Amos Oz

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May 26, 2003
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Amos Oz
Amos Oz © Ekko von Schwichow

Article

Das Land Oz

Der 1939 in Jerusalem geborene Amos Oz gilt als der bekannteste israelische Schriftsteller. Das Hauptthema seiner Romane ist der Konflikt zwischen zionistischem Ideal und dem Leben in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft. Gerade aufgrund seiner unbequemen Fragestellungen gilt Oz unangefochten als moralische Autorität des modernen Israel. Als einer der führenden Köpfe der Peace-Now-Bewegung tritt er für einen Kompromiss der beiderseitigen Anerkennung und Koexistenz zwischen Israel und einem palästinensischen Staat ein.
Amos Oz wurde am 4. Mai 1939 unter dem Namen Amos Klausner als Sohn einer zionistisch orientierten Gelehrtenfamilie in Jerusalem geboren. Seine Familie war ursprünglich 1917 aus dem ukrainischen Odessa in das damals polnische Wilna geflüchtet und 1933 nach Palästina ausgewandert. Im Alter von fünfzehn Jahren – zwei Jahre nach dem Selbstmord seiner Mutter – verließ Amos Klausner Jerusalem, um dem Kibbuz Hulda beizutreten. Dort nahm er den Namen „Oz“ (Hebräisch für Kraft, Stärke) an.

Nach einem Wehrdienst in der israelischen Armee von 1957 bis 1960 entsandte ihn der Kibbuz an die Hebräische Universität von Jerusalem, wo er bis 1963 Literatur und Philosophie studierte. Während seiner Studienzeit erschienen erste Kurzgeschichten in der führenden Literaturzeitschrift Keshet. Später kehrte Oz in den Kibbuz zurück, um sich der Landwirtschaft, dem Schreiben und dem Unterricht an der Kibbuz-Schule zu widmen.

1965 erschien sein erster Kurzgeschichtenband „Artzot Ha-Tan“ („Länder des Schakals“), ein Patchwork von Geschichten, in denen er seine Figuren auf phantastische, surreale oder komische Weise mit der Welt außerhalb des Kollektivs konfrontiert.

Im Jahr darauf veröffentlichte Oz seinen ersten Roman „Makom Aher“ („Keiner bleibt allein“), der ebenfalls in einem Kibbuz am Golan spielt. Der Kibbuz offenbart sich hier einmal mehr als ein mächtiges Symbol der Ideale des Staates Israel und als ein Mikrokosmos seiner Gesellschaft. Er scheint ebenso familiär wie unausweichlich und vereint seine Mitglieder im Bewusstsein der Bedrohungen einer feindlichen Umwelt. Hier zeigte sich bereits Oz’ Hauptthema seiner Romane, der Konflikt zwischen zionistischem Ideal und dem Leben in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft. Und so spiegelt sich in vielen seiner Figuren – die alle, wie Oz selbst, in Israel geboren wurden – auch die ambivalente Haltung seiner Landleute gegenüber der arabischen Bevölkerung wider, die sich in Oz’ Romangefüge nur in der Shakespeareschen Tragödie auflöst, in der Gerechtigkeit siegt, aber alle sterben, oder in der Tschechovschen Variante, in der alle verbittert überleben.

Als Reservesoldat kämpfte Oz während des Sechs-Tage-Krieges in einer Panzereinheit an der Sinai-Front und im Yom Kippur Krieg auf den Golan-Höhen. Seit 1967 hat Amos Oz zahlreiche Artikel und Essays über den Israelisch-Arabischen Konflikt verfasst. Er tritt für einen Kompromiss ein, der beiderseitige Anerkennung und die Koexistenz zwischen Israel und einem palästinensischen Staat in Gaza und auf der West Bank beinhaltet. Als einer ihrer führenden Köpfe engagiert er sich seit 1977 stark in der Peace-Now-Bewegung.

1968 erschien „Michael Sheli“ („Mein Michael“), einer von Oz’ bekanntesten Romanen: die Geschichte einer gescheiterten Ehe, die aufgrund von Schilderungen erotischer Phantasien in Israel sowohl einen Sturm der Entrüstung als auch enthusiastische Bewunderung auslöste und das Buch bis heute zu einem der dort bestverkauften Bücher machten. Es folgten „Ad Mavet“ („Kreuzzug“, 1971), „Laga´at Ba-Mayim Laga´at Ba-Ruah“ („Berühr das Wasser, berühr den Wind“, 1973) und „Har Ha-Etzah Ha-Ra´ah“ („Der Berg des bösen Rates“, 1976), für den Amos Oz den renommierten deutschen Otto-Brenner-Preis erhielt.

In seinen folgenden Romanen setzte sich Oz mit moralischen Fragen eines Landes im Kriegszustand auseinander. In „Menuhah Nechonah“ („Der perfekte Frieden“, 1982), im Jahr der Libanon-Invasion erschienen, erzählt Oz eine Geschichte aus dem Sechs-Tage-Krieg, in der er den Wertewandel von der Gründer- zur Gegenwartsgeneration thematisiert. Die Leitbilder von gestern haben sich überlebt und können den geforderten Realitätsansprüchen nicht mehr genügen.

Explizitere Kritik am Feldzug Begins und Sharons von 1982 artikulierte Oz in seinen Essaybänden „Po Ve-Sham Be-Eretz Israel“ („Im Lande Israel“, 1983) und „Mi-Mordot Lebanon“ („Die Hügel des Libanon“, 1987), in denen er die Erörterung eines zeitgemäßen jüdischen und israelischen Selbstverständnisses an den politischen Verhältnissen misst. Gerade aufgrund dieser unbequemen Fragestellungen gilt Oz unangefochten als moralische Autorität des modernen Israel. Das amerikanische Magazin Newsweek schrieb über ihn: „Oz erscheint eloquent, human und im tiefsten Sinne religiös als eine Art zionistischer Orwell: ein komplexer Mensch besessen von einfacher Anständigkeit und vor allem entschlossen, die Wahrheit zu sagen, ohne Rücksicht, wen er damit trifft.“

Das politische und moralische Debakel der Libanon-Invasion und deren Folgen für die Psyche der israelischen Gesellschaft spiegeln sich in der Resignation und Verhärtung seiner Romanfiguren gegenüber einem zunehmenden Wertewandel, wie etwa in seinem Roman „Kufsah Shorah“ („Black Box“) von 1987. Dabei fühlt sich Oz oft überinterpretiert. Zwar bilden die gesellschaftlichen und historischen Verhältnisse des Staates Israel oft den Rahmen seiner Romane und Erzählungen, im Zentrum stehen aber, anders als in seinen essayistischen Schriften, die persönlichen Konflikte seiner Figuren. Das sei eben Israel, „jene jüdisch-slawische Tradition, die sich strikt weigert, Schriftsteller nur Schriftsteller sein zu lassen und stattdessen darauf beharrt, sie zu Endzeitpropheten für ihr Volk zu machen, die sie durch die Wildnis führen“, sagte er 2001 in einem Interview mit dem britischen Guardian. „Von Virginia Woolf hat niemand erwartet, dass sie über das Münchener Abkommen schreibt, aber jeder glaubt, meine Romane seien Parabeln der neuen Intifada“, so Oz weiter.

1986 verließ er den Kibbuz Hulda und lebt seitdem mit seiner Familie in Arad in der Negev-Wüste, das auch den Schauplatz seines Romans „Al Tagidi Layla“ („Nenn die Nacht nicht Nacht“, 1994) abgibt. Sein Roman „Oto Ha-Yam“ (1999), an dem er über fünf Jahre lang geschrieben hat, ist sein bislang ambitioniertestes Werk, in dem er auch biografische Details wie den Selbstmord seiner Mutter zu verarbeiten sucht.

Neben zahlreichen anderen Ehrungen wurde ihm 1992 der Friedenpreis des Deutschen Buchhandels verliehen. 1997 erhielt von Präsident Chirac das Kreuz der Ehrenlegion. Oz unterrichtet Literatur an der Ben Gurion Universität von Beer-Shewa.
Author: Michael von Assel 

Bio

Amos Oz wurde am 4. Mai 1939 unter dem Namen Amos Klausner als Sohn einer zionistisch orientierten Gelehrtenfamilie in Jerusalem geboren. Im Alter von fünfzehn Jahren, zwei Jahre nach dem Selbstmord seiner Mutter, verließ er Jerusalem, um dem Kibbuz Hulda beizutreten. Dort nahm er den Namen „Oz“ an. Nach seinem Wehrdienst in der israelischen Armee von 1957 bis 1960 studierte er an der Hebräischen Universität von Jerusalem Literatur und Philosophie und schloss 1963 mit einem Bachelor of Arts ab. Erste Kurzgeschichten in der Literaturzeitschrift Keshet. Als Reservesoldat kämpfte er während des Sechs-Tage-Krieges und im Yom Kippur Krieg. 1969/70 “Visiting Fellow” des St. Cross College in Oxford; ab 1977 politisches Engagement in der Peace-Now-Bewegung. Im Jahr 2006 verteidigte Oz in der Los Angeles Times den Krieg gegen die Hisbollah im Libanon und 2008 in der Bild-Zeitung den Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen. Er revidierte seine Einstellung zur israelischen Offensive im Libanon jedoch im Laufe der Operation und rief zwei Wochen nach Beginn des Gaza-Krieges zu einem Waffenstillstand auf: „Hamas ist verantwortlich (…) aber die Zeit ist gekommen, einen Waffenstillstand anzustreben.“ Oz befürwortet dabei die Sperranlage zwischen Israel und dem Westjordanland, die ihm zufolge auf der so genannten „Green Line“ verlaufen sollte. Er ist einer der Initiatoren der Bewegung „Meretz“ (Hatnua Hahadasha), die bei den israelischen Parlamentswahlen 2009 angetreten ist.

Oz verfasste bislang 18 Bücher auf Hebräisch sowie ungefähr 450 Artikel und Essays. Seine Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt worden.

Works

Geschichten aus Tel Ilan. Erzählungen

Published Written,
2009
Suhrkamp: Frankfurt am Main

Verse auf Leben und Tod

Published Written,
2008
Suhrkamp: Frankfurt am Main

Plötzlich tief im Wald. Ein Märchen

Published Written,
2005
Suhrkamp: Frankfurt am Main

Israel und Deutschland. Vierzig Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen

Published Written,
2005
Suhrkamp (Sonderdruck es 6798): Frankfurt am Main

Israel und Deutschland

Published Written,
2005
Essay. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Wie man Fanatiker kuriert

Published Written,
2004
Essays. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Published Written,
2004
Roman. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Help us to Divorce

Published Written,
2004
Essays. Vintage: London

Allein das Meer

Published Written,
2002
Roman. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Enemies : A Love Affair

Published Written,
2002
Erzählungen. Swiridoff: Künzelsau

Ein anderer Ort

Published Written,
2001
Roman. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Israel und Palästina: Ein Zweifamilienhaus

Published Written,
2001
Essays. Suhrkamp: Frankfurt am Main

The Silence of Heaven : Agnon´s Fear of God

Published Written,
2000
Essays. Princeton Univ. Press: Princeton

Oto Ha-Yam

Published Written,
1999

Kol Ha-Tikvot

Published Written,
1998

Das Schweigen des Himmels. Über Samuel J. Agnon

Published Written,
1998
Essay. Jüdischer Verlag: Frankfurt am Main

Panther im Keller

Published Written,
1997
Kinderbuch. Hanser: München

So fangen die Geschichten an

Published Written,
1997
Essays. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Dem Tod entgegen

Published Written,
1997
Erzählungen. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Herr Levi

Published Written,
1996
Erzählungen. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Mathilim Sipur

Published Written,
1996

Under this Blazing Light

Published Written,
1995
Essays. Press Syndicate of the University of Cambridge: Cambridge

Panter Ba-Martef

Published Written,
1995

Die Hügel des Libanon

Published Written,
1995
Essays. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Nenn die Nacht nicht Nacht

Published Written,
1995
Roman. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Israel, Palestine and Peace

Published Written,
1994
Essays. Vintage: London

Sehnsucht.

Published Written,
1994
Erzählungen. Fischer: Frankfurt am Main

Fima

Published Written,
1993
Roman. Chatto & Windus: London

Der Berg des bösen Rates

Published Written,
1993
Erzählung. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Shtikat Ha-Shamayim

Published Written,
1993

Sumchi

Published Written,
1993
Roman. Hanser: München

Bericht zur Lage des Staates Israel

Published Written,
1992
Essays. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Der dritte Zustand

Published Written,
1992
Roman. Insel-Verlag: Frankfurt am Main

Ha-Matzav Ha-Shlishi

Published Written,
1991

Eine Frau erkennen

Published Written,
1991
Roman. Insel-Verlag: Frankfurt am Main

Black Box

Published Written,
1989
Roman. Insel-Verlag: Frankfurt am Main

Lada´at Ishah

Published Written,
1989

Kufsah Shorah

Published Written,
1987

Mi-Mordot Lebanon

Published Written,
1987

Der perfekte Frieden

Published Written,
1987
Roman. Insel-Verlag: Frankfurt am Main

Israeli Literature

Published Written,
1985
Essays. Colo: Colorado Springs

Im Lande Israel

Published Written,
1984
Gespräche. Suhrkamp: Frankfurt am Main

Und morgen die ganze Welt

Published Written,
1983
Essays. Holograph-Edition: Freiburg

Po Ve-Sham Be-Eretz Israel

Published Written,
1983

Israel : die Trümmer einer Illusion

Published Written,
1982
Ohne Angabe. SZD-Verlag: Münster

Menuhah Nechonah

Published Written,
1982

Abenteuer in Jerusalem

Published Written,
1981
Ohne Angabe. Huber: Frauenfeld

Where the Jackals Howl and Other Stories

Published Written,
1981
Kurzgeschichten. Chatto & Windus: London

Ba-Or Ha-Tchelet Ha-Azah

Published Written,
1979

Mein Michael

Published Written,
1979
Roman. Claassen: Düsseldorf

Soumchi

Published Written,
1978

Unto Death

Published Written,
1977
Erzählungen. Fontana: London

Keiner bleibt allein

Published Written,
1976
Roman. Claassen: Düsseldorf

Har Ha-Etzah Ha-Ra´ah

Published Written,
1976

Touch the Water, Touch the Wind

Published Written,
1975
Roman. Chatto & Windus: London

Elsewhere, perhaps

Published Written,
1974
Roman. Secker and Warburg: London

Anashim Aherim

Published Written,
1974

Laga´at Ba-Mayim Laga´at Ba-Ruah

Published Written,
1973

Ad Mavet

Published Written,
1971

Michael Sheli

Published Written,
1968

Makom Aher

Published Written,
1966

Artzot Ha-Tan

Published Written,
1965

Merits

1969/70 Visiting Fellow am St. Cross College in Oxford
1976 Otto-Brenner Preis
1985 Writer in residence am Colorado Springs College USA
1986 Bialik-Preis
1988 Prix Femina Étranger
1990 Writer in Residence an der Hebräischen Universität von Jerusalem
1992 Friedenspreis des deutschen Buchhandels
1997 Kreuz der Ehrenlegion
1998 Israel-Preis für Literatur
1998 Israel-Preis für Literatur
2002 Tübinger Poetik-Dozentur
2003 Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung
2004 Preis des Senders France Culture für ausländische Literatur; WELT-Literaturpreis
2005 Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main
2005 Wingate Literary Prize
2006 Corine-Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten
2007 Prinz-von-Asturien-Preis
2007 Literatur im Nebel Heidenreichstein
2008 Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz
2008 Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf
2008 Dan David Prize
2008 Ehrendoktor der Universität Antwerpen
2010 Siegfried Unseld Preis gemeinsam mit Sari Nusseibeh

Www

Artikel im Guardian

A life in writing: Amos Oz - ´If every last Palestinian refugee was settled in the West Bank and Gaza, it would still be less crowded than Belgium´
(2009)

Artikel des Autors in Israel Opinion

Don’t march into Gaza - Invasion will result in high casualty toll; we must find way to ease Gaza despair (2008)