Juana Molina

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crossroads:
Wasser
genre(subgenre):
Musik (Latin Folk)
region:
America, South
country/territory:
Argentina
created on:
July 9, 2008
last changed on:
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Juana Molina
Juana Molina. © Promo

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Juana Molina: Carmen Miranda in der Schock-Therapie

Juana Molina behauptet, sie sei eher zufällig berühmt geworden, und es brauchte eine Schwangerschaft, um ihren Irrtum klarzustellen. Nachdem sie die Glitzerwelt der TV-Sitcoms verließ, verfolgte sie ihre musikalische Muse. Verantworten muss sie seitdem Werke der sublimsten und undefinierbarsten Musik unseres Jahrzehnts.
1962 wurde Molina in Buenos Aires geboren. Ihre Familie floh vor der Diktatur und zog nach Paris. Bei ihrer Rückkehr in den 80ern wurde Molina Sängerin bei einer Reihe lokaler Bands, bevor sie sich in der TV-Sketch Show „Juana y sus Hermanas“ wiederfand, die in der gesamten Spanisch sprechenden Welt zu einem Renner wurde. Unzufrieden mit ihrem Leben als Berühmtheit, aber unfähig, den Grund hierfür zu finden, entschloss sie sich erst nach erzwungenen zwei Monaten Bettruhe während ihrer Schwangerschaft, dem Fernsehruhm den Rücken zuzuwenden, um eine musikalische Karriere zu verfolgen.

Es war kein einfacher Übergang. Das Publikum erwartete die Figur aus der TV-Show, sie vergaß die Songtexte, performte mit einer enorm ungestimmten Gitarre und vertrieb das Publikum scharenweise. Molina schwor, nie wieder live auf der Bühne stehen zu wollen. Deprimiert und ohne jeden Plan zog sie aus einer Laune heraus nach Los Angeles, nachdem sie gehört hatte, dass ein Radiosender dort ihr Debütalbum „Rara“ (Fremd, 1996) spielte. Es war dann auch in Kalifornien, wo sie schließlich ihren modus operandi fand – unkonventionelle Gitarrentunings und all die technische Unterstützung, die sie sich leisten konnte. Die Technik allerdings unterstützt nur ihre Vision, die einzigartig ist.

Ihr Vater Horacio Molina, ein bekannter Tango-Sänger und Gitarrist, führte sie früh in seinen unkonventionellen Geist ein. Er wollte ihre Aufmerksamkeit dafür, dass „alles Musik ist, vom Klang der Vögel und der Hunde über den Glockenschlag der Uhr bis zum Klacken der Absätze auf dem Bürgersteig.“ Ihre Einführung in Debussy, Ravel, King Crimson und Weather Report geriet zur prägenden Erfahrung. Später stellte sie fest, dass sie Musik von Anfang an als „Klanglandschaften“ wahrnahm:„als Ganzes, nicht als ‚oh, was für eine wundervolle Gitarre oder was für ein wunderbarer Keyboard-Part.’“ Warum Musik sich an vordefinierte Strukturen anpassen muss, sieht sie überhaupt nicht. „Ich verstand noch nie, warum man immer die Songverse, den Chor, die Überleitung haben muss. Musik basiert doch auf unzähligen Kombinationen. Ich habe immer Sachen gespielt, die anders sind. Aber ich habe mir zu viele Gedanken darüber gemacht, dass sie irgendwie lächerlich sein könnten und dass die Leute denken könnten, sie sind eigentlich Junk.“

Auf ihrem zweiten Album „Segundo“ (2003) wird ihre Vision deutlich. Was auf der Oberfläche wie melancholischer Latin-Folk-Sound klingt, offenbart sich bald als einzigartige Form einer Folk-Musique concrète. Loops wirbeln zusammen aus der Zeit, Vögel und andere formlose Kreaturen zwitschern und schnattern, Trommeln pochen und verschwinden, Tonarten modulieren, das Ganze löst sich in unzählige Teile auf. Während er nach einer CD von „irgendeiner schrägen isländischen Band“ suchte, kaufte David Byrne dank einer Liste von Empfehlungen das Album „Segundo“ eher spontan. Als Byrne die CD hörte, war er so bewegt, dass er Molina einlud, bei seiner nächsten Tournee dabei zu sein.

Auf ihrem derzeitigen Album „Son“ (2006) verfeinert Molina ihr ätherisches Schaffen. Passend beschrieben als „zu real, um in diese Plastik-Ära zu passen und trotzdem so innovativ, dass sie aus dem Gestern kommen könnte“, gibt es niemanden, dessen Musik auch nur annähernd so klingt wie Molinas. Zu denjenigen, die in diesen musikalischen Rahmen passen, könnte Robert Wyatt aus Großbritannien oder die isländische Björk gehören, sonst vielleicht Robert Fripp, ihr zufälliger Mentor von King Crimson.

Ihre Techniken fließen aus der gleichen Inspirationsquelle, aus der Steve Reich, Harry Partch und Claude Debussy schöpfen, und sicherlich finden sich auch Elemente der javanesischen Gamelan-Musik darin. In den Händen Juana Molinas ist das Ergebnis ebenso erstaunlich wie eigenwillig. In „Malherido“ beispielsweise sind ihre ätherischen spanischen Vocals in driftende atonale Akkorde gebettet, geballte Harmonien schweben herein und heraus, ein Solo-Sopran heult im Hintergrund, eine Beatbox-Basstrommel trägt das Ganze weiter, plötzlich grunzt ein wilder Eber aus einem Lautsprecher. Der Effekt ist ebenso verstörend wie verspielt – stellen Sie sich Carmen Miranda in einer Schock-Therapie vor.

Molina, die derzeit in Großbritannien lebt, hat ihr Publikum größtenteils in den USA und in ihrem Heimatland Argentinien, auch wenn es eine kleine aber treue Gefolgschaft in Japan gibt. Ihr Berliner Date im Haus der Kulturen der Welt ist Teil ihrer aktuellen Europatournee.
Author: Martin Gordon

Bio

Juana Molina, geboren 1962 in Argentinien, begann ihre Schauspielkarriere in den 80er Jahren als Komödiantin. 1991 kam der Durchbruch mit ihrer eigenen Comedy Show „Juana y sus Hermanas“ (1991-94). 1996 erschien ihr erstes Album „Rara“.

Works

Un Día

Published Audio,
2008
Domino Records

Sound of the World 2007

Published Audio,
2007
Producer. By various artists

Son

Published Audio,
2006
Domino Recording

Sounds Eclectico

Published Audio,
2005
Guitar, piano, vocals. By various artists

Semper Satago

Published Audio,
2005
Producer. By various artists

Soul Sauce

Published Audio,
2005
Producer. By various artists

We Will Become Like Birds

Published Audio,
2005
By Erin McKeown, Vocals by Juana Molina

Sálvese Quién Pueda

Published Audio,
2005

Tres Cosas

Published Audio,
2004
Domino Recording

Segundo

Published Audio,
2001
Domino Recording

Rara

Published Audio,
1996

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

LifeLines Nr 3: Rubén Rada

(08 April 10 - 10 April 10)

WATER MUSIC

Summer Open Air Festival

(10 July 08 - 27 July 08)

Www

The official homepage of the artist

Juana Molina´s profile on YouTube

Interviews with the singer, songs, impressions