Bodys Isek Kingelez

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additional name:
Jean-Baptiste
genre(subgenre):
Bildende Kunst (allgemein)
region:
Africa, Central
country/territory:
Democratic Republic of the Congo (former Zaire)
city:
Kinshasa
created on:
May 14, 2003
last changed on:
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Bodys Isek Kingelez
Bodys Isek Kingelez

Article

Extreme Modelle

„Extrêmes Maquettes" - „Extreme Modelle" nennt der 1948 im Kongo geborene und dort lebende Künstler Bodys Isek Kingelez seine Architekturmodelle. Seine aus Papier und Pappe akribisch ausgestalteten Arbeiten versteht er als Vorbilder einer Architektur für Weltstädte, die er selbst nie gesehen hat. Bis heute schuf er mehr als 300 Arbeiten, deren Formenreichtum alle Spielarten postmoderner Realarchitektur übersteigt. „Kingelez denkt offenbar gleichzeitig klassisch, gotisch, ägyptisch, arabisch, modern, postmodern und im Stil der Renaissance", urteilt der Galerist André Magnin.
In der Kunstszene Afrikas ist der 1948 im Kongo geborene Künstler Bodys Isek Kingelez ein Außenseiter. Mit seinen aus Karton, Papier und anderen Materialien gefertigten zusammengeklebten, eingefärbten und verzierten Architekturmodellen will er weder westliche Maler kopieren noch Werke seiner Vorfahren nachbilden. So weisen seine Arbeiten auch keinerlei Verbindung zur traditionellen oder modernen afrikanischen Architektur auf. Im Gegenteil: Der Formenreichtum seiner Werke übersteigt alle Spielarten der postmodernen Architektur. In Kingelez’ eklektizistischen Modellen finden konkrete westliche Formen, afrikanische Stile und Farben, klassische Ornamentierung europäischer Bauwerke sowie futurische Formen zusammen.

Dabei arbeitet Kingelez immer maßstabgetreu und achtet auf die Ausgewogenheit der Größenverhältnisse seiner mehrteiligen Baukörper. Aufgrund seiner Vorstellung, dass die Menschen in Gemeinschaft leben und sich gegenseitig helfen sollten, erschafft er seine Modellbauten meist als gemeinschaftlich genutzte Gebäude - Gebäude, die auf die geistigen, intellektuellen, sozialen, familiären, materiellen und spielerischen Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind.

Über seine ersten Begegnungen mit Kingelez berichtet der Pariser Galerist Jean-Marc Patras: „Noch bevor ich das Werk von Kingelez kannte, war ich sofort von der Art seiner Rede fasziniert: wie eine aufsteigende Spirale konstruiert, reich an Atem, überlegt und geordnet, kam sie mir trotzdem berauscht und verschroben vor, und es war mir nicht möglich, ihren Sinn zu erfassen. Bei späteren Aufenthalten in Kinshasa habe ich es nie versäumt, Bodys zu besuchen, und allmählich, wenn ich ihm aufmerksam stundenlang zugehört hatte, drang ich in seine Welt ein, in seine Logik und Dialektik. Dabei wurde mir klar, dass seine Rede wie sein Schaffen ist: reich, phantastisch, klar; aber, ähnlich wie in der Architektur, die für uns eine vertraute Disziplin ist, obwohl wir ihre Techniken nicht kennen, musste ich in meiner eigenen Sprache die Wörter, Sätze und Formen neu lernen: ich musste mich anpassen."

Kingelez´ Karriere begann in den sechziger Jahren, als er als Restaurator im Nationalmuseum von Kinshasa bisher unbekannte Restaurierungstechniken für die traditionellen Masken des Museums entwickelte. Jean Marc-Patras ist davon überzeugt, dass „der ständige Kontakt mit dem ‚alten Kram´, den Kingelez restaurierte und den die Weißen so sehr bewundern, ihn dazu herausgefordert hat, selbst ein modernes und starkes Werk zu schaffen, das die Weißen eines Tages wahrnehmen müssten. Warum waren die Weißen nur so um die alten Werke in schlechtem Zustand besorgt, und warum konnten sie sich nicht für die zeitgenössische Kunst interessieren, die dem afrikanischen Geist entstammt?"

Anfang der siebziger Jahre dann, nachdem Kingelez seine Arbeit als Restaurator verloren hatte, begann er in mühevoller, oft monatelanger Kleinarbeit Architekturmodelle anzufertigen, die er „Extrêmes Maquettes", „Extreme Modelle", nannte. Extrem im Sinne eines Superlativs, etwa des Äußersten, Höchsten, Feinsten, Bedeutendsten.

Bis heute schuf Bodys Isek Kingelez - lange Zeit ohne Chance auf eine Verkaufs- oder Ausstellungsmöglichkeit seiner Arbeiten - mehr als 300 solcher Modelle einer bunten optimistisch-heilen Illusionswelt. Sie sind alle signiert, nummeriert, datiert und mit programmatischen Titeln versehen, die viele der Gebäude assoziativ einer bestimmten geografischen Region zuordnen: „Roter Stern", „Barcelona Post", „Pacific Art", „Orient", „Bel Atlas", „France" etc. Die Kommentare zu seinen Architekturmodellen lesen sich wie Werbetexte oder wie Auszüge einer traditionellen afrikanischen Praise-Poetry. So schrieb er zu seinem Modell „Orient!": „Von diesem durchgängigen, beispielhaft gestalteten architektonischen Konzept, dessen hohe Professionalität von Leidenschaft zeugt, bin ich zutiefst beeindruckt, was die breite Vielfalt des Imaginären betrifft, in dessen Ergebnis Unglaubliches zustande kam. Überzeichnetes, hervorgebracht durch die Sensibilität eines hochtalentierten Künstlers, der durch eine neue Gestaltung zu einer besseren Welt für die Menschheit von morgen beitragen will." Wie viele andere Künstler seiner Heimat ist auch Kingelez beseelt von dem Wunsch, Teil einer freien künstlerischen Produktion zu sein, zu einer Gegenbewegung zu der von Regierungsseite vorgeschriebenen Kunst zu gehören. Er möchte sich abheben von einer Kunst, die seiner Meinung nach zu sehr in der Vorstellung präsent ist, die sich der Rest der Welt von Afrika macht.

In seinem Manifest „Die Kunst des Modells - eine gelehrte Kunst" bringt Kingelez die Quintessenz seines Schaffens auf den Punkt: „Ich mache diese zutiefst imaginäre, ausgefeilte und durchdachte Arbeit, damit ich besser auf das Leben einwirken kann. Als schwarzer Künstler muss ich so handeln, um ein Beispiel geben zu können und das Licht, das die reine Kunst, dieses lebenswichtige Instrument des Menschen, entzündet, zum Wohle aller erhalten zu können. Dank meiner tiefen Hoffnung auf ein glückliches Morgen strebe ich auch nach einer qualitativen Verbesserung, wo das Bessere gleichzeitig auch das Wunderbare wird. Ich zeige eine ganz auf mich zugeschnittene Ausdrucksweise und erkläre, dass ich ein anderer Künstler bin."


Bio

Bodys Isek Kingelez heißt mit bürgerlichem Namen Jean-Baptiste. Er wurde 1948 in Kimbembelelhunga im Kongo geboren und lebt mit seinen zwei Frauen, „Madam Bodys" und „Madam Kingelez", wie er sie nennt, und seinen Kindern in einem in den Hügeln gelegenen Viertel der Hauptstadt Kinshasa.

Bodys Isek Kingelez hat weder Kunst noch Architektur studiert. Erst nach dem Verlust seiner Stellung als Restaurator traditioneller Masken im Nationalmuseum von Kinshasa wandte er sich Anfang der siebziger Jahre der Modell-Kunst zu. Nach monatelanger, geduldiger Kleinarbeit brachte er eine eigentümliche architektonische Schöpfung aus Papier und Karton zustande, die er „Extrême Maquettes" nannte. Mittlerweile hat er über 300 solcher Kunstwerke geschaffen.

Dank einer Einladung 1989 von André Magnin zur Teilnahme an der Pariser Ausstellung „Les Magiciens de la Terre" sowie der kommerziellen Förderung durch den Pariser Galeristen Jean Marc Patras konnte er fortan seinem künstlerischen Schaffen nachgehen. Mittlerweile wurden Werke von Kingelez 1991 in Las Palmas (Spanien), 1992 in Groningen (Holland) und in Mexiko ausgestellt.

1989 reiste Kingelez zum ersten Mal nach Paris, um seine Arbeiten auf der Ausstellung „Les Magiciens de la Terre" („Zauberer der Erde"), vorstellen zu können.

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2006 „Africa Remix“, Mori Art Museum, Tokio, Japan 2005 „The Theatre of Art”, Museum Ludwig, Köln „Vivre l’Afrique“, Galerie du Jour Agnès B, Paris, Frankreich „Africa Remix“, Centre Pompidou, Paris, Frankreich „Africa Remix“, Hayward Gallery, London, Großbritannien 2004 „Afrika Remix“, Museum Kunst Palast, Düsseldorf „Unbuilt Cities", Kunstverein Bonn, Bonn 2002 „Documenta XI", Documenta, Kassel „Biennale de Sao Paulo", Biennale de Sao Paulo, Sao Paulo, Brasilien 2001 „The Short Century“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2000 „Vision du Futur", Grand Palais, Paris, Frankreich 1999 „The 1999 Carnegie International", Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, USA „Un monde réel", Fondation Cartier pour l´Art Contemporain, Paris, Frankreich „Arts-Worlds in Dialogue", Museum Ludwig, Köln „Zeitwenden", Kunsthaus, Wien, Österreich 1998 „Africa Africa", Tobu Museum of Art, Tokio, Japan „Unfinished Story", Walker Art Center, Mineapolis, USA 1997 „Project 59 : Architecture as Metaphor", Musée d´art moderne, New York, USA „Africus", Biennale de Johannesburg, Johannesburg, Südafrika 1996 „Neue Kunst Aus Africa", Haus der Kulturen der Welt, Berlin „Wall and Space Reality and Utopia Bodys - Isek Kingelez´s Architectural Visions", Oksnehallen, Kopenhagen, Dänemark 1995 „Big City", Serpentine Gallery, London, Großbritannien 1993 „Home and the World Architectural Scultpure by two African Artists", The Museum for African Art, New York, USA 1992 „Out of Africa ", Saatchi Gallery, London, Großbritannien 1991 „Africa Hoy", Centro de Arte Moderno, Las Palmas de gran Canaria, Spanien 1989 „Magiciens de la terre ", Centre Georges Pompidou / La Grande Halle de la Villette, Paris, Frankreich

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2002 „Bodys Isek Kingelez“, Villa Stuck, München 2000 „Bodys Isek Kingelez“, Kunstverein, Hamburg 1996 „D´autres ajouts d´été", Musée d´Art Moderne et contemporain, Genf, Schweiz 1995 „Bodys Isek Kingelez", Fondation Cartier pour l´Art Contemporain, Paris, Frankreich 1992 „Bodys Isek Kingelez", Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

The Short Century

Independence and Liberation Movements in Africa

(18 May 01 - 29 July 01)

Artists of the World

(24 January 90 - 30 January 94)
images
Etoile
Magrebh
Werk: Titel unbekannt
Werk: Titel unbekannt
Werk: Titel unbekannt