Sherko Fatah

Article Works Merits www
crossroads:
Exil, Gewalt
genre(subgenre):
Geschriebenes & gesprochenes Wort (allgemein)
region:
Europe, Western, Middle East
country/territory:
Germany, Iraq
created on:
June 17, 2005
last changed on:
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Article

Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer deutschen Mutter geboren. Da der Vater die irakische Staatsangehörigkeit besaß, durfte er mit seinen Angehörigen aus der DDR ausreisen. Die Familie besuchte mehrmals für längere Zeit den Irak. 1975 siedelten die Eltern, mit einer Zwischenstation in Wien, nach West-Berlin über. Dort studierte Fatah Philosophie und Kunstgeschichte. Den Irak besuchte er indes noch mehrere Male.
2001 erschien Sherko Fatahs viel gelobtes Romandebüt „Im Grenzland“, das im gleichen Jahr mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Der Roman spielt im Herkunftsland seines Vaters: „Im Grenzland“ des Dreiländerecks Irak, Iran und der Türkei. Das Territorium ist durch die erheblichen Spannungen zwischen den einzelnen Ländern in der Folgezeit des Golfkrieges, durch den Kurdenkonflikt und den illegalen Handel von der Außenwelt nahezu abgeschirmt und wird militärisch stark bewacht. Es wird die Geschichte eines Schmugglers erzählt, der sich durch die vom Krieg entstellte, verminte Landschaft bewegt, die nur von Freischärlern und Grenzsoldaten bevölkert zu sein scheint. Es ist eine Geschichte von Krieg, Folter, Willkür, von der Wüste und einer anderen Auffassung von Zeit. Die Mechanismen der Diktatur werden vor dem Hintergrund der allgemeinen Armut in dem profitablen Zusammenspiel von Schmugglern, Händlern, Regierungsbeamten und Militärs deutlich. Dennoch ist dies ein aus deutscher Perspektive verfasster Roman, der Kindheitserinnerungen und Reiseeindrücke des Autors sowie Tatsachenberichte aus dem Krieg in sich aufnimmt: "Ich lebe in Deutschland und habe dieses Buch in deutscher Sprache geschrieben. Die von mir dargestellte Landschaft ist also nicht meine Heimat", erklärt Sherko Fatah. Satz für Satz entwirft der Erzähler eine Ansicht der Fremde, die fern und archaisch bleibt und dabei nicht romantisiert oder idealisiert wird. Die Differenz zwischen Heimat und Fremde ist nicht aufzuheben: „Es wird wohl selbst dem geneigten Leser nicht ganz leicht fallen, in diese fremde und fremd belassene Welt hinein zu finden,“ glaubt der Autor. Mit den Augen eines unbeteiligten Beobachters schildert der Erzähler den Alltag der Menschen in dieser lebensfeindlichen Region. Zu seinen Figuren bleibt er auf Distanz. Die meisten haben keinen Namen, keine Charakterzüge. Ihre inneren Regungen, die sie zu Identifikationsfiguren machen könnten, bleiben verborgen. Es sind anonyme Gestalten: „die Mutter“, „der Onkel“, „die Soldaten“, die sich dem Leser genau so wenig erschließen, wie „der Schmuggler“, den der Erzähler durch das Todesland der Minen begleitet.

Fatahs Prosa zeichnet sich durch ihre Bildkraft aus, ihre unerbittliche Strenge und eine bewusst schmucklose, fast spröde Erzählweise, durch die zugleich eine subtile Spannung entsteht. Die Kargheit und Fremdheit des Landes und seiner Bewohner bestimmen auch die Sprache des Erzählers. Jeder einzelne Satz des Buches ist davon durchdrungen.

„Wie ich es sehe, gibt es eine Menge guter Geschichten, die uns vor lauter Lifestyle aus dem Blickfeld rutschen, man sollte versuchen, ein paar davon zu erzählen,“ sagt Sherko Fatah. Der Autor lebt in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin
Author: Internationales Literaturfestival Berlin (ilb)

Works

Das dunkle Schiff

Published Written,
2008
btb Verlag

Onkelchen

Published Written,
2004
Jung und Jung

Donnie

Published Written,
2002
Jung und Jung: Salzburg

Im Grenzland

Published Written,
2001
Jung und Jung: Salzburg

Merits

2001
Aspekte-Literaturpreis für "Im Grenzland"
2002
Ehrenpreis zum Deutschen Kritikerpreis
2007
Hilde-Domin-Preis für "Literatur im Exil"
2008
Shortlist für den Deutschen Buchpreis mit "Das dunkle Schiff"

Www

Rezension auf ZEIT online

Der deutsche Schriftsteller Sherko Fatah erzählt die abenteuerliche Geschichte eines Gotteskriegers, der aus dem Irak stammt und in Berlin untergeht.
von Jens Jessen (5.5.2008)