Jazz Jamaica

Article Works Projects www
genre(subgenre):
Musik (Folk, Jazz, Mento, Motown, Ska, Skazz)
region:
Europe, Western, America, Caribbean
country/territory:
England (UK), Jamaica
created on:
March 17, 2009
last changed on:
Please note: This page has not been updated since April 8, 2009. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:
 Jazz Jamaica
Jazz Jamaica. Foto: promo

Article

Jazz Bass-ics von Gary Crosby´s Ska-Spezialisten

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, wie man so sagt. Zu schade also, dass die familiäre Beziehung zwischen dem Bassisten Gary Crosby und dem legendären jamaikanischen Gitarristen Ernest Ranglin nicht mehr hergibt als die zwischen Neffe und Onkel. Es war der Jazz-Gitarrist Ranglin, der den Hybridstil entwickelte, der als Jamaica-Jazz bekannt ist. Doch es ist der Neffe Crosby, der das Banner der Großfamilie trägt. Bei dem Hybriden, der sich des grausigen Namens „Skazz“ erfreut, folgt Crosby den zumindest musikalisch riesigen Fußstapfen seines Onkels. Zweifellos erfunden von einem faulen Journalisten nach einem Frühschoppen zeugt die Wortschöpfung von der gegenseitigen Befruchtung von Ska und Jazz.
Musikalisch gesehen ist „Skazz” ebenso verwunderlich wie sein Stilname furchtbar. Crosbys Schöpfung folgt der technischen Versiertheit, die von Ranglin vorgegeben wurde, aber dehnt die Form so weit, dass Ska und Motown in der Vorlage enthalten sind. Crosby entschloss sich, die Improvisationstechnik des Jazz mit der jamaikanischen Musik zu fusionieren, die er als Kind kennen gelernt hatte, und formierte so 1991 die erste Auflage der Band Jazz Jamaica in Großbritannien. Anders als andere Ska Revival Bands nutzen Jazz Jamaica den ursprünglichen Ska-Aufbau als eine Grundlage, auf der sie eher erfinden und entwickeln als nur reproduzieren. So hat die Band einen Vibraphonisten dabei. Was im Ska kaum selbstverständlich ist, macht bei Jazz Jamaica richtig Sinn.

Crosby erweiterte die Band 1999, indem er Größen wie Andy Sheppard, Juliet Roberts und Annie Whitehead als Gast-Soloisten einlud. Die Big Band, bekannt als Jazz Jamaica All Stars, hat eine 20-Mann Besetzung und tritt offensichtlich nur dann auf, wenn die finanziellen Bedingungen stimmen. In den letzten Jahren ist Jazz Jamaica zu einer Brutstätte für junge britische Jazz-Musiker geworden. Für die Band hatte das den Nebeneffekt, dass sie ihre Interpretationen laufend um weitere Elemente erweitern konnten.

2005 gaben Jazz Jamaica „Motorcity Roots” heraus, ein Album, in dem sie ihre bereits hybriden Horizonte nochmals erweiterten. Das fantasievolle Neuarrangement von Motown Songs mit Jazz und Ska-Elementen war größtenteils erfolgreich. Ihre äußerst „musikalische” Interpretation ursprünglich eher einfacher Kompositionen funktioniert am besten bei den Motown Cover Versionen, von denen einige immer noch zum Live-Programm der Band gehören. So bietet ihre Version von „You Keep Me Hangin’ On“ raffinierte Akkorderweiterungen, die über die Herkunft des Songs im industriellen Detroit der Sixties hinwegtäuschen – es gab sicherlich keine Jazz-Akkorde im Original der Supremes. Dabei ist das musikalische Repertoire der Band keineswegs auf die Karibik beschränkt: Das Album enthält sowohl Herbie Hancock mit seinem Evergreen „Dolphin Dance“ wie Wayne Shorters „Footprints“ und einheimische US-Klassiker aus den Sixties und frühen Seventies.

Wenn sie auch im kalten Schmuddelwetter Großbritanniens leben: Ihre Anziehungskraft beziehen Jazz Jamaica aus ihrer spirituellen Heimat. Als sie 1994 beim karibischen St. Lucia Jazz Festival auftraten, blieb dem Star George Benson nichts anderes übrig, als ungeduldig Backstage zu warten, während Jazz Jamaica eine Zugabe nach der anderen spielten. Gleichzeitig wird ihre Ausstrahlung immer internationaler – ihren ersten größeren Record-Deal schlossen sie mit einem japanischen Label, und bei ihrem ersten japanischen Plattenrelease 1993 („Skaravan“) sind namhafte Jazz-Musiker wie Courtney Pine und Cleveland Watkiss gefeatured.

2002 gewannen sie die Auszeichnung als „Best Band” bei den BBC Jazz Awards. Gary Crosby ist auch Bandleader des Jazz Ensembles Gary Crosby’s Nu Troop, die ihre „Skazz”-Künste mit einer Version des Police-Hits „Wrapped Around Your Finger“ auf einem Tribute-Album der Band demonstriert haben. Die wiederum wurden ihrerseits beschuldigt, schamlos karibische Quellen für ihr Markenzeichen „Weißer Reggae“ geklaut zu haben. „All things must pass“, wie einmal der Beatle George bemerkte.
Author: Martin Gordon

Works

Motorcity Roots

Published Audio,
2005
Dune

Massive

Published Audio,
2004
Dune

Latin Jazz: The Essential Album

Published Audio,
2002
Manteca

Double Barrel

Published Audio,
1998
Hannibal

Skaravan

Published Audio,
1996
Quattro Records

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Lebenslinien No1: Hugh Masekela

(15 May 09 - 17 May 09)

Www

Jazz Jamaica auf MySpace