Kamilya Jubran

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crossroads:
Bürgerkrieg, Moderne, Tradition
genre(subgenre):
Musik (elektronische Musik, Jazz, klassische arabische Musik, moderner arabischer Gesang)
instruments:
Oud, Qanoon
region:
Middle East, Europe, Western
country/territory:
Palestine, Switzerland
city:
Jerusalem
created on:
May 23, 2003
last changed on:
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information provided by:
Kamilya Jubran
Kamilya Jubran © Kamilya Jubran

Article

Wohin jetzt?

Kamilya Jubran, 1963 in Aakka/Palästina geboren, erhielt ihre musikalische Ausbildung von ihrem Vater; geprägt wurde sie durch die Musik von Oum Kalthoum. Als Sängerin, Oud- und Qanoonspielerin der Gruppe „Sabreen“ verband sie die Klassik mit den Einflüssen des Jazz und positionierte ihre arabische Musik – teilweise auch in Soloprojekten – zunehmend in den Rahmen der „Weltmusik“ bis hin zu elektronischen Clubsounds. In den Texten der Dichter des palästinensischen Widerstandskampfes reflektierte „Sabreen“ immer auch die politischen Verhältnisse im Nahen Osten von den Massakern in Sabra und Schatila bis zu den Hoffnungen des Osloer Friedensprozesses und seinem Scheitern.
„Wir haben Widerstand versucht, wir haben Konfrontation versucht, wir haben Intifada versucht, wir haben Frieden versucht. Was bleibt uns noch? Und wohin jetzt?“ fragen „Sabreen“ auf ihrem letzten Album „Ala Fein“ („Wohin jetzt?“) aus dem Jahr 2000.

Und in der Tat spiegelt sich in den Alben der 1980 durch den Komponisten und Multiinstrumentalisten Said Murad gegründeten Gruppe die Geschichte der Palästinenser. Der Name „Sabreen“ verweist auf die Haltung, die die politische Situation jedem Palästinenser abverlangt: „Geduld“ und „Standhaftigkeit“. Ihr erstes 1981 – noch ohne Kamilya Jubran – erschienenes Album hieß dementsprechend programmatisch „An a-Somoud“ / „Über die Ausdauer“. Mit ihren Stücken zwischen Sehnsucht und Desillusionierung, mal mit schnellen Beats, mal klassisch getragen, hat Kamilya Jubran – zusammen mit „Sabreen“ und später auch solo – immer auch auf die politische Lage reagiert.

Nachdem ihr Vater, der bekannte Instrumentenbauer und Musiklehrer Elias Jubran, seine Tochter schon sehr früh einer puritanisch reinen arabischen musikalischen Erziehung unterworfen hatte – schon mit vier Jahren lernte Kamilya Jubran die Lieder der ägyptischen Gesangslegende Oum Kalthoum – begann für sie in der offenen Atmosphäre der Hebräischen Universität in Jerusalem, wo sie 1981 ihr Studium aufnahm, eine Zeit spannender Entdeckungen.

Befreit aus der Isolation des Dorfes Al-Rameh, in dem sie aufwuchs, konnte sie hier Kontakt aufnehmen mit der Tradition und der Geschichte ihres Volkes und ihren Gesangsstil weiter entwickeln. Bald nachdem ihr Bruder sie mit dem „Sabreen“-Gründer Said Murad bekannt gemacht hatte, wurde sie die Leadsängerin der Gruppe. Das 1982 erschienene Album "Dukhan Al-Barakin" / “Rauch auf dem Vulkan” (Smoke of the Volcanoes) basiert auf der Lyrik von Mahmoud Darwish, Sameeh ElQasem, Texten von Hussein Barghouthi und Abdel Latif Aqel. Musik und Texte spiegeln die aufgeputschte Stimmung nach den Massakern von Sabra und Schatila wieder. Genauso reflektiert das 1994 erschienene Album „Jay El Hamam” / “Hier kommen die Tauben” (Here Come the Doves) die Hoffnungen, die sich mit dem Osloer Friedensprozess verbanden. Später kommentiert Kamilya Jubran mit trockener Ironie: „Die Tauben kamen und dann starben sie. Sie haben sie erschossen.“ (http://weekly.ahram.org.eg/2001/559/cu4.htm)

Auf der Basis der arabischen Klassik, die immer den Ausgangspunkt der musikalischen Entdeckungen der Band bildete, schuf „Sabreen“ einen ganz neuen Stil des arabischen Liedes: „Wir versuchen verschiedenen musikalische Erfahrungen zu eröffnen. So spiegelt ein Großteil unserer Musik einen Dialog zwischen Jazz und arabischer Musik. Selbst unsere Herangehensweise an traditionelle arabische Instrumente ist anders, zum Beispiel wie wir die Oud spielen, wie wir neue Rhythmen aus ihr herausholen,“ betont Kamilya Jubran. (http://weekly.ahram.org.eg/2001/559/cu4.htm)

„Sabreen“ ist auch für den Aufbau einer musikalisch-kulturellen palästinensischen Infrastruktur von entscheidender Bedeutung. Sie betreiben seit 1991 das einzige palästinensische Musikstudio in Al-Quds. In der „Institution Sabreen“, der „Sabreen Association for Artistic Development“ organisieren die Musiker etwa mit Unterstützung des British Council Konferenzen, in denen Musiklehrer ausgebildet werden. Sie tragen die Musik zu zahlreichen Theater, Film- und Tanzproduktionen bei. Und sie treten nicht nur in den USA, Ägypten, Tunesien, Großbritannien, Japan, Italien, Belgien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Kanada und der Schweiz auf, sondern auch regelmäßig in Schulen, Universitäten, Kulturzentren und kleinen Orten innerhalb der „Grünen Linie“ und in den „Besetzten Gebieten“.

Nach der Aufnahme ihres Albums „Jay El Hamam” lebte Kamilya Jubran von 1995 bis 1997 in Paris, wo sie mit verschiedenen europäischen Musiker zusammen arbeitete und auftrat. 1997 kulminierte diese Erfahrung in einem gemeinsamen Projekt mit dem "Orchestre Nationale De Barbes“, wie sich die französisch-nordafrikanische Gruppe selbstironisch nennt, die sie ein Jahr zuvor kennen gelernt hatte.

2002 hat Kamilya Jubran als Stipendiatin Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia das Projekt „Mahattaat“ / „Stationen“ entwickelt. „Mahattaat“ entstand gemeinsam mit zwei Schweizer und einem französischen Künstler und kombiniert musikalische mit visuellen Elementen. „Mein Leben und meine Musik besteht aus Punkten. Diese Punkte werden zu Mahattaat (oder Stationen), während ich von einem zum anderen gehe. Entweder gefällt mir ein Ende, oder es langweilt mich, und so suche ich mir ein neues Ziel, oder ich sehne mich plötzlich nach einer früheren Station, duftend nach einem Atem, der mir damals nicht vertraut war. Dann gehe ich zurück, oder meine Lasten und Sorgen zwingen mich, anderswo länger Halt zu machen. In der Aufführung Mahattaat präsentiere ich meine ‚musikalischen Punkte’ anhand von Stationen, an denen ich mich aufgehalten habe, an denen ich mich noch befinde, oder zwischen denen ich hin- und herwandere.“ So hat sie in Bern Station bei dem Schweizer Jazztrompeter und Soundtüftler Walter Hasler von „Manufaktur“ gemacht und mit ihm die für „Sabreen“ typische Synthese von klassischer arabischer Musik und Jazz um Clubsounds klanglich erweitert. Wohin wird sie sich wohl als nächstes wenden?

Bio

Kamilya Jubran wurde 1963 in Aakka als Tochter palästinensischer Eltern geboren. Schon als sie vier Jahre alt war, lehrte sie ihr Vater, Instrumentenbauer und Musiklehrer, das klassische ägyptisch-arabische Gesangsrepertoire, vor allem die Lieder der legendären ägyptischen Sängerin Oum Kalthoum. 1981 zog sie nach Jerusalem, wo sie dem Komponisten und Gründer der palästinensischen Band „Sabreen“, Said Murad, begegnete. Zwanzig Jahre lang war sie die Leadsängerin der Gruppe, die für einen ganz neuen Stil des modernen arabischen Liedes stand, und spielte dort die Saiteninstrumente „Qanoon“ und „Oud“. Sie produzierte gemeinsam mit Sabreen und anderen Musikern vier Alben und war Mitbegründerin der „Sabreen Association for Artistic Development“. Die Gruppe ging in den USA, in Europa, Japan, Ägypten, Jordanien und Tunesien auf Tournee. 2002 betrat Kamilya Jubran mit ihrem Solo-Album „Mahattaat“ (Stationen) musikalisches Neuland. Das Album entstand während ihres Gastaufenthaltes im Rahmen des Stipendienprogramms der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Works

Makan

Published Audio,
2009
Zig Zag

Wameedd

Published Audio,
2004

Mahattaat (Stationen)

Published Audio,
2002

Sabreen: Ala Fein (Wohin jetzt?)

Published Audio,
2000

Sabreen: Jay El Hamam (Hier kommen die Tauben)

Published Audio,
1994

Sabreen: Mawt a-Nabi (Tod eines Propheten)

Published Audio,
1988

Sabreen: Dukhan al Barakeen (Rauch auf den Vulkanen)

Published Audio,
1984

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

DisORIENTation

Contemporary Artists from Middle East

(20 March 03 - 11 May 03)

Www

Homepage Sabreen

Die Homepage der Künstlerin

Artikel von Thomas Burkhalter

audio

Ghareeba (A Stranger - female)

by Gubran Khalil Gubran
translated by Omnia Amin
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