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Die Geister der Ahnen zu Zeiten der Apartheid
Sydney Kumalo, international vor allem als Bildhauer bekannt, wurde 1935 in Johannesburg geboren. Von 1952 bis 1959 besuchte er die Bildhauerklassen des gebürtigen Londoners Cecil Skotnes, des wohl berühmtesten Künstlers Südafrikas, und von Eduardo Villa im Polly Art Centre in Johannesburg. Das Polly Art Centre war ursprünglich als Einrichtung der Erwachsenenbildung gegründet und 1952 in ein Kunst- und Ausstellungshaus umgewandelt worden. Bis zu seiner Schließung im Jahr 1960, dem Jahr, in dem er ANC verboten wurde, war es – außer ein paar Privatgalerien – der einzige Ort, an dem schwarze Künstler in Johannesburg künstlerisch arbeiten und ihre Werke zeigen konnten. 1958 wurde Kumalo, der bereits in seinen letzten Semestern als Student zum Lehrer am Polly Art Centre geworden war, dort „Official Art Organiser“, was ihm neben der Gestaltungsmöglichkeit zu Beginn seiner Karriere eine gewisse materielle Sicherheit verschaffte.
1961 gründete Kumalo gemeinsam mit Cecil Skotnes, Eduardo Villa, Cecily Sash und Guiseppe Cattaneo die Künstlergruppe „Amadlozi“ – ein Name, der der Bantu-Sprache entlehnt ist und so viel bedeutet wie „Geist der Ahnen“. In dieser Gruppe kamen fünf sehr unterschiedliche künstlerische Temperamente zusammen, die jedoch eines vereinte: die bewusste Aneignung überlieferter afrikanischer Bildhauer-Traditionen. Das freilich sollte man gerade im Fall Kumalos nicht als eine Art Suche nach den eigenen Wurzeln missverstehen. Das Aufgreifen traditioneller bildhauerischer Merkmale, das anfangs verhalten und dann im Verlauf seiner Karriere immer deutlicher zutage trat, war für Kumalo Teil einer durch und durch modernen Kunstauffassung, die beständig zwischen Abstraktion und Figuration oszilliert und gleichzeitig nach mythischer Tiefe sucht.
Wer möchte, kann in den Skulpturen Kumalos die unterschiedlichsten künstlerischen Einflüsse entdecken, sowohl was die Motive als auch was den Stil betrifft: Sie reichen von den Expressionisten über Marino Marini bis zu Henry Moore. Dabei dominieren, etwa bei einer Figur wie „Mutter mit Kind“, fließende Linien und in die Länge gezogene, gestreckte Volumina. Kumalo verteilt die Massen auf sehr elegante, kompositorisch fein ausgewogene Weise, wobei das Gegenständliche sich oft auflöst in reine Formen, in geometrische Grundbestandteile wie Kugeln, Trapeze oder Quader.
Bei aller Eleganz hat sich Kumalo stets auch einen Sinn für das Skurrile und Existenzielle bewahrt, sei es bei der Skulptur des auf dem Rücken liegenden Pferdes, das alle Viere von sich streckt („Killed Horse“, 1962). Sei es in Gemälden wie dem Bild „Antilopen-Jagd“ von 1979, auf dem maskierte, in wallende, seltsam dynamisierte Tücher gehüllte Stammesschönheiten einen rituellen Tanz aufführen.
Sydney Kumalo übernahm während seiner künstlerischen Laufbahn etliche öffentliche Aufträge für Kunst am Bau, so zum Beispiel für die Katholische Kirche in Kroonstad („Kreuzweg-Stationen“, 1958 mit Cecil Skotnes), für den Staatspavillon im Millner Park in Johannesburg („Betende Frau“, 1960), am Kitwe Hotel in Sambia („Adler“, 1963) sowie am Civic Centre in Kapstadt („Die Segnung“, 1980). Kumalos Werke sind darüber hinaus in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen in Südafrika, Europa und den USA vertreten. Mindestens ebenso bedeutend wie als Künstler war Sydney Kumalo als Lehrer: als solcher prägte er die Generation der zwischen 1950 und 1965 Geborenen wie kaum ein anderer in Südafrika.
Bio
1952-1959 Studium der Malerei und Bildhauerei bei Cecil Skotnes und Eduardo Villa am Polly Art Centre in Johannesburg
1958 Berufung zum „Official Art Organiser“ am Polly Art Centre
1988 in Johannesburg gestorben




