Bradien

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crossroads:
Erinnerung
genre(subgenre):
Bildende Kunst (Multimedia)
Geschriebenes & gesprochenes Wort (Dichtung)
Musik (elektronische Musik, Pop, Surf Musik)
region:
Europe, Southern
country/territory:
Spain
created on:
November 28, 2010
last changed on:
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Die Surf-Avantgarde aus Barcelona

Seit 2005 gibt es das Trio von Matías Rossi, Balbini und Dave Harris aus Barcelonas wachsender Elektronik-Szene. Bradien hat sich dem experimentellen, tropicalistischen Pop und der Surfmusik verschrieben. Ihr neues Label spa.RK hat für ihren Mix aus Fieldrecordings und verschachtelten Musikstilen den Begriff Origami-Pop erfunden. Dabei „faltet“ Bradien nicht nur, sondern lässt sublim krachen. Mit Melodika, Trompete, Glockenspiel und Gitarre spielen sie etwa einfache melodische Loops, die an die Californian Dream Music erinnen. Aber die Surf-Party wirkt irgendwie verfremdet. Wo ist das Endless-Summer-Feeling? Sie klingen wie ein trotziges Kind, das ein tröstliches Lied summt. Die Musik erinnere ihn an einen „kleinen Tom-Waits, verloren in einem Märchenwald“, schreibt ein Fan im Netz.
Pop und zeitgenössische Klangcollage: Ihr präziser, dekonstruierter E-Folk-Pop bietet eine ideale Soundtapete für Poetry Slam und Performance Art. Und einen idealen Vordergrund für blasse, verpixelte und schaukelnde Videos mit Sechziger-Sepia. Da fährt eine Kamera zwischen Palmen hindurch – endlos. Bis die Palmenmonotonie etwas Neurotisches annimmt und verzweifeln lässt wie ein Stück von Christoph Marthaler. Oder die Kühe. Sie bewegen sich nach vorn und werden zurückgespult. Immer wieder. Ihr skurriles Hin und Her gerät zu einem Sysiphos-Tanz. Ähnlich tanzen die jungen Leute aus den Sixties – in einem herumwabernden Pulk, richtungslos. Die Tanzenden sind längst gealtert, fällt einem ein. Und hallen die Töne nicht merkwürdig nach? Vielleicht sind die Sounds einfach Retro-Surf oder Retro-Pop. Eine Klang-Retrospektive. Kein Zweifel, Bradien sind „arty“, die Kunstwelt umarmt das Trio.

Künstlerisch haben Bradien unter anderem mit den Lautperformance-künstlern Nora Gomringer und Eduard Escoffet zusammengearbeitet. Hier verzichten sie auf die multimediale Aufbereitung. Nora Gomringer, 2007 vom Goethe-Institut in Barcelona eingeladen, dominiert die Performance mit ihrem aufgeladenen Poetry Slam. „Du baust einen Tisch“ wütet sie. Je mehr sie wütet, desto samtiger die Tunes im Hintergrund, desto relaxter die Rhythmen.

Auch Bill Wells, Shiu Yeung Hui, Dosimat, Yo La Tengo, Jahbitat, Tom Brosseau, bRUNA oder Lucrecia Dalt finden sich auf der Liste ihrer künstlerischen Kooperationen. Ihr drittes und aktuelles Album „Linden“, erschienen 2009 bei spa.RK und produziert von Simon Walbrook, wurde von De:Bug gefeiert als „kindgerecht einfach und prägnant präsentierte Musik“ mit „Lagerfeuerakustik“ und „sommerlicher Folk-Leichtigkeit“. Jetzt sind Bradien frisch zurück vom Sonár-Festival in Chicago, dem Mekka der E-Musiker, und kommen in das Haus der Kulturen der Welt, um Berlin eine Spritze Barcelona-Club zu injizieren. Simpel oder sublim, tröstend oder trotzend.
Author: Heike gatzmaga

Works

Linden

Published Audio,
2009

Split 7 inch with Dosimat

Published Audio,
2007

Minoi Tiare

Published Audio,
2006

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Worldtronics10

(01 December 10 - 04 December 10)

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