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Reporter des Jahrhunderts
Seine Bücher gehen über die rein journalistische Darstellung hinaus und stellen eine Mischform dar, in der Elemente der herkömmlichen Reportage und des Essays ebenso vertreten sind wie Abschnitte in lyrischer Prosa oder historische Exkurse. Kapuscinski nennt diese von ihm selbst entwickelte Form „literarische Reportage", bei der die literarischen Erzähltechniken für Tatsachenbeschreibungen verwandt werden. „Mein Schreiben ist eine Kombination aus drei Elementen", erklärt Kapuscinski in einem Interview mit dem amerikanischen Journal of the International Institute 1997: „Das erste ist Reisen, Reisen wie Erforschen als Zweck. Das zweite ist die Lektüre über das Thema. Das dritte ist die Reflexion, die sich aus dem Reisen und Lesen ergibt."
Seine Popularität im Polen der sechziger und siebziger Jahre erklärt Kapuscinski mit dem damals stark begrenzten Informationsspektrum sowie der besonderen Faszination des postkolonialen Afrikas, in dem sich die Polen als von Preussen, Russen, Österreichern und später von den Sowjets kolonialisiertes Land wieder erkannten. Zudem bot der einzige Afrikakorrespondent des Landes einen Ausblick in eine exotische, im Geflecht des Kalten Krieges aber zuzuordnenden Ausblick auf die Welt weit jenseits sozialistischer Lebensräume.
Ein weiteres, bedeutendes Merkmal seiner früheren Bücher ist die Technik des äsopischen Schreibens, des Schreibens zwischen den Zeilen, bei der eine zweite Ebene in der Geschichte sichtbar wird. Kapuscinskis bekanntestes Buch, sein Reportage-Roman „König der Könige" über den Niedergang von Haile Selassies anachronistisch gewordenes Regime in Äthiopien erschien 1978 und verdankte seinen großen Erfolg in Polen auch der Tatsache, dass die Geschichte über den Hof des Kaisers dort als Parabel über das Zentralkomitee unter Gierek gelesen wurde.
Mit der amerikanischen Veröffentlichung von „König der Könige" (1983) wurde Kapuscinski auch im Westen bekannt. Das Buch wurde in den USA zum Bestseller und der britische Autor Salman Rushdie erklärte in der Sunday Times „König der Könige" zu seinem Buch des Jahres. 1978/79 entstand „Schah-in-schah" über das Ende des Pahlavi-Regimes und die Revolution im Iran, das 1982 erschien.
Kapuscinski´s Stärke liegt in seinem Blick für das Detail. „Mit Hilfe von Details kann man alles zeigen", schreibt er an einer Stelle. Kapuscinski verdichtet in einer Folge von kurzen, impressionistischen Kapiteln die kleinen, alltäglichen Details zu atmosphärischen Miniaturen, die Durchblicke auf die politischen Verhältnisse gestatten und verdeutlichen. Jede dieser Vignetten wird so zu einer Metapher des historischen Übergangs.
Kapuscinskis Ansatzpunkt unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was der amerikanische Journalist Robert Kaplan einmal den „Land Rover-Journalismus" der kurzfristig in Krisengebiete eingeflogenen Journalistenheere genannt hat. Kapuscinski glaubt, dass Journalisten die Pflicht haben, Sprachrohre derer zu sein, über die sie berichten. Oft war er gezwungen, sich auf eigenen Wegen sehr viel direkter und ausführlicher mit Land und Menschen zu befassen, weil er als Pole nicht über die finanziellen und logistischen Möglichkeiten der Mehrzahl seiner westlichen Kollegen verfügte.
„Im elektronischen Zeitalter bekommen wir eine Menge an Informationen und Eindrücken, aber keine Erklärungen", sagte Kapuscinski 2001 gegenüber dem britischen Independent. „Um den Kern einer Kultur zu erkennen, braucht es harte Arbeit und Zeit, nicht drei Tage Ruanda oder zwei Tage Sierra Leone. Die Medien marginalisieren zunehmend die Dritte Welt, entfernen sie aus unserem Verständnis und reduzieren sie auf einen Ort von Gewalt und Schrecken als Gegenbild unserer pseudo-realen Welt des Konsumerismus."
Zwischen 1989 und 1992 bereiste Kapuscinski die Länder der zerfallenden Sowjetunion und veröffentlicht seine Erfahrungen in dem Buch „Imperium".
Seine Reisetätigkeit setzt Kapuscinski bis heute fort. Er unterrichtete oft als Gastprofessor an ausländischen Universitäten, unter anderem an den Universitäten von Bangalore (Indien), Caracas, Philadelphia und Oxford. 1994 hielt er sich als Gast des DAAD in Berlin auf. Ryszard Kapuscinski erhielt zahlreiche polnische und internationale Auszeichnungen und Preise, u. a. wurde er 1999 von der Zeitung Gazeta Wyborcza zum „Polnischen Journalisten des Jahrhunderts" gewählt.
Ryszard Kapuscinski lebt in Warschau.
Bio
Works
Meine Reisen mit Herodot
Our responsibilities in a multicultural world
The shadow of the sun
Die Welt im Notizbuch
Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies
Z Afryki
Augenzeugen der Geschichte
Heban
Afrikanisches Fieber. Erfahrungen aus vierzig Jahren
Lapidarium III
Lapidarium II
Wieder ein Tag Leben. Innenansichten eines Bürgerkriegs
The best of Granta reportage
Imperium. Sowjetische Streifzüge
Lapidarium
Der Fussballkrieg: Berichte aus der Dritten Welt
Schah-in-Schah
Notes
König der Könige. Eine Parabel der Macht
Szachinszach
Cesarz
Wojna Futbolowa
Jeszcze dzien zycia
Chrystus z karabinem na ramieniu
Dlaczego zginal Karl von Spreti
Kirgiz schodzi z konia
Gdyby cala Afryka...
Czarne gwiazdy
Bush po polsku. Historie przygodne
Merits
1999 Hanseatischer Goethepreis der Alfred-Töpfer-Stiftung
1999 Gewählt zum „Polnischen Journalisten des Jahrhunderts" der Zeitung Gazeta Wyborcza
2000 Premio Viareggio




