Sergej Bodrow (Senior)

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May 21, 2003
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Universelle Probleme auf Russisch

Der 1948 in Russland geborene Sergej Bodrow (Senior) hat inzwischen mehr als 20 Drehbücher geschrieben und ein Dutzend Filme als Regisseur realisiert. Der Durchbruch gelang ihm 1996 mit der Inszenierung von "Kavkazskij Plennik" ("Gefangen im Kaukasus") nach Tolstoi. Der Film wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Internationalen Kritiker-Preis in Cannes. Bodrows Geschichten spielen fast immer in Russland. Sie sind oft angelehnt an historische Ereignisse, treffen aber immer das Allgemeingültige.
Sergej Bodrows Filme sind sehr einfühlsam, sehr realitätsnah und erfolgreich. Und noch etwas haben sie gemeinsam: Die Hauptpersonen sind alle russischer Abstammung. Bodrows Filme drehen sich zwar um russische, oft auch um politische Ereignisse. Sie könnten jedoch überall in der Welt stattfinden. Dies gilt auch für seinen bekanntesten Film "Kavkazskij plennik" ("Gefangen im Kaukasus"), mit dem ihm 1996 der internationale Durchbruch gelingt. Die Geschichte, die Bodrow seinem Film zu Grunde legt, stützt sich auf die Erzählung "Der Gefangene im Kaukasus" von Leo Tolstoi aus dem Jahr 1863. In dem Film geht es um das Schicksal zweier russischer Soldaten, die im Bürgerkrieg mit Tschetschenien in Gefangenschaft geraten und für einen Gefangenenaustausch vorgesehen sind. Ein Konflikt, der seit Jahren und bis heute in dieser Region schwelt.

Dem Regisseur geht es allerdings nicht um die Analyse der militärischen Lage. "Ich hatte kein Interesse daran, eine politischen Film zu machen", erklärt er. Bodrow charakterisiert seinen Film als "die Geschichte einer verlorenen Unschuld", in der das Augenmerk auf menschlichen Beziehungen in den Zeiten des Krieges und den Gesichtern von Personen liegt und in dem nicht die Handlung im Mittelpunkt steht. "Gefangen im Kaukasus" beeindruckte Zuschauer und Kritiker durch die Darstellung universellen sinnlosen und unzivilisierten Verhaltens im Krieg. Gleichzeitig begeisterte die außergewöhnliche Kamera, die die Geschichte, die Landschaft, wie auch das Leben der moslemischen Einwohner und ihre Kultur mit einem faszinierenden Realismus, großer Geduld und Einfachheit darstellt. Bodrow erhält zahlreiche Auszeichnungen: "Kavkazsky Plennik" wurde als bester ausländischer Film für den "Academy Award" und den "Golden Globe" nominiert und erhielt den "Europäischen Filmpreis" für das Drehbuch, die "Nika Awards" und den Preis "Bester Film" beim San Diego Film Festival. Auch in Saarbrücken gewann "Kavkazsky Plennik" 1997 den "Großen Preis".

Danach finden auch seine frühen Filme schnell ihr Publikum. "Katala" / "The Gambler" (1989) ist eine Verfilmung von Dostojewskis autobiografischer Novelle um einen jungen Mann, der anfängt im Kasino zu spielen, um seine Flucht finanzieren zu können. Im selben Jahr dreht Bodrow "S.E.R ? Svoboda eto rai" ("Freiheit ist eine Paradies"). Es ist die Geschichte des kleinen Sascha, der nach dem frühen Tod seiner Mutter ins Waisenhaus gebracht wird und keinen anderen Wunsch hat, als von dort zu flüchten und seinen Vater zu finden. Der jedoch sitzt meistens im Knast.

"Ya khotela uvidet angelov" / "Ich wollte Engel sehen" ist 1992 im "Internationalen Forum" in Berlin zu sehen. "Aufbruch ins Extreme: Experimente, Imaginationen,
Phantasmen" titelt Norbert Grob seine Rezension. Der Film beschreibt den Weg Bobs, der als unwiderstehlicher Killer startet und als willfähriges Opfer endet. "Bodrows Film ist eine Phantasmagorie über schwarzes Leder, Motoren & Schnee, über subversive Emotion, Kriege & Traum. Keinem bleibt eine Chance, und doch gibt niemand auf." Bob scheitert, das Böse siegt.

Während Bodrow einerseits engagierte Drehbücher schreibt, reizt es ihn auch, sich im US-Filmgeschäft zu probieren: In dem romantisch-dramatischen Film "East- West? (1999), für den Bodrow das Drehbuch schrieb, ist der Ort der Handlung die ehemalige UDSSR zur Zeit des Stalin-Regimes. Im Juni 1946 verspricht der Diktator allen Russen, die in den Westen emigriert sind, eine Amnestie, einen sowjetischen Pass und die Chance, am Aufbau Nachkriegsrusslands mitzuwirken. Der Protagonist, Alexei Golovine, ein russischer Emigrant in Frankreich, lässt sich mit seiner französischen Frau von diesem Versprechen locken. Doch bei ihrer Ankunft in Odessa stellt sich heraus, dass sie getäuscht wurden.

1999 realisiert Bodrow das Drehbuch eines Kollegen und dreht seinen ersten amerikanischen Film "Running Free" ("Luckys großes Abenteuer"), produziert von Jean-Jacques Annaud. 1914 wird auf einem Dampfer während der Fahrt nach Afrika das Fohlen Lucky geboren, das mit anderen Pferden in eine Bergarbeiterstadt transportiert wird. Durch die Unruhen, die der Erste Weltkrieg auch in Afrika auslöst, gerät Lucky in die Wüste, verliebt sich dort, muss einige Abenteuer überstehen, wird Anführer einer Herde und führt diese in die Freiheit. Der Film wird aus der Perspektive der Pferdes erzählt.

Bodrows aktueller Film führt in die Gegenwart der USA. Der russische Multimillionär Oleg, der in Los Angeles lebt, ist der Protagonist in "The Quickie". Olegs russischer Partner verlangt eine Investition zurück, die sich auf 50 Millionen Dollar beläuft. Oleg begreift, dass die Sache brisant werden könnte, aber er ist sich sicher, dass er sie überleben wird.


Veranstaltungen im HKW:
Sonntag, 20. Oktober 1991
Kinderkino
Die Welt von Metin, Lena und Amir
Freiheit ist ein Paradies
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Mittwoch, 18. März 1992
Mittwochskino
Road Movies
Freiheit ist ein Paradies
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt

Mittwoch, 28. Juni 1995
Mittwochskino
Kriminalfilme
Ja Chotela Uwidetj Angelow / Ich wollte Engel sehen
Veranstalter: Haus der Kulturen der Welt
Author: Gabriele Gillner 

Bio

Sergej Bodrow wird am 28. Juni 1948 in Khabarovsk, Russland, geboren. Er studiert zwei Jahre am "Institute of Energetics", bevor er ein Studium an der Moskauer Filmhochschule VGIK beginnt. 1974 macht er seinen Abschluss im Fach Drehbuch und wird Korrespondent für das Magazin "Krokodil". Schon während dieser Zeit schreibt er Drehbücher, ist aber bis zum Beginn der achtziger Jahre wenig erfolgreich. Seinen ersten Versuch als Regisseur unternimmt er 1984 in Zusammenarbeit mit Amanbe Alpiev bei dem Film "Sladky Son Vnutri Travy" / "Sweet Dreams in the Grass". Seinen internationalen Durchbruch hat Bodrow 1996 mit der Tolstoi-Verfilmung "Kavkazskij plennik" / "Gefangen im Kaukasus".
Sergej Bodrow ist auch Herausgeber von Kurzgeschichten und Aufsätzen.

Works

Mongol / Der Mongole

Film / TV,
2007

Drunken Sailor / The Tiger Lillies

Film / TV,
2007

Nomad / Nomad: The Warrior

Film / TV,
2005

Bear´s Kiss / Der Kuss des Bären

Film / TV,
2002

The Quickie

Film / TV,
2001

Running Free/ Luckys großes Abenteuer

Film / TV,
1999

Kaykazskij plennik / Gefangen im Kaukasus / Prisoner of the Mountains

Film / TV,
1996

Belv korol, krasnava koroleva / White King, Red Queen

Film / TV,
1992

Ya khotela uvidet andelov / Ich wollte Engel sehen / I Wanted to See Angels

Film / TV,
1992
I Wanted to see Angels

S.E.R. Svoboda eto rai / Freiheit ist ein Paradies / Freedom is Paradise

Film / TV,
1989

Katala / The Gambler

Film / TV,
1989

Ya tebya nenavizhu / I Hate you

Film / TV,
1986
(TV)

Neoprofessionaly / Non-Professionals

Film / TV,
1985

Sladky Son Vnutri Travy / Sweet Dreams in the Grass

Film / TV,
1984

Golosa voyny

Film / TV,
1974