Christian Philipp Müller

Article Bio Works Projects www
crossroads:
Erwartung, Geschichte, Humor, Wahrnehmung
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Installation, Konzeptkunst, Performance, Videokunst)
region:
Europe, Western
country/territory:
Switzerland
created on:
August 28, 2009
last changed on:
Please note: This page has not been updated since August 31, 2009. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:
Christian Philipp  Müller
Christian Philipp Müller (c) Thomas Eugster/Christian Philipp Müller

Article

„Eine Welt für sich“

Christian Philipp Müllers Konzeptkunst

Christian Philipp Müller gilt seit seiner documenta-Teilnahme 1997 als einer der bedeutendsten Vertreter zeitgenössischer Konzeptkunst. Er ist ein Spurensucher, dessen Arbeit stets im sozialen als auch im ästhetischen Raum verortet ist. Oft macht er die Stellung des Künstlers zum Thema seiner künstlerischen Recherchen. Zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft mäandern seine Projekte und Rauminstallationen.
Erste performative Arbeiten entstehen bereits in den 80er Jahren. 1986 etwa entwickelt Müller die Arbeit „Kleiner Führer durch die ehemalige Kurfürstliche Gemäldegalerie Düsseldorf“. Damals war Müller noch Student an der Kunstakademie in Düsseldorf und führte zum Jahresrundgang der Kunsthochschule im Kostüm eines Museumsführers durch die Sammlung. „Ich greife gerne auf eine vorgegebene Ästhetik zurück und verändere die Aussage, um mit Erwartungshaltungen zu spielen. Ich nehme gern eine bestimmte Verpackung, ein bestimmtes Arrangement, eine bestimmte Fassade und verändere ihre Bedeutung“, so hat Christian Philipp Müller seine künstlerische Vorgehensweise einmal in einem Gespräch mit James Meyer beschrieben.

1993 gestaltete der Künstler den Österreichischen Pavillon der Biennale in Venedig. Seine Arbeit nannte er „Grüne Grenze“: eine politisch brisante Installation aus Tafeln, Zeichnungen und einem Video, das den Künstler selbst in der Natur zeigte – in Freizeitkleidung, bei illegalen Grenzübertritten in vielen Ländern Europas. In ihrem Text „Der Künstler als Schmuggler“ hat Annette Hoffmann die Kunst Christian Philipp Müllers treffend auf den Punkt gebracht: „Analyse und Witz sind bei ihm meist nicht voneinander zu trennen. Seine Aktionen bringen Dinge ins Fließen, sein Humor löst Festschreibungen auf und beruht letztlich auf seinem Misstrauen gegenüber der Norm.“

Christian Philipp Müllers 1994 entstandene Arbeit „Tour de Suisse“ offenbart die Methodik des Künstlers sehr anschaulich: Oft sind es wissenschaftliche Strategien, analytische Untersuchungen, die bei ihm Teil der Kunstproduktion sind. Bei „Tour de Suisse“ erstellte der Künstler einen Fragebogen, den er an 60 Schweizer Kunstinstitutionen schickte. In einem zweiten Schritt machte Müller anschließend Video-Interviews mit den Institutsleitern jener Häuser, die sich an der Erhebung beteiligt hatten – ein dichtes Porträt der Kunstlandschaft Schweiz.

Im Jahr 1997 beschäftigte sich Christian Philipp Müller mit der so genannten „Hamburger Kunstmeile“. Ein Projekt, das Stadthistorie genauso beinhaltete wie Video-Interviews mit Passanten und Vertreterinnen und Vertretern des Hamburger Kulturlebens – eine Feldstudie, die später als Buch veröffentlicht wurde.

1999 realisierte er in Wien die Auftragsarbeit „Eine Welt für sich“. Auftraggeber war eine Interessengemeinschaft von Wiener Kaufleuten, die sich zusammengeschlossen hatten, um das Freihausviertel im 4. Gemeindebezirk wirtschaftlich zu beleben. „Eine Welt für sich“ war eine Installation in einem ehemaligen Weingeschäft. Der Künstler schuf hier eine Art Heimatmuseum, eine Ausstellung, die einen Einblick in die Geschichte des Freihauses ermöglichte – zudem ein Hörspiel mit einem Zusammenschnitt aus Interviews, die er mit vielen Bewohnern des Viertels geführt hatte.

2006 zeigte Müller in einer Ausstellung zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart im Benediktinerstift Melk in Österreich die Arbeit „Die neue Welt - eine Art locus amoenus“. Dabei baute er in ein bereits vorhandenes steinernes Wasserbecken ein Stahlbecken, in dem er sich eine „Neue Welt“ erschaffte: einen schlichten Klostergarten, in dem Kartoffeln, Mais, Tabak, Sonnenblumen und Paprika gepflanzt wurden. Teil der Arbeit war auch ein Festessen, bei dem Musik von Zeitgenossen Mozarts gespielt wurde. Ebenfalls 2006 erschien Christian Philipp Müllers Buch „Portrait des Museums als ein Stuhl“, für das er alle Stühle des Nationalmuseums in Osaka klassifizierte und abbildete. Ein Designbuch, aber noch mehr: der Versuch, eine Hierarchie des Geschmacks zu entwickeln.

2007 war die erste Retrospektive des Künstlers im Museum für Gegenwartskunst in Basel zu sehen. „Basics“ hieß sie – und hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. Denn die museale Inszenierung Müllers oft ortsbezogener „Eingriffe“ ist schwierig. Ein Grund für den Künstler, einen solchen Eingriff gleich vor Ort zu realisieren: Ein Nachbau jenes hölzernen Wasserrads im Bach zwischen Alt- und Neubau des Museums machte die Geschichte des Hauses selbst zum Thema, das in einer früheren Papiermühle am Rhein untergebracht ist. Jene Wasserrad-Replik platzierte Müller – der vor seinem Kunststudium eine Lehre als Schriftsetzer machte – in der Eingangshalle des Museums. Im benachbarten Medienkunstforum plug_in war unter dem Titel „Passé Immédiat“ ein weiterer Teil der Ausstellung zu sehen: Alte Computermodelle hatte Müller hier installiert – eine Art Computer-Schrottplatz. Mit den ausgedienten Rechnern konnten die Besucher „experimental-archäologische Internetreisen“ unternehmen.

Im Haus der Kulturen der Welt in Berlin wird Christian Philipp Müller im September 2009 umschlungen von einem Sousaphon mit einem Live-Hörspiel durch das Haus führen. „Tohuwabohu“ nennt er seine Performance-Serie zur Geschichte des Hauses der Kulturen der Welt.
Author: Marc Peschke

Bio

Geboren 1957 in Biel, Schweiz.
Lebt in New York und Köln.

Works

Einzelausstellungen (Auswahl)

Exhibition / Installation
2008 Christian Philipp Müller, Galerie Christian Nagel, Berlin 2007 Christian Philipp Müller: passé immédiat (plug.in), Basel, Schweiz; Christian Philipp Müller, Museum für Gegenwartskunst Emanuel Hoffmann-Stiftung, Basel, Schweiz 2006 Christian Philipp Müller, Museum für Gegenwartskunst Emanuel Hoffmann-Stiftung, Basel, Schweiz 2002 Christian Philipp Müller: "A Taste For Money", Galerie Christian Nagel, Köln 1998 Christian Philipp Müller: "Imagetransfer", Galerie Christian Nagel, Köln 1994 Tour de Suisse: Fri-Art, Centre d´Art Contemporain, Freiburg 1990 Christian Philipp Müller, Galerie Christian Nagel, Köln; C.P. Müller, Galerie Micheline Szwajcer, Antwerpen, Belgien

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Exhibition / Installation
2008 Manifesta 7, Comitato Manifesta 7, Bolzano, Italien; Some Neighbors, Kunstverein München, München; 30x2 Chairs, Atelier Contemporary, Graz, Österreich 2007 Rückblende. Die Fotosammlung der Neuen Galerie Graz, Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz, Österreich; Shandismus, Kunsthaus Dresden, Dresden; L’Europe en devenir (Partie I), Centre culturel Suisse, Paris, Frankreich; detourism, Orchard 47, New York, USA; The Price of Everything… Perspectives on the Art Market, Whitney Museum of American Art, New York City, USA; Make Your Own Life: Artists In and Out of Cologne, Museum of Contemporary Art, North Miami, USA; Shandyismus. Autorschaft als Genre, Wiener Secession, Wien, Österreich; Make Your Own Life: Artists in & out of Cologne, Henry Art Gallery, Seattle, USA; Normal Love, Künstlerhaus Bethanien, Berlin 2006 Around the Corner: Art in General, New York, USA; Make Your Own Life: Artists In & Out of Cologne, The Power Plant, Toronto, Kanada; Make Your Own Life, Artists In and Out of Cologne, ICA Institute of Contemporary Art, University of Pennsylvania, Philadelphia, USA; Heard Not Seen, Orchard 47, New York, USA; Optik Schröder: Werke aus der Sammlung Alexander Schröder, Kunstverein Braunschweig e.V., Braunschweig 2005 Lichtkunst aus Kunstlicht, ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Karlsruhe; Veinte años y un día, Galeria Oliva Arauna, Madrid, Spanien; Projekt Migartion, Kölnischer Kunstverein, Köln, Germany; "double bill", CAMPUS, John Hansard Gallery, Southampton, UK; Swissmade, Galerie Eugen Lendl, Graz, Österreich; At the Mercy of Others: The Politics of Care, Whitney Museum of American Art, New York, USA; PART ONE: Art in General, New York, USA; Icestorm, Kunstverein München, München; What Business Are You In?, Atlanta Contemporary Art Center, Atlanta, USA 2004 Part One, Orchard 47, New York, USA 2002 Ökonomien der Zeit, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, Schweiz 2001 Und keiner hinkt: 22 Wege vom Schwegler wegzukommen, Kunsthalle Düsseldorf, Düsseldorf; Vom Eindruck zum Ausdruck, Grässlin Collection, Deichtorhallen, Hamburg 1999 Moving Images: Film-Reflexion in der Kunst, Galerie für Zeitgenössische Kunst GfZK, Leipzig 1998 fast forward - 4. Abschnitt: FFWD archives, Kunstverein in Hamburg, Hamburg; Minimal-Maximal, Neues Museum Weserburg Bremen, Bremen; Kunst ohne Unikat, Galerie & Edition Artelier Graz, Graz, Österreich; Kunst ohne Unikat - Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz, Österreich; Freie Sicht aufs Mittelmeer: Junge Schweizer Kunst, Kunsthaus Zürich, Zürich, Schweiz 1997 documenta X, Documenta, Kassel 1996 Family nation tribe community Shift: Ideologie und Utopie in der zeitgenössischen Kunst, Haus der Kulturen der Welt, Berlin; (Landschaft) mit dem Blick der 90er Jahre, Haus am Waldsee, Berlin; 1995 (Landschaft) mit dem Blick der 90er Jahre, Mittelrhein Museum Koblenz, Koblenz; (Landschaft) mit dem Blick der 90er Jahre, Museum Schloss Burgk, Burgk 1994 Notational Photographs, Metro Pictures Gallery, New York, USA 1993 Kontext Kunst- The Art of the 90´s, Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz, Österreich; temporary translations: Sammlung Schürmann, Deichtorhallen, Hamburg 1990 Fareed Armaly , Cosima von Bonin , Michael Krebber , Christian Philipp Müller , Joseph Zehrer, Galerie Christian Nagel, Köln 1988 Eh! bien prenons la plume: Arti et Amicitiae, Amsterdam, Niederlande

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Spirit of the Haus (deutsch)

20 Jahre Haus der Kulturen der Welt

(02 September 09 - 30 September 09)

Www

Homepage of the artist