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Das Land Oz
Nach einem Wehrdienst in der israelischen Armee von 1957 bis 1960 entsandte ihn der Kibbuz an die Hebräische Universität von Jerusalem, wo er bis 1963 Literatur und Philosophie studierte. Während seiner Studienzeit erschienen erste Kurzgeschichten in der führenden Literaturzeitschrift Keshet. Später kehrte Oz in den Kibbuz zurück, um sich der Landwirtschaft, dem Schreiben und dem Unterricht an der Kibbuz-Schule zu widmen.
1965 erschien sein erster Kurzgeschichtenband „Artzot Ha-Tan“ („Länder des Schakals“), ein Patchwork von Geschichten, in denen er seine Figuren auf phantastische, surreale oder komische Weise mit der Welt außerhalb des Kollektivs konfrontiert.
Im Jahr darauf veröffentlichte Oz seinen ersten Roman „Makom Aher“ („Keiner bleibt allein“), der ebenfalls in einem Kibbuz am Golan spielt. Der Kibbuz offenbart sich hier einmal mehr als ein mächtiges Symbol der Ideale des Staates Israel und als ein Mikrokosmos seiner Gesellschaft. Er scheint ebenso familiär wie unausweichlich und vereint seine Mitglieder im Bewusstsein der Bedrohungen einer feindlichen Umwelt. Hier zeigte sich bereits Oz’ Hauptthema seiner Romane, der Konflikt zwischen zionistischem Ideal und dem Leben in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft. Und so spiegelt sich in vielen seiner Figuren – die alle, wie Oz selbst, in Israel geboren wurden – auch die ambivalente Haltung seiner Landleute gegenüber der arabischen Bevölkerung wider, die sich in Oz’ Romangefüge nur in der Shakespeareschen Tragödie auflöst, in der Gerechtigkeit siegt, aber alle sterben, oder in der Tschechovschen Variante, in der alle verbittert überleben.
Als Reservesoldat kämpfte Oz während des Sechs-Tage-Krieges in einer Panzereinheit an der Sinai-Front und im Yom Kippur Krieg auf den Golan-Höhen. Seit 1967 hat Amos Oz zahlreiche Artikel und Essays über den Israelisch-Arabischen Konflikt verfasst. Er tritt für einen Kompromiss ein, der beiderseitige Anerkennung und die Koexistenz zwischen Israel und einem palästinensischen Staat in Gaza und auf der West Bank beinhaltet. Als einer ihrer führenden Köpfe engagiert er sich seit 1977 stark in der Peace-Now-Bewegung.
1968 erschien „Michael Sheli“ („Mein Michael“), einer von Oz’ bekanntesten Romanen: die Geschichte einer gescheiterten Ehe, die aufgrund von Schilderungen erotischer Phantasien in Israel sowohl einen Sturm der Entrüstung als auch enthusiastische Bewunderung auslöste und das Buch bis heute zu einem der dort bestverkauften Bücher machten. Es folgten „Ad Mavet“ („Kreuzzug“, 1971), „Laga´at Ba-Mayim Laga´at Ba-Ruah“ („Berühr das Wasser, berühr den Wind“, 1973) und „Har Ha-Etzah Ha-Ra´ah“ („Der Berg des bösen Rates“, 1976), für den Amos Oz den renommierten deutschen Otto-Brenner-Preis erhielt.
In seinen folgenden Romanen setzte sich Oz mit moralischen Fragen eines Landes im Kriegszustand auseinander. In „Menuhah Nechonah“ („Der perfekte Frieden“, 1982), im Jahr der Libanon-Invasion erschienen, erzählt Oz eine Geschichte aus dem Sechs-Tage-Krieg, in der er den Wertewandel von der Gründer- zur Gegenwartsgeneration thematisiert. Die Leitbilder von gestern haben sich überlebt und können den geforderten Realitätsansprüchen nicht mehr genügen.
Explizitere Kritik am Feldzug Begins und Sharons von 1982 artikulierte Oz in seinen Essaybänden „Po Ve-Sham Be-Eretz Israel“ („Im Lande Israel“, 1983) und „Mi-Mordot Lebanon“ („Die Hügel des Libanon“, 1987), in denen er die Erörterung eines zeitgemäßen jüdischen und israelischen Selbstverständnisses an den politischen Verhältnissen misst. Gerade aufgrund dieser unbequemen Fragestellungen gilt Oz unangefochten als moralische Autorität des modernen Israel. Das amerikanische Magazin Newsweek schrieb über ihn: „Oz erscheint eloquent, human und im tiefsten Sinne religiös als eine Art zionistischer Orwell: ein komplexer Mensch besessen von einfacher Anständigkeit und vor allem entschlossen, die Wahrheit zu sagen, ohne Rücksicht, wen er damit trifft.“
Das politische und moralische Debakel der Libanon-Invasion und deren Folgen für die Psyche der israelischen Gesellschaft spiegeln sich in der Resignation und Verhärtung seiner Romanfiguren gegenüber einem zunehmenden Wertewandel, wie etwa in seinem Roman „Kufsah Shorah“ („Black Box“) von 1987. Dabei fühlt sich Oz oft überinterpretiert. Zwar bilden die gesellschaftlichen und historischen Verhältnisse des Staates Israel oft den Rahmen seiner Romane und Erzählungen, im Zentrum stehen aber, anders als in seinen essayistischen Schriften, die persönlichen Konflikte seiner Figuren. Das sei eben Israel, „jene jüdisch-slawische Tradition, die sich strikt weigert, Schriftsteller nur Schriftsteller sein zu lassen und stattdessen darauf beharrt, sie zu Endzeitpropheten für ihr Volk zu machen, die sie durch die Wildnis führen“, sagte er 2001 in einem Interview mit dem britischen Guardian. „Von Virginia Woolf hat niemand erwartet, dass sie über das Münchener Abkommen schreibt, aber jeder glaubt, meine Romane seien Parabeln der neuen Intifada“, so Oz weiter.
1986 verließ er den Kibbuz Hulda und lebt seitdem mit seiner Familie in Arad in der Negev-Wüste, das auch den Schauplatz seines Romans „Al Tagidi Layla“ („Nenn die Nacht nicht Nacht“, 1994) abgibt. Sein Roman „Oto Ha-Yam“ (1999), an dem er über fünf Jahre lang geschrieben hat, ist sein bislang ambitioniertestes Werk, in dem er auch biografische Details wie den Selbstmord seiner Mutter zu verarbeiten sucht.
Neben zahlreichen anderen Ehrungen wurde ihm 1992 der Friedenpreis des Deutschen Buchhandels verliehen. 1997 erhielt von Präsident Chirac das Kreuz der Ehrenlegion. Oz unterrichtet Literatur an der Ben Gurion Universität von Beer-Shewa.
Bio
Oz verfasste bislang 18 Bücher auf Hebräisch sowie ungefähr 450 Artikel und Essays. Seine Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt worden.
Works
Geschichten aus Tel Ilan. Erzählungen
Verse auf Leben und Tod
Plötzlich tief im Wald. Ein Märchen
Israel und Deutschland. Vierzig Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen
Israel und Deutschland
Wie man Fanatiker kuriert
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
Help us to Divorce
Allein das Meer
Enemies : A Love Affair
Ein anderer Ort
Israel und Palästina: Ein Zweifamilienhaus
The Silence of Heaven : Agnon´s Fear of God
Oto Ha-Yam
Kol Ha-Tikvot
Das Schweigen des Himmels. Über Samuel J. Agnon
Panther im Keller
So fangen die Geschichten an
Dem Tod entgegen
Herr Levi
Mathilim Sipur
Under this Blazing Light
Panter Ba-Martef
Die Hügel des Libanon
Nenn die Nacht nicht Nacht
Israel, Palestine and Peace
Sehnsucht.
Fima
Der Berg des bösen Rates
Shtikat Ha-Shamayim
Sumchi
Bericht zur Lage des Staates Israel
Der dritte Zustand
Ha-Matzav Ha-Shlishi
Eine Frau erkennen
Black Box
Lada´at Ishah
Kufsah Shorah
Mi-Mordot Lebanon
Der perfekte Frieden
Israeli Literature
Im Lande Israel
Und morgen die ganze Welt
Po Ve-Sham Be-Eretz Israel
Israel : die Trümmer einer Illusion
Menuhah Nechonah
Abenteuer in Jerusalem
Where the Jackals Howl and Other Stories
Ba-Or Ha-Tchelet Ha-Azah
Mein Michael
Soumchi
Unto Death
Keiner bleibt allein
Har Ha-Etzah Ha-Ra´ah
Touch the Water, Touch the Wind
Elsewhere, perhaps
Anashim Aherim
Laga´at Ba-Mayim Laga´at Ba-Ruah
Ad Mavet
Michael Sheli
Makom Aher
Artzot Ha-Tan
Merits
1976 Otto-Brenner Preis
1985 Writer in residence am Colorado Springs College USA
1986 Bialik-Preis
1988 Prix Femina Étranger
1990 Writer in Residence an der Hebräischen Universität von Jerusalem
1992 Friedenspreis des deutschen Buchhandels
1997 Kreuz der Ehrenlegion
1998 Israel-Preis für Literatur
1998 Israel-Preis für Literatur
2002 Tübinger Poetik-Dozentur
2003 Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung
2004 Preis des Senders France Culture für ausländische Literatur; WELT-Literaturpreis
2005 Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main
2005 Wingate Literary Prize
2006 Corine-Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten
2007 Prinz-von-Asturien-Preis
2007 Literatur im Nebel Heidenreichstein
2008 Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz
2008 Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf
2008 Dan David Prize
2008 Ehrendoktor der Universität Antwerpen
2010 Siegfried Unseld Preis gemeinsam mit Sari Nusseibeh
Www
Artikel im Guardian
(2009)





