Fatos T. Lubonja

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crossroads:
Demokratie, Diktatur, Menschenrechte
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Gedicht, Märchen, Roman)
city:
Tirana
created on:
May 23, 2003
last changed on:
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Article

Albaniens Vaclav Havel

Der 1951 in Tirana geborene Fatos Lubonja ist einer der profiliertesten unabhängigen Publizisten Albaniens. Unter dem kommunistischen Regime verbrachte Lubonja 17 Jahre als politischer Gefangener in Gefängnissen und Arbeitslagern. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit hat er in autobiografischen Erzählungen und Romanen niedergelegt.
Vor dem Hintergrund seiner existentiellen Erfahrungen als politischer Gefangener setzt sich der albanische Schriftsteller Lubonja mit der Erniedrigung der Menschen unter den Bedingungen der Diktatur auseinander und versucht in seinen Werken am Beispiel dieser Extremsituation humane Grundkonstanten zu entschlüsseln.

1951 in Tirana geboren und aufgewachsen, begann Fatos Lubonja bereits während seines Studiums Gedichte, Tagebücher und einen Roman zu schreiben. Im Alter von 23 Jahren wurde er wegen „Agitation und Propaganda“ zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem die Polizei seine Tagebücher auf dem Dachboden eines Onkels gefunden hatte. Sie enthielten harte Kritik an Enver Hoxha. Den ersten Teil seiner Strafe büßte er in der Kupfermine von Spaç ab. 1979 wurde er, noch immer in Haft, ein zweites Mal angeklagt. Diesmal wegen „konterrevolutionärer Umtriebe“, die er mit neun anderen Gefangenen begangen haben sollte. Er wurde für weitere 25 Jahre verurteilt. Diese Gerichtsverhandlung und ihre Begleitumstände hat er in seinem dokumentarischen Roman „The Second Sentence“ („Das zweite Urteil“) beschrieben, der 1996 in Tirana veröffentlicht wurde.

Wie alle Schriften Lubonjas ist auch „Das zweite Urteil“ ungewöhnlich frei von Bitterkeit und Ressentiments und bewegt den Leser gerade wegen seines unprätentiösen und unpathetischen Erzählstils. Mit diesem dokumentarischen Roman setzt Lubonja ein Denkmal für seine Mitgefangenen, von denen drei erschossen wurden, und nimmt seine Leser mit auf eine beängstigende Reise durch das moralische Labyrinth einer totalitären Welt. Gleichzeitig stellt der Roman die Frage, wie in der aktuellen Übergangszeit in Albanien mit den Verbrechen der Vergangenheit umzugehen sei.

Nach seiner Freilassung 1991 war Lubonja zwei Jahre als Generalsekretär für Menschenrechte tätig und veröffentlichte Essays in der albanischen, italienischen und englischen Presse. 1993/94 hielt er sich für einige Monate als Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung in Deutschland auf. 1994 gründete er die Vierteljahreszeitschrift Përpjekja (Bemühung): „Die Zeitschrift will die albanische Kultur um einen kritischen Geist bereichern. Wir begreifen Kultur nicht als abgeschlossenes Archiv, sondern als Instrument, die Realität zu verstehen“, sagt Lubonja. Përpjekja enthält Kurzgeschichten, Gedichte sowie Literatur- und Kulturkritiken, aber auch Artikel, die sich kritisch mit der politischen Entwicklung Albaniens auseinandersetzen. Die Zeitschrift hat schnell den Ruf als die richtungsweisende albanische Kulturzeitschrift errungen.

Im Januar 1997 kam es in Tirana zu einem öffentlichen Aufruhr, nachdem ein Pyramiden-Investmentfond platzte und die gesamte albanische Wirtschaft zusammenbrach. Lubonja und andere Intellektuelle veröffentlichten in diesem Zusammenhang ein Memorandum, in dem sie freie Wahlen forderten und warnten: „Ein Volk, dem nicht erlaubt ist, die staatlichen Institutionen durch Opposition und freie Wahlen zu korrigieren, wird dies mit Feuer tun.“ (zit. nach: http://j.roehm.bei.t-online.de/lubonja.htm) Lubonja wurde daraufhin mit zwei anderen ehemaligen politischen Gefangenen zu Repräsentanten des Demokratischen Forums ernannt und rief in einem zunehmend polarisierten politischen Klima zum friedlichen Dialog auf. Der Versuch des Forums, eine friedliche Demonstration unter dem Titel: „Blumen statt Steine“ zu organisieren, führte zu mehrfachen Verhaftungen Lubonjas und anderer Koalitionsführer. „Wir leben in einer Zeit“, schrieb Lubonja, „in der eine Person unglaublich viel geistige Energie aufwenden muss, um sich selbst zu schützen und sich nicht negativen Gefühlen wie Furcht und Terror hinzugeben, die ihm nicht nur die Klarheit des Verstandes, sondern auch seine Würde rauben und sich dem Bösen ergeben lassen.“ (ebenda)

Works

The Poisoned Mushrooms and the Balkans in 2030

Published Written,
2002
Essay. In: Südosteuropa-Mitteilungen. Südosteuropa-Gesellschaft: München

Eqerem

Published Written,
2001
Kurzgeschichte. In: Lichtungen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik. Lichtungen: Graz

Gefängnistagebuch

Published Written,
1994
Ohne Angabe. In: Lotos auf Steinen. Das arabische Buch: Berlin

Der Bunker

Published Written
Romanauszug. In: www.joachim-roehm.de

Çuçi

Published Online

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Gardens of the Islam

(14 December 93 - 04 April 94)