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Hongkong-Kino zu neuem Leben erweckt
Von Hardcore-Action in "The Big Heat" (1988) über Historienfilmparodien in "Justice, My Foot" (1992), der Bad-Girls-Hymne "Heroic Trio 2" (1993) und dem Cop-Thriller "Loving You" (1995) bis hin zu einem Feuerwehrdrama in "Liveline" (1997) reichte das Spektrum seiner Regiearbeiten. Diese Bandbreite behielt er auch in den Jahren danach bei. Doch mit "A Hero Never Dies" (1998) bekam Johnnie Tos Regiekarriere noch einmal eine neue Perspektive. Das lag nicht zuletzt an der Produktionsfirma "Milky Way Images", die Johnnie To zusammen mit Wai-Ka-fai 1996 gegründet hatte. "Milky Way"-Produktionen basieren auf originellen Drehbüchern, haben neben den Stars gute Schauspieler und können auf erstklassige Technik zurückgreifen. So bringt es "Milky Way" zwar nur auf die für Hongkonger Verhältnisse geringe Zahl von drei Filmen im Jahr, doch diese in durchweg hoher Qualität.
Die 1999 auf diese Weise entstandenen drei Filme "Where a Good Man Goes", "Running Out of Time" und "The Mission" brachten dem gereiften Regieveteran viele Preise ein und katapultierten ihn in die Riege der Regisseure, denen Retrospektiven gewidmet werden. "The Mission" wurde 1999 zum besten Film bei den Hongkong Film Awards gewählt und erhielt den Preis für die beste Regie. "Running Out of Time” war in sechs Sparten nominiert.
Anders als bei den meisten glamourösen Gangsterfilmen Hongkongs steht in "The Mission" nicht der alternde Triadenboss Lung im Fokus des Interesses, sondern To konzentriert sich auf dessen Leibwächter. Der Film bricht mit der Hongkonger Gangsterfilm-Konvention, in der sich ein Protagonist und sein Gegner gegenüberstehen. In dem mit hochkarätigen Stars und hoffnungsvollen Newcomern besetzten "The Mission" können fünf Hauptdarsteller gleichberechtigt nebeneinander agieren.
Der Plot ist simpel. Gangsterboss Lung fühlt sich nach rätselhaften Mordanschlägen nicht mehr sicher. Daher engagiert er fünf Bodyguards, die ihn schützen sollen. Obwohl "The Mission" genregemäß über weite Strecken aus Schießereien besteht, gelingt es ihm, diesem engen Rahmen durch eine innovative Kameraarbeit und Erzählstrategie eine neue Qualität abzugewinnen. Der Regisseur entschleunigt die Schusswechsel, stilisiert und choreographiert sie fast so bewegungsarm, wie sie auch der späte Kurosawa hätte inszenieren können, dessen Meisterwerk "Die Sieben Samurai" To variiert. "Früher habe ich die Kamera viel bewegt, wenn ich Schießereien aufnehmen wollte, dieses Mal versuchte ich, den Rhythmus der Actionszenen in Standfotos einzufangen", erklärt er seine Herangehensweise.
Seine Spannung bezieht der Film vor allem aus der Verteilung der Protagonisten im Raum. Die Handlungsdynamik entsteht aus dem Geflecht der Beziehungen und den freundschaftlichen Gefühlen, die die Leibwächter füreinander entwickeln. Deren Alltag besteht aus so unspektakulären Tätigkeiten wie Waffen putzen, warten, beschützen, warten und noch länger warten, aber auch darin, die Hackordnung auszuloten – und wie es ihr Beruf ist, zu töten. Die Gefahr und die Langeweile schweißen das Quintett zusammen. Als einer der Killer den Fehler begeht, sich mit der Frau des Triadenbosses einzulassen, sollen ihn die anderen auf Geheiß ihres Chefs töten. Doch da hat sich schon ein wortloser solidarischer Zusammenhalt zwischen den Fünfen entwickelt.
Auch in "Running Out of Time” (1999) variiert Johnnie To ein Gangsterfilmschema und auch diese Handlung ist schnell erzählt. Supergangster ist todkrank und will vor seinem Ableben noch schnell einen Coup landen. Superpolizist will das verhindern. Da sich die beiden Neunmalklugen so ähnlich sind, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihnen. Zwar sind die Story und ihre hongkongüblichen Brechungen schon bekannt, doch To gelingt es, die Zuschauer dank vieler Überraschungen, mit viel Humor und brillanter technischer Umsetzungen bis zum Schluss zu fesseln.
"Running Out of Time" steht in der Tradition von Gangster-Balladen und Männerfreundschaftsfilmen. Im Gegensatz zu vielen anderen macht To aber den homoerotischen Subtext direkt zum Thema. Mehrfach wird der Inspektor nach seinen sexuellen Präferenzen gefragt. Er bleibt die Antwort schuldig, bis Wah als Dragqueen vor ihm steht und Sang ihm einen schüchternen Kuss gibt.
In "Where A Good Man Goes"(1999) bemüht sich To um Realismus bei seiner Darstellung der Triaden. To stellt hier dar, wie die Triaden in das ganz normale Leben einbrechen und fragt, was nach der Unterweltkarriere kommt.
Bio
Auf der Grundlage seiner Produktionsfirma begann sich Johnnie To als Hongkong- Filmer mit eigener Handschrift zu profilieren. Das Jahr 1999 war mit den drei Filmen "Where a Good Man Goes", "Running Out of Time" und "The Mission" bisher der Höhepunkt seiner Regiekarriere. "Running Out of Time" wurde gleich in sechs Sparten bei den "Hongkong Film Awards” 1999 nominiert. Geschlagen wurde Johnnie To nur von sich selbst. Denn zum besten Film und zur besten Regiearbeit wurde "The Mission" gekürt. Auch 2000 wählten ihn die Juroren zum besten Regisseur.




