Oussama Mohammad

Article Bio Works Projects
crossroads:
Familie, Islam, Macht
genre(subgenre):
Film (Kurzfilm, Spielfilm)
region:
Middle East
country/territory:
Syria
city:
Damascus
created on:
May 26, 2003
last changed on:
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Article

"Ich beobachte das Wesen der Macht"

Der Regisseur und Drehbuchautor Oussama Mohammad wurde 1954 in Syrien geboren, studierte Film in Moskau, lebt heute in Damaskus und dreht Kurz- und Spielfilme. Sein zentrales Thema sind die Machtstrukturen in Syrien, das politische System und dessen Verbindungen zu den verschiedenen religiösen Gruppierungen.
„Ich interessiere mich für die Konsequenzen der Macht. Wenn jemand von uns Macht über einen anderen erhält, zerstört es etwas im Anderen und in uns selbst. Macht ist die absoluteste Form der Gewalt. Das ist selbst in einfachen Familienstrukturen sichtbar“, sagt Regisseur Oussama Mohammad.

Wie schon in „Étoiles du jour“ (1988), Oussama Mohammads erstem Langfilm über eine erzwungene Hochzeit, thematisiert der Regisseur auch in seinem Spielfilm „Sacrifices“ („Der Opfertod“) autoritäre, repressive Familienverhältnisse. Er erzählt von einer Familie, dessen Oberhaupt im Sterben sterbt. Der alte Patriarch wollte seinen Namen an einen Enkel weitergeben, aber er erkennt keines der Kinder als Nachfolger an. Nach seinem Tod gibt es drei Cousins ohne Namen. Sie irren herum auf der Suche nach Freude und Seelenheil. Der Erste findet seine Erfüllung in der Zurückgezogenheit und Unterwerfung, der Zweite in der Liebe, der Dritte in Macht, Gewalt und Grausamkeit. Der Vater des Zweiten kehrt heim von der Front. Getrieben von der Gewalt und der Hierarchie, die er im Krieg erfahren hat, gibt er dem dritten Sohn den Schlüssel zur Macht und potenziert dessen Grausamkeit. Oussama Mohammad malt in seinem Film mit mächtigen Bildern den wie aus der Zeit gefallenen Mikrokosmos einer arabischen Familie. Der Erzählfluss und die Ikonografie scheinen dabei wie die tribunalhaften Beziehungen der Verwandten von der Tradition und den Mythen des Koran geprägt zu sein. "Man kann sagen, dass dieser Film zeigt, wie Verlangen entsteht und wie man Desillusion und Gewalt in einem verschlossenem Universum erlernt.", erläutert Oussama Mohammad seinen Film.

"Opfertod" wurde für zahlreiche Festivals nominiert, so für die Reihe "Un certain Regard" in Cannes 2002. Er gewann den großen Preis der Jury des Festival de Cinéma de Figueira Da Foz und den großen Preis beim Festival von Alexandria, Ägypten, sowie den Prix spécial bei der sechsten Biennale des Cinémas Arabes in Paris 2002.

Seinen engen Bezug zum Thema Macht erklärt Oussama Mohammad aus seiner Lebensgeschichte:

„Diesmal bin ich am 21. März 1954 in Lattaquiée, dem Hafen von Syrien geboren, und das ist kein schlechter Anfang.
Ich war ein stämmiges Kind, sagen wir zwischen stämmig und breitschultrig, als ich im Alter von zwei Jahren, mitten in einem Familiengemenge auf mich aufmerksam machte, indem ich auf dem Kopf lief.
Mit drei Jahren begannen meine ersten Liebesabenteuer mit den Mädchen.
Bis zum Alter von zehn Jahren war ich Weltmeister im Raufen, ich vertrat mein Viertel und mein Dorf in den Duellen gegen die ‚fremden’ Jungs aus der Nachbarschaft.
Meine Eltern haben mich nie geohrfeigt, daher habe ich mich auch später immer dagegen gewehrt, mich ohrfeigen zu lassen, genau wie ich jede blinde Autorität immer abgelehnt habe.
Zuhause habe ich Freiheit und Menschlichkeit zu schätzen gelernt, und ich bin süchtig danach geworden.
Im VGIK in Moskau hat mich das Kino voll erwischt und meine Ideologien umgeworfen.

Dort habe ich begonnen, den Koran zu verstehen: ‚du bist mit Augen und mit Ohren auf die Welt gekommen... gehe über die Grenzen hinaus’.
1988 dann mein erster Spielfilm, ‚Etoiles du jour’, auf der ‚Quinzaine des Réalisateurs’, der Hauptpreis und der Preis der Kritik in Valence... aber in Syrien ist der Film nie gelaufen.
Die Kommission, die dafür zuständig war, den Film zu genehmigen, hatte grünes Licht gegeben, aber dann klingelte das Telefon, lange vor dem Handy, um ihn aufzuhalten: ‚Hallo was?’, ‚Was was?’.
Jemand hat einen bestimmten Blick durchgesetzt.

Trotzdem habe ich etwas gegen den Mythos vom Intellektuellen, der zum Opfer wird, von dem intellektuellen Dissidenten, der dem Westen so lieb ist. Ich habe auch etwas gegen die Macht, gegen jegliche Macht, ich beobachte das Wesen der Macht, ohne Hass, mit Traurigkeit, ich finde sie lächerlich und ich finde ihre Audrucksformen erbärmlich.
Freiheit und Schönheit sind immer noch der virtuelle Prophet, den weder die erste noch die dritte Welt zu kreuzigen vermag.“

Bio

Oussama Mohammad wurde am 21. März 1954 in Lattaquié, Syrien, geboren. Nach Beendigung seines Filmstudiums 1979 an der VGIK Moskau drehte er zwei Kurzfilme „Step by Step“ (1979) und „Today Every Day“ (1981). 1988 stellt er seinen ersten Langspielfilm fertig: „Étoiles du jour“ . Mit Mohamad Malas schrieb er 1992 das Drehbuch zu dessen Film „La Nuit“. Sein neuester Film „Sacrifices“ (2002), lief u.a. dieses Jahr in Cannes in der Sektion „Un Certain Regard“ und im Wettbewerb der „Journées Cinématographiques de Carthage“.

Works

Un Certain Regard

Film / TV,
2003
(Regie und Drehbuch)

Journées Cinématographiques de Carthage

Film / TV,
2003
(Regie und Drehbuch)

Sacrifices

Film / TV,
2002
(Regie und Drehbuch)

La Nuit

Film / TV,
1992
(Drehbuch)

Étoiles du jour

Film / TV,
1988

Today everyday

Film / TV,
1981
(Regie)

Step by Step

Film / TV,
1979
(Regie)

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

DisORIENTation

Contemporary Artists from Middle East

(20 March 03 - 11 May 03)