Mónica Castillo

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crossroads:
Alltag, Gender, Identität
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Fotografie, Malerei, Objektkunst, Videokunst)
region:
America, Central
country/territory:
Mexico
created on:
May 8, 2003
last changed on:
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Article

Malerei als parodistische Analyse von Alltagsmythen

In ihren im Umfeld des Neomexicanismo der achtziger Jahre entstehenden figurativen, zum Teil mit Gegenständen kombinierten Gemälden nimmt Mónica Castillo Themen mexikanischer Tradition und Geschichte auf, die sie im Gewande klassischer europäischer Hochkunst, mexikanischer Volkskunst und religiösen Kitsches vorstellt und parodierend mischt. Sie reflektiert urbane Alltagsmythen ebenso wie die Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft. Diese analytische Sicht setzt sie ab Mitte der neunziger Jahre in sezierend-serieller Form in zahlreichen Selbstporträts fort - als Ölgemälde auf Leinwand, aufgemalt auf Gegenstände und in Objektform.
Mónica Castillo gehört zur Generation des mehr eine Haltung denn einen Stil benennenden „Neomexicanismo" der achtziger Jahre, der in Anknüpfung an die nachrevolutionäre Mexikanische Schule (Julio Castellanos, Miguel Covarrubias, Frida Kahlo, Diego Rivera u.a.) typisch mexikanische Themen und Alltagsmythen neu aufgreift und kritisch hinterfragt. Symbole familiärer, gesellschaftlicher und religiöser Institutionen werden in ihren Bildern im Gewande europäischer Hochkunst, religiöser Kunst, Volkskunst und moderner Massenkunst in ironisch-kritischer Weise hinterfragt oder in parodierender Manier mit häufig kaustischem Humor reflektiert. In ihren frühen, visuellen Wortspielen gleichen Gemälden, verwendet Castillo plakative Farben und starke Kontraste, spielt mit Elementen von Kitsch und bezieht auch gelegentlich reale Gegenstände mit ein. Sie nutzt Malerei als konzeptuelles Seziermesser, wobei sich eschatologische und fantastische Elemente mischen.

In der Ausstellung „Presentación en sociedad" („Auftritt in der Gesellschaft") von 1991 ging es ihr vor allem um die Rolle der Frau im Rahmen des modernen urbanen Lebens und die damit verbundenen Klischees und Zwänge. Im Gemälde „Hasta que el cochambre nos separe" („Bis der Schmutz uns scheidet") von 1989/90, dem gemalten Zitat eines Rokokopaares à la Boucher, gerahmt von realen Küchengeräten, spielt sie mit fast amüsanter Leichtigkeit auf den Widerspruch von romantischem Liebesversprechen und grauem Alltag an. Andere Bilder nehmen auf weibliche Sexualität und Mutterschaft Bezug und setzen sich mit der Objektwerdung des weiblichen Körpers auseinander. Sie findet in einer konsumorientierten Gesellschaft vor dem Hintergrund einer rigiden und häufig bigotten Erziehung statt, deren aus der katholischen Liturgie abgeleiteten Muster von der Künstlerin in oft wörtlicher Form persifliert werden. Es handelt sich bei ihren Bildern um „einen Versuch der Desakralisierung des Körpers" (Gonzalo Vélez).

In den Werken der drei Jahre später folgenden Ausstellung „Salvavidas bajo su piel" („Schwimmweste unter deiner Haut") wie auch der Schau „Yo es un otro" („Ich ist ein anderer") von 1997 setzt die Künstlerin ihr Projekt am Beispiel des Selbstporträts in obsessiver Form fort. Es ist aber mehr wie ein „schwarzer Narzismus" (Luis Carl Emerich) oder die von Kahlo überlieferte Form tragischen Selbstmitleids, es ist eine visuelle Selbstanalyse mit biologischen, geschlechtlichen, psychologischen und sozialen Konnotationen im Kontext der Kolonialisierung des Gesichts durch die Schönheitschirurgie. „Mónica Castillo weiß, dass das Gesicht nicht der Spiegel unseres Körpers ist, sondern eher sein Grab, und dass jedes Selbstporträt auf eine Art von Unterschlagung anspielt, auf etwas Verschwiegenes, Verlorenes, Verbotenes, das im Gesicht vorgetäuscht wird. Ihre Werke behaupten (Selbst-)Darstellung als eine soziale Konstruktion, mit deren Hilfe wir - mit all ihren politischen und psychologischen Wechselfällen - unser Anderssein und unsere Ähnlichkeit verhandeln" (Osvaldo Sánchez).

Castillo erforscht ihr Antlitz in fotorealistischer Manier. Sie malt es in porentiefer Nahsicht oder in 56 kleinen Einzelbildern, die Passfotos ähneln, wie in einem Tagebuch, sie malt es im Profil in anatomischer Darstellung oder en face mit Tränen, Schweißperlen oder triefender Nase, mit Anzeichen einer Krankheit oder in Ermüdung. Sie malt ihr Gesicht oder einzelne Teile davon auf Alltagsgegenstände, Steine oder ihre eigenen Fingernägel, die sie in einem Lederkoffer oder einem gefütterten Behälter in Kopfform aufbewahrt. Außerdem stellt sie ihr Kopfprofil viele Male aus Brotteig her, der - von roh bis gebacken und sogar angebrannt - in verschiedenen Zuständen erscheint. Später beschäftigt sie sich auch mit dem fotografischen Selbstporträt in digitalisierter Form. Castillo stellt das Gesicht gleichsam als eine Landschaft vor, das von Ereignisse und Projektionen geprägt wird, individuellen wie gesellschaftlichen. Es ist ein Blick hinter die Masken, der in die Untiefen der Identität führt.
Author: Nichael Nungesser

Bio

Mónica Castillo wurde 1961 in Mexiko-Stadt geboren. Sie studierte dort Malerei bei Guillermo Meza, von 1978 bis 1979 an der Scuola Germanica in Rom, 1979 bis 1980 an der Freien Kunstschule in Stuttgart und von 1979 bis 1985 an der dortigen Kunstakademie bei Rudolf Naegele (1983-85 mit Stipendium der deutschen Regierung). In den Jahren 1986-1991 gehörte Castillo zusammen mit Francisco Fernández (Taca), Claudia Hernández, Ruben Ortiz, Héctor und Nestor Quiñones sowie Diego Toledo zur Künstlergruppe La Quiñonera, die in Coyoacán im Süden Mexiko-Stadts im ehemaligen, von den Gebrüdern Quiñones bewohnten Herrenhaus La Candelaria arbeiteten. 1987 entwarf sie das Bühnenbild für das Ballett „Instrumentos" der Compañía Nacional de Danza im Auditorio Nacional in Mexiko-Stadt. 1990 und 1995 erhielt Castillo Stipendien für Junge Künstler des Fondo Nacional para la Cultura y las Artes. Von 1991 bis 1992 lebte sie in Santiago de Chile. 1993 nahm sie am Visiting Artists Program der School of the Art Institute of Chicago teil und war die Repräsentantin Mexikos für ein Wandbildprojekt im Internationalen Flughafen O´Hare in Chicago. 1994-96 lehrte Castillo Bildende Kunst und Kunstgeschichte am Centro Nacional de las Artes und 1997-99 an der Escuela Nacional de Artes Plásticas La Esmeralda, beide in Mexiko-Stadt. 1996 unterrichtete sie am San Antonio Museum of Art in San Antonio/Texas und an der Escuela de Bellas Artes in Cali. 2000-03 war die Künstlerin Mitglied des Sistema Nacional de Creadores des Fondo Nacional und 2001-04 Tutorin für alternative Medien. 2002 nahm sie am Visiting Artists Program der University of Montclaire, Upper Montclaire/New Jersey, teil. Mónica Castillo lebt und arbeitet in Mexiko-Stadt.

Works

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2005 „Almost“, Robert Miller Gallery, NewYork, USA „Contiene Glutamato“, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko „Colección Femsa - una mirada continental”, Museo de Arte Contemporáneo - MARCO, Monterrey, Mexiko „Nuevas Castas”, Galeria Fernando Pradilla, Madrid, Spanien 2004 „Cuerpo presente”, Galería José Luis Cuevas, Puebla, Mexiko „Multitasquin”, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko 2003 „Mexico, Identidad y Ruptura“, Fundació Espais, Girona, Spanien „Rayuela/Hopscotch”, The Univesity of Scranton and Marywood University, Pennsylvania, USA „Neues und Altes“, Galerie Albrecht, München 2001 „Der Faden der Penelope“, Galerie Susanne Albrecht, München „Clenchclutchflinch”, Paul Rodgers Gallery, New York, USA „Escultura en México siglo XX”, Palacio de Bellas Artes, Mexiko-Stadt, Mexiko „Brooklyn!”, Palm Beach Museum of Contemporary Art, Palm Beach, USA 2000 „Mexico-New York. A Vital Dialogue“, Centro Cultural Mexicano, New York, USA 1999 „Autour de lámour courtois“, Chalus, Limoges, Frankreich „Mexico-New York. A Vital Dialogue“, Mexican Cultural Institute of New York, New York, USA „Moments erotiques“, Galerie Bernd Dürr, München 1998 „III Salón de Arte Bancomer“, Museo de Monterrey, Monterrey, Mexiko „En los noventa: arte mexicano contemporáneo”, Mexican Cultural Institute, New York, USA „Cinco Continentes y una Ciudad”, Primer Salón Internacional de Pintura, Mexiko-Stadt, Mexiko „El cuerpo aludido, anatomías y construcciones”, Museo Nacional de Arte, Mexiko-Stadt, Mexiko 1997 „Mexico Now. Point of Departure“, Chicago Cultural Center, Chicago, USA „Mexico Now. Point of Departure“, Contemporary Arts Museum, Houston, USA „The Other Modernities”, Haus der Kulturen der Welt, Berlin „Las Transgresiones del Cuerpo”, Museo Carrillo Gil, Mexiko Stadt, Mexiko 1996 „Por mi raza hablará el espíritu“, Biblioteca Luis Angel Arango del Banco de la República, Bogotá, Kolumbien 1995 „Los Espectros del Romanticismo“, Museo José Luis Cuevas, Mexiko-Stadt, Mexiko „Modas Melancólicas del Romanticismo”, "X" Teresa, Mexiko-Stadt, Mexiko „Configura 2”, Galerie am Fischmarkt, Erfurt „Espíritu”, California Center for the Arts, Escondido, USA „Por mi raza hablará mi espíritu”, Intercambio México-Colombia Museo Universitario del Chopo, Mexiko-Stadt, Mexiko „Continental Discorse”, San Antonio Museum of Art, San Antonio, USA 1994 „NEO?“, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko „V Bienal de La Habana”, Centro Wilfredo Lam, Havanna, Kuba „La Lotería”, Iturralde Gallery, Los Angeles, USA 1993 „Semejantes y Diversos“, Museo del Chopo, Mexiko-Stadt, Mexiko „Traces of Memory”, Carla Stellweg Latin American & Contemporary Art, New York, USA „Arte Joven México-Chile”, Museo de Arte Contemporáneo, Santiago, Chile „10 Artistas de México”, Grace Borgenicht Gallery, New York, USA „100 Pintores Mexicanos”, Museo de Arte Contemporáneo, Monterrey, Mexiko 1992 „I Bienal de Pintura y Escultura”, Museo de Monterrey, Monterrey, Mexiko 1991 „Homenaje a Julio Cortázar”, Museo del Palacio de Bellas Artes, Mexiko-Stadt, Mexiko „The Earth Itself”, Parallel Project, Los Angeles, USA 1990 „Festival”, Contemporary Art Center, Adelaide, Australien „Aquí y Allá", Municipal Art Gallery, Los Angeles, USA 1989 „Guadalupe: epiphanie d´un métissage“, Centre Culturel du Mexique, Paris, Frankreich „Latir Constante”, Salón des Aztecas, Mexiko-Stadt, Mexiko 1988 „Rooted Visions: Mexican Art Today”, Museum of Contemporary Hispanic Art, New, York, USA „Somos o Nos Parecemos”, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko „Jóvenes Pintores Mexicanos”, Museo de Bellas Artes, Havanna, Kuba 1987 „6 artistas de los 60´s“, Galería Collage, Monterrey, Mexiko „Se come”, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko „Figura a Figura”, Museo de Arte Moderno, Mexiko-Stadt, Mexiko 1985 „Semanas del Arte“, Heidenheim Studenten der Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2004 „Mónica Castillo 1993-2004”, Museo de Arte Moderno, Mexiko-Stadt, Mexiko 2002 „Mónica Castillo“, Robert Miller Gallery, New York, USA „Video", Galería Animal, Santiago, Chile „Mónica Castillo: Tableau vivant”, Gallerie Albrecht, München 2000 „Hombres Pintados“, ACE Gallery, Mexiko-Stadt, Mexiko „Mónica Castillo”, ACE Gallery, Los Angeles, USA 1999 Museo Nacional de Bellas Artes, Santiago, Chile Museo de Arte Moderno de Bogotá, Bogotá, Kolumbien 1998 „Yo Es Un Otro“, Museo de Arte Contemporáneo Sofía Imber, Caracas, Venezuela „Yo Es Un Otro“, Museo Nacional de Bellas Artes, Santiago de Chile, Chile 1997 „Yo Es Un Otro”, Museo Carrillo Gil, Mexiko-Stadt, Mexiko 1994 „Salvavidas bajo su piel“, Galería OMR, Mexiko-Stadt, Mexiko 1991 „Presentación en sociedad“, Galería OMR, Mexico-Stadt, Mexiko

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Die Anderen Modernen

Contemporary Art from Africa, Asia & Latin America

(08 May 97 - 27 July 97)
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Werk: Titel unbekannt
Werk: Titel unbekannt