Abdullah Ibrahim

Article Bio Projects Video www
additional name:
Adolph Johannes "Dollar" Brand
crossroads:
Apartheid, Exil, Islam, Moderne, Tradition
genre(subgenre):
Musik (Jazz)
region:
Africa, Southern, America, North
country/territory:
South Africa, United States of America
city:
Cape Town, New York
created on:
May 19, 2003
last changed on:
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Abdullah Ibrahim
Abdullah Ibrahim © Ssirus W. Pakzad (www.enjarecords.com)

Article

Der Mann, der dem Jazz seine afrikanischen Wurzeln schenkte

Abdullah Ibrahim ist einer der fruchtbarsten und einflussreichsten Jazzmusiker unserer Zeit. 1934 in Südafrika geboren und aufgewachsen, gelang ihm die perfekte Integration von afrikanischer Tradition, den Einflüssen von Kirchenmusik und populärer Musik in den zeitgenössischen Jazz. Darüber hinaus wurde er in den Jahren des politischen Exils zu einer der wichtigsten Stimmen der unterdrückten Bevölkerungsmehrheit Südafrikas im Ausland. Als Komponist, Pianist und Bandleader findet Abdullah Ibrahim heute weltweite Anerkennung sowohl in Jazz- als auch in Klassikkreisen.
Musikgeschichte ist immer auch Sozialgeschichte, und wenn man seine Wurzeln im Blues mit einbezieht, dann war es zweifellos der Jazz, der über viele Jahrzehnte am engsten mit der Geschichte des Kampfes gegen soziale Ausgrenzung und rassistische Unterdrückung verbunden war. Diese Verbindung von politischer Entwicklung, intellektuellen Strömungen und der Geschichte des Jazz manifestiert sich in beispielhafter Weise in der Person Abdullah Ibrahims, der als Adolph Johannes Brand geboren und als "Dollar" Brand weltberühmt wurde.

Geboren wurde er 1934 in Kapstadt, Südafrika. Schon früh war er vielfältigen musikalischen Einflüssen ausgesetzt: Seine Großmutter spielte Klavier in der Kirchengemeinde, seine Mutter leitete den Chor. Mit sieben Jahren erhielt er Klavierunterricht und entdeckte bald seine Leidenschaft für den Jazz. Seine Angewohnheit, ständig einige US-Dollars mit sich herumzutragen, um amerikanischen Seeleuten im Hafen von Kapstadt Jazz-Platten abkaufen zu können, brachte ihm in seiner Clique den Spitznamen "Dollar" ein, der später zu seinem Künstlernamen werden sollte.

Bereits mit 15 Jahren wurde er Berufsmusiker in Gruppen wie den "Tuxedo Slickers" und der "Willie Max Big Band". 1959 wurde er Mitglied der "Jazz Epistles" des Saxophonisten Kippi Moeketsi, bei denen auch der Trompeter und Flügelhornspieler Hugh Masekela mitwirkte. Da die südafrikanischen Rassengesetze auch bei Konzerten auf einer strengen Rassentrennung im Publikum bestanden, war es für einen ernsthaften Jazzmusiker so gut wie unmöglich, sich ein größeres Publikum zu erspielen. Daher gründete "Dollar" Brand 1962 sein eigenes Trio und ging mit seiner späteren Frau Sathima Bea Benjamin nach Zürich, wo ihn 1963 Duke Ellington bei einem Club-Gig spielen hörte. Diese Begegnung wurde zum Wendepunkt seiner Karriere: Ellington war so begeistert, dass er auf seinem eigenen Label die erste Platte des "Dollar Brand Trios" veröffentlichte.

In der Folgezeit holte Ellington Brand zum "Newport Jazz-Festival". 1966 vertrat "Dollar" Brand während einer Tournee den Duke und fungierte als Leiter und Pianist des "Duke Ellington Orchestras". Bald darauf löste Brand sein Trio auf und spielte eine Zeit lang mit Elvin Jones und in Projekten mit Don Cherry und Gato Barbieri. In diese Zeit fielen starke gesellschaftliche Umbrüche in den USA, die sich auch in der Hinwendung vieler schwarzer Musiker, Künstler und Sportler zum Islam zeigten. 1968 konvertierte auch "Dollar" Brand zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an, unter dem er künftig seine Platten und Kompositionen veröffentlichte.

In den frühen siebziger Jahren überraschte Abdullah Ibrahim die Jazzwelt durch die Vielzahl seiner Kompositionen, die "einfache" afrikanische Melodien und hymnische Arrangements mal mit jazzigen Grooves, mal mit freien Spielformen verbanden. Die große Zahl und immer wieder mitreißende Intensität seiner Solo-Konzerte bereitete unter anderem auch das Feld für die Erfolge eines Keith Jarrett. 1971 gingen Sathima und Abdullah Ibrahim zunächst nach Swaziland und kehrten dann 1973 nach Südafrika zurück, wobei Abdullah Ibrahim weiterhin weltweit tourte und Aufnahmen machte. Zwischen 1974 und 1976 machte er seine vorläufig letzten Aufnahmen mit südafrikanischen Musikern in seinem Heimatland, darunter "Mannenberg" (US-Titel: "Capetown Fringe"), das zu einer Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung avancierte.

Angesichts der politischen Verhältnisse ging Abdullah Ibrahim mit seiner Familie 1976 ins Exil nach New York, wo er seine eigene Produktionsfirma "Ekapa" gründete und im Zusammenspiel mit Musikern wie Carlos Ward und Johnny Dyani seine Musik weiter entwickelte. In dieser Zeit des Exils wurde Abdullah Ibrahim zum Sprachrohr der in seiner Heimat Unterdrückten und unterstützte auch öffentlich die Belange des ANC (African National Congress). 1979 entstand mit der Creme der New Yorker Jazz-Szene das Album "African Marketplace", das in seiner Verschmelzung der stilistischen Elemente einen Meilenstein der neueren Jazz-Geschichte darstellt. 1983 entstand sein "Septett Ekaya" (Heimat), dass zum Nukleus größerer Projekte werden sollte. 1988 komponierte er den vielbeachteten Soundtrack für den Film "Chocolat", dem später "No Fear No Die" folgte.

1990 ermöglichten die politischen Veränderungen seine Rückkehr nach Kapstadt, wo er seitdem lebt, ohne seinen zweiten Wohnsitz in New York aufgegeben zu haben. 1991 gründete er das "Ekaya Music and Heritage Center" in Kapstadt und 1998 das "M7 Center", mit denen er seinem gesellschaftlichen Engagement auch konkrete Form verleiht. 1994 spielte Abduallah Ibrahim bei der Amtseinführung Nelson Mandelas und erhielt die Ehrendoktorwürde der "University of the Western Cape". 1998 wurden Kompositionen Abdullah Ibrahims von dem Schweizer Komponisten Daniel Schnyder für Jazztrio und ein 22-köpfiges Streichorchester eingerichtet und in München uraufgeführt. Diese Komposition erschien im gleichen Jahr auch unter dem Titel "African Suite" auf CD und wurde in Jazz- und Klassikkreisen gleichermaßen begeistert aufgenommen.

Eine große symphonische Version unter Einbeziehung der NDR-Jazzband soll in diesen Tagen als Doppel-CD erscheinen. Nach über einem halben Jahrhundert als Berufsmusiker steckt Abdullah Ibrahim das weite Feld seines musikalischen Schaffens immer wieder neu ab.


Veranstaltungen im HKW:
Freitag, 13. Juli 2001
Jazz Across The Border 2001
Africa Grooves
Abdullah Ibrahim Band

Abdullah Ibrahim - piano
Belden Bullock - double bass
Sipho Kunene - drums

Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt
Author: Richard Berkowski 

Bio

Abdullah Ibrahim wurde am 9. Oktober 1934 in Kapstadt, Südafrika, als Adolph Johannes Brand geboren. Mit sieben Jahren begann er Klavier zu spielen. Mit 15 wurde er unter dem Namen "Dollar" Brand Berufsmusiker. 1959 spielte er bei den "Jazz Epistles", die das erste rein südafrikanische Jazz-Album aufnahmen. 1962 ging er nach Zürich, wo ihn 1963 Duke Ellington hörte, der ihm den Weg in eine internationale Karriere ebnete. Seitdem gehört er zu den beständigsten und produktivsten Musikern und Komponisten der internationalen Jazzszene. 1968 trat er zum Islam über und erhielt den Namen Abdullah Ibrahim. Von 1976 bis 1990 lebte er in New York im politischen Exil. Seit 1990 teilt er seine Zeit zwischen Kapstadt, New York und seinen zahlreichen internationalen Tournee- und Aufnahmeverpflichtungen. Abdullah Ibrahim ist verheiratet mit der südafrikanischen Jazz-Sängerin Sathima Bea Benjamin und hat zwei Kinder.

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Jazz across the border

(21 June 91 - 15 July 01)

Www

Homepage des Künstlers

video

"Duke 88"

von der CD "Ekapa Lodumo"
enja records
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