Declaration (100 Artists for Peace), National Museum of Contemporary Art, Gwa Cheon, Korea 2003 Der Rest der Welt, Neuffer im Park, Pirmasens; Explaining Magic, Rotunda Gallery, Brooklyn, NY, USA; Dream and Reality, Smithsonian Museum International Gallery, Washington D,C., USA 2002 70 Artists around World Cup, Gallery Hyundai, Seoul, Korea; Buenos Aires International Biennial, National Museum of Arts, Buenos Aires, Argentinien 2000 Continental Shift, Forum Ludwig Aachen, Bonnefanten Museum Maastricht, Liége u.a., ACC Virginia, USA; Koreamerica Korea, Art Sonje Center, Seoul, Korea; Neuerwerbungen aus der Sammlung Ludwig, Museum Ludwig Köln, Köln 1999 Kunst Welten im Dialog, Museum Ludwig, Köln, Deutschland 1998 Where I am, Galeria Municipal da mitra, Lissboa, Portugal Im Jahr des Tigers. Zeitgenössische Kunst aus Korea, Haus der Kulturen der Welt, Berlin und Forum Ludwig Aachen, Deutschland 1997 American Stories, Setagaya Museum, Tokyo, Japan Kwang Ju Biennale, City Museum, Kwang Ju, Korea 1996 Just Past/Permanent Collection, 1975 - 96, The Museum of Contemporary Art, LA. Sites of Chinatown, Museum of Chinese Arts in America, New York, USA 1994 Old Glory, New Story, Capp Street Project, San Francisco, Santa Monica Museum, CA, USA Habana International Biennal, Centro Wilfredo Lam, Habana, Kuba

EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)

Exhibition / Installation,
2003
2007 Moon of Dream 2 (mit 35,000 Bürgern aus Ulsan City), Tae Hwa River, Ulsan, Korea; Small pieces for Peace , organisiert von der Eurasia Foundation , der Alexander Ochs Galerie und UNICEF Deutschland, Projekt zum G8-Treffen , Heiligendamm / Münster Bad Doberan; Mountain-Wind (Dream of Kwang Hwa), unterstützt von der Koreanischen Regierung, Kwang Hwa Gate, Seoul, Korea; Ik-Joong Kang, Carl Solway Gallery, Cincinnati, OH, USA 2006 Chance of Space, Öffentliches Projekt mit der Princeton Community, Princeton Cultural Council, Princeton, NJ, USA; Amazed Children (gemeinsam mit 25 Kinderkrankenhäusern weltweit), Cincinnati Children’s Hospital, Cincinnati, OH, USA 2005 Amazed World, Muhammad Ali Center, Louisville, KY, USA 2004 Buddha with Lucky Objects 2004, Speed Museum, Louisville, KY, USA; Moon of Dream (126,000 Kinderbilder aus 141 Ländern), Ho Su Lake, Il San, Korea 2003 Happy Relief and other works, Hutchins Gallery, Long Island University, Long Island, NY, USA; Kang & Zhang, Shanghai Contemporary, Albrecht, Pruess & Ochs, Schanghai, China; Amazed World and Other Works, Goethe Institute, Berlin; Buddha with Lucky Objects and Other Works, Sabina Lee Gallery, Los Angeles, CA, USA 2002 Cologne Pagoda and Other Works, Museum für Ostasiatische Kunst, Berlin; Bridges - Interspace - Sky ( in part of Space, Time and Architecture, organisiert durch die National Gallery und Deutscher) Collaboration with Zeiger and Schell Architecture firm, Pruess and Ochs Galerie, Berlin; Buddha Eating Rice, Shanghai Contemporary at Bund Center, Schanghai, China 2001 Enter the Heaven, Stadtforum München, Deutschland 2000 Enter the Heaven, Asian Fine Arts Berlin / Prüss & Ochs Gallery, Berlin, Deutschland 1999 100.000 Dreams, Panmoonjom, North/South Korea 1998 Confucius Installation, Seoul, Korea 1997 Throw everything together and add, Venice Biennale, Korean Pavillion, Italien 1996 Throw everything togeteher an add (20 000 works), Capp Street Project, San Francisco, CA. 8490 Days of Memory, Whitney Museum of American Art ab Phillip Morris, New York 365 Days of English, Centemporary Arts Forum, Santa Barbara, C.A. USA Buddha Eating Chocolate, Leeds Metropolitan University, England 1994 Multiple/Dialogue, collaboration with Nam June Paik, Whitney Museum of American Art at Champion 1992 Ik-Joong Kang, 3 x 3, Queens Museum of Art, New York. Buddha, Asian Art American Center, New York 1990 Sound Paintings, Main Gallery, Mountclair State College, Mountclair, New Jersey 1987 3000 Paintings, Thesis show, Pratt Art Institute, New York 1985 1000 Paintings, Long Island University, Brooklyn Campus, New York

Merits

1996 - The Joan Mitchell Foundation Fellowship.
1997 - Louise Comfort Tiffany, und Foundation Fellowship. Special Merit Award, 47th. Biennale, Venedig, Italien.
1999 - Nominierung für den "Korean Artist of the Year", Seoul, Korea.