Florian Schneider

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crossroads:
Migration, Politik, Rassismus, Vielfalt
genre(subgenre):
Film (Dokumentarfilm)
Medienkunst (Digital Arts)
region:
Europe, Western
country/territory:
Germany
created on:
June 22, 2010
last changed on:
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Florian Schneider
Florian Schneider. © S. Bolesch

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Subversive und kollektive Praxis

Florian Schneider, geboren 1967 in München, ist ein deutscher Filmemacher, Medienkünstler und Aktivist. Als Kurator beschäftigt er sich mit Film und dokumentarischen Formaten und den Möglichkeiten des Internets. Seine Arbeiten stehen immer in einem politischen Zusammenhang. Sein zentrales Interesse liegt dabei in Grenzüberschreitungen – zwischen Mainstream- und unabhängigen Medien, zwischen Kunst und Aktivismus, Theorie und Open-Source-Technologie.
1992 begann Schneider mit der Konzeption und dem Aufbau verschiedener Film- und Bibliotheksdatenbanken, Webserver und Intranets für das Institut Jugend Film Fernsehen und zahlreiche kleinere Non-Profit-Organisationen. Seit 1995 berät er Internetprojekte und Websites diverser Institute und Initiativen. So konzipierte er 1998 die Internetgalerie Teleportacia.org (zusammen mit Olia Lialina) – ein künstlerisches Ergebnis seiner Beschäftigung mit der Netzkultur, wie auch die Konzeption und Realisierung von Hybrid Media Labs für Kiasma (Helsinki) oder Macba (Barcelona). 2001/02 entwickelte er die Internetplattform „D-A-S-H – Für Vernetzung gegen Ausgrenzung“, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland und von der EU-Kommission gefördert wurde. Im Auftrag der Bundeszentrale für Politische Bildung und in Zusammenarbeit mit ZDFonline und arte entstand 2002 zudem die Online-Plattform WASTUN.org.

Mit den Medien Film und Video beschäftigt er sich seit 1990 in unterschiedlichsten Formen, zunehmend auch für eigene Arbeiten. Sein erster Film „leben still / leben tot“(zusammen mit Jochen Kraus) wird 1993 auf dem Dokumentarfilmfest München mit dem 1. Preis in der Sektion „Neue Filme aus Bayern“ ausgezeichnet. Es folgt „Tanger Nonstop“, ein konzeptueller Dokumentarfilm über die Stadt Tanger in Marokko, um die herum die eine reiche literarische und filmische Mythologie entstanden ist. Für die Aufnahmen fahren Florian Schneider und Jochen Kraus mit der Hamburger Band Kastrierte Philosophen dorthin, im Reisegepäck den Roman „Der Prozess“ von Brion Gysin, einem Künstler und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der lange in Tanger gelebt hatte.

In „Raus aus dem Schatten – Die Kirche St. Bernard und der Kampf der ‚sans papiers‘“ führt er seine politisch engagierte Tätigkeit fort. Im Sommer 1996 besetzen 300 „illegalisierte“ Einwanderer die Pariser Kirche St. Bernard mit der Forderung nach gleichen Rechten und dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen für alle. „Raus aus dem Schatten“ rekonstruiert die Ereignisse und die Entwicklung einer Bewegung, die über die Grenzen Frankreichs hinaus in ganz Europa an Bedeutung gewann. In „Die Unorganisierbaren“ (2002) dokumentiert Schneider die Arbeitskämpfe von Menschen in Kalifornien, die keine Interessenvertretung haben, sondern sie erst schaffen müssen: Textilarbeiter, Reinigungskräfte, Zeitarbeiter.

Florian Schneider hat mehrfach Fernsehdokumentationen für Arte gedreht und für den deutschfranzösischen Kultursender auch zwei Themenabende zu Migration und Aktivismus gestaltet. Sein Engagement in der kritischen Auseinandersetzung mit neuen Kommunikations- und Migrationsregimes fand auch Ausdruck in der Mitbegründung des Netzwerks Noborder. Schon 1997 hatte Schneider auf der documenta X ein Projekt mit dem Titel „Kein Mensch ist illegal“ lanciert, aus dem später Noborder hervorging. Sein mit vielen dieser Aktivitäten angestrebtes Ziel könnte mit dem Begriff einer „Globalisierung von unten“ bezeichnet werden.

In den Jahren seit 2008 hat Florian Schneider mehrfach mit künstlerischen Arbeiten an Biennalen und Kunstfestivals in aller Welt teilgenommen. Ergebnisse des Multimediaperformanceprojekts „Wörterbuch des Krieges“, in dem kollaborativ 100 Begriffe zum Thema Krieg gesammelt und bestimmt wurden, erschienen 2008 als Merve-Band in Buchform.

2010 war Schneider unter den Kuratoren, die Hila Peleg für das erste Berlin Documentary Forum am Haus der Kulturen der Welt auswählte. Unter dem Titel „Missing Image“ präsentierte er die Filme des 2010 verstorbenen deutschen Dokumentarfilmers Michael Mrakitsch, der vor allem für deutsche Fernsehanstalten gearbeitet hatte. „Die Auseinandersetzung mit dieser Gesellschaft muss in dem Medium stattfinden, das dominiert“, war das Credo von Mrakitsch. Ein Credo, mit dem Florian Schneider sich sicher identifizieren konnte: Schneider sucht wie Mrakitsch in den dominierenden Medien nach einer subversiven und kollektiven Praxis.

Schneider lebt gegenwärtig in Brüssel und München. An der Jan van Eyck Akademie von Maastricht ist er als Advising Researcher tätig, und am Goldsmiths College in London arbeitet er an einem Doktoranden-Projekt zum Thema „Imaginary Property“.
Author: Bert Rebhandl

Works

Wörterbuch des Krieges

Intermedia project,
2010
A project by Unfriendly Takeover and multitude e.V

Missing Image

Intermedia project,
2010

Die Unorganisierbaren

Film / TV,
2002

Raus aus dem Schatten - Die Kirche St Bernard und der Kampf der „sans papiers“

Film / TV,
1999

Kein Mensch ist illegal

Exhibition / Installation,
1997
documenta X

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Berlin Documentary Forum 1

New practices across disciplines

(02 June 10 - 06 June 10)

Www

Projekt Kein.org

Projekt Noborder.org

Projekt Dash.org