Zhao Zhigang

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crossroads:
Moderne, Multikulturalität, Tradition
genre(subgenre):
Performing Arts (Pekingoper)
region:
Asia, Eastern
country/territory:
China
created on:
May 11, 2006
last changed on:
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information provided by:
Zhao Zhigang
© Dirk Bleicker

Article

Prinz der Yue-Oper

Zhao Zhigang, der „Prinz der Yue-Oper“, ist in der VR China einer der großen, populären Bühnenstars der Yue-Oper („yueju“). Er ist ein hochvirtuoser Darsteller von überragender Bühnenpräsenz. In Europa ist er bekannt durch eine Hauptrolle im Film „König der Masken". Zhao Zhigang beherrscht als einziger männlicher Solist alle fünf Rollenfächer der Yue-Oper, eines Shanghaier Opernstils, der traditionell von Frauen gespielt wird. Erst in neuerer Zeit entstanden gemischte Ensembles. Vor diesem Hintergrund ist sein Erfolg durchaus bemerkenswert. Zhao Zhigang besticht durch stimmliche Virtuosität, perfekte Technik und Darstellung („xieyi“ und „xieshi“). Er begründete einen eigenen Gesangsstil, die „Zhao-Schule“ oder den „Zhao-Gesang“, gilt als Modernisierer der Yue-Oper und bringt gegenwartsbezogene Themen wie z. B. Liebesbeziehungen im Internet auf die Bühne. Gerade dadurch kann er auch junges Publikum für die „yueju“ begeistern. Außerdem ist Zhao Zhigang Produzent, Manager und künstlerischer Leiter des Shanghai Yue Opera Theatre of China. Seine CDs und Musikkassetten verkauften sich so gut, dass er als erster Darsteller der Yue-Oper 1992 eine Goldene Schallplatte erhielt.
Zhao Zhigang ist einer der wenigen männlichen Darsteller in der frauendominierten Domäne der Yue-Oper, in der auch die Rollen von Männern traditionell von Frauen gespielt werden. Seine Lehrerinnen waren Frauen und so brachten Frauen ihm bei, wie er einen Mann zu spielen hat. Er lernte sein Rollenfach, den „jungen Mann“ („xiaosheng“) als Meisterschüler an einer der ältesten und einflussreichsten Schule, der Yin-Schule („Yin Guifang“). Er beherrscht nicht nur das Repertoire dieser Schule, sondern erweiterte sein klassisches Repertoire auch um Stücke wie „Leben und Liebe des He Wenxiu“, „Der Rumtreiber“ und „Der Wüstenprinz“. In Zusammenarbeit mit Komponisten und Musikern erweiterte er den Tonumfang und den Stil der Yin-Schule um freie Variationen und neue Rhythmus-Schemata und entwickelte daraus eine eigene Form des Gesangstils, die „Zhao-Schule“ bzw. den „Zhao-Gesang“.

Zhao Zhigang hat im traditionellen Repertoire die höchste Stufe an Virtuosität erreicht. Künstlerische Freiheit bedeutet für ihn jetzt, nicht nur konventionell-traditionelle Themen zu spielen, sondern selbst aktuelle Themen aufzugreifen und in eigene Stücke umzusetzen. Er möchte nicht nur, wie in der Yue-Oper üblich, die Form der Rolle perfekt darstellen, er will diese Form mit wahrer, echter Emotion und Inhalt füllen, um sie in Richtung einer realistischen Darstellung zu erweitern. Über neue Medien auf der Bühne, wie z. B. Video, versucht er, eine Parallelebene der Erinnerung, des Gedächtnis, in die Inszenierung einzubeziehen, um so eine größere Tiefenschärfe der Bühnenhandlung zu erzielen.

Zhao Zhigang ist ein Erneuerer der Yue-Oper, der Einflüsse aus der Peking-, Kun- und Sichuan-Oper sowie dem zeitgenössischen Sprechtheater und dem Musical aufnimmt. Er bearbeitete auch westliche Stücke für die Yue-Oper, wie z. B. „Hamlet“, und setzt westliche Musikinstrumente ein.

Die Yue-Oper ist mit hundert Jahren Geschichte eine sehr junge Kunstform innerhalb des traditionellen chinesischen Musiktheaters. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden in Shanghai die ersten reinen Frauenensembles, die relativ schnell den Männern den Rang abliefen und diese schließlich völlig verdrängten. Die Frauen sahen ihre Chance in dieser jungen Form des Musiktheaters und reformierten es, indem sie die Mittel des zeitgenössischen Sprechtheaters und des Films einfließen ließen. Sie setzten auf Regieinszenierungen, außerdem wurde der Musik- und Darbietungsstil immer weiter verfeinert, so dass die Yue-Oper inzwischen zu den romantischsten und lyrischsten Formen des chinesischen Musiktheaters gehört. Die Schauspielerinnen passten Themen und Darstellungsweisen immer wieder dem Geschmack des Publikums an und bedienten sich neuer Mittel des Managements und des Marketing, wodurch sie die Yue-Oper extrem populär machten.

Die Yue-Oper ist eine sehr dynamische Kunstform, es entstanden viele Stücke auf höchstem künstlerischem Niveau. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts werden herausragende Stücke als Film oder Fernsehserien gezeigt. Erst in der Mitte des vorigen Jahrhunderts öffneten sich die Ensembles langsam auch wieder für männliche Darsteller.

Zhao Zhigang selbst sieht sich ganz der dynamischen Tradition des „yueju“ verpflichtet. Neuerungen betrachtet er als selbstverständlichen Bestandteil der ewigen Veränderung der „yueju“. Es geht ihm nicht darum, den Stil der Yue-Oper grundsätzlich zu verändern, sondern immer nah am Puls der Zeit zu bleiben. Ein Überlebensmodell für diese Kunstform scheint ihm eine klare Ausrichtung auf das Publikum zu sein sowie ein gutes Gespür für die Themen der Zeit. In China gibt es nur zwei Yueju-Ensembles, bei denen Männer und Frauen gemischt sind. Er selbst leitet eine dieser Gruppen. Zhao Zhigang ist daran gelegen, möglichst viele männliche Studenten aufzunehmen, um dieser gemischten Darstellungsform der Yue-Oper das Überleben zu sichern.

„Spiegelbild der Roten Kammer“, eine Auftragsarbeit für das Haus der Kulturen der Welt, ist für ihn ein interessantes, künstlerisches Experiment, aber in seinen Augen kein Weg für die Yue-Oper. Vielmehr gibt es eine Parallelentwicklung von Zhao Zhigangs eigenem Werdegang in der Yue-Oper und der dramatischen und tragischen Entwicklung der Hauptfigur Jia Baoyu. Jia Baoyu wandelt sich von einem verwöhnten Knaben, der in einer Frauenwelt verhätschelt wird, zu einem Mönch, der im Kloster lebt. Zhao Zhigang, der sich in einer Frauenwelt künstlerisch behaupten muss, fühlt sich immer wieder großem Druck ausgesetzt, aber so wie er dies in Ansporn verwandelt, so wandelt sich Jia Baoyu vom Kind zum Mann. In der Entwicklung der Figur des Jia Baoyu spiegelt sich außerdem die Befreiung Zhao Zhigangs von den Beschränkungen einer traditionellen Theaterform, über deren Grenzen er längst hinausgewachsen ist.

Aus einem Interview mit dem Künstler im April 2006
Author: Susanne Gruber-Göße/ Gao Yi

Bio

Opernsänger, Schauspieler, Produzent, Künstlerischer Leiter der „ Shanghai Yue Opera Theatre of China“

geb. 1962 in Jiading bei Shanghai

1974 Aufnahmeprüfung der Schauspielschule des Shanghaier Theaters für Yue-Oper (Shanghai Yuejuyuan xueguan). Rollenfach: „Alter Mann" („laosheng"), dann Wechsel zu „Junger Mann" („xiaosheng")

1982 Meisterschüler der Yin-Schule (Yin Guifang)

seit 1985 entwickelte er einen eigenen Gesangsstil, den „Zhao-Gesang“ bzw. die „Zhao-Schule“

1992 Er erhält die Goldene Schallplatte

Works

Spiegelbild der Roten Kammer

Production / Performance,
2006

König der Masken

Film / TV,
1996

Jia / Die Familie

Production / Performance

Zhaoshi gu’er / Die Waise aus dem Hause Zhao

Production / Performance

Diyici qinmi jiechu / Erste innige Berührung

Production / Performance

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

China - Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Ein Projekt zur zeitgenössischen Kunst Chinas

(24 March 06 - 14 May 06)