Huschang Golschiri

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crossroads:
Demokratie, Islam, Zensur
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Märchen, Roman)
region:
Middle East
country/territory:
Iran (Islamic Republic of)
city:
Tehran
created on:
May 22, 2003
last changed on:
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Huschang Golschiri
Huschang Golschiri Archiv für Kunst und Geschichte (Berlin) © akg-images/Bruni Meya

Article

Der ewige Dissident

Der 1937 in Isfahan geborene Huschang Golschiri galt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller des Iran, obwohl seine Bücher für lange Zeit in der Islamischen Republik verboten waren. Golschiri war an der Diskussion über die Ausgestaltung der bürgerlichen Freiheiten in der Islamischen Republik Iran beteiligt und gehörte zu den Unterzeichnern des offenen Briefes der 134 „Wir sind Schriftsteller“. Für sein unbeugsames Engagement für demokratische Freiheiten sowohl unter der Monarchie als auch nach der Revolution erhielt Huschang Golschiri 1999 den Erich-Maria-Remarque-Preis der Stadt Osnabrück. Er starb im Juni 2000 in Teheran.
Huschang Golschiri wurde 1937 als Sohn einer kinderreichen Familie unter dem Namen Mahmoud Dowlatabadi in Isfahan geboren. Er wuchs in Abadan am Persischen Golf auf und kehrte 1955 nach Isfahan zurück, wo er nach seinem Abitur als Dorfschullehrer arbeitete. Mit Anfang 20 wurde er Mitglied in einer Gruppe Intellektueller, die sich für die neue französische Nachkriegsliteratur begeisterte und die sein Interesse an der Literatur weckte. Gleichzeitig studierte er persische Literatur an der Universität von Isfahan.

In den späten sechziger Jahren schrieb Golschiri seine erste Kurzgeschichtensammlung „Mesl-e hamisheh“ („Wie immer“) über das monotone und ereignislose Leben von Büroarbeitern in einer Kleinstadt.

Huschang Golschiri war einer der ersten iranischen Schriftsteller, die moderne literarische Techniken in ihren Romanen verwendeten. Hatte er anfangs, der großen persischen Tradition der Poesie folgend, mit dem Schreiben von Gedichten begonnen, wandte er sich später ausschließlich der erzählenden Prosa zu. Seine Spezialität wurden die Erzählung, der kurze Roman, in denen er satirische bis surreale Miniaturen schuf, verdichtet durch die poetische Macht seiner Sprache.

1968 erschien sein bekanntester Roman „Shazdeh ehtejab“ („Prinz Ehtedschab“), der auch verfilmt wurde. Seine Geschichte über die unzeitgemäße Dekadenz der Monarchie waren eine kaum verhehlte Attacke gegen das Pahlavi-Regime. Kurz nach der Beendigung der Dreharbeiten wurde Golschiri von der SAVAK Mohammed Rezas verhaftet und für fast sechs Monate in Haft genommen.

1971 veröffentlichte er den stark autobiografisch gefärbten, aber nicht sehr erfolgreichen Roman „Keristin ba kid“. 1975 beschäftigte er sich in seiner Kurzgeschichtensammlung „Namazkhaneh-ye kuchek-e man“ mit der Situation von politischen Gefangenen, wobei er auch eigene Erfahrungen verarbeitete.

Unmittelbar vor dem Sturz der Monarchie bewegte sich Golschiri im Umfeld der kommunistischen Tudeh-Partei, von der er sich aber im Lauf der nachrevolutionären Machtkämpfe zunehmend distanzierte, und übte scharfe Kritik an Intellektuellen, die mit dem Regime kollaborierten.

1979 heiratete er die Literaturkritikerin und Übersetzerin Farzaneh Taheri, die seitdem als Lektorin für seine Bücher fungierte.

Die neuen religiösen Führer betrachteten die unabhängigen Intellektuellen mit großem Misstrauen. Imam Khomeini erklärte, dass die Federn, die nicht für die islamischen Werte schrieben, zerbrochen werden müssten. Im Zuge der Kulturrevolution verlor Golschiri sein Lehramt an der Teheraner Hochschule der Künste und arbeitete seitdem als freier Herausgeber von Kulturzeitschriften, u.a. für die literarische Wochenzeitschrift Karnameh.

Die meisten seiner Texte waren bis vor kurzem in der Islamischen Republik verboten und wurden hauptsächlich im Ausland publiziert. Golschiri verließ mehrmals den Iran, um seine Bücher fertig stellen zu können. So erschien 1990 sein Roman „Shah-e siyah-pushan“ („König der Unwissenden“) in den USA nur unter Pseudonym. Seine Autorenschaft wurde für diesen Roman erst nach seinem Tod bekannt gegeben.

Unter dem anfänglichen Tauwetter der Präsidentschaft Hashemi-Rafsandjanis artikulierte sich Golschiri zunehmend im gesellschaftspolitischen Bereich. 1994 gehörte er zu den Unterzeichnern des offenen Briefes der 134 „Wir sind Schriftsteller“, in dem ein Ende der Zensur, die Wahrung der Privatsphäre und das Recht zu einer unabhängigen Schriftstellervereinigung gefordert wurde. Golschiri musste zahlreiche Verhaftungen und Verhöre über sich ergehen lassen, die auch Auswirkungen auf seine Gesundheit und seine literarische Produktion hatten.

Zudem machten es die Zensurbestimmungen der Islamischen Republik über die Darstellung von Männern und Frauen Schriftstellern und Filmemachern fast unmöglich, wirklichkeitsbezogene Geschichten zu erzählen. „In diesem Land“ beklagte Golschiri 1996 in einem Interview mit dem Guardian, „können sie nicht einen Satz schreiben wie ‚Ich verließ mein Haus, um Zigaretten zu kaufen und auf dem Weg sah ich eine schöne Frau‘. Das wäre der Anfang einer Geschichte. Hier können sie nur schreiben ‚Ich verließ mein Haus, um Zigaretten zu kaufen‘.“

1999, im Zuge des sich langsam abzeichnenden Demokratisierungsprozesses nach der Wahl Mohammed Khatamis gelang Golschiri allerdings nach Verhandlungen mit dem Ministerium für Kultur und Islamische Führung („Ershad“) die Wiederzulassung des von ihm 1967 mitbegründeten und seit 1982 verbotenen Iranischen Schriftstellerverbandes.

Als Unterstützer der Studentenproteste von 1999 setzte sich Golschiri für einen pragmatischen Weg ein, demokratische Veränderungen im Rahmen der Islamischen Republik und durch die Unterstützung Präsident Khatamis zu erreichen.

1999 erhielt Huschang Golschiri den Erich-Maria-Remarque-Preis der Stadt Osnabrück für sein Engagement gegen Unterdrückung und seinen Kampf für Demokratie und Menschenrechte.

Hushang Golschiri starb am 5. Juni 2000 in Teheran an Meningitis.

Author: Michael von Assel 

Bio

Huschang Golschiri wurde 1937 als Sohn einer kinderreichen Familie unter dem Namen Mahmoud Dowlatabadi in Isfahan geboren. Er wuchs in Abadan am Persischen Golf auf und kehrte 1955 nach Isfahan zurück, wo er nach seinem Abitur als Dorfschullehrer arbeitete. Mit Anfang 20 wurde er Mitglied in einer Gruppe Intellektueller, die sich für die neue französische Nachkriegsliteratur begeisterte, und sein Interesse an der Literatur weckte. Gleichzeitig studierte er persische Literatur an der Universität von Isfahan. In den späten sechziger Jahren schrieb Golschiri seine erste Kurzgeschichtensammlung „Mesl-e hamisheh“ („Wie immer“). 1968 erschien sein bekanntester Roman „Shazdeh ehtejab“ („Prinz Ehtedschab“) als kaum verhehlte Attacke gegen das Pahlavi-Regime. 1971 veröffentlichte er den stark autobiografisch gefärbten, aber nicht sehr erfolgreichen Roman „Keristin ba kid“. 1975 beschäftigte er sich in seiner Kurzgeschichtensammlung „Namazkhaneh-ye kuchek-e man“ mit der Situation von politischen Gefangenen. 1979 heiratete er die Literaturkritikerin und Übersetzerin Farzaneh Taheri, die seitdem als Lektorin seiner Bücher fungierte. Im Zuge der Kulturrevolution verlor Golshiri sein Lehramt an der Teheraner Hochschule der Künste und arbeitete seitdem als freier Herausgeber von Kulturzeitschriften, u.a. der literarischen Wochenzeitschrift Karnameh. Die meisten seiner Texte waren bis vor kurzem in der Islamischen Republik verboten und wurden hauptsächlich im Ausland publiziert. Sein Roman „Shah-e siyah-pushan“ („König der Unwissenden“) erschien in den USA nur unter Pseudonym. 1994 gehörte er zu den Unterzeichnern des offenen Briefes der 134 „Wir sind Schriftsteller“.

1999 gelang Golschiri die Wiederzulassung des von ihm 1967 mitbegründeten und seit 1982 verbotenen Iranischen Schriftstellerverbandes. 1999 erhielt er den Erich-Maria-Remarque-Preis der Stadt Osnabrück für sein Engagement gegen Unterdrückung und seinen Kampf für Demokratie und Menschenrechte.

Hushang Golschiri starb am 5. Juni 2000 in Teheran an Meningitis.

Works

Manuchehr Irani: Der König der Schwarzgewandeten

Published Written,
2005
Edition Suhrkamp. Band 2066. Frankfurt am Main: Suhrkamp

Black Parrot, Green Crow (edited. by Heshmat Moayyad)

Published Written,
2003
Kurzgeschichten / Gedichte. Mage Publishers: Washington

Prinz Ehtedscha

Published Written,
2001
Roman. Beck Verlag: München

Der König der Schwarzgewandeten

Published Written,
1998
Erzählungen. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Der Mann mit der roten Krawatte

Published Written,
1998
Erzählungen. Beck Verlag: München

Jen-Nameh

Published Written,
1998

Die Geschichte eines Sieges

Published Written,
1991
Erzählung. In: Gesteht’s! Die Dichter des Orients sind größer. Das Arabische Buch: Berlin

Blood and Aristocrats

Published Written,
1991
Roman. Three Continents Press: Washington

Shah-e siyah-pushan

Published Written,
1990

Panj ganj

Published Written,
1989

Hadis-a mahigir va div

Published Written,
1984

Jobbeh’khaneh

Published Written,
1983

Der Wolf

Published Written,
1981
Erzählung. In: Im Atem des Drachen. Moderne persische Erzählungen. Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main

Ma’sum-e panjom

Published Written,
1980

Die vierzehn Heiligen I

Published Written,
1978
Erzählung. In: Moderne Erzähler der Welt: Iran. Horst Erdmann Verlag: Tübingen

Barreh-ye gomshodeh-ye ra’i

Published Written,
1977

Namazkhaneh-ye kuchek-e man

Published Written,
1975

Keristin ba kid

Published Written,
1971

Mesl-e hamisheh

Published Written,
1968

Shazdeh ehtejab

Published Written,
1968

Merits

1997
Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung
Helman-Hammet-Preis von Human Rights Watch
1999
Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Blueprints 2000

Cultures in dialogue

(01 May 97 - 18 November 00)

Confess, writers from the Orient are greater!

(25 April 90 - 29 April 90)