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Gegen die kulturelle Uniformierung
Ein zentrales Thema seiner Lyrik, die er auf Malayisch und Englisch schreibt, ist der Konflikt zwischen Stadt und Land, zwischen malaiischer und westlicher Kultur. Eindeutig in der Abwehr einer kulturellen Uniformierung nach westlichen Mustern zitieren seine Gedichte immer wieder Mythen und Legenden der malaiischen oralen Tradition. Diese vermischt, ganz anders als in der westlichen Tradition, die Genres: "In den mündlichen Erzählungen finden sich Gedichte, Redewendungen, Dialoge, Sticheleien usw." Diese Traditionen sieht Haji Salleh durch die Auswirkungen der Globalisierung gefährdet. Denn ganz anders als es der Titel seines Gedichtes "Quiet Village" ("Ruhiges Dorf") nahe legt, darf Ruhe nicht mit Idylle verwechselt werden:
"the inhabitants are too poor, too desiccated to care to talk
\...
so they sit leaning against their houses´ stilts
feeling the force of the new grip
\... killing them one by one."
"Zu arm sind die Bewohner, zu ausgetrocknet,
Um sich noch um ein Gespräch zu bemühen.
\...
So sitzen sie an die Stelzen ihrer Häuser gelehnt
Und fühlen die neue Kraft, die sie im Griff hat
\... und einen nach dem anderen tötet."
In seinen Gedichten, die er in modernen Formen abfasst, interpretiert Haji Salleh archetypische Bilder des ländlichen Lebens vor dem Hintergrund großstädtischer Kultur, legt Wurzeln frei und zieht Verbindungslinien zur Tradition.
Eine Großstadt wie Singapur ist ihm in seinem Gedicht "A singapura sequence" vor allem "people, traffic and concrete" ("Menschen, Verkehr und Beton"). Die Menschen nur eine indifferente Masse: "the pavement is crowded by indifferent feet", "Die Bürgersteige sind mit indifferenten Füßen bevölkert", schreibt Salleh.
Nicht nur im Grundsätzlichen, auch praktisch hat der Dichter, Übersetzer und Professor seine Schwierigkeiten mit der Stadt, wie er anlässlich einer Gastprofessur an der Universität Leiden am Beispiel Kuala Lumpurs erläutert. "Hier gibt es alles, besonders wichtig Manuskripte und hervorragende Bibliotheken, und vor allem liegt hier alles gleich um die Ecke. In Malaysia ist das etwas anders. Wenn ich in die Bibliothek gehen will, muss ich durch Verkehrsstaus, die mich zwei Stunden auf dem Hinweg und zwei Stunden auf dem Rückweg kosten. Es nimmt soviel Zeit weg \... Vor allem gibt es hier in Leiden mehr malaiische Manuskripte als in Malaysia, daher bin ich hier genau richtig für meine Studien." (www.iias.nl/iiasn/iiasn2/soueasia/europe.txt)
Für sein literarisches Werk wurde Muhammad Haji Salleh mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Ehrentitel "Nationaler Schriftsteller", dem höchsten Ehrentitel, den Malaysia für Literaten zu vergeben hat.



