Adel Karasholi

Article Bio Works Merits Projects www
crossroads:
country/territory:
city:
created on:
June 4, 2003
last changed on:
Please note: This page has not been updated since February 20, 2006. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:
Adel Karasholi
Adel Karasholi

Article

Die Umarmung der Meridiane

„Ich glaube fast“, sagte der 1936 in Damaskus geborene Adel Karasholi 1992 in seiner Dankesrede zur Verleihung des Adelbert-von-Chamisso-Preises in Anlehnung an Thomas Mann, „ich bin ein deutscher Dichter.“ 1959 verließ Karasholi aus politischen Gründen Syrien und ging nach Leipzig. Dort begann er, erste Gedichte auch in deutscher Sprache zu verfassen. Wichtig war es ihm, eine Synthese aus eigenem Stil und den Einflüssen seiner neuen Lebenswelt zu schaffen. „Ich lebte und lebe noch immer in zwei Welten und zwei Kulturen, die verschiedene Zeichensysteme haben. In kultureller Hinsicht habe ich eine doppelte Identität.“
Adel Karasholi wurde 1936 als Sohn einer kurdischen Familie in Damaskus geboren. Bereits als 15-Jähriger veröffentlichte er erste Gedichte, die auch im Damaszener Rundfunk gesendet wurden. Als junger Lyriker beschäftigte er sich mit den großen Werken der Weltliteratur und fand besonderes Interesse an den Stücken von Bertolt Brecht. 1953 gründete er eine Zeitung für Kunst und Literatur, die umgehend durch die Behörde von Präsident Al-Chichakli verboten wurde. Später arbeitete er in einer Druckerei, wurde Kulturredakteur, schrieb für den Rundfunk und übernahm die Redaktion einer Studentensendung. Inzwischen wurde Karasholi als hoffnungsvoller junger Lyriker gefeiert; seine Gedichte wurden im arabischen Raum veröffentlicht. 1957 wurde er jüngstes Mitglied des damals in der arabischen Welt renommierten, marxistisch orientierten Arabischen Schriftstellerverbandes. 1959 wurde der Verband verboten, die verfolgten Mitglieder mussten Syrien verlassen.

Karasholi kam über Beirut, München und Berlin-West 1961 nach Leipzig. Seine ersten Erfolge in der DDR hatte er Anfang der sechziger Jahre während der so genannten „Lyrikwelle“. 1968 erschien seine Sammlung arabischer Gedichte „Wie Seide in Damaskus“ in deutscher Übersetzung von ihm selbst nachgedichtet. Er studierte als Stipendiat in Leipzig Literatur und Theaterwissenschaften am Johannes-R.-Becher-Institut, wo er 1970 über das Theater Brechts promovierte. Gleichzeitig begann er, erste Gedichte auch in deutscher Sprache zu verfassen.

Über die intensive Beschäftigung mit Brecht kam Karasholi mit einer völlig anderen Art der Literatur in Berührung. „Was Brecht geschrieben hat, war genau das Gegenteil von dem, was ich vorher schrieb, sowohl von der Form als auch von der Rationalität her. Meine Gedichte waren gefühlsbetont und reich an Metaphern. Ich begegnete in Brechts Werken einer kargen, aber für mich damals sehr interessanten Lyrik.“ Eben dieser Gegensatz sollte bestimmend für das weitere Schaffen Adel Karasholis werden.

Wichtig war ihm, eine Synthese aus eigenem Stil und den Einflüssen seiner neuen Lebenswelt zu schaffen, wobei die Gegebenheiten die Form scheinbar vorgaben. „Die Signale, die ich aus der Wirklichkeit vernahm, musste ich, so schien es mir, in derselben Sprache verarbeiten, mit der sie sich artikulierten.“ In diesem Sinne wird Sprache bei Karasholi zu einem stilbildenden Element, dem Ausdruck, Duktus und Metaphorik folgen. Karasholi nennt dies betont ambivalent seine „Doppelzüngigkeit“, oszillierend zwischen der großen, sprachmächtigen Tradition arabischer Poesie und der eher sachlichen Gebrauchslyrik der modernen deutschen Literatur. „Ich lebte und lebe noch immer in zwei Welten und zwei Kulturen, die verschiedene Zeichensysteme haben. In kultureller Hinsicht habe ich eine doppelte Identität.“

1978 erschien sein Lyrikband „Umarmung der Meridiane“, der in deutscher Sprache verfasste Gedichte enthielt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte sich Karasholi mit dem Gedanken, nach Syrien zurückzukehren und er versuchte, mit seinen Gedichten eine Bestandsaufnahme seiner Erfahrungen in der DDR zu formulieren.

Adel Karasholi sieht sich als Botschafter der arabischen Welt, der seine Aufgabe darin findet, Vorurteile und Missverständnisse zu relativieren und mit seinen Gedichten dem deutschen Publikum die kulturellen Leistungen des arabischen Kulturraums zu vermitteln.

Von 1968 bis 1993 arbeitete er als Lektor an der Universität Leipzig und übersetzte Brecht sowie befreundete DDR-Lyriker wie Georg Maurer und Volker Braun ins Arabische. 1985 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Leipzig, 1992 den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Bayerischen Akademie der Künste. Seit 1992 besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft und arbeitet seit 1993 als freier Schriftsteller. Sein Gedichtband „Also sprach Abdulla“, in dem er in der Form des altislamischen Sufismus dialektische Betrachtungen über seine Lebenswelt in den Raum stellt, erschien 1995.

Adel Karasholi ist Vorsitzender des Leipziger Schriftstellerverbandes. Er lebt in Leipzig.
Author: Michael von Assel 

Bio

Adel Karasholi wurde 1936 als Sohn einer kurdischen Familie in Damaskus geboren. Bereits als 15-Jähriger veröffentlichte er seine ersten Gedichte. 1953 gründete er eine Zeitung für Kunst und Literatur. Später arbeitete er in einer Druckerei, wurde Kulturredakteur, schrieb für den Rundfunk und übernahm die Redaktion einer Studentensendung. 1957 wurde er jüngstes Mitglied des Arabischen Schriftstellerverbands. 1959 wurde dieser Verband verboten. Karasholi kam über Beirut, München und Berlin-West 1961 nach Leipzig. 1968 erschien seine Sammlung arabischer Gedichte „Wie Seide in Damaskus“. Er studierte in Leipzig Literatur und Theaterwissenschaften am Johannes-R.-Becher-Institut, wo er 1970 promovierte. Gleichzeitig begann er, erste Gedichte auch in deutscher Sprache zu verfassen. 1978 erschien sein Lyrikband „Umarmung der Meridiane“, der in deutscher Sprache verfasste Gedichte enthielt. Von 1968 bis 1993 arbeitete er als Lektor an der Universität Leipzig und übersetzte Brecht sowie befreundete DDR-Lyriker ins Arabische. 1985 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Leipzig, 1992 den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Bayerischen Akademie der Künste. Seit 1992 besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft und arbeitet seit 1993 als freier Schriftsteller. Adel Karasholi ist Vorsitzender des Leipziger Schriftstellerverbandes. Er lebt in Leipzig.

Works

Wo du warst und wo du bist

Published Written,
2004
Gedichte. A 1 Verlag: München

Wie fern ist Palästina?

Published Written,
2003
Ohne Angabe. Passage-Verlag: Leipzig

Also sprach Abdulla

Published Written,
1995
Gedichte. A 1 Verlag: München

Wenn Damaskus nicht wäre

Published Written,
1992
Gedichte. A 1 Verlag: München

Daheim in der Fremde

Published Written,
1984
Gedichte. Mitteldeutscher Verlag: Halle

Brecht in arabischer Sicht

Published Written,
1982
Ohne Angabe. Brecht-Zentrum d. DDR: Berlin

Umarmung der Meridiane

Published Written,
1978
Gedichte. Verlag Volk u. Welt: Berlin

Wie Seide aus Damaskus

Published Written,
1968
Gedichte. Verlag Volk u. Welt: Berlin

Merits

1985 Kunstpreis der Stadt Leipzig
1992 Adelbert-von-Chamisso-Preis der Bayerischen Akademie der Künste

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

Die Gärten des Islam

(14 December 93 - 04 April 94)

Www

Homepage des Autoren