Ming Wong

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crossroads:
Ambivalenz, Hybridität, Identität, Mobilität, Moderne, Satire
genre(subgenre):
Film (Video)
Medienkunst (Video)
Performing Arts (Video-Performance)
region:
Asia, Southeast
country/territory:
Singapore
created on:
June 6, 2011
last changed on:
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Ming Wong
Photo: Singapore Art Museum. Courtesy: Ming Wong

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Whodunnit?

Ming Wong ist ein in Berlin und Singapur lebender Multimedia-Künstler. In seinen Video- Installationen stellt er meist Szenen aus Filmklassikern nach. 2009 bespielte er mit seiner Installation „Life of Imitation“ bei der 53. Biennale in Venedig den Länder-Pavillon von Singapur.
Als Ming Wong 2007 ein einjähriges Stipendium vom Berliner Künstlerhaus Bethanien erhielt, bereitete er sich auf ganz eigene Weise darauf vor. Er drehte das Video „Lerne Deutsch mit Petra von Kant“, in dem er eine Schlüsselszene aus Fassbinders Film „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ nachstellt. Ming Wong im mintgrünen langen Kleid, Blondhaarperücke und silbernen Pumps, mit einer Flasche Gin in der Hand, ein Telefon auf dem Boden. Ein Imitat der in Fassbinders Film von Margit Carsten gespielten Modeschöpferin mit fremdem Akzent, das weitere Künstlichkeit in die ohnehin schon stark stilisierte Szene bringt. Nicht nur die Rolle, auch die Sprache lernte Ming Wong dabei durch Imitation, wobei er sich ganz auf den Rhythmus, auf Tonfälle und Mimik konzentrierte.

Es ist Ming Wongs Grundthema. Er leiht sich kulturelle Identitäten aus Filmklassikern, aus Viscontis „Leben und Tod in Venedig“, Wong Kar-Wais „Mood for Love“ oder Pasolinis „Teorema“ – und parodiert sie. Schlicht, indem er sie ernsthaft nachzuspielen versucht. So werden die kulturellen Codes enteignet, die Frage nach dem Blick auf das Fremde an den Betrachter zurückgegeben. So etwa, als Ming Wong 2007 nach Berlin zog: Da tobte in Deutschland gerade eine Debatte über die Deutschkenntnisse von Migranten, die Wong mit seinem Deutsch-Lern-Kurs ganz eigener Art gleichzeitig überbietet und unterläuft. Denn Fassbinders Film ist große deutsche Kunst und was Ming Wong dabei sprachlich vor allem lernt: Wie man mit großem Nachdruck „Hure“ und „ich hasse dich“ sagt.

Ähnlich verfuhr Wong schon 2001, als das britische Art Council zu einer Volkszählung einen eigenen Fragebogen zur kulturellen Diversität herausbrachte. Wong beendete damals gerade an der Londoner Slade School sein Kunststudium. Auf dem Fragebogen kreuzte er nicht eine, sondern alle gelisteten Ethnien an. Im Anschluss entwickelte er das Filmprojekt „Whodunnit?“ in dem die Akteure zunächst mit übertriebenem Akzent in unterschiedlichsten Sprachen und schließlich alle in gepflegtem Einheits-Englisch sprechen.

Ming Wong, 1971 in Singapur geboren, sprach in seiner Kindheit in der Familie Kantonesisch, in der Schule Englisch und mit seinen Freunden eine eigene Mischung, ein Singapur-Englisch oder „Singlisch“. Malaysisch schnappte Wong nur brockenweise auf der Straße auf. Kein Wunder, dass Sprachen auch in seinem späteren Leben eine Rolle spielen. Seine Obsession für das Nachstellen von Filmklassikern gilt fast immer auch der darin gesprochenen, fremden Sprache. In „Four Malay Stories“ spielt Wong Szenen aus malaysischen Filmen der 50er- und 60er-Jahre nach, der vergessenen Blütezeit der dortigen Filmindustrie. Alle 16 männlichen und weiblichen Rollen darin verkörpert er selbst. „Four Malay Stories“ erinnert nicht nur daran, was Singapur durch den Verlust seiner Filmindustrie an eigenem kulturellem Potenzial verloren ging. Es erzählt auch vom Verlust von Sprache. Auf vier Monitoren werden einzelne Szenen bis zu fünf Mal wiederholt – bis Wong das ihm fremde Malaysisch halbwegs richtig wiedergibt.

In der 2010 entstandenen Arbeit „Devo partire. Domani“, realisiert für das Napoli Teatro Festival Italia in Kooperation mit der Singapur Biennale, zeigt Wong, wie ein Fremder in das Leben einer bürgerlichen italienischen Familie einbricht und alle verführt – den Vater, die Mutter, Tochter, Sohn und Hausmädchen. In der Installation, inspiriert von Pier Paolo Pasolinis „Teorema“ (1968), spielt Wong wieder alle Rollen. Den Verführer, der geheimnisvoll verschwindet, die Verführten. In jeder Einstellung begegnet man einem maskierten, fremdem, immer gleichen, immer anderen Selbst. All die unterschiedlichen Sehnsüchte, Hoffnungen, Träume, die unterschiedlichen sozialen Stellungen der Figuren – sie zeigen sich durch Ming Wongs Gesicht, der großzügig allen Personen seinen Körper leiht. Sich dafür schminkt, Perücken aufsetzt, Kleider wechselt und Sprachen, Tonfälle, Mimik, Bewegungen imitiert. Mit Alter und Geschlecht jongliert, mit Klischees und Stereotypen.

In seinem neuen Projekt schlägt das Spiel mit der Mimikry noch einmal andere Volten. Gemeinsam mit seiner Mutter May spielt Ming Wong in vier Karaoke-Videos das Leben der türkischen Sängerin und Transgender-Queen Bülent Ersoy nach.
Author: Michaela Schlagenwerth

Works

Exhibitions/Performances

Established,
2011
------2011------ Biji Diva! In Transit Festival, House of World Cultures, Berlin; Devo partire. Domani. Solo exhibition. Villa Romana, Florence; Singapore Biennale. Singapore; LIFE OF IMITATION. Solo exhibition. CAST Gallery, Tasmania, (part of 10 Days on the Island Festival) ; Ming Wong’s CYCLORAMA. Solo exhibition. Vitamin Creative Space, Guangzhou Echt? based on a true story. Künstlerhaus Stuttgart, Stuttgart Ming Wong: Life of Imitation. Solo exhibition. Frye Art Museum, Seattle, Washington ------2010------- Unspooling-Artists & Cinema. Cornerhouse, Manchester Gruppenbild. Solo exhibition. Neuer Berliner Kunstverein, Berlin, Germany; Essential Cinema Toronto International Film Festival, Canada; Gwangju Biennale. Gwangju, Korea; AH Oh. Galeri NON, Istanbul; Life & Death in Venice. Solo exhibition. Studio Tresorio, Naples, Italy; Napoli Teatro Festival. Solo exhibition. PAN, Naples, Italy; Sydney Biennale. Solo exhibition. Cockatoo Island, Sydney, Australia; The Fate of Irony. Solo exhibition. KAI10, Düsseldorf, Germany; Life of Imitation. Solo exhibition. Singapore Art Museum; Life & Death in Venice. Solo exhibition. Hermes Gallery, Singapore; Yebisu International Festival for Art & Alternative Visions. Tokyo Metropolitan Museum of Photography, Japan; Life & Death in Venice* Gallery Invaliden1, Berlin; ------2009------- Life of Imitation. Solo exhibition. Singapore Pavilion, 53rd Venice Biennale, Italy; Playing Homage. Vancouver Contemporary Art Gallery, Canada; The Simple Art of Parody. Museum of Contemporary Art Taipei, Taiwan; If There Is No Audience! Centro Cultural Montehermoso, Vitoria-Gasteiz, Spain; And the Difference Is. Gertude Contemporary Art Spaces, Melbourne, Australia; The Agency of Words. Text Festival, Bury Art Gallery, UK; Images Festival. Art Gallery of York University, Toronto, Canada Vain Efforts. Solo exhibition. Gallery 4A, Asia Australia Arts Centre, Sydney, Australia; Jakarta Biennale 09. Indonesian National Gallery; mononoaware. Solo exhibition. MK Galerie Rotterdam, the Netherlands; ------2008------ And the Difference Is. National University of Singapore Museum; I Queerelanti. Galleria neon>campobase, Bologna, Italy; mononoaware. Solo exhibition. MK Galerie Berlin, Germany; Das Piraterieproblem. Solo exhibition. Brandenburgischer Kunstverein Potsdam, Germany; Everybody Knows This is Nowhere. Galerie Wendt + Friedman, Berlin, Germany; Vertraut oder Verdaut. ZKM Center for Art & Media, Karlsruhe, Germany; Angst Essen – Eat Fear. Solo exhibition. Künstlerhaus Bethanien, Berlin, Germany; Kunstinvasion. Blumengroßmarkt, Berlin, Germany; Filem-Filem-Filem. Solo exhibition. Singapore Fringe Festival; ------2000-2007----- S.T.O.R.A.G.E: Ming Wong. Solo exhibition. The Agency Gallery, London, UK, 2007; WE. National University of Singapore Museum, 2007; Futurama and Re-inventing Tradition. Collegium Hungaricum Berlin, Germany 2007; A Complete Guide to Rewriting Your History 2. Sparwasser HQ, Berlin, Germany 2006 LabiLabu. The Esplanade, Singapore 2005; Whodunnit? Solo exhibition. Toynbee Studios, London, UK 2005; Whodunnit? Solo exhibition. Chinese Arts Centre, Manchester, UK 2004; Re:Thinking:Time. Peterborough City Art Museum, UK 2004; Michael Marriott & Ming Wong. Windows Gallery, British Council Prague, ; Czech Republic 2003; Dia E Vento. Teatro do Campo Alegre, Porto, Portugal 2001; swipe2001. PVA MediaLab, Bridport, Dorset, UK 2001; EAST International. Norwich Gallery, Norwich, UK 2000

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

IN TRANSIT 2011

(15 June 11 - 18 June 11)

Www

Offizielle Webseite