Alan Duff

Article Works
crossroads:
Aborigines, Kolonialismus, Politik
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (allgemein)
region:
Australia and New Zealand
country/territory:
New Zealand
created on:
June 17, 2005
last changed on:
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Alan Duff wurde 1950 als Sohn einer Maori - Mutter und eines Europäischen Vaters geboren und wuchs in einer Sozialsiedlung in Rotorua, Neuseeland, auf. Nach der Trennung seiner Eltern lebte er bei verschiedenen Verwandten, mit zwölf riss er zum ersten Mal aus und wurde bald vom Jugendgericht in ein strenges Erziehungsheim gesteckt.
Seine Kindheitserinnerungen hat er 1999 in „Out of the Mist and Steam“ festgehalten. Seit 1985 ist Duff freier Schriftsteller und hochrenommierter Kolumnist von zehn Zeitungen, in denen er wöchentlich scharfe, oft umstrittene Kritik an der neuseeländischen Politik formuliert. In seinem umfangreichen Prosawerk zeichnet Duff das heutige Leben der Urbevölkerung Neuseelands nach, deren soziale Probleme er unter anderem im Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten verankert sieht. Mit dem Anliegen, den Teufelskreis von Analphabetismus, Arbeitslosigkeit und Gewalt aufzubrechen, hat Duff 1995 das „Books in Homes“ - Hilfsprogramm ins Leben gerufen, das jährlich 80.000 Kinder, davon die Hälfte Maori, mit Büchern beschenkt.

Weltweite Bekanntheit erlangte Alan Duff 1990 mit seinem ersten Roman „Once Were Warriors“, der mit dem „P.E.N.-Best-First-Book-Award“ ausgezeichnet und 1994 von Lee Tamahori erfolgreich verfilmt wurde. In rauer, Dialekt- und Slangsprache und einer dynamischen Erzählweise des „stream of conciousness“ portraitiert Duff eine Maori-Familie, deren Alltag durch Alkoholismus, physische und psychische Gewalt, die Hoffnungslosigkeit und Lethargie der Arbeitslosigkeit geprägt ist. Die Stimmenvielfalt des Romans wird dominiert von Beth, die unter den Übergriffen ihres Mannes Jake leidet, der seine explosive und zuweilen handgreifliche Maskulinität nicht nur in der Kneipe, sondern auch daheim demonstriert. Beths Verzweiflung kulminiert im Tod zweier ihrer Kinder. Nig kommt in einem Bandenkampf um, Grace begeht nach einer Vergewaltigung Selbstmord. Schließlich findet sie Kraft in der Rückkehr zu den kulturellen Überlieferungen ihres Stammes und gibt das alte Wissen weiter. Die 1996 erschienene Fortsetzung des Romans „What Becomes of the Broken Hearted“ richtet den Blick auf Jake und dessen allmähliche, schmerzhafte Selbstbegegnung.

Duff vertritt die Ansicht, dass die bereitwillige Assimilation der von den europäischen Kolonialmächten gleichsam aufgepfropften Kultur für die Maori nicht den Ausweg aus der Armut bedeutet. Vielmehr zeigt er in seinen Romanen die Hinwendung zu intellektueller Kreativität und traditioneller Spiritualität als positive Perspektive auf. So auch in dem Roman „One Night out Stealing“, der 1991 erschien. Jube und der Maori Sonny entfliehen für eine Nacht der grauen Aussichtslosigkeit ihres Alltags nach Wellington. Während Jube seine Chance in der Plünderung einer Villa sieht, öffnet sich für Sonny eine bislang ungekannte Welt der Musik, Kunst und Geborgenheit. In dem Aufsatz „Maori: The Crisis and the Challenge“ formulierte Duff 1993 die kontrovers diskutierte These, dass viele Maori zu sehr in passiver Erwartungshaltung gegenüber der Regierung verharren und selbst stärker zur Verbesserung ihrer Situation beitragen könnten.

Heute lebt Alan Duff mit seiner Frau und drei Kindern in Havelock North.

© internationales literaturfestival berlin
Author: Internationales Literaturfestival Berlin (ilb)

Works

Für englischsprachige Titel siehe englische Textversion

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